E-Books leihen: All you can read

Dem Papierbuch erwächst im E-Book immer größere Konkurrenz - jetzt auch zum Ausleihen (Foto: Andreas Winterer)
Kaum hat sich das E-Book ein wenig etabliert, schon ändert sich der Markt: E-Books sollen nicht mehr gekauft, sondern gegen moderate Gebühren oder gleich per Flatrate ausgeliehen werden. Hyperland stellt die verschiedenen Modelle vor.
Wer sich über die hohen Buchpreise beklagt, ist einfach nur zu ungeduldig. Schon nach wenigen Wochen verkaufen die ersten Leser ihre Holzbücher auf Plattformen wie Booklooker oder Amazon gebraucht weiter, und auch die zum Teil hohen E-Book-Preise müssen nicht sein. Schließlich drängen derzeit verschiedene digitale Leihbüchereien auf den Markt mit zum Teil interessanten Preismodellen.
Onleihe: Online leihen bei der Stadtbibliothek
Onleihe.net zeigt nach Städten aufgeschlüsselt die öffentlichen Bibliotheken mit “Onleihe”: Mitglieder laden per App (für Android und iOS) Bücher online herunter und können sie innerhalb des Leihzeitraums lesen. Rückgabe entfällt, das Nutzungsrecht erlischt einfach. Notorische Trödler ersparen sich damit sogar die Mahngebühren.
Für den Leser fallen über die Bibliotheks-Jahresgebühren hinaus keine Kosten an. Die Leihbibliothek hat jedoch nur ein limitiertes Kontingent von Lizenzen. Sind diese entliehen, steht ein Buch anderen Nutzern nicht zur Verfügung – ganz wie bei Papierbüchern.
Leihen mit Libreka
Die MVB, eine Tochter des Börsenverein des Deutschen Buchhandels, bietet neuerdings ebenfalls ein Mietmodell für E-Books an. Allerdings haut das Angebot von libreka! wohl niemanden aus dem Lesesessel: Ganze 760 Titel kann man derzeit entleihen. Kindle und iPad gehen nicht, denn wegen DRM muss es Adobe Digital Editions sein. Die Leihpreise sind obendrein so hoch (zum Beispiel 5,49 Euro), dass man das E-Book auch gleich kaufen kann (zum Beispiel für 6,99 Euro).
Skoobe: die Belleristik-Flatrate
Das geht auch deutlich anders, etwa auf skoobe.de mit der Buch-Flatrate für 9,90 Euro im Monat. Dafür kann man 11.000 aktuelle Titel von mehr als 70 Verlagen leihen und lesen. Und das spielend einfach auf iPad und iPhone, zur Buchmesse startet auch die Android-Version der Software.
Für Geschäftsführer Christian Damke ist Skoobe ein Angebot, dass allen nützt und niemandem schadet: “Wir erreichen auch Leser, die keine Buchhandlung besuchen würden. Das Bibliotheksmodell ist zudem attraktiv für Kunden, die sonst keine Bücher für ihre mobilen Geräte gekauft hätten.” Anders als bei der Onleihe stehen beliebig viele Lizenzen zur Verfügung, das heißt: Jeder kann leihen, was er will. Bis zu fünf Titel können zeitgleich ausgeliehen und bis zu 30 Tage auch offline oder im Ausland gelesen werden.
Damke sieht in der Flatrate auch ein Argument gegen Raubkopien: “Die mobile, geräteübergreifende Bibliothek verhindert Casual Piracy gerade bei jüngeren Zielgruppen.” Allerdings ist die Flatrate zeitlich begrenzt: Ab März 2013 kann man nur noch zwei neue Bücher pro Monat leihen, immerhin aber weiterhin fünf im virtuellen Regal behalten.
PaperC: Sachbücher scheibchenweise
Bei PaperC.de kann man alle Bücher kostenlos lesen. Es gibt jedoch nur Sachbücher und die Lesezeit ist auf eine ununterbrochene Stunde pro E-Book begrenzt. Wer länger lesen, ausdrucken, kommentieren oder Text kopieren möchte, der muss bezahlen. So richtig rund ist das nicht: “Das Modell von PaperC.de ist nicht aufgegangen – es war schlichtweg zu früh am Markt, für Verlage wie für Endkunden”, glaubt auch Katja Splichal von PaperC.
Dennoch glaubt sie weiterhin an neue Formen, E-Books zu konsumieren. Beim Fachbuch gehe es eher selten darum, es ganz zu besitzen – meist brauche der Leser nur einige geprüfte Informationen daraus. “Deswegen ist eine Flatrate dort sinnvoll.”
Entsprechend startet in Kürze PaperC.com, wo das Sachbuch-Modell anders aussehen soll: Anmelden, pauschale Nutzungsgebühr zahlen, lesen. Die Frage ist auch hier, ob die Verlage mitspielen. “Flatrate tut weh, da gehen nämlich möglicherweise Buchverkäufe flöten”, so Splichal. “Doch möglicherweise holt man sich all die Leser wieder zurück, die sich andernfalls auf russischen Freebook-Seiten den gesamten Verlagsinhalt umsonst besorgen.”
Update: Zur Buchmesse gab Amazon-Chef Jeff Bezos in einem Interview bekannt, dass man die in den USA bereits verfügbare “Kindle Owners Lending Library” auch in Deutschland anbieten werde. Jeder Prime-Kunde (29 Euro/Jahr) kann jeden Monat ein E-Book kostenlos ausleihen. Ein Buch kann solange behalten werden, wie der Kunde es möchte. Es sollen 8.500 deutsche und 200.000 internationale Bücher verfügbar sein.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
7 Kommentare | 11. Oktober 2012 | 10:00 Uhr |
|
„Mitglieder laden per App (für Android und iOS) Bücher online herunter“
„ein limitiertes Kontingent von Lizenzen. Sind diese entliehen, steht ein Buch anderen Nutzern nicht zur Verfügung – ganz wie bei Papierbüchern.“
Da muss ich mich doch gleich zweifach fragen, warum hier nur wieder eine Elite bevorteilt wird und wozu diese künstliche Verkanppung dienen soll.
Die “Elite” zahlt meist ca. 20 Euro im Jahr, Wenigverdiener meist die Hälfte.
Nachtrag zum Beitrag: Überraschend hat Amazon sein US-Leihmodell nun doch auch für Deutschland angekündigt. Wer am Programm „Amazon Prime“ teilnimmt (29 Euro pro Jahr; bisher nur eine Versandkostenpauschale), kann ab Ende Oktober ohne weitere Mehrkosten monatlich ein Buch leihen. Eine Rückgabefrist gibt es nicht, Voraussetzung für den Zugang ist natürlich ein Kindle-eReader. Die Leihbücherei startet mit 8.500 deutschen Titeln.
Die Amazon Leihbücherei ist also eher eine eBook-Flatrate wie Skoobe, allerdings günstiger, und ein geeigneter Köder, um auch Gelegenheitsleser dazu zu bringen, den Kindle mal auszuprobieren.
Leihen ist ok, kaufen auch. Hier geht es um Konzepte nicht um Modelle (die sind 3-d).
Laut dem Artikel http://www.ebook-reader-vergleich.de/news/aktuelles/default.aspx?newsid=49 ist das Ausleihen aber nur für Kindle Nutzer möglich das bringt mir mit meinem Sony garnichts. Finde solch eine Kundenbindung nicht gerade seriös.
Diese E-Bibliotheken verlassen sich auf DRM, was natürlich ein wenig naiv ist, weil wer will DRM leicht knacken kann. Nicht wenige Bücher auf Piratenseite waren im vorigen Leben mal E-Leihbücher.
Im Prinzip finde ich das Leihmodell super – für Fachbücher, die ich nur einmalig als Nachschlagwerk benötige, eine tolle Sache.
Anders ist es bei der Unterhaltungsliteratur: so günstig, daß ich auf ein “richtiges”, gedrucktes Buch verzichten möchte, kann ein eBook-Angebot gar nicht werden.