Das Netz diskutiert hitzig über Mohammed-Beleidigung

Der Film "Die Unschuld der Muslime" sorgte auch im Netz für hohe Wellen. (Quelle: YouTube; Screenshot)

Der Film "Die Unschuld der Muslime" sorgte auch im Netz für hohe Wellen. (Quelle: YouTube; Screenshot)

Im September war Fußball das Top-Thema, diesmal ist es Religion: “Die Unschuld der Muslime” löste heftige Diskussionen aus. Ebenfalls populär: Clean IT, Miro Klose, Bordeaux statt Porto. Und Justin Bieber.

Es war im September eins der Top-Themen der Nachrichtenmedien – und es hat auch die Menschen bewegt: der Film “Die Unschuld der Muslime”, der in Ausschnitten auf YouTube zu finden ist.

Während in den Nachrichten Berichte über den Film und die weltweiten Proteste überwogen, beschäftigten die Leute im Netz vor allem Meinungsstücke.

Der bei Facebook und Twitter populärste Text zum Thema stellte gleich komplett in Frage, ob religiösen Gefühlen überhaupt ein besonderer Respekt zusteht. “Wie etwa könnten wir aus einer aufklärerischen Perspektive heraus Glaubensüberzeugungen respektieren, die noch immer – im 21. Jahrhundert! – gegen Schwule und Ehebrecherinnen agitieren?”, fragt Michael Schmidt-Salomon darin bei Zeit Online. Der Artikel erhielt eine dreistellige Zahl von Kommentaren, gut 10.000 Likes und fast 6.000 Kommentare bei Facebook und mehr als 600 Empfehlungen bei Twitter.

Bettina Wulff interessiert nur als Satire

Ein weiteres Thema, über das intensiv berichtet wurde, hat die Menschen hingegen offenbar nur sehr wenig interessiert: Das Buch von Bettina Wulff. Nur zwei Beiträge zum Buch haben es unter die 100 in den sozialen Netzwerken meistdiskutierten und -empfohlenen Artikel des Monats geschafft – und das waren zwei Satiren von Titanic und dem Blog Der Postillon.

Sicherheitsfragen und Fair Play

Spannender fanden die Nutzer die Berichte über eine Sicherheitslücke bei Facebook (die sich als Missverständnis entpuppte), über die tatsächlichen Sicherheitsprobleme von Whats App und über das von der EU finanzierte Projekt “Clean IT”, das die Kommunikation im Netz großflächig überwachen soll.

Immerhin drei Beiträge in der Top 100 haben Miroslav Kloses zugegebenes Handspiel in der italienischen Liga sowie die RTL-II-Trash-Doku-Soap-Familie Wollny zum Thema, über deren Eheprobleme Bild.de berichtet.

Alle Themen mit mindestens zwei Top-100-Platzierungen im Überblick

1. Die Diskussion um “Die Unschuld der Muslime” (8 Top-100-Beiträge)

2. Die angebliche Sicherheitslücke bei Facebook (4)
2. Die tatsächlichen Sicherheitslücken bei Whats App (4)

4. Das EU-Überwachungsprojekt Clean IT (3)
4. Miro Kloses zugegebenes Handspiel (3)
4. Der Ehekrach der Wollnys (3)

7. BettinaWulffs Buch (2)
7. Die Verwechslung eines Reisebüros von Bordeaux mit Porto (2)
7. Heinz Buschkowskys Buch (2)
7. Die Neubesetzung der “DSDS”- Jury mit den Kaulitz-Brüdern von Tokio Hotel (2)
7. Sicherheitslücken beim Internet Explorer (2)
7. Das neue iPhone 5 (2)
7. Julia Schramms Buch (2)
7. Mitt Romneys Wunsch, Flugzeugfenster öffnen zu können (2)
7. Der Mord in einem Jobcenter in Neuss (2)

Bordeaux statt Porto

Der bei Facebook, Twitter und Google+ populärste Artikel hatte nichts mit dem Propheten Mohammed, Whats App oder Clean IT zu tun – er drehte sich um ein kurioses Missverständnis zwischen einem Reisebüro und einer Kundin aus Sachsen. Die wollte nach Porto, das Unternehmen buchte Bordeaux, weil es den sächsischen Akzent nicht verstand – die Kundin musste zahlen. Ganze 13 Sätze schrieb Spiegel Online dazu und fuhr reiche Ernte ein: 24.000 Likes, 8.800 Shares und 10.300 Kommentare bei Facebook, 1.100 URL-Tweets und 300 geklickte +1-Buttons.

Mit der Gesamtzahl von 44.662 Reaktionen bei Facebook, Twitter und Google+ führt das Porto-Bordeaux-Missverständnis die Artikel-Charts im September souverän an. Dahinter folgen ein Bericht über einen Facebook-Hoax im Blog Mimikama, sowie der erwähnte Artikel von Michael Schmidt-Salomon.

Ebenfalls in der Top Ten vertreten ist die Satire “Erschöpfte Islamisten bitten darum, Propheten nicht so oft hintereinander zu schmähen” aus dem Postillon-Blog, sowie ein Video von Focus Online über ein Konzert von Justin Bieber, das allein bei Twitter auf sagenhafte 17.000 Links kam. Das hat in den Hyperland-Charts noch kein deutschsprachiger Beitrag auch nur annähernd geschafft. Respekt.

Die Top Ten der Beiträge im Überblick:

1. Spiegel Online / Reisebüro-Panne: Sächsische Kundin bucht Bordeaux statt Porto (44.662 Likes, Tweets, etc.)

2. Mimikama / Hoax: 2Fahre mit der Maus über meinen Namen …” (39.566)

3. Zeit Online / Religionen: Respekt? Wovor denn? (22.581)

4. Der Postillon / Erschöpfte Islamisten bitten darum, Propheten nicht so oft hintereinander zu schmähen (18.820)

5. Focus Online / Gratiskonzert für 500 Fans: Bieber-Fieber in Frankfurt am Main (17.092)

6. Bild.de / Neue Bild-Serie: Die bittere Wahrheit über MultiKulti (13.518)

7. Spiegel Online / Verlag von Piratinnen-Buch geht gegen illegalen Download vor (12.471)

8. Spiegel Online / Süchtige Studenten: Besoffen zum Bachelor (11.583)

9. Spiegel Online / S.P.O.N.: Eine Mauer für Bayern (9.915)

10. fluter / Ein Mann, den es eigentlich nicht gibt – Gespräch mit einem schwulen Fußballbundesligaspieler (9.567)

Satiren dominieren Blog-Einträge

Auf ein eigenes Ranking für Blog-Einträge verzichten wir diesmal – die Top Ten würde ausschließlich aus Facebook-Artikeln von Mimikama und Satiren von Der Postillon bestehen. Die beiden Top-Blogeinträge finden Sie in der obigen Gesamt-Top-Ten.

Abseits davon sorgte Udo Vetters Law Blog für die besten Zahlen: Sein Text “Clean IT stellt ACTA in den Schatten” kam auf immerhin 3.277 Reaktionen in den sozialen Netzwerken.


Zur Methodik: Für die exklusiv von uns ermittelten Hyperland-Charts filtern wir alle publizistischen Beiträge aus dem deutschsprachigen Teil des Internets, die eine gewisse Resonanz erzielen. Mit Hilfe verschiedenster Recherchewege werden zehntausende Artikel identifiziert, die oft bei Twitter, Facebook und Google+  genannt wurden. Mit Hilfe der offiziellen API-Schnittstellen von Facebook, Twitter und Google werden anschließend die Gesamtverlinkungen in Tweets, Facebook-Likes, etc. für all diese Beiträge ermittelt und ein Ranking erstellt. Das dient als Grundlage für unsere Analysen und Tabellen, die wir an dieser Stelle veröffentlichen.


(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

 

3 Kommentare | 08. Oktober 2012 | 08:35 Uhr | Twittern | Facebook

3 Kommentare

  1. hi Herr Schröder,

    Also ich muss sagen: es war gut und richtig, über diesen Film zu diskutieren und darüber, ob er wirklich Auslöser von Mord und Totschlag und von der Ermordung dieses us-Botschafters war.

    Denn denken wir doch mal nach:

    Dieser ganze Zorn in der muslimischen Welt kam doch erst durch diesen Film. Der Zorn kochte hoch, da Google nicht bereit war und ist, diesen Film zu löschen, da er angeblich nicht gegen die AGB von youtube verstoße.

    Dann sollten wir auch mal darüber nachdenken, wie wir als Christen reagiert hätten, wenn jemand so einen abfälligen Film zum Beispiel über Jesus und Gott gemacht hätte und ins Internet gestellt hätte. Hätten wir dann nicht auch mit Wut und Zorn reagiert? Gut OK, wir hätten zwar nicht zur Gewalt gegriffen sondern eher über ide juristische Ebene Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt um sowas aus dem Internet wieder rauszukriegen. Und wir hätten uns vielleicht den einen oder anderen Gerichts-Showdown geleistet. Aber wie gesagt: auch wir wären stinksauer gewesen!

    Dann ist die Frage: darf so ein FIlm eine Rechtfertigung für Mord und Totschlag sein?

    Meine Antwort ganz klar: NEIN. So ein Film rechtfertigt keine Gewalt. Und einen Mord schon gar nicht. Und er rechtfertigt auch nicht das Anzünden von ausländischen Botschaften und mutwilliger Gefährdung von deren Personal!

    Aber: dieser Film zeigt auch auf, wie rücksichtslos einerseits die USA (weil sie den Filmautor beherrbergen) und auch die Weltöffentlichkeit mit der muslimischen Religion umgeht.

    Diese Wut zeigt auf, dass die Weltöffentlichkeit einen mangelnden Respekt vor der muslimischen Religion zeigt, vor deren Sittlichkeiten und vor deren Gebräuchen! Und so geht man mit Religion, Glaube und religiösen Sittlichkeiten einfach nicht um!! Vor sowas sollte man schon den notwendigen und erforderlichen Respekt haben und Rücksicht nehmen! Das gilt auch und gerade für Deutschland!

    Denn auch hier in Deutschland werden Muslime noch immer schräg angeguckt wegen ihrem anderen Glauben, wegen gewissen Vorfällen die bereits passiert sind (damit beziehe ich mich auf diese “Ehrenmorde”, über die man immer wieder in den Zeitungen liest und die mit umseren Sitten so gar nicht zusammengehen).

    Dann wird hier bei uns viel zu sehr ignoriert, dass der Islam inzwischen von vielen Fundamentalisten und Extremisten für deren Zwecke missbraucht wird und wir gehen dagegen viel zu wenig vor.

    Ergo: wir alle sollten uns viel intensiver mit dem Islam, den muslimischen Sittlichkeiten und mit den religiösen Sitten der Muslimen beschäftigen. Wir sollten die Muslimen viel mehr bei uns integrieren, anstatt diese Gettobildung immer weiter voranzutreiben!

    Aber auch die Muslimen müssen einsehen, dass wir solche “Ehrenmorde” nun mal bei uns nicht ohne Grund unter Strafe stellen. Denn bei uns haben alle Menschen – ganz gleich welcher Nationalität sie angehören, ganz gleich welche Sprache sie auch immer sprechen, ganz gleich welcher Religion sie angehören und auch ganz gleich woher sie auch immer kommen – die gleichen fundamentalen Menschenrechte! Und zu diesen Menschenrechten gehört auch das in den Artikeln 1 bis 10 Grundgesetz verbriefte Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und das Recht, dass jeder Muslime und jede Muslimin Freundschaften mit jedem frei pflegen darf, ohne dass sie Repressalien ausgesetzt sein dürfen.

    Und daher müssen wir uns Deutsche ganz deutlich von diesem schlecht und polemisch gemachten Pamflet (dass dieser Film in der Tat darstellt) distanzieren und alles dafür tun, dass dieser Film endlich aus dem Internet verschwindet.

    Denn ich sehe es so, dass dieser Film wegen seiner religionsverhetzenden Form durchaus gegen die AGB von youtube verstößt, auch wenn Google dass nicht einsehen will. Und bei uns gibt es sogar einen Straftatbestand für sowas!! Denn nochmal: dieser Film ist respektlos gegenüber den Muslimen, gegenüber ihrer Religion und ihren religiösen Sittlichkeiten!! Sowas kann un darf man sich einfach nicht erlauben!! Das Teil geht eindeutig zu weit und dass hat mit Kunst und mit Satire oder Parodie null und nichts mehr zu tun!!

    Und ein weiterer Grund, warum dieses Video gelöscht werden muss ist, dass es inzwischen technische Mittel und Wege gibt, um solche gesetzten Sperren zu umgehen. Das können Proxies sein oder auch Browser-Addons wie etwa ProxTube!!

    Von daher: raus mit diesem Video aus dem Internet. Was wir statt dessen brauchen, ist eine zielführende Diskussion darüber, wie wir die Muslimen besser bei uns integrieren können und wie wir sie davon überzeugen können, unser Grundgesetz zu achten und von solchen “Ehrenmorden” abstand zu nehmen.

    Linuxhelfer | 8. Oktober 2012 | 11:32
  2. Dann noch eine Anmerkung zu meinem Kommentar:

    was wir tun sollten ist, dass wir diesen Fundamentalisten und Extremisten unter den Muslimen deutlich den Kampf ansagen und es nicht zulassen sollten, dass diese Den Islam für sich und ihre niederen Beweggründe missbrauchen.

    Denn was diese Fundamentalisten und Extremisten machen ist, dass die hier Dinge in den Koran reintexten, die so in der Ursprungsform gar nicht enthalten sind und sie streichen Dinge aus dem Koran raus, die ihnen und ihren niederen Beweggründen im Weg stehen. Kurz: sie verfälschen den Koran für ihre miesen Zwecke.

    Und dem sagen wir hier in Deutschland viel zu wenig den Kampf an. Aber: dieser Kampf darf nicht in einen Krieg ausarten, wie wir ihn derzeit überall im Ausland führen. Nein, der Kampf gegen diese Extremisten und Fundamentalisten ist und bleibt die Aufgabe von Polizei und Justiz (also Gerichtsbarkeit!).

    Das bedeutet: wir als Deutsche müssen viel mehr hinschauen, wenn Hassprediger versuchen, die Muslimen mit ihrer umgeformten Version des Koran die Muslimen zu manipulieren und aufzuhetzen. Solche Vorfälle sollten wir viel stärker an die Polizei und an die Gerichte melden, um diese Umtriebe so zu stoppen.

    Und wir brauchen dieses Anti-Terror-Register, in dem alle diese Leute erfasst werden, die hier andere aufhetzen, zu Straftaten und Terror anstiften und hier Unfrieden sähen. Solche Leute müssen viel stärker an der Einreise gehindert werden oder – falls die bereits hier bei uns im Land sind – viel stärker ausgewiesen und mit einer Einreisesperre belegt werden.

    Aber nochmal: wir müssen den Muslimen helfen, anstatt sie schräg anzuschauen und zu meiden. Das hilft nicht weiter!

    Und was erst recht nicht weiter hilft, ist ein militärischer Krieg gegen diese Extremisten. Das säht nur noch mehr Unfrieden in der Welt.

    Dann ist im Hinblick auf diesen Syrien-Konflikt zu sagen, dass auch diese syrischen Flüchtlinge Muslime sind, die unseren schutz brauchen. Sie leben in diesen Flüchtlingslagern in ständiger Angst, dass sie irgendwann durch ein Ausufern dieses Konfliktes ebenfalls in diesen Lagern nicht mehr sicher sind und wissen nicht, wo sie hin sollen.

    Deswegen dürfen wir auch hier nicht wegschauen, sondern wir müssen hinschauen und diese Flüchtlinge in die Europäische Union holen, wo sie wirklich sicher sind! Diese Menschen brauchen unsere Hilfe. Daher sollten wir die Türkei mit dieser Flüchtlingsproblematik nicht mehr alleine lassen!!

    Wie gesagt: wegschauen gilt nicht mehr!!!

    Linuxhelfer | 8. Oktober 2012 | 11:46
  3. Zum einen glaube ich auch, dass man Islamismus und Islam ganz klar unterscheiden muss. Nicht jeder Moslem ist ein Wahnsinniger, der sich das 8. Jh. zurücksehnt. Zum Thema Islam war in der aktuellen Zeit übrigens ein sehr interessantes Interview.

    Zum Rest: es ist immer wieder interessant, was die Menschen so interessiert. Wer sind die Wollnys? Und wer Bettina Wulff ;)

    Naja die Frau aus Sachsen tut mir ein wenig leid – nein eigentlich alle Sachsen, auf das man wieder mehr auf seinen Dialekt (nicht Akzent) reduziert wird. Witzig ist die Geschichte trotzdem!

    Ariette | 10. Oktober 2012 | 15:00