Angriff aus dem Osten: Yandex kratzt an Googles Monopolstellung

Von Russland aus startet Yandex einen Großangriff auf Google - in Kooperation mit Apple. (Quelle: Screenshot)
Im Westen ist Google mit bis zu 98 Prozent Marktanteilen unter den Suchmaschinen konkurrenzlos. Doch von Moskau bis Beijing sieht es anders aus. Gerade auf dem ostslawischen Markt versucht die russische Suchmaschine Yandex dem Giganten Google mit allen Mitteln das Leben schwer zu machen. Der neuste Deal ist eine Kooperation mit Apple.
Mit der Gründung kam Arkadi Wolosch knapp zu spät: wenige Wochen nach Googles Start im Jahr 1997 gründete er in Moskau die Suchmaschine Yandex. Technisch gesehen aber hatte Yandex meist die Nase vorn, sei es auf dem Gebiet der Open-Street-Maps oder im Bereich der automatisch generierten Nachrichten.
Doch obwohl “Yet Another Index” – so die Ableitung des Namens – bereits seit 2008 ein schlichtes englischsprachiges Interface besitzt, ist Yandex in der westlichen Welt weitgehend unbekannt. Das soll sich in naher Zukunft ändern.
Yandex kritisiert, dass die Google-Suchergebnisse nur von den Interessen der Werbepartner abhängen. Das klingt wie Marketing, ist aber mehr. Denn objektiv gesehen, so der Informatiker Wolfgang Sander-Beuermann, seien die Yandex-Ergebnisse tatsächlich unabhängiger. Konsequenterweise integrierte er die “russischen Algorithmen” in die an der Uni Hannover entwickelten Suchmaschine MetaGer.
Der Machtkampf spitzt sich zu
In Russland hat sich der Machtkampf zwischen Google und Yandex zugespitzt. Vor einem Jahr hielt Yandex noch 65 Prozent der Marktanteile, dann waren es nur noch 59,4 Prozent, jetzt sind es wieder 60 Prozent: Yandex wird also im eigenen Land massiv von Google bedrängt. Will man den Kampf nicht verlieren, muss man in die Offensive gehen.
Das gehe nachhaltig aber nur durch hochwertige Serviceleistungen und mit einer Eroberung des Marktes jenseits der Grenzen der GUS-Staaten, so Analystin Anna Lepetukhina von Troika Dialog. Und genau daran arbeitet der russische Konzern.
Im Oktober stockte Yandex finanziell auf und präsentierte einen eigenen Browser für Windows und Mac OS X, der mit “lakonischem Design”, “hoher Sicherheit” und “Schnelligkeit” wirbt. Entscheidender ist, dass Anwender direkt auf die Yandex-Suchmaschine und nicht etwa auf Google umgeleitet werden.
Zudem brachte Yandex den für das Android-System des Konkurrenten Google konzipierten Appstore Yandex.Store heraus. Und der im April entwickelte Cloud-Speicherdienst Yandex.Disk ist die Grundlage für eine erfolgreiche Kooperation mit Samsung.
Yandex und Apple
Jetzt hat Yandex den wohl idealen internationalen Kooperationspartner gefunden. Da sich Apple bei der Entwicklung von iOS 6 nicht mehr aus Googles Datenpool bedienen wollte oder konnte, wurde Yandex zum Datenlieferanten für die Open-Street-Map.
Hinsichtlich der Open-Street-Maps gab es bei iOS 6 bekanntermaßen viele Pannen. Innerhalb Russlands liefert Yandex die Daten für Apple, außerhalb Russlands greift Apple unter anderem auf Daten von Tomtom zurück. Zu den technischen Schwierigkeiten sagte Arkadi Wolosch, dass “die Daten von Geo-Daten-Anbieter Navteq die Funktionen von iOS sehr verbessern könnten.” Yandex hatte 2012 die Kartenlizenzen von Navteq gekauft.
Für Apple und Yandex wird die Kooperation zu einer Win-Win-Situation: Yandex liefert Apple Daten, Apple ermöglicht Yandex eine kostenlose PR und zusammen gehen sie eine Kooperation gegen den Monopolisten Google ein. Spötter vermuten, dass die Konzerne sich deshalb so gut verstehen, weil das russische “Ya” im Englischen “I” bedeute.
Nach Angaben der russischen Zeitung Vedomosti will Apple die Kooperation noch weiter ausbauen – in Zukunft soll Apples Browser Safari statt mit Google angeblich standardmäßig mit Yandex suchen und so die letzte Google-Bastion von iPhone & Co verbannen.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
4 Kommentare | 18. Oktober 2012 | 00:00 Uhr |
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sehr interessant. Gibt es für ältere Nutzer einen greifbaren Nutzen?
Der Browser von Yandex ist sehr schnell und hat eigentlich alles drin, was man zum Surfen benötigt.
Die Suchergebnisse sind allerdings noch voll auf Russland ausgerichtet.
Wäre sehr begrüßenswert, wenn hier ein echter Konkurrent zu Google entstehen würde.
Ich habe in den vergangenen 5 Jahren 3 Rechner mit Windows 7 und einen mit Vista bestückt. Auf wirklich jedem musste ich folgendes feststellen: Bei längerer Abwesenheit ging nach dem Einschalten regelmäßig der Rechner in die Knie, während der Virenscanner das Systemlaufwerk untersuchte.
Was hat das mit Google zu tun?
Der Virenscanner allein hätte keinen Schaden angerichtet, wenn nicht parallel dazu pünktlich mit der Anmeldung ein weiterer Indexer seinen Dienst aufgenommen und seinerseits dasselbe Systemlaufwerk durchforstete. Beim Durchsuchen der Scheduled Tasks stieß ich nun regelmäßig auf GoogleUpdate. Sie werden es ebenfalls. Interessanterweise hängt sich ein gleichnamiges Programm derzeit auch unter Windows als Plugin in den FireFox.
Von Smartphones etc ist man die Vorinstallation von Google, Facebook etc ja eh gewohnt. Das ist ein Quasi-Standard.
Womit ich sagen will: Ob Sie oder ich Google “aktiv” nutzen, ist mittlerweile völlig irrelevant. Es reicht für die “dunkle Macht” hinter den US-Kraken völlig aus, auf sämtlichen weltweit verbreiteten PC und Mobilfunksystemen ihr “Portfolio” _vorinstalliert_ zu sehen und es dort ihre fragwürdigen “Update”-Dienste vollziehen zu lassen.
Von den juvenilen Daddelzicken über die typisch Deutschen Kampfschranzen, die mit ihren knallenden Absätzen durch die Fußgängerzone poltern wie ein Erschießungskommando, bis hin zu den sich auf der “großen weiten Reise” befindlichen Senioren wird sich wohl kaum jemand die Mühe machen, Privatsphäre und Rechnerperformance zu retten, indem man sich einmal die Systemsteuerung von MS-Windows etc. vornimmt. Je mehr das herumlärmt desto weniger versteht es davon.
Und wenn man auf nichts bauen kann in dieser debilen postmodernen MP3-Fummel&Daddel-Kultur, dann darauf: Dass der Kunde systematisch geschwächt und getäuscht wird, um seinen Vorteil zu suchen und auch zu finden. Letztlich ist der Rechner oder das Smartphone nicht das Produkt der Hersteller. WIR sind es.
Wie man sieht.
Der Blogartikel ist wirklich sehr informativ geschrieben und es wäre begrüßenswert, wenn es noch mehr alternative Suchmaschinen zu Google geben würde, auch wenn es schon heute viele davon gibt:
http://duckduckgo.com/
http://www.growyn.com/
https://ixquick.com/
http://de.yhs4.search.yahoo.com/web/partner?&hspart=ddc&hsimp=yhs-linuxmint&type=__alt__ddc_linuxmint_com
Von daher ist die Frage: was ist an yandex so viel besser?? Gibt es da einen besseren Datenschutz oder wie?? Oder welche anderen Vorteile hat diese Yandex-Suchmaschine?
Dann eine Frage zum Yandex-Browser: gibt es da bald auch eine installierbare Version für weitere Linux-Systeme als nur für Apple?? Wird es dann auch eine Version für Ubuntu-Linux und seine Derivate geben??
Grüße
Linuxhelfer
Das wäre mal interessant zu wissen.