Online-Aktivismus in Bosnien: Politische Verantwortung statt Korruption
Bosnien leidet unter Vetternwirtschaft. Online-Aktivisten wollen nun korrupte Politiker zur Verantwortung ziehen und für die Bevölkerung Transparenz schaffen – mit der Hilfe einer zivilen Bewegung im Internet.
Wenn es so etwas wie einen Kopf der Bewegung gibt, dann ist das Darko Brkan. Er hat mit seinen Organisationen Dosta! (Genug!) und Zasto ne? (Warum nicht?) in den letzten Jahren erheblich dazu beigetragen, dass Bosnier aus ihrer Lethargie erwachen und für politische Gerechtigkeit auf die Straße gehen. Aufgrund der Dreiteilung des Landes in einen kroatischen und bosniakischen Teil (Föderation) und die relativ autonome serbische Republik, werden Wahlen weniger von Parteipräferenzen sondern mehr von ethnischer Zugehörigkeit bestimmt. Das Ergebnis ist ein System mit etwa 200 Ministern und einer schier endlosen Zahl Staatsbediensteter. Korruption ist weit verbreitet und Vetternwirtschaft an der Tagesordnung.
Das Internet als neues politisches Medium
Das Internet für politische Aktivitäten zu nutzen, ist dabei eine relativ junge Idee mit immer mehr Anhängern. Mittlerweile haben etwa ein Viertel der 4,6 Millionen Bosnier ein Facebook-Profil. Etwa 50 Prozent der Bevölkerung sind online. Brkan freut sich über die zunehmenden Nutzerzahlen, sagt aber auch: “Die Zahl der User sagt allerdings gar nichts aus, wenn keiner weiß, wie man das Internet richtig nutzt.” Bosnier, die sich online politisch informieren und dort kommunizieren und diskutieren, gibt es seiner Meinung nach nur sehr wenige.
Aus einer Gruppe solcher informierten Menschen ist Ende 2005 die erste Onlinebewegung des Landes entstanden. User des beliebten bosnischen Internetportals klix.ba beschlossen damals, nicht länger nur online über Politik zu diskutieren, sondern etwas zu unternehmen. Brkan lud sie kurzerhand in das Büro seiner Organisation ein, die Dosta!-Bewegung war geboren. Mit ihrem ersten Protestaufruf im März 2006 schafften sie es, zwischen 500 und 600 Bosnier gegen zu hohe Elektrizitätspreise auf die Straße zu bringen. Brkan sagt: “Wir wussten damals nicht, was wir wollten, aber wir waren erfolgreich. Dann beschlossen wir, dass es Rechenschaft ist, um die es uns geht. Die Politiker sollten zur Verantwortung gezogen werden.”
Eintreten für Verantwortung
Die Bewegung wollte sich zunächst weiter bekannt machen und medienwirksam einen Politiker aus dem Amt jagen – potentielle Missetäter, gab es genug im politischen Sumpf des Landes. “Wir mussten etwas finden, zu dem die Menschen ein Verhältnis haben, dass sie sich vorstellen können”, sagt Brkan. Was sie schließlich fanden, war das Apartment des Premierministers der Föderation, Nedžad Branković. Durch Ankäufe von Staatseigentum hatte er es trickreich geschafft, ein Luxusapartment im Zentrum von Sarajevo für ein Hundertstel des Normalpreises zu kaufen.
Das Volk wusste Bescheid, ein mutiger Bürger hatte ein Graffiti an die Hauswand gesprüht, das den Politiker als Dieb bezeichnete. Branković versuchte unter massivem Polizeieinsatz alles, den “Künstler” zu finden. Dosta! reagierte mit einem Facebook-Schlag. Beinahe 10.000 Leute erklärten sich innerhalb von zwei Tagen zum Urheber des Graffitis. “Wir haben die Suche nach dem Täter ad absurdum geführt”, sagt Brkan stolz. Als zwei Wochen später der Kongress der Regierungspartei stattfand, trat der Politiker von seinem Amt zurück.
Um “politische Verantwortung zu institutionalisieren”, hat seine Organisation in den letzten Jahren unterschiedliche Websites ins Leben gerufen. Das Herzstück ist die Seite istinomjer.ba, der “Wahrheitsfinder.” Ein kleines Forschungsteam recherchiert die Statements der Politiker und Parteien und vergleicht, was in die Tat umgesetzt wird. Das Nachrichtenportal razglasaj.ba sammelt unabhängige politische Informationen und ähnlich dem deutschen “Wahl-o-Mat” können Wähler auf glasometar.ba in Quizform herausfinden, welcher politischen Partei man inhaltlich am nächsten steht, abgesehen vom ethnischen Ursprung.
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1 Kommentar | 08. September 2012 | 11:04 Uhr |
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ICH FINDE DARKO HAT ES AUF DEM PUNKT GEBRACHT!!!
NACH TITO (EHEM.PRÄSIDENT)LÄUFT ALLES SCHIEF IN DIESEN LAND.200 MINISTER IN EINEM SO KLEINEN LAND IST MAßLOS ÜBERTRIEBEN. UND DIE MÜSSEN JA AUCH BEZAHLT WERDEN VOM VOLK.DAS MACHT JA DIE LEUTE NUR NOCH ÄRMER.MIR KOMMT ES SO VOR ALS OB SIE NICHT WOLLEN WÜRDEN DAS IHR LAND ERFOLG HAT ES WIRD JA NUR GEGEN DIE BEVÖLKERUNG GEARBEITET.
OHNE RÜCKSICHT AUF ARME KRANKE ODER KINDER:DEN ES GIBT JA FAST NICHTS VON VATER SAAT. KEIN WUNDER ALSO DAS DIE ZIVILBEVÖLKERUNG DORT ENDLICH MAL ZU DEM ENTSCHLUSS GEKOMMEN IST DASS ES JETZT REICHT:ICH BIN AUCH FÜR ´´DOSTA !!´´ DARKO WEITER SO!!