Obama bricht Twitter-Rekord

Barack Obama zaubert ein Lächeln auf das Gesicht seiner Anhänger. (Foto: NewsHour CC-BY-NC-2.0; Quelle: Flickr)

Barack Obama zaubert ein Lächeln auf das Gesicht seiner Anhänger. (Foto: NewsHour CC-BY-NC-2.0; Quelle: Flickr)

Hinge der Wahlerfolg nur von den sozialen Medien im Netz ab, der Demokrat Barack Obama hätte den Sieg schon in der Tasche. Seine Parteitagsrede hatte sogar einen neuen Twitter-Rekord zu Folge.

Im Netz liegt Obama in allen Belangen vorne: Seine Facebook-Seite kann deutlich mehr Fans vorweisen als die von Mitt Romney. Gleiches gilt für Google Plus, wo die Page der Obama-Kampagne deutlich mehr Anhänger hat als die von Kontrahenten. Eine Studie zur Nutzung der Onlinemedien im Wahlkampf des “Pew Research Center’s Project for Excellence in Journalism, (PEJ)” ”How the Presidential Candidates Use The Web and Social Media“, attestiert dem US-Präsidenten ebenfalls einen klaren Vorsprung, wenn es darum geht, über digitale Kanäle direkt mit den Wählern zu kommunizieren. Er ist auf doppelt so vielen Plattformen aktiv und verbreitet dort viermal so viele Inhalte, so das Ergebnis der Erhebung.

Vor allem auf Twitter sind @BarackObama (als Präsident) und @Obama2012 (als Kampagne) erheblich fleißiger als @MittRomney. Der Studie zufolge kam die Romney-Kampagne im gemessenen Zeitraum auf einen Tweet pro Tag, während Obamas Kampagne durchschnittlich fast 30 Tweets pro Tag ins Netz sandte.

Viel Tweets um Nichts?

Auch das Echo auf seine Rede kann sich sehen sehen lassen. Das Technikblog techcrunch.com schätzt die Zahl der Tweets zum Demokraten-Konvent auf über neun Millionen. Laut offiziellem Twitter-Blog setzte die Zahl der abgesetzten Kurznachrichten mit dem Hashtag #DNC2012 unmittelbar nach Obamas Rede sogar einen neuen Rekord von 52.756 Tweets pro Minute.

Allerdings bleibt auch Kritik nicht aus. Der rechtsgerichtete Sender Fox News hielt die Rede erwartungsgemäß für inhaltsleer, weniger radikale Stimmen fanden sie zumindest schwächer als die vorangegangenen Reden von Clinton und Biden. Late-Night-Talker Jon Stewart beklagte in seiner Daily Show, dass die Worthülsen der Demokraten kaum noch von denen der Republikaner zu unterscheiden seien.

CNN, huffingtonpost.com und Politico erkennen in der neuen Tonart des Präsidenten eher eine Verschiebung der Prioritäten von der einst propagierten Änderung (Change) hin zur Beharrlichkeit, diese Veränderung weiterhin zu betreiben. Das klingt naturgemäß weniger dynamisch, doch die “Politik der ruhigen Hand” ist andererseits auch gern gesehen. Das Blog The Daily Beast empfand die Rede daher auch als wenig leidenschaftlich, dafür aber als substanziell und faktenreich.

Klassische Medien werden gemieden

Die Wahlkämpfer versuchen offenbar in diesem Online-Wahlkampf erstmals ganz bewusst, ohne traditionelle Medien auszukommen. Laut PEJ-Studie sind nur fünf Prozent der verlinkten Inhalte beider Kampagnen Angebote traditioneller Medien. Tweets und Facebook-Posts schicken die Besucher vor allem auf eigene Blogs und Videos oder auf Seiten des Weißen Hauses. Obama verlinkt gerne auch auf neue Medien wie thinkprogress.org, Huffington Post oder das demokratisch gesinnte Maddow Blog, während Romney – wenn überhaupt – vornehmlich Quellen empfhielt, in denen Kritik am amtierenden Präsidenten geübt wird.

Selbst auf der Fotocommunity Pinterest ist Obama unterwegs und nutzt sie über ein eigenes Board zur Verbreitung von Infografiken. Sein Gegner lässt sich auf diesem eher von weiblichen Nutzern frequentierten Angebot von seiner Frau Ann vertreten. Sie tritt brav als Mutter und Großmutter auf und verbreitet vor allem häusliche angehauchte Inhalte wie Rezepte.

Interaktion: Fehlanzeige

Die PEJ-Studie stellt denn auch fest, dass beide Kampagnen sich zwar sozial geben, aber eigentlich Monologe führen. Kleine Blogger werden weitgehend ignoriert, Retweets der Kurznachrichten von Wählern oder Antworten darauf bleiben seltene Ausnahmen. Auch auf Facebook verweisen beide Parteien fast ausschließlich auf Inhalte von ihren eigenen Kampagnen-Seiten.

So interaktiv sich vor allem die Kampagne der Demokraten auch gibt, in der Praxis ist sie wie die der Republikaner vor allem eine inhaltliche Einbahnstraße. Die Kandidaten und ihre Parteien sprechen zum Volk, das zuhören darf. Während des zweiwöchigen Erhebungszeitraums setzte Romney’s Wahlkampfteam einen einzigen Retweet ab: Eine Twitterbotschaft seines Sohnes Josh.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

2 Kommentare | 07. September 2012 | 14:45 Uhr | Twittern | Facebook

2 Kommentare

  1. Dabei fehlte der Rede der Zauber, der ihn vor vier Jahren ins White House gebracht hat. Unter den Tweets waren sicherlich viele, die von Obamas Auftritt enttäuscht waren. Bill Clinton hätte den Tweet-Rekord mehr verdient.

    michaelremke.com | 8. September 2012 | 17:20
  2. Vor vier Jahren wurde Obama mit vielen Plänen und Erwartungen in das Amt gewählt, von denen er nur sehr wenige umsetzen und verwirklichen konnte. Mit Tweet-Rekorde wird er die nächste Wahl definitiv nicht gewinnen können.

    Stefan | 9. September 2012 | 12:37