Kein Ort, nirgends – Ärger mit Apple-Karten

So sieht Regensburg in 3D aus, behauptet jedenfalls Apples Karten-App. (Screenshot: Giesbert Damaschke)
In der neuesten Version seines iPhone-Betriebssystems hat Apple die bewährten Karten von Google gegen eine eigene Lösung ausgetauscht. Die Folge: gewellte 3D-Ansichten, falsch platzierte Orte, Fehler in Städtenamen und jede Menge verärgerte Apple-Fans.
Seit dem ersten iPhone gehört die Applikation “Karten” zum Kernbestand von iOS, dem Betriebssystem von Apples mobilen Geräten iPhone, iPad und iPod touch. Die Anwendung macht genau das, was der Name verspricht: Sie zeigt Straßen- und Landschaftskarten aus aller Welt, kann Orte und Sehenswürdigkeiten und Adressen lokalisieren und obendrein als Navi eingesetzt werden.
Genauer: All das konnte die App – seit der jüngsten Wiedergeburt im iOS 6 kann sie das nämlich nicht mehr so richtig.
Irreführer
Wer die Karten-App nur gelegentlich aufruft und sich in einer Großstadt befindet, der wird die Fehler im Datenbestand wohl kaum bemerken, im Großen und Ganzen funktioniert die App so, wie Apple es verspricht. Das ändert sich allerdings, wenn man sie als digitalen Ersatz für eine Straßenkarte oder gar als Navigationshilfe einsetzen will. Denn hier produziert die App jede Menge Fehler, lokalisiert den Benutzer falsch, zeigt veraltete Bezeichnungen an und führt mit Navigationsanweisungen über Umwege in die Irre.
Seit der Freigabe von iOS 6 am Mittwochabend wimmelt es bei Twitter und Facebook von Beschwerden und Beispielen besonders skurriler Reiserouten, die absurdesten Fehler werden inzwischen auf einer eigenen Webseite dokumentiert.
Nicht nur die schlicht falschen Kartendaten sorgen im Netz für Gelächter, Verärgerung und Spott, auch Apples neue 3D-Ansicht bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Die funktioniert zwar manchmal atemberaubend gut – etwa in Berlin oder München – aber halt nur manchmal. Viel zu oft produziert sie abstrakte Farbkleckse, mischt veraltete Schwarzweiß-Aufnahmen mit bunten Pixelklötzchen, zeigt verzerrte Gebäude und wirkt im Ganzen eher so, als habe sich da ein Spezialist für surreale Computertricks ausgetobt.
Datentausch mit Folgen
Was ist da los? Ganz einfach: Mit iOS 6 lief der Lizenzvertrag zwischen Apple und Google aus und Apple verbannte zwei Applikationen aus dem System, die mit Datenmaterial von Google gearbeitet haben. Zum einen die App Youtube, die ersatzlos gestrichen wurde, zum anderen “Karten”. Bislang zeigte die App die Daten von Google Maps an, ab iOS 6 bezieht Apple die Daten von Tomtom – und deren Datenbestand ist ganz offensichtlich bei weitem nicht so gut wie der von Google.
Warum Apple die beiden Apps vom iPhone entfernt hat, wissen nur Apple und Google, als Außenstehender kann man da nur spekulieren. Vielleicht wollte Apple keine Google-Apps mehr auf seinem iPhone dulden, vielleicht wollte Google seine Kartendaten exklusiv für Android sichern. Möglich ist auch, dass Google den Lizenzvertrag zwar verlängern wollte, aber für Apple die Lizenzbedingungen nicht akzeptabel waren.
Wo geht’s lang?
Inzwischen hat der Konzern auf die wachsende Kritik reagiert und um Geduld gebeten. Die Karten-App sei eine cloudbasierte Anwendung und stünde noch am Anfang. Doch je mehr iPhone-Besitzer die Ortungsfunktion des iPhones nutzen, desto besser würden die Ergebnisse in Karten.
Das mag sein, aktuell entwickelt sich die vielleicht etwas voreilige Veröffentlichung von Karten jedoch zu einem PR-Desaster. Schließlich bewirbt Apple die neue Karten-App mit markigen Versprechungen wie “Karten zeigt dir, wo’s langgeht”. Fragt sich nur, wohin – dass die “ganz neu designte Karten-App einfach großartig” sei und einer “der leistungsstärksten und im wahrsten Sinne sehenswertesten Navigations- und Kartendienste” wird vielen Anwender nur wie blanker Hohn in den Ohren klingen.
Dem Anwender kann das Gezänk zwischen Google und Apple letztlich herzlich egal sein – wer eine zuverlässig funktionierende Karten-App auf seinem iPhone benötigt, der wird derzeit noch auf eine der zahlreichen Navigations-Apps fürs iPhone ausweichen oder auf Google Maps zurückgreifen müssen. Schließlich lässt sich Maps über den Webbrowser Safari auch auf dem iPhone problemlos nutzen. Hier muss man zwar auf die Navi-Funktion von Karten verzichten, erhält dafür aber deutlich besseres Kartenmaterial.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich.)
2 Kommentare | 21. September 2012 | 13:29 Uhr |
|
Dass es bei dem Konkurrenzkampf zwischen Google und Apple irgendwann zu Problemen mit den Apps kommen musste war schon lange klar. Nun ist es endlich soweit, aber im Gegensatz zu Google hat Apple meines Wissens keine Apps die plötzlich aus Google Play verschwinden könnten und dort schmerzlich vermisst würden. Allerdings versucht Apple dafür ja seine patentierten runden Ecken an Android Geräten verbieten zu lassen…
Zum Schieflachen. Die Größenwahnsinnigen kriegen es nicht hin.