Do Not Track: Im Netz der Werbeindustrie

Collusion bringt es an den Tag: nach wenigen Stunden wird man im Netz von über hundert Sites verfolgt (Screenshot: Jochen Dreier)
Wer sich im Internet bewegt, wird verfolgt. Diese einfache Wahrheit dürfte den meisten Usern klar sein. Wenige dürften allerdings das komplette Ausmaß der heimlichen Spionage kennen und kaum jemand den Streit um den Do-Not-Track-Standard verstehen. Zeit für eine kurze Zusammenfassung.
Wer als Otto-Normal-Surfer im Netz unterwegs ist, der wird über sogenannte Cookies verfolgt. Das sind kleine Textdateien, die auf dem Computer des Nutzers gespeichert werden und von den folgenden Seiten ausgelesen werden können. Dadurch weiß zum Beispiel Website X, dass der User zuvor auf der Website Y war. Allerdings werden nicht nur solche einfachen Informationen vermittelt, sondern das genaue Verhalten des Users beobachtet.
Ich weiß, was Du auf der letzten Seite getan hast
Die Seite X weiß unter Umständen dann auch, was der Nutzer auf Seite Y gesucht hat, was gelesen oder angeschaut. Dadurch kann auf Seite Y Werbung geschaltet werden, die auf die (angeblichen) Interessen des Users zugeschnitten ist.
Das ganze Ausmaß der Verfolgung im Netz kann durch eine Erweiterung des Firefox Browsers von Mozilla offenbart werden. Das Programm Collusion zeigt an, wer den Nutzer wie verfolgt. Nach nur wenigen Stunden im Internet ist ein weitverzweigtes Spinnennetz entstanden. Welche Informationen nun genau von diesen ganzen Werbeanbietern und Websites gesammelt werden, ist allerdings nicht zu sehen – es müssen jedenfalls viele sein.
In Zukunft soll es einfacher sein, das Tracking zu unterbinden. Vor allem seitdem sich das Tracking nicht mehr nur auf den Browser beschränkt, sondern immer mehr auch mit den mobilen Endgeräten arbeitet, sehen Datenschützer die Privatsphäre stark gefährdet. Der Kontext aus Interessen im Netz und Bewegungsmustern eines Menschen scheint das neue goldene Vlies der Werbebranche zu sein.
Bitte nicht verfolgen
Zumindest für die Browser wird gerade im Zusammenarbeit mit dem World Wide Web Consortium (kurz W3C, eine Art technische UNO für das Internet), ein Standard erarbeitet, der den Webseiten automatisch mitteilen soll: “Do Not Track” – bitte, verfolge mich nicht. Bei vielen modernen Browsern lässt sich diese Option auch schon manuell einrichten. Microsoft will sogar soweit gehen, in seinem neuen Internet Explorer 10 den DNT-Standard automatisch einzustellen, sodass das Tracking des Users komplett unterbunden werden soll.
Diese auf den ersten Blick nutzerfreundliche Entwicklung stößt auf harsche Kritik im Netz. Interessanterweise aber nicht nur auf Seiten der Werbeanbieter, sondern auch bei den Verfechtern des Do-Not-Track-Standards.
Untergang des Internets – oder wirkungslose Bitte?
Die Werbeschaffenden halten den ganzen Standard sowieso für den Untergang des Abendlandes, da sie der Meinung sind, dass nur durch das Tracken das Internet so funktioniert, wie wir es kennen. Solche Aufreger gab es auch schon Ende der 90er Jahre mit den ersten Ad-Blockern. Von einer Stagnation des Netzes seitdem kann wohl keine Rede sein.
Die Verfechter des Standards befürchten hingegen, dass der Standard durch die Koppelung an den Microsoft-Browser von den Werbeanbietern aufgeweicht oder gar umgangen wird. Zurecht. Erst kürzlich kam heraus, dass Google dies lange Zeit genau so bei Nutzern des Safari-Browsers gehandhabt hat.
Ein weiteres Problem: Apache, der weltweit größte Anbieter von Software für Webserver, sieht im Vorstoß von Microsoft einen Verstoß gegen einen offenen Standard des W3C und will die Idee nicht unterstützen. Daher werden rund die Hälfte aller Webserver im Internet die Anfrage, nicht zu tracken, wohl nicht beachten, wenn sie vom Internet Explorer stammt.
Bis es eine Lösung gibt, muss jeder Nutzer selbst darauf achten und zum Beispiel Cookies regelmäßig löschen oder Tools einsetzen, die das unerwünschte Tracking unterbinden.
Vor allem muss er sich aber über eins im klaren darüber sein: Ich bin im Netz nicht allein.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
1 Kommentar | 26. September 2012 | 10:00 Uhr |
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@ Jochen Dreier,
Also der Artikel ist soweit ja ganz gut geschrieben. Aber: bei diesem Do Not Track Opt-Out gibt es was besseres, dass noch wirkungsvoller ist. Mal hier gucken:
https://www.abine.com/dntdetail.php
Dieses Tool stoppt dieses online-tracking noch viel besser. Daher wäre es ratsamer, dieses Tool zu empfehlen, als das oben genannte. Und dass ganze sollte man wirklich mit den bekannten Addons kombinieren:
AdblockPlus, NoScript, BrowserProtect und BetterPrivacy (gegen LSO-coockies).
Denn die Entwickler von solchen Tools schlafen nicht. Auch die entwickeln ihre Programme weiter und ich denke, dass dieses Tools zum Einschalten von erwünschter Werbung keinen Erfolg haben wird. Denn die meisten User sind von der Internet-Werbung einfach nur angewidert. Da schließe ich mich auch mit ein.
Bei mir hat Werbung im Internet keine Chance. Bei mir wird rigoros geblockt was zu blocken geht. Bei mir wird zum Glück keine Werbung mehr angezeigt und seit dem ich dieses Tool AddblockPlus in Kombination mit den anderen vorgenannten Tools nutze, habe ich Ruhe.
Was dann die Coockies angeht, kann man diese ganzen Sachen (wenn sie nicht automatische gelöscht werden) in Linux auch händisch löschen.
Wie man dafür vorgeht? Dafür geht man folgendermaßen vor:
1. Dateimanager Nautilus öffnen
2. oben in der Menüleiste auf “Ansicht” klicken und im Kontextmenü auf “verborgene Dateien anzeigen” klicken und Häckchen setzen.
3. den verborgenen Ordner .mozilla suchen.
4. diesen Ordner öffnen und innerhalb dieses Ordners in den folgenden Ordner wechseln:
5. dort den Ordner “firefox” öffnen und innerhalb dieses Ordners nochmal in folgenden Ordner
6. mwad0hks.default wechseln.
7. Dort findet ihr nun die folgenden Ordner, die wir ausmisten:
Cache
In diesem Ordner löschen wir nun alle vorhandenen Dateien.
8. dann wechseln wir wieder zurück in den Ordner mwad0hks.default und dort löschen wir nun folgende Dateien:
- content-prefs.sqlite
- cookies.sqlite
- cookies-sqlite-shm
- cookies-sqlite-wal
- downloads-sqlite
- permissions-sqlite
- places-sqlite
- places-sqlite-shm
- places-sqlite-wal
Diese Dateien alle löschen und diesen Ordner schließen und in den Ordner mwad0hks.default zurückkehren.
9. Dort sehen wir auch den Ordner startupCache. Diesen Ordner ebenfalls öffnen und sämtlichen Inhalt löschen.
10. Dann alle Ordner der Reihe nach schließen und in euren Home-Ordner zurückkehren und Nautilus schließen.
11. Zum Abschluss dann noch sämtliche Tabs schließen und euren Firefox neu starten.
Diese Schritte sollte man mindestens einmal die Woche vollziehen.
Und auch beim Internet-Explorer gibt es Möglichkeiten, über Addons, lästige Werbung abzuschalten.
Eines findet ihr zum Beispiel hier:
http://www.chip.de/downloads/Adblock-IE_36144094.html
Und dieses Gejammere der Werbeindustrie kann ich echt nicht nachvollziehen. Die machen jedes Jahr Millionen mit unseren Daten. Wie können die da bitte am Hungertuch nagen?? Nein, dieses Gejammere der Werbeindustrie ist sowas von unglaubwürdig und da ist diese Aktion von Campact “unsere Daten sind keine Ware” zur rechten Zeit gekommen und wurde inzwischen an den Bundestag übergeben.
Die Folge davon war, dass wir User damit erreicht haben, dass das neue Meldegesetz nun im Vermittlungssauschuss liegt und vollständig überarbeitet wird. Gut so, kann man da nur sagen.
Der Werbeindustrie muss endlich aufgezeigt werden, dass sie eben nicht mehr am längeren Hebel sitzt und sich gefälligst an bestehende Datenschutzgesetze zu halten hat. Denn dabei wird übrigens auch unser Grundgesetz berührt (siehe informationelle Selbstbestimmung).