Die Schlacht der Rechenbrettchen
Mit dem iPad hat Apple den Tablet-Markt aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Auf der IFA wimmelt es nun von Computern, die mit einem Finger-Wisch bedient werden.
Der Erfolg des iPads hat die Computerbranche nachhaltig verändert. Zwar hat Apple den Tablet-PC nicht erfunden, aber erst mit dem iPad wurde das Konzept massentauglich umgesetzt. Allein im zweiten Kalenderquartal 2012 verkaufte Apple 17 Millionen seiner Flachrechner. Seit der Markteinführung im Frühjahr 2010 konnte das Unternehmen knapp 85 Millionen Stück absetzen.
Aufgewacht
Seither versuchen auch die anderen Hersteller, auf dem lange vernachlässigten Marktsegment Fuß zu fassen. Zwar gibt Apple laut den Marktforschern von IDC mit über 60 Prozent Marktanteil zwar noch deutlich den Ton an, doch auf der IFA in Berlin zeigt sich, dass man Apple den Markt nicht kampflos überlassen will.
Acer, Asus, Dell, Lenovo, Samsung – alle großen Hersteller sind gleich mit mehreren Tablets präsent. Dabei setzen die Unternehmen gleichermaßen auf Googles Betriebssystem Android wie auf das kommende Windows 8/RT von Microsoft. Die beiden Softwarelieferanten sind auch mit eigenen Geräten am Start. Von Google kommt das 7-Zoll-Tablet Nexus 7 zu einem Kampfpreis von knapp 200 Euro. Microsoft hat für den Herbst das Gerät Surface angekündigt, allerdings ohne einen Preis zu nennen.
Apple und Amazon nicht auf der IFA
Neben den üblichen Verdächtigen der PC-Branche ist mit dem Online-Versandhaus Amazon ein neuer Konkurrent auf dem Markt, dessen 7-Zoll-Tablet Kindle Fire in den USA sehr erfolgreich ist. Oder genauer: zu sein scheint. Denn konkrete Verkaufszahlen nennt Amazon nicht, versichert aber, das Fire habe 22 Prozent vom amerikanischen Tablet-Markt erobert – und sei inzwischen ausverkauft.
Wie Apple meidet auch Amazon die IFA und zieht es stattdessen vor, neue Produkte auf eigenen Veranstaltungen vorzustellen. Für den 6. September lädt Amazon zu einer Pressekonferenz ein – ohne das Thema zu nennen. Die Vermutung, Amazon werde eine neue Version des Kindle Fire vorstellen, liegt allerdings mehr als nahe.
Auch von Apple ist mit Neuigkeiten zu rechnen, gerüchteweise soll im Oktober eine verkleinerte Version des iPads auf den Markt kommen, das als “iPad mini” gegen Nexus 7 und Kindle Fire positioniert ist.
Touch und Tastatur
Während Apples iPad und die verschiedenen Android-Geräte vollständig auf die Touchbedienung mit dem Finger ausgelegt sind, verfolgt Microsoft mit Windows 8/RT ambitioniertere Ziele und versucht den Spagat zwischen Touch und Tastatur. Windows-Tablets lassen sich an eine Tastatur anstecken, bei Microsofts Surface soll die Tastatur in die Schutzhülle integriert werden.
Ob es Microsoft mit diesem Konzept allerdings gelingen wird, auf dem Tablet-Markt so erfolgreich zu sein wie bei Desktop-PCs, bleibt abzuwarten. Der Versuch, eine Mischung aus Notebook und Tablet auf dem Markt zu bringen, ist bereits früher gescheitert. Ob es diesmal gelingen wird, kann zumindet bezweifelt werden.
Die ersten Testberichte sind jedenfalls eher verhalten. Hinter der neuen, fingeroptimierten Windows-8-Oberfläche (die ursprünglich Metro heißen sollte, aber nicht mehr so heißen darf) stößt man rasch auf die vertrauten Windows-Elemente, die ohne Maus oder Tastatur aber nur mühsam zu bedienen sind.
Direkter Ladenanschluss
So unterschiedlich die verschiedenen Geräte im Detail auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie bieten den direkten Zugang zu den digitalen Kaufhäusern von Amazon, Apple, Google und Microsoft. Auch hier hat Apple mit dem riesigen Angebot des iTunes Stores noch die Nase vorn, doch Amazon und Google sind dem Branchenprimus auf den Fersen. Microsoft bietet im Microsoft Store derzeit zwar lediglich Programme für Windows 8/RT-Computer und -Tablets an. Es ist aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis Microsoft die aufgebaute Infrastruktur auch zum Vertrieb von Musik, Videos und Ebooks nutzen wird.
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2 Kommentare | 02. September 2012 | 13:15 Uhr |
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