Die langweiligste Aufregung der Saison

Vom Ansturm überrannt: Der Kundenbereich bei T-Mobile am Tag der iPhone-Vorbestellung. (Screenshot: Giesbert Damaschke)
So, das iPhone 5 ist da. Können wir uns nun bitte alle wieder etwas beruhigen und anderen Dingen zuwenden? Ein Appell für mehr Gelassenheit im Umgang mit neuen Gadgets.
Wenn Apple zu einer Pressekonferenz einlädt – die bei Apple natürlich nicht so heißt, sondern “Special Event”, dessen Thema zudem nicht verraten wird – dann dreht nicht nur die IT-Presse regelmäßig durch. Im Vorfeld wird spekuliert, was Apple da Sensationelles aus dem Hut zaubern wird, dann kommt der Tag der Wahrheit und hinterher macht sich frustrierte Enttäuschung breit, dass Apple dann doch nur ein neues Betriebssystem oder ein neues Telefon vorgestellt hat.
Die große Enttäuschung
Beim iPhone 5 war dies nicht anders. Wochenlang kursierten Gerüchte, wurden verwackelte Fotos herumgereicht und über dubiose Zitate aus anonymen Quellen gebrütet. Als sich dann bei der offiziellen Vorstellung am 12. September zeigte, dass die Gerüchte im großen und ganzen richtig lagen und die gesamte Präsentation von Apple sehr routiniert, aber überraschungsfrei abgewickelt wurde, verpuffte der erwartungsvolle Hype in einem Frustrationswölkchen.
Schick und solide sei es ja schon, das iPhone 5, so der fast einhellige Tenor der Berichterstattung, aber keine bahnbrechende Innovation. Früher war natürlich alles besser, früher habe Apple mit dem ersten iPhone und dem ersten iPad den Markt revolutioniert, heute werde nur noch nachgebessert. Langweilig sei es, das neue iPhone 5, seit dem Tod von Steve Jobs habe das Unternehmen anscheinend die Kraft verloren, wirklich überraschend Neues zu schaffen. Dabei wird geflissentlich unterschlagen, dass es früher nicht besser, noch nicht einmal anders, sondern ganz genauso war wie es heute ist. Weder iPhone noch iPad wurden bei der ersten Vorstellung als revolutionär empfunden. Stattdessen wurde das iPhone als zu teures Telefon ohne Tasten verspottet, und das erste iPad als aufgeblasener iPod ohne Besonderheiten müde durchgewunken.
Die große Überraschung
Doch wieder einmal werden sich die Analysten, Experten und Marktbeobachter verwundert die Augen gerieben haben, als die ersten Verkaufszahlen bekannt wurden. Denn offensichtlich sahen die Kunden die Dinge ein wenig anders. Innerhalb von 24 Stunden wurde das iPhone 5 zwei Millionen Mal vorbestellt (und übertraf damit den Erfolg des immens erfolgreichen iPhone 4S bei weitem). Die Anmeldeserver der Telekom gingen praktisch sofort in die Knie, und Apples Börsenkurs knackte die 700-Dollar-Marke.
Die Zeit der Landnahme
Angesichts der Enttäuschung in Analystenkreisen kann man sich allerdings fragen, welche Wunder von der Firma in Cupertino erwartet werden und was Apple denn anderes hätte vorstellen sollen, als ein überarbeitetes, technisch deutlich verbessertes iPhone?
Apple macht mit dem iPhone ziemlich genau das, was das Unternehmen bislang mit jedem Produkt gemacht hat. Nach einem ersten großen Wurf, mit dem die Grenzen erweitert werden, beginnt die Zeit der kultivierenden Landnahme: das Gerät wird sukzessive ausgebaut, erweitert und evolutionär verbessert. Funktionen werden nicht integriert, weil sie gerade angesagt und modern, sondern wenn sie nützlich und alltagstauglich sind. Das ist auch der Grund, warum Apple beim iPhone 5 auf NFC (Near Field Communication) verzichtet. Technisch ist der Einbau eines NFC-Chips überhaupt kein Problem, aber im Alltag sind NFC-Anwendungen eher exotische Ausnahmen als die Regel.
Ein sehr gutes Smartphone – nicht mehr
Ziehen wir also einmal ein kurzes, nüchternes Fazit: Das iPhone 5 ist ein in vielen Punkten deutlich verbessertes iPhone, man hat es gern in der Hand und die Fertigung ist nahe an der Perfektion (zumindest bei den vorab verteilten Testgeräten – ob sich diese Perfektion auch in der Massenproduktion halten lässt, bleibt abzuwarten). Es ist ungemein einfach zu bedienen, dabei flexibel, leistungsstark und kann so ziemlich alles, was man von einem modernen Smartphone erwarten darf.
Sehen wir der Wahrheit furchtlos ins Auge und sprechen sie ungescheut aus: Das iPhone 5 ist ein sehr gutes, sehr teures Smartphone der Spitzenklasse. Nicht weniger. Aber ganz bestimmt auch nicht mehr.
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3 Kommentare | 21. September 2012 | 07:00 Uhr |
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“Es ist ungemein einfach zu bedienen, dabei flexibel, leistungsstark und kann so ziemlich alles, was man von einem modernen Smartphone erwarten darf.”
Wenn das iPhone 6 auch Eier kocht und mir die Schuhe zubindet, überlege ich mir, eines zu kaufen.
Handys, Smartphones, Bah … Wer braucht so etwas?
Nur Personal muss erreichbar sein. “Karl Lagerfeld”
Apple hat es geschafft,dass Ipod, Ipad und natürlich das Iphone mittlerweile schon fast Kultobjekte sind.
Bei keiner anderen Firma übernachten tausende von Menschen auf der Straße, um einer ein Handy von mindestens 679 € zu bekommen.
Davon können die anderen Hersteller nur träumen, obwohl deren Produkte teilweise denen von Apple in nichts nachstehen.