Das zweite Leben des Polaroid-Bilds
Früher waren Fotos aus der Polaroid-Sofortbildkamera der Inbegriff des schnellen Schnappschusses: Fotografieren, eine Minute warten – fertig. In Verbindung mit dem iPhone soll die Technik nun einen zweiten Frühling erleben.
“Ich weiß nicht genau was es war – aber diese Art des Bildes hat mich einfach gepackt”, erzählt Florian Kaps mit strahlenden Augen und greift zu den kleinen Bildquadraten auf dem Tisch. Begeistert erzählt er, wie die legendäre Polaroid SX70 im Jahre 1972 vorgestellt wurde – obwohl der Österreicher selbst viel zu jung dafür ist: “Die Welt der Fotografie war einfach auf den Kopf gestellt”, sagt Kaps.
Dass man nicht Stunden in der Dunkelkammer verbringen musste oder gar eine Woche auf die Entwicklung im Labor warten musste, war eine praktische Neuerung. Dass die billigen Kameras fast zu jedem Haushalt gehörten, war aber wohl mehr dem Gesamt-Erlebnis des Polaroid-Fotografierens zu verdanken: Das satte Klacken beim Auslösen, das Surren, während sich das Foto automatisch aus dem Front-Schlitz der Kamera schob – schließlich das gemeinsame Warten, bis auf dem Fotopapier langsam erste Formen und schließlich die farbenfrohen Motive einigermaßen scharf zu sehen waren. Für viele Deutsche gehört die Plastikkamera zu ihren unauslöschlichen Familien-Erinnerungen.
Jedes Bild ein Unikat
Dieses Gefühl will Kaps nun wieder aufleben lassen: Auf der Photokina stellt er das “Impossible Instant Lab” vor: ein kleiner Kasten, der Bilder vom iPhone in ein Sofortbild der alten Sorte verwandelt. Dazu muss man das iPhone in eine Halterung einlegen und einige Sekunden später spult der Apparat das halbfertige Analog-Foto hervor. Schwarzweiß-Fotos sind in drei Minuten fertig, Farbfotos brauchen eine halbe Stunde. Dabei hat zum Beispiel die Temperatur Einfluss darauf, wie das Ergebnis aussieht – jedes Bild ist ein Unikat. Das Instant Lab ist kein Drucker, sondern eine eigenständige Kamera, die das Display abfotografiert und so digital wieder in analog umwandelt.
Einst hatte Polaroid pro Jahr mehr als 100 Millionen Filme verkauft. 2008 hatte die Firma aber das Geschäft mit den Sofortbildern eingestellt um sich fortan der Digitalfotografie zu widmen. Wenig später trat Kaps auf den Plan: Er wollte mit der Firma “Impossible” das Medium nicht für immer sterben lassen. Das Unternehmen übernahm eine Fertigungsanlage im niederländischen Enschede und stellte fortan die Filme als Nischenprodukt her. Dabei mussten die Ingenieure erfinderisch sein: Die Ausgangsmaterialien waren teilweise nicht mehr zu bekommen, die Qualität stellte sie nicht zufrieden. Nun haben sie einen eigenen, neuen Sofortbild-Film auf den Markt gebracht. Mehr als 700.000 Filme will Kaps 2012 verkaufen, im kommenden Jahr sollen es gar eine Million sein.
Fans sehnen sich nach authentischen Fotos
Die Zielgruppe sind nicht nur nostalgische Liebhaber des Sofortbildes oder die nachgewachsene Generation, die die Plastikkameras im Schrank der Eltern oder Großeltern gefunden haben, die Sofortbilder sollen zur eigenständigen Bildergattung werden. Um die Entwicklung “Instant Lab” zu finanzieren, hat Impossible eine Kickstarter-Kampagne gestartet, bei der Interessenten ein Instant Lab im voraus kaufen können. 250.000 Dollar wollte Kaps so einnehmen, schon jetzt sind mehr als 450.000 Dollar zusammengekommen. Im Februar sollen die ersten Geräte ausgeliefert werden.
“Über 80 Prozent der Interessenten sind im Alter zwischen 24 und 34 Jahren”, erzählt Kaps. Seine Erklärung: Digitalfotos seien zwar praktisch, aber ihnen fehle mit der Zeit der Reiz. “Alles sieht gleich aus”, sagt Kaps. Die althergebrachten Fotopapierquadrate hätten heute hingegen eine neue Wertigkeit gewonnen, die das Verhältnis zum Bild neu definiere. Waren früher Polaroids das Sinnbild der Wegwerf-Schnappschüsse, seien sie heute beständiger als die Milliarden Digitalfotos auf Smartphones, Instagram und Facebook. Diese Wertigkeit hat aber auch ihren Preis: So kostet jedes Bild zwei Euro. Statt einfach draufloszuknipsen, müssen sich die Fotografen wieder genau überlegen, welche Motive sie ausbelichten wollen.
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1 Kommentar | 20. September 2012 | 14:01 Uhr |
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„Fans sehnen sich nach authentischen Fotos“
„Digitalfotos seien zwar praktisch, aber ihnen fehle mit der Zeit der Reiz“
„Jedes Bild ist ein Unikat“
Ach Gottchen, Werbesprech. Instagram, Polaroid, Lomo und jetzt dieser Trend. Der Reiz wird hier genauso mit dem Erfolg verschwinden, wie bei allen anderen Trends. Von daher ist die Finanzierung dieses Projekts eigentlich die Arbeit an seinem Misserfolg.
„Farbfotos brauchen eine halbe Stunde“
Also hier von „instant“ und „Sofortbild“ zu reden, finde ich ja einigermaßen fragwürdig. In ner halben Stunde bin ich u.U. nach Hause gefahren, hab den Rechner hochgefahren und das Ding ausgedruck. Ganz ohne ein sperriges „Labor“ mitschleppen zu müssen.
„Statt einfach draufloszuknipsen, müssen sich die Fotografen wieder genau überlegen, welche Motive sie ausbelichten wollen.“
Was hat das eine mit dem anderen zu tun?