Bei Myspace tut sich was Großes

Das alte Myspace in neuer Optik (Screenshot; Quelle: Myspace)

Das alte Myspace in neuer Optik (Screenshot; Quelle: Myspace)

Gern heißt es in Deutschland: “Da muss man sich nicht drum kümmern, die Dienste sind morgen wieder weg.” Gemeint sind jene Online-Plattformen, die in den Bereich Social Media eingeordnet werden. Zwei Beispiele müssen dann herhalten als Testament für diese gewagte These: Second Life und Myspace.

 

Diese Angebote wähnen Menschen, die sich weniger mit dem Internet beschäftigen, längst im digitalen Paradies, wo sie gemeinsam mit dem Commodore 64 und BTX auf die digitale Welt hinabschauen.

Nur: Das stimmt nicht. Second Lifes Nutzerschaft ist nicht überwältigend groß – aber stabil. Und bei Myspace? Tut sich Bemerkenswertes! Die Zahl der US-Nutzer des einst führenden Social Networks der Welt kletterte laut Statistikdienstes Quantcast in diesem Jahr von 12,7 Millionen auf 14,1 Millionen. Wer das ist? Vor allem Teenager oder junge Twens mit einer Vorliebe für Musik.

In Myspace ist Musik drin

In diesem Feld war Myspace nie weg. Über die Jahre blieb es eine Plattform für Bands und Einzelkünstler, vor allem für jene ohne Plattenvertrag. Immer wieder entstanden daraus kleine, von der medialen Öffentlichkeit ignorierte Phänomene wie die Berliner Mädchentruppe Tote Crackhuren im Kofferraum, die es auf über 45.000 Myspace-Freunde bringt.

Sich auf diese Musiker-/Fan-Klientel zu konzentrieren rieten Online-Experten seit Jahren. Doch Myspace gehörte eben dem Medien-Dinosaurier Rupert Murdoch mit seiner News Corp. Und der konnte mit Zeitgeist-Trends so gar nichts anfangen. Im Sommer 2011 verkaufte er Myspace an den Online-Werbedienstleister Specific Media – der dann den Starproduzenten und Medienunternehmer Justin Timberlake ins Boot holte.

Am Montag überraschte das erste vorzeigbare Ergebnis des neuen Managements die digitale Szene. Mit vielem hatten die Technik-Blogs gerechnet, aber doch nicht damit, dass Myspace schön werden könnte. Also, richtig schön. Spektakulär schön. Ein Vorschauvideo liefert Einblicke in das neue Design und was wir zu sehen bekommen, könnte Maßstäbe in Sachen Web-Design liefern.

(Ein Video zeigt die Funktionen des neuen Myspace; Quelle: Myspace)

Wir sehen ein Design, das seiner Zeit voraus ist und sich orientiert an zwei explosiv wachsenden Trends: Tablet Computer und digitale Fotografie. Über Jahre waren Bilder im Web alles andere als ein Spaß. Die geringen Bandbreiten sorgten dafür, dass sie Surfen beschwerlich machen. Ende der 90er schalteten viele Menschen die Anzeige von Fotos sogar ab, weil Bilder den Seitenaufbau verlangsamten. Heute ist dies selbst auf dem Handy kein Problem mehr. Gleichzeitig fotografieren die Menschen mehr – und das auf einem Niveau, das professionellen Fotografen Sorgen bereitet.

Bildgestaltungsmöglichkeiten, die einst nur den Besitzern teurer Kameras oder entsprechender Software vorbehalten waren, sind dank Apps wie Instagram oder PowerCam Alltag für jedermann geworden: Tiltshift, zum Beispiel, jener Filter, der einen Bildbereich scharf darstellt und den Rest verschwimmen lässt, gehört dazu.

Weitaus bessere Bildschirme sorgen dann dafür, dass wir die ganze Schönheit der neuen Bilderwelt zu spüren bekommen. Gestochen scharfe Fotos auf der ganzen Fläche des Tablets oder Monitors – das ist beeindruckend und begeisternd.

Bilder erzeugen Aufmerksamkeit

Diese Begeisterung bekommt jeder zu spüren, der Mitglied auf Facebook ist: Nichts erzeugt mehr Kommentare und Likes als Bilder. Das kann nicht überraschen, schließlich wissen wir durch die Leserforschung bei Zeitungen und Zeitschriften, dass Fotos das erste sind, worauf der Blick der Leser fällt.

So ist das neue Myspace-Design nur ein Vorbote eines radikalen Designwandels im Web. Wir werden noch viel mehr Seiten erleben, die Bild- und Videoelemente größer und schöner aufbereiten. Das zeigte schon die rasante Verbreitung von Pinterest, einem bildbasierten Netzwerk, das vor allem bei jungen Frauen auf Begeisterung trifft. Setzt sich diese Entwicklung fort, werden Bilder-Klickstrecken mit bestens Mittelformatfotos, wie sie heute die meisten Nachrichtenangebote im Web liefern, bald der Vergangenheit angehören.

Bedeutet das, Myspace ist ein “Facebook-Killer”? Natürlich nicht. Das neue Myspace-Management will nicht alle Menschen erreichen wie Geschäftsführer Tim Vanderhook dem “Hollywood Reporter” verriet, sondern eine bestimmte und für die Werbung interessante Zielgruppe: “In einem Satz, ist dies ein Social Network für die kreative Gemeinschaft um sich mit ihren Fans zu verbinden.” Das klingt nach mehr Strategie als je zuvor.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

 

 

 

 

 

1 Kommentar | 26. September 2012 | 16:14 Uhr | Twittern | Facebook

Ein Kommentar

  1. „könnte Maßstäbe in Sachen Web-Design liefern.“

    Hmpf, naja ich weiß ja nicht. Warum jetzt ein Musikplattform auch noch aussehen muss wie ein Pinterest Klon vulgo Fotoalbum erschließt sich mir nicht. Für mich hat gutes Webdesign immer noch mit guten Inhalten zu tun. Alles nur noch auf Klicki-Bunti-Internet-Gucken rduziert ist für mich eher ein Rückschritt in Richtung Fernseher. Vielleicht will die Breite Masse das ja tatsächlich. Vielleicht will man uns das aber auch nur weismachen, weil Designen mit Bildern schon immer einfacher war.

    fancyPT | 26. September 2012 | 23:35