Algo-Händler schüren die Angst vor einem “Splash Crash”

New York Stock Exchange: Außen Tradition - innen Computerhandel (Foto: Brian Glanz CC BY SA 2.0; Quelle: Flickr)
Algorithmen mischen sich immer stärker in unser Leben ein. Besonders die Börsen sind betroffen. Dort hat die Automatisierung zu einem Kampf von Mensch gegen Maschine geführt. Doch der Kampf ist nicht fair und die Angst vor einem Super-GAU steigt. Dieser Super-GAU hat einen Namen: “Splash Crash”.
“Menschen zittern förmlich, wenn ich ihnen erzähle, was ich beruflich tue”, sagte Irene Aldridge dem Magazin “Wired”. Aldrige entwickelt Software-Programme, die in nahezu Lichtgeschwindigkeit an den Börsen selbstständig agieren, sogenannte Handelsalgorithmen.
Die internationalen Börsen werden heute von solchen Handelsalgorithmen bestimmt, aufgrund derer Computer entscheiden, welche Finanzprodukte ge- oder verkauft werden. Die Algorithmen werden dazu nicht nur mit den Realtime-Handelsdaten gefüttert, sie können auch aktuelle Nachrichten und Hintergrundinformationen auswerten, um zu ihren Entscheidungen zu gelangen. Wenn beispielsweise Rohstoffpreise sinken, erkennt der Algorithmus welche Auswirkungen dies auf die Aktien bestimmter Firmen hat und kann blitzschnell handeln. Oder “er” engagiert sich gleich selbst an der Terminbörse und das bevor ein menschlicher Händler die Information überhaupt intellektuell verarbeitet hat. Schätzungen zufolge sind Maschinen aktuell für 50 bis 75 Prozent aller Transaktionen verantwortlich.
Mathematiker dominieren die Börse
Thomas Peterffy, einer der Väter der Automatisierung, ist heute einer der reichsten Menschen der USA. Als Einwanderer aus Ungarn, baute Peterffy in den Achtzigern an der New Yorker Börse Nasdaq einen ersten vollautomatisierten Wall-Street-Händler. Ohne Finanzkenntnisse war der Mathematiker Peterffy damals ein Exot. Heute jedoch ist er in bester Gesellschaft an den Börsen dieser Welt. Immer mehr haben dort Informatiker und Mathematiker das Sagen.
Irene Aldridge verteidigt in einer TV-Diskussion diese Entwicklung. Sie führe zu mehr Liquidität, verringere die Handelsspannen und vermeide menschliche Fehler. Die Gegenposition lautet: Wenn das blitzschnelle Handeln der Algorithmen den Markt ins Wanken bringen, verliert der Mensch erst Recht. “Der Kleinanleger nimmt Schaden, weil er nicht den ganzen Tag vor einem Computer sitzt und den Markt beobachtet”, sagte Experte Scott Freeze kürzlich der New York Times. Und selbst wenn: Die auf den Hochfrequenzhandel spezialisierten Firmen stellen ihre Rechner gleich neben die Handelscomputer der Börsen. Diese “Co-Location” hebelt das Prinzip Börse, das auf Gleichberechtigung der Handelsteilnehmer zielt, aus, schreibt die Wirtschaftswoche.
Warnungen werden lauter
Stimmen, die vor einer noch größeren Panne wie 2010 warnen, werden daher lauter – auch in der Finanzindustrie selbst. Wall-Street-Händler haben einen Namen für den Super-GAU: “Splash Crash“. In diesem Szenario könnten Algorithmen nicht nur den Aktienmarkt ins Wanken bringen, sondern durch eine Verkettung falscher Entscheidungen gleichzeitig auch Märkte für Immobilien, Anleihen oder Rohstoffe. Die Auswirkungen wären somit ungleich größer als 2010 beim “Flash Crash” an der Wallstreet, als der Dow Jones Index innerhalb weniger Minuten fast tausend Punkte verlor.
Was die Angst vergrößert, sind Algorithmen, die nicht nur Regeln befolgen, sondern die Regeln selbst aufstellen. Maschinen, die selbst lernen und über künstliche Intelligenz verfügen. Selbst Branchen Insider warnen mittlerweile vor unkalkulierbaren Risiken: Der ehemalige Börsenvorstand und Ex-Eurex-Chef Rudolf Ferscha fordert laut Wirtschaftswoche, die Börsenregeln zu verschärfen. Für Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel stelle sich die Frage, ob “das technologische Wettrüsten am Kapitalmarkt gesamtwirtschaftlich wirklich sinnvoll ist.”
Das hat auch die Politik aufgeweckt. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat jetzt erkannt, dass sie mit den herkömmlichen Methoden die Märkte nicht mehr wirksam überwachen kann. Sie verschafft sich deshalb mit einer neuen Regelung Zugang zu den gleichen Handelsdaten, mit denen auch die Algorithmen gefüttert werden. Außerdem arbeiten sie an Überwachungsprojekten, um eine noch klarere Übersicht zu erhalten und Marktmanipulatoren auf die Schliche zu kommen. Die deutsche Politik will ebenfalls nicht warten, bis der nächste Crash passiert. Noch im Herbst will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Gesetzesvorlagen präsentieren, die den sogenannten Hochfrequenzhandel bändigen sollen.
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4 Kommentare | 12. September 2012 | 15:13 Uhr |
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Toller Beitrag! Weiter so!
Grüße aus Stuttgart
Marc
Ein Zeichen unserer Zeit!! Computer handeln mit Computern mit Hütchenspielertricks ´Werte´ aus Werten heraus, die es tatsächlich real überhaupt gar nicht gibt. Doch die Lebensmittelpreise steigen…
Ist das die Matrix die uns schon übernommen hat??
Was sagen nachfolgende Generationen dazu??
Unsere Welt bedarf einer umfassenden Börsenordnung. Ein von der UNO einzuberufender Ethikrat arbeitet die Standarts dieser Ordnung aus und fordert alle Börsen der Welt zur freiwilligen Anerkennung der Standarts und zum verbindlichen Beitritt zu dieser Ordnung auf. Börsen, die sich zum Beitritt verpflichten erhalten das Gütesiegel der UNO “Human Standarts Börse”.
Vorschläge zu den Standarts:
1)Börsenteilnehmer werden verpflichtet,Prognose und Ist-Werte von Wirtschaftdaten mit angemessener Zeitvorgabe in Relation zu setzen.
2)Börsenteilnehmer werden verpflichtet, humane Produktionsbedingungen öffentlich transparent zu stellen.
3)Börsenteilnehmer verpflichten sich, Gewinne und Mehrwert auf einen Maximalwert von z.B. 10% über den Produktionskosten zu begrenzen.
4)Geldgeber werden auf eínen Maximalgewinn von z.B. 10% festgelegt.Dies gilt auch für den Komputerhandel mit Algorithmen.
Parasitäre Wirkmechanismen erreichen in ihrer Prozessdynamik irgendwann einen Punkt, der den Zerfall einleitet, rhizomartig Mechanismus und Beobachter gleichermaßen auslöscht. Naturgesetze haben den Hang, das was keinen Ausgleich schafft, nicht zur Ent-Wicklung ihrer eigenen Programmatik beiträgt, wieder verschwinden zu lassen. Auf den Torsionsbruch dürften Raubritter, Politiker, Wirtschaftsspekulanten und sonstige egoinflammierte, organische Systeme der Globalisierung – das geistige Wellnessprogramm, der Weichmacher für Isolation und Manipulation (Software der parasitären Wirkmechanismen), mit Energieaufwand reagieren und gleichzeitig den E-Verlust erleben. Es ist beruhigend zu wissen, daß Evolution sich selbst reguliert und alle unnötigen Erscheinungen in Zeit und Raum rhythmisch, sinnvoll und ökologisch entsorgt.