Wenn Spieler aus der Reihe tanzen – Schummler, Hacker, Cheater

Onlinebetrügereien sind häufig nicht so offensichtlich wie beim Kartenspiel (Foto: Soggywaffle22; Quelle: Flickr CC BY ND 2.0)
Spiele sollen Spaß machen. Doch manche Spieler haben allzu viel Spaß daran, zu gewinnen. Und gerade bei Online-Spielen sind Betrugsversuche verbreitet. Sie zu finden und zu verhindern, ist eine große Herausforderung für die Entwickler.
“Es gibt viele Gründe, das System zu manipulieren: Weil das Spiel zu schwer ist, weil der Angreifer Geld sparen will. Andere wiederum sind einfach nur neugierig und wollen herausfinden, wie das System funktioniert”, erklärt Stephan Payer, Chef der Regensburger Firma CipSoft. Der Entwickler weiß, wovon er spricht: Seit 15 Jahren betreibt die Firma das Online-Rollenspiel Tibia. 300.000 Spieler nehmen derzeit am Treiben in der Fantasiewelt teil.
Während dieser Jahre haben Betrüger, Spielverderber und Kriminelle jeden Trick ausprobiert. Besonders beliebt sind so genannte “Farmbots.” Verlangt ein Strategiespiel von seinen Spielern langweilige, repetetive Tätigkeiten – zum Beispiel das Sammeln von Erzen oder das Einbringen der Ernte – automatisieren diese Spieler kurzerhand den Prozess und lassen ein kleines Hilfsprogramm die Arbeit übernehmen – und setzen sich erst wieder an den Rechner, wenn sie ein reich gefülltes Konto haben. Manche verkaufen ihre virtuellen Reichtümer dann gegen bares Geld.
Unerwünschte Nebenwirkungen durch Betrüger
Das vermeintlich opferlose Verbrechen wirkt sich recht bald in der Spielewelt aus: “Wenn es viele Farmbots online gibt, kommt eine Menge Geld in die Spielewelt – mehr als die Entwickler erwartet haben.” Folge: Die Preise in der virtuellen Welt steigen, die ehrlichen Spieler müssen viel mehr arbeiten, um auf den gleichen Status kommen wie die Schummler. Im schlimmsten Fall droht in der Spielewelt gar ein Wirtschaftskollaps.
“Solche Bots sind teilweise sehr schwierig zu erkennen”, sagt Payer. In der Tat ist einer Figur von außen schlecht anzusehen, ob sie von einem Menschen oder einem Skript gesteuert wird. In Tibia nahmen die Spieler kurzerhand das Gesetz selbst in die Hand: Da die Farmbots nicht auf alle Eventualitäten in einem Spiel reagieren können, griffen die realen Spieler die Farmbots an und eroberten so wichtige Ressourcen zurück. Gleichzeitig zogen aber auch die Entwickler neue Grenzen: Sie erschwerten das Übertragen des Vermögens eines Farmbots auf einen echten Spieler dadurch, dass nur noch begrenzte Summen übertragen werden können.
Doch wo ein Weg verschlossen wird, tut sich gleich ein neuer auf: Eine halblegale Methode der Manipulation ist das “Account Sharing” – zwei Spieler teilen sich einen Charakter. “Wenn sich jeden Morgen jemand aus Deutschland einloggt und jeden Nachmittag jemand aus den USA, ist es recht eindeutig”, sagt Payer. Doch wenn sich zwei Spieler in der selben Stadt oder gar im selben Haushalt befinden, können sie kaum erkannt werden. Ihnen versuchen die Tibia-Entwickler mit einer neuen Regel die Motivation zu entziehen. Nur eine begrenzte Zeit bekommen Spieler Erfahrungspunkte. Wenn mehrere Spieler eine Figur quasi rund um die Uhr online halten, profitieren sie davon wenig.
Kriminelle Accountdiebe
Zu kriminelleren Methoden greifen Accountdiebe. Sie stehlen die Zugangsdaten von anderen Spielern – sei es durch Spionageprogramme im Internetcafe oder durch Einbrüche auf den heimischen Rechner. “Einige schicken uns sogar gefälschte Ausweiskopien zu, um einen Account zu übernehmen”, sagt Payer. Die Entwickler können dagegen nur begrenzt vorgehen: Mehrfach haben sie die Verschlüsselung der Spieldaten überarbeitet – wenn aber beispielsweise ein Mitbewohner beobachtet, wie ein Spieler sein Passwort eingibt, hilft die beste Technik nicht.
“Macht Hackern klar, dass ihr gegen sie vorgeht”, rät er den anderen Entwicklern aus der Branche. Wer beim Kartenspiel schummelt, riskiert den Verlust des Einsatzes, Ausschluss, gar Gefängnis. Doch was geschieht mit Falschspielern im Computerspiel? Sie werden vom Spiel ausgeschlossen. Einmal pro Monat veröffentlicht CipSoft eine Liste der gesperrten Accounts. Im Juli waren es 6.305 – darunter aber nicht nur die der Falschspieler, sondern auch die von Spielern, die durch Beleidigungen und andere Regelverstöße aufgefallen sind.
Mit einem solchen Ausschluss will sich nicht jeder abfinden. So hatte Cipsoft schon öfter mit so genannten DDOS-Attacken zu kämpfen, bei denen die zentralen Server des Spiels mit Datenanfragen gezielt überflutet werden, und sie so zum Absturz bringen. Kriminelle Netzwerke verkaufen solche Angriffe als Dienstleistung für wenige Dollar. “Die Angreifer denken sich wahrscheinlich: Wenn ich nicht spielen kann, soll auch niemand anderes spielen”, sagt Payer. Seine Firma hat nun Geld in neue Infrastruktur gesteckt, die solche Attacken abwehren soll.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
6 Kommentare | 22. August 2012 | 13:34 Uhr |
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Schon zu C64-Zeiten gab es Cheats und POKEs.
Schummeln im Spiel ist so alt wie ein Spiel selber
Überall wo es darum geht, der Beste oder der Erste zu sein, sind Schummeleien und Betrügereien an der Tagesordnung. Egal ob in der realen oder virtuellen Welt.
Da werden alle Möglichkeiten ausgeschöpft, selbst Gesundheitsgefährdende, wie im Spitzensport.
Ich glaube, Entwickler können Cheatern kaum Einhalt gebieten – wer in einem Spiel betrügen will, wird meist Mittel und Wege finden. Entwickler können Cheatern das Leben nur möglichst schwer machen, mehr nicht. Letztendlich ist es für die Betreiber doch eine Kostenfrage gegen Cheater vorzugehen und nicht immer steht der dafür erforderliche Ressourcenaufwand in einem guten Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen. Umgekehrt bleiben die ehrlichen Spieler des Öfteren auf der Strecke, wie der Artikel auch veranschaulicht. Wenn der ehrliche „Farmer“ einen Weg gefunden hat, die Farmbots fürs eigene Spiel zu nutzen, schieben die Entwickler ihnen einen Riegel vor.
Im Grunde liefern sich Entwickler und Cheater einen unaufhörlichen Kampf. Ein nettes Beispiel dafür wäre das Browsergame Seafight. Das schwere Los aber trägt meistens der ehrliche Spieler, der von übereifrigen Mitarbeitern am Ende als vermeintlicher Betrüger entlarvt wird…..auch wenn der “Unschuldige” manchmal gar nicht so unschuldig ist, wie er tut. Die mehrseitigen Nutzungsbedingungen der Betreiber machen es aber manchmal auch nicht ganz einfach Erlaubtes von Unerlaubten zu differenzieren.
Ich denke, das hier ist nur eine verkappte Werbekampagne für oben beschriebenes Spiel.
Das problem sind nicht die cheater – wie oben schon erwähnt sind die auf kurz oder lang nicht zu stoppen. Das war schon immer so. Entwickler wissen das auch. Umso schlimmer ist es, dass in immer mehr Spielen die möglichkeit besteht Spielwährungen in reales geld umzuwandeln. Somit wir der kleine cheater plötzlich zum echten kriminellen und jedes dieser spiele seines ursprünglichen Sinnes beraubt – dem Abtauchen in eine Welt die eben keine Verbindung zur echten Welt hat.
Es scheint den Entwicklern ist das egal – immerhin verdienen sie ja an allen Echtgeldtransaktionen mit.
@Ingo: Das ist wahr!
Wieso “verkappte” Werbekampagne? Selbstverständlich wird ein solches Interview nicht beitragend zum Allgemeinwohl abgegeben. Auch bei solchen Interviews oder Vorträgen auf Messen wird einem Selbstzweck gedient. Z.B. kann das die Steigerung des Bekanntheitsgrades sein. Eine “Kampagne” kann ich aber in diesem Fall nicht erkennen, sonst wäre das Interview ja Teil einer größer angelegten Werbeaktion, das sieht mir gerade nicht danach aus.