Viele Wahrheiten im Fall Vatileaks
Der frühere Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. muss sich nun vor Gericht verantworten. In diesen Tagen sind im Zusammenhang mit dem “Vatileaks”-Skandal viele auf der Suche nach der Wahrheit. Die italienischen Bürger trauen dem Vatikan nicht und kämpfen im Netz für ihre eigene Wahrheit.
Da sind zum einen die hochbetagten Kardinäle der von Papst Benedikt XVI. eingesetzten Untersuchungskommission. Sie sollen versuchen herauszufinden, ob gegen den päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele wegen der Weiterleitung streng vertraulicher Dokumente ein Prozess eingeleitet werden soll. Außerdem ist da der Journalist Gianluigi Nuzzi, der mit seinem Buch “Sua Santità” (Eure Heiligkeit), die vertraulichen Dokumente veröffentlicht hat. Und da ist das italienische Volk, dass im Internet mit einer Facebook-Gruppe und einer Online-Petition seine eigene Wahrheit sucht.
“In einer Welt, die voll von Unwahrheiten ist, bezahlt man die Wahrheit mit Leiden”, hat Papst Benedikt XVI. einmal gesagt. Geht es nach Gianluigi Nuzzi, so hat sich sein Hauptinformant, den er in seinem Buch “Maria” nennt und nicht etwa “Falke”, diesen Satz zum Lebensprinzip gemacht. So zitiert er seine Quelle: “Ich habe gesehen, dass die Wahrheit der Zeitungen und der öffentlichen Diskurse nicht mit der Wahrheit innerhalb des Vatikans übereinstimmte.
Mangelnde Transparenz
In den Dokumenten, die über Umwege aus dem Vatikan geschleust worden sind, geht es um Korruption, Geldwäsche und Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Das sind keine Kavaliersdelikte. Deshalb ist es verständlich, dass viele Menschen wissen wollen, was an den Vorwürfen gegen den Vatikan dran ist. Auch wenn sich Benedikt XVI. in diesem Fall bei der Wahrheitssuche nicht an seine eigene Worte hält. Sämtliche Vorwürfe gegen den Heiligen Stuhl weist er von sich, und erklärt, die “Vatileaks”-Affäre würde ein gänzlich falsches Bild auf den Vatikan werfen. Mehr sagt der Heilige Vater nicht und geht stattdessen lieber gegen das Satiremagazin Titanic vor, das ihn jüngst unvorteilhaft auf seiner Titelseite abbildete.
Wegen dieser mangelnden Kooperationsbereitschaft und Transparenz des Vatikans in eigenen Belangen hat sich unlängst auch eine Facebook-Gruppe mit dem Namen “Vatikan bezahl’ du uns den Haushaltsplan!” gegründet. Sie sucht eine Wahrheit, die dem Volk dienlich ist und nicht nur der Hausordnung im Vatikan. Bislang hat sie schon mehr als 224.000 Mitglieder. Ihr erklärtes Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass die italienische Bischofskonferenz künftig weniger Geld von den Bürgern bekommt. Es sei ungerecht, dass durch die Reformpläne Montis in vielen gesellschaftlichen Bereichen gekürzt würde, nur nicht im Kirchensektor. Seit Jahren würde die katholische Kirche Milliarden von Euro von den italienischen Bürgen bekommen, ohne sich an den Folgen der Finanzkrise zu beteiligen.
“Während zum Beispiel Ressourcen für Schulen, Gesundheitswesen oder Behinderte und ihre Familien weiterhin gekürzt werden, ist es nicht länger hinnehmbar, dass die Kirche einen Schritt zurück macht. Von denjenigen, die Brüderlichkeit und Solidarität predigen, erwarte ich einen Akt von Demut und christlicher Nächstenliebe”, schreibt zum Beispiel Gruppenmitglied Pierina Cilla.
Online-Petition gegen die Kirche
Die Gründer der Facebook-Gruppe haben auch eine Online-Petition vorbereitet. Darin wird von Präsident Monti gefordert, dass italienische Steuergesetz “8 per Mille” zu ändern, und nur noch die Hälfte der Steuern an die Kirche abzuführen. Dank dieses Gesetzes bekomme die italienische Bischofskonferenz jedes Jahr rund eine Milliarde Euro von den Bürgern. Vor 20 Jahren, hätte die Bischofskonferenz nur rund 210 Millionen im Jahr bekommen. Während die Einnahmen der Kirche drastisch gestiegen seien, seien die Ausgaben kaum angestiegen: “Die Ausgaben des Klerus sind in den vergangenen 20 Jahren von 145 Millionen Euro auf 363 Millionen Euro angestiegen”, heißt es in der Petitionsbeschreibung. Bislang wurden 5.000 Unterschriften gesammelt. Für die Übergabe an Präsident Monti werden 10.000 Unterschriften benötigt.
Aus dem Vatikan hieß es am Sonntag, dass gegen Ende der Woche entschieden wird, wie es mit dem päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele weitergehen soll. Für die Italiener, die im Netz nach der Wahrheit suchen, ist es aber egal, ob gegen Gabriele ein Prozess eröffnet werden wird oder die Anklage fallen gelassen. Für sie bleibt der Kammerdiener nur ein Bauernopfer.
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3 Kommentare | 13. August 2012 | 16:04 Uhr |
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@susi bibelmaus
Wäre es möglich, wenigsten mal einen Kommentar zu schreiben, der mit dem Beitrag etwas zu tun hat?
Der Teil hat jetzt etwas mit dem Beitrag zu tun.
Hallo Susi,
du schreibst etwas widersprüchlich.
“Das Außen” will für die Kirche die weltlichen Richter und nebenbei auch selbst weltlicher Richter sein.
Wenn die Kirche das “intern” regeln will, gerade ohne Richter von außen, nennst du es quasi vertuschen….also was jetzt??
Das allgemeine “an ihren Taten” mangelt etwas an Differenzierung. Was in den Medien gerne vrgessen wird, auch die Privatschulen haben mit diesem Problem sehr zu kämpfen.
“An ihren Taten” …. darf man da nur Judas sehen und die anderen elf außer Betracht lassen?
Die Ernte wird irgendwann eingefahren, wieso schreibst du diesbezüglich ein widererwartend ??
mfg leser