TwitOlympia: Skandale, Zahlen und Emotionen

Leichtathlet Robert Harting präsentiert seine Medaille auf seinem Twitter-Profil (Quelle: Screenshot auf Twitter, @DerHarting)
Die Olympischen Spiele gehen am Sonntag zu Ende. London 2012 hat sportliche Rekorde und viele glückliche Athleten hervorgebracht. Vor allem waren die Spiele eines: ein Gewinn für Twitter. Auf der Plattform wurden viele Bilder erstmalig veröffentlicht, die dann um die Welt gingen. Es gab Skandale und die Athleten nutzten die 140 Zeichen, um ihre Emotionen über Medaillen oder Misserfolge zu verbreiten.
Gäbe es eine Goldmedaille für das erfolgreichste Medienunternehmen während der Spiele, würde man sie wohl an Twitter verleihen müssen. Dort liefen die Olympischen Spiele unter dem Hashtag #London2012 und boten der Plattform die Möglichkeit, mehr zu sein als ein Verbreitungskanal für Kurznachrichten.
Twitter hat diese Chance genutzt und wurde so etwas wie ein zentraler Verteildienst für olympische Momente. Auffällig dabei: Twitter entwickelte eine derartige Dominanz auf mobilen Geräten, dass sogar der olympische Datenfunk gestört wurde und die Ergebnisse vom Straßenradrennen nicht mehr zu den Berichterstattern durchdrangen – worauf sich viele Zuschauer erneut via Twitter beschwerten. Zudem hat Twitter mit eigenen Redakteuren Inhalte aufbereitet - und eine Kooperation mit der Senderkette NBC hat die eigene Rolle noch mehr in Richtung eines echten Medienunternehmens gerückt. Vor allem aber konnte Twitter gemeinsam mit dem IOC viele Sportler motivieren, den Dienst intensiv zu nutzen. Der “Olympic Athletes Hub” wurde so etwas wie ein Twitter-Telefonbuch für Olympiateilnehmer.
“TwitOlympia” in Zahlen
NBC hat in einem “Twitter Tracker“ beeindruckende Zahlen zusammengetragen: in den 17 Tagen der Spiele gab es bis jetzt mehr als 40 Millionen olympiabezogene Tweets. Pro Minute wurden durchschnittlich um die 2.000 Nachrichten veröffentlicht. Solche Social-Media-Zahlen lassen sich schwer interpretieren. Es ergeben sich allerdings einige interessante Rankings. Zum Beispiel gibt es eine Rangliste der Sportarten nach der Zahl der darauf bezogenen Tweets:
1. Schwimmen: 580.000
2. Turnen: 410.000
3. Basketball: 410.000
4. Fußball: 340.000
5. Volleyball: 250.000
Etwas ähnliches gibt es auch für die Sportler:
1. Michael Phelps: 600.000
2. Tom Daley: 560.000
3. LeBron James: 520.000
4. Usain Bolt: 510.000
5. Ryan Lochte: 300.000
TwitOlympia in Skandalen
Damit sich herumspricht, wie bedeutend Twitter ist, verwenden die Macher auf dem englischen Firmenblog in der Überschrift gern den Hashtag #OnlyonTwitter, für Inhalte, die es nur auf Twitter gibt. Das ist etwas selbstverliebt, während der Olympischen Spiele gab es aber tatsächlich einiges, das sich nur hier abspielte oder zumindest begann. #London2012 ist aber auch eine Geschichte der Twitter-Skandale:
- die griechische Dreispringerin Voula Papachristou hatte auf Twitter einen menschenverachtenden Witz über Afrikaner gemacht. Sie wurde deswegen am Mittwoch, 25. Juli, also noch vor dem offiziellen Beginn der Spiele, vom Olympischen Komitee suspendiert,
- der Schweizer Fußballer Michel Morganella hatte am 29. Juli nach einer Niederlage auf Twitter Südkoreaner vulgär beleidigt. Er wurde vom eigenen Team suspendiert.
- Twitter sperrte am 29. Juli für zwei Tage den Account des britischen Journalisten Guy Adams. Der hatte sich über NBC aufgeregt und mit der Aufforderung “Tell him what u think!” ‘(sag ihm, was du denkst) gleich die Email-Adresse des Zuständigen NBC-Mitarbeiters mitgeliefert. Aufgrund der engen Medienpartnerschaft mit NBC handelte sich Twitter umgehend den Vorwurf der Zensur ein – später wurde der Account wieder freigeschaltet.
… und in Emotionen
Bei den ganz großen Zahlenspielen mit Followern oder Tweets-per-Minute können die deutschen Olympioniken nicht mithalten. Dennoch nutzen auch sie Twitter, um ihre Freude direkt (mit-)zu teilen (einige gleich in englischer Sprache):
Marcel Nguyen kommt ohne viele Worte aus:
„Silver medal for Marcel!!! #london2012“ und nach der zweiten Silber-Medaille: „And once more: SILVER!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! #london2012“ (Geräteturner Marcel Nguyen am 02. und 07. August)
Fabian Hambüchens Freude über einen Sieg reicht für gleich zwei Tweets:
„Ich kann’s noch nicht glauben..SILBER am Reck!!! Und da ist das Ding!!
http://fb.me/1RuMxgxdt “ und einfach: „Yeeessss!!!!!! http://instagr.am/p/OCwxGfkXdg/“ (Geräteturner Fabian Hambüchen am 08. August)
Noch minimalistischer als Nguyen twitter Robert Harting:
„;) pic.twitter.com/5gUogZ3d“ (Leichtathlet Robert Harting am 08. August)
Die Kanutin Franziska Weber klingt am glücklichsten von allen:
„Hart erkämpftes SILBER!!!!ich freu mich sehr!!und morgen kämpfen wir um weiteres Edelmetall!!!#WirfuerD“ und nach dem zweiten Sieg: „Das ist so krass…ich kann es immer noch nicht fassen!!ich bin so glücklich und erleichtert,das muss erstmal sacken:) pic.twitter.com/QePDs2XY“ (Kanutin Franziska Weber am 08 und 10. August)
Mit die spektakulärsten Bilder aber lieferte sicher die London2012-Poolcam, jene Unterwasserkamera, die die Schwimmer bei ihrer Jagd nach Bestzeiten aus der Froschperspektive beobachtet hatte.
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3 Kommentare | 12. August 2012 | 12:38 Uhr |
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Allem in Allen war es eine schöne Olympiade, die die Bürger der Welt wieder ein Stück näher zusammengebracht hat.
Vorfreude auf die nächsten Großereignisse ist schon mal geweckt.
Ich finde twitter geil :-9
London hat wohl die schlechteste Organisation aller Zeiten geliefert. Ständig Pannen und unfaire Entscheidungen. Kein Wunder, dass Jacques Rogge in der Schlussfeier nicht den Satz (best games ever) verwendet hat.