Spiele-Preis geht an den “Hexer”

Das polnische Entwicklerteam des Siegerspiels "The Witcher 2" (Foto: Torsten Kleinz)

Das polnische Entwicklerteam des Siegerspiels "The Witcher 2" (Foto: Torsten Kleinz)

Kölsch statt Champagner, Currywurst statt Luxus-Buffet – der European Games Award ist die etwas andere Preisverleihung. Zum dritten Mal nahmen die Entwickler der beliebtesten europäischen Spiele im Rahmen der Spiele-Messe Gamescom in Köln Preise für ihre Arbeit entgegen. Sieger des Abends: Schweden und Polen – in der Gruppenwertung gewann Deutschland.

Zwei Spiele haben es den Spielern besonders angetan: Das Action-Spiel Battlefield 3, ein Produkt der schwedischen Spiele-Schmiede DICE, gewann nicht nur in der Kategorie “Bestes Europäisches Action Game” und “Bestes Europäisches Multiplayer Game”, auch der Sound wurde mit einer eigenen Trophäe prämiert.

Dass das Studio mit 20 Jahren Erfahrung und einer Konzerntochter in den USA die Spieler überzeugen konnte, überraschte kaum jemanden. Aber ein anderes Spiel konnte den Schweden den Preis in der wichtigsten Kategorie wegschnappen: Das “beste europäische Spiel” ist “The Witcher 2” (der Hexer), ein Action-Rollenspiel der polnischen Softwarefirma “CD Projekt RED“. Die Polen sahnten auch den Preis für das “beste Charakter Design” und die “beste Art Direction” ab.

Screenshot des Sieger-Spiels: "The Witcher"

Screenshot des Sieger-Spiels: "The Witcher 2"

In insgesamt 22 Kategorien gab es Preise zu gewinnen – vom “besten Rennspiel” bis zum “besten Sound”. In der Gesamtwertung setzten sich deutsche Entwickler mit 61 Punkten knapp vor den Briten mit 52 Punkten durch, gefolgt von den Polen mit 44 Punkten.

Der “europäische Spiele-Preis” ist ein reiner Publikumspreis: Über 190.000 Spieler haben ihre Stimmen abgegeben, um die besten Computerspiele in 22 Kategorien zu bestimmen. Der Verzicht auf die Jury war aus der Not geboren: Als der Initiator Stephan Reichart die Idee zu einem europäischen Preis hatte, klopfte er bei den Entwicklerverbänden an. Doch die hatten kein Interesse, ihren nationalen Spiele-Preisen Konkurrenz zu machen.

Das Publikum bestimmt die Sieger

Kurzerhand strich Reichart die Jury: Nominiert wird jedes Spiel, das in den gesammelten Spiele-Tests gut genug abschneidet. “Wir nominieren die besten Spiele – prämiert werden die beliebtesten”, erklärt Reichart die Strategie. Er verlässt sich darauf, dass die nominierten Entwickler selbst für den Preis trommeln. Mit Erfolg: Waren es im ersten Jahr noch magere 15.000 Teilnehmer, die über die besten Spiele abstimmten, so waren es in diesem Jahr mehr als zehn Mal so viele.

Gemeinsam spielen ist der Trend

Alleine spielen macht heutzutage immer weniger Spielern auf Dauer Freude. Im ständig wachsenden Markt der Internetspiele konnte sich Goodgame Empire als “bestes Browserspiel” durchsetzen. Als bestes Onlinespiel konnte der Shooting Star der Branche “Wargaming.net” mit seinem Flugzeug-Kriegsspiel World of Warplanes durchsetzen. “Wargaming.net” bekam zusätzlich den Preis als bester Publisher.

“Battlefield”, “Crysis”, “Angry Birds” – viele Spiele-Hits stammen inzwischen aus Europa. War die Szene bisher stark von der US-Entertainment-Industrie und den spielebegeisterten Asiaten bestimmt, haben sich die Europäer mittlerweile einen Platz für hochqualitative Entwicklungen jenseits des Mainstreams erarbeitet.

Der Preis zeigt, dass sich europäische Länder immer mehr emanzipieren – auch wenn sie weiter von amerikanischen und asiatischen Konzernen wie Microsoft, Sony oder Electronic Arts abhängen, die die Kontrolle über die Konsolen haben oder die Budgets für Computerspiele bereitstellen, die zum Teil an die Kosten eines Hollywood-Streifens heranreichen können. Doch grade in neuen Märkten wie Spiele-Apps und Browsergames werden die Karten neu gemischt – und die europäischen Entwickler werden von den neuen Playern im Markt wie Facebook oder Google heftig umworben.

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2 Kommentare | 15. August 2012 | 14:41 Uhr | Twittern | Facebook

2 Kommentare

  1. Eine perfekte Entscheidung. Der “Witcher” rockt richtig und bietet neben guter technischer Umsetzung auch eine dichte Atmosphäre. Das schafft Crysis 2 trotz toller Technik leider überhaupt nicht.

    Und mich freut auch, dass qualitativ hochwertige europäische Games immer mehr werden. Waren vor zehn Jahren nur japanische und amerikanische Unternehmen marktführend, sind es nun auch immer mehr die Europäischen.

    Das ist gut :-)

    Reime Freund | 15. August 2012 | 16:41