Norwegen: Erleichterung nach Breivik-Urteil

Reaktionen auf das Urteil, dargestellt in einer Tag-Cloud (Foto: Screenshot Bild www.aftenposten.no)
“Hva føler du effer dommen?” – “Wie fühlst Du dich nach dem Urteil?” Diese Frage stellte Norwegens größte Zeitung Aftenposten auf ihrer Webseite den Lesern. In der Tag Cloud erscheint das Wort mit den meisten Klicks am größten. Demnach steht an der Nummer eins: “lettet” – “erleichtert”. Andere beschrieben ihr Gefühl mit: “ferdig” – “fertig”, oder “medielei”, was so viel heißt wie “medienmüde”.
Auf Twitter schoss die Anzahl von Wortmeldungen mit den Hashtags #breivik, #abb und #22juli unmittelbar nach der Urteilsverkündung in die Höhe. Die Nutzer äußerten sich spontan und gaben ihren Empfindungen freien Lauf: ”Da hast du bekommen, was du verdienst, du Bastard!“ und “Er selbst ist offenbar vergnügt. Möge er in alle Ewigkeit brennen“, sind nur zwei Beispiele von vielen.
Die Utöya-Überlebende Emma Martinovic brüllte in einem Blogeintrag ihre Erleichterung hinaus: ”JAAAAAAAAAAAAAAAA!!!! Endlich, Endlich“. Die Urteilsverkündung wurde im Internet live übertragen und auch dabei wurde sogleich kommentiert, zum Beispiel auf der Webseite des norwegischen Rundfunks, NRK. Die Onlineangebote der Leitmedien quollen allesamt über mit Meldungen und Kommentaren zum Thema.
Höchststrafe nicht genug
Auf der Homepage von Verdens Gang, der norwegischen Zeitung mit der zweitgrößten Auflage, lässt sich gut nachvollziehen, wie das Urteil aufgenommen wird. Eine Auswahl der über 400 Kommentare zeigt dabei, wie unterschiedlich das Strafmaß aufgefasst wird: “Die existierende Maximalstrafe ist leider nicht für Verbrechen diesen Kalibers ausgelegt. Er sollte 21 Jahre für jedes Verbrechen bekommen”, schreibt etwa Arne. “Das ist krank. Er sollte 21 mal 77 Jahre kriegen”, kommentiert Pha Chhorn. Nils klärt im Chat auf: “An alle, die glauben, das ist eine milde Strafe… 21 Jahre mit Sicherungsverwahrung ist die absolut strengste Strafe des Gesetzes.”
Ähnlich äußert sich auch Björn Ihler, selbst ein Überlebender des Massakers auf Utöya, auf seiner Facebook-Seite. “Breivik ist zurechnungsfähig und kriegt 21 Jahre Gefängnis. Das ist die härteste Strafe im norwegischen Rechtssystem. Er wird weiter festgehalten, sollte er weiterhin als Gefahr für die Gesellschaft gesehen werden.”
Norwegisches Rechtssystem gibt Anlass zur Diskussion
Der meistgeteilte Artikel der Zeitung Aftenposten auf Facebook mit dem Titel “21 Jahre für 77 Menschenleben – Ist die Welt verrückt geworden?” stellt ebenfalls fest, dass die Diskussionen in den sozialen Medien stark von dem Missverständnis des norwegischen Rechtssystems geprägt sind. Über Twitter empfiehlt daher TV2-Mitarbeiterin Ingvild F. Grutle, “Schickt diesen Link (www.kriminalomsorgen.no/index.php?id=433056) an die Englischsprachigen, die den Unterschied zwischen Gefängnis und Sicherungsverwahrung nicht verstehen.”
Rechte: Breivik als Kriegsgefangener
Sogar im rechten politischen Spektrum wurde das Urteil begrüßt, wenn auch, wie die Regionalzeitung Bergens Tidende betont, aus anderen Gründen. Laut der Zeitung ließ das rechtsextreme “Blog The Conservative Revolution” verlauten, “unser Kommandeur Anders Behring Breivik ist als gesunder Mann verurteilt worden. Es zeigt sich, dass doch eine Gerechtigkeit in Europa existiert und dass man seine Ansichten nicht als solche eines Wahnsinnigen abtun kann.” Weiter heißt es dort: Breivik sei nun “Kriegsgefangener für die nächsten 21 Jahre.”
Der rechte Blogger Fjordmann, alias Peder Jensen, den Breivik in seinem Manifest umfassend zitiert hatte, schrieb in einer E-Mail an Aftenposten, das Urteil sei auf Druck der Medien so ausgefallen. Er schrieb, “Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob Breivik zurechnungsfähig ist, da ich ihn nie getroffen habe. Es wirkt, als sei er ein komplizierter Grenzfall.”
Auf der Webseite der Gruppe SIAN (Stoppt die Islamisierung Norwegens) äußerten sich anonyme Kommentatoren zum Beispiel: “In diesem Universum weigern sich so einige, vielleicht vor allem in Norwegen, zu akzeptieren, dass es tatsächlich Menschen gibt, die politisch anders denken und gleichzeitig bereit sind, über Leichen zu gehen, um ihre Ziele zu erreichen. Dies zu beobachten, ist interessanter, als das Urteil selbst.”
Zurechnungsfähig, aber “offenbar verrückt”
Anders Behring Breivik und seine Verteidiger ließen inzwischen verlauten, dass sie das Urteil nicht anfechten würden. Breivik sagte, er erkenne das Gericht nicht an. Das Urteil sei seiner Ansicht nach illegitim, demnach könne er es auch nicht anfechten, denn das käme einer Anerkennung gleich.
So bleibt es vermutlich dabei, volle Schuldfähigkeit und Höchststrafe. @KetilSteigen kommentiert Breiviks attestierte Zurechnungsfähigkeit bei Twitter so: “Überrascht, dass so viele nicht verstanden haben, dass man schwer psychisch krank sein kann, ohne unzurechnungsfähig zu sein.” Und @bavalde meint, “Bin weder Jurist noch Psychologe, aber es scheint richtig zu sein, dass Breivik zurechnungsfähig ist, auch wenn er offenbar verrückt ist.”
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
Von: Bettina Rehmann
12 Kommentare | 24. August 2012 | 21:37 Uhr |
|
Schmeiss doch irgendwer mal Susi Sorglos aus diesem Kommentarsystem. Ist ja nicht auszuhalten dieser Mist.
Was würden Sie denn schreiben, wenn Sie etwas schreiben würden?
Gruß aus Eisenach
Jedenfalls kein so ein verkorkstes Geschwurbel. Es geht in diesem Artikel auch nicht um die Tat Breiviks, sondern um die medialen Reaktionen bzw. die der Bevölkerung. Also was soll diese pseudo-religiöse Sch…einanalyse? bibelmaus fällt hier in schöner Regelmäßigkeit unangenehm auf, da würde ich ihr ebenfalls Geltungssucht attestieren. Auch ohne Kreuzritter.
@ nik | 28. August 2012 | 01:38
Und nun zu Ihrem Beitrag:
»Es geht in diesem Artikel auch nicht um die Tat Breiviks, sondern um die medialen Reaktionen bzw. die der Bevölkerung.« (Ihr Text auszugsweise)
Was bringt Ihnen eine »internationale Presseschau«? Ist es denn so interessant zu lesen, was wer wann und wo geschrieben hat? Die Medien haben sich seit dem Tatzeitpunkt sehr intensiv mit dem Fall beschäftigt. Erst wollte man den Attentäter in die Islam-Ecke stellen. Dann musste man erkennen, dass hier wohl ansatzweise rechtes Gedankengut vorhanden ist. Letztendlich hat alles nicht so richtig gepasst. Geblieben ist die Feststellung, dass es sich um einen gestörten Menschen handelt.
Man kann diese schreckliche Tat nicht ungeschehen machen. Aber wir können über die möglichen Hintergründe nachdenken. Wie wird ein Mensch wie Breivik zum Massenmörder? Und genau das hat unsere Teilnehmerin susi bibelmaus getan. Respekt!
Einen freundlichen Gruß aus Eisenach
Man kann nur hoffen, dass die hyperland.redaktion den “Kommentar” von Frau Bibelmaus im Sinne der Opfer von Breivik ein zweites Mal löscht.
Ist geschehen. Danke an die Redaktion.
Und Oesterreich?:
Am Fr. 19.5.2006 wurde von Radio Antenne Salzburg in den 19-Uhr-
nachrichten ein hoher BZOe-funktionaer (ich glaube, es war der
burgenlaendische
Spitzenkandidat) gefragt, wer BZOe-obmann wird. Antwort: das wird zum
gegebenen Zeitpunkt bekanntgegeben und: “Kommt Zeit, kommt Rat, kommt
ATTENTAT”.
@ Stefan | 28. August 2012 | 09:09
»Man kann nur hoffen, dass die hyperland.redaktion den “Kommentar” von Frau Bibelmaus im Sinne der Opfer von Breivik ein zweites Mal löscht.« (Ihr Text)
Ich habe den Beitrag unserer Teilnehmerin aus Brandenburg gelesen.
Nach meiner Einschätzung ist es ein exzellenter Beitrag. Die Teilnehmerin beschreibt hier sehr präzise und eindringlich die möglichen Hintergründe und die Motivation des Attentäters.
Eine Kränkung der Opfer dieses schrecklichen Geschehens kann ich nicht erkennen.
Das Problem:
Wir haben hier in Deutschland eine sehr hohe Alphabetisierungsrate. Das heißt, sehr viele Menschen in unserem Land können lesen. Aber offensichtlich versteht nicht jeder das Gelesene. Einfach mal nachdenken, verbunden mit der Bereitschaft zu verstehen – und auch andere Sichtweisen respektieren.
Wenn Sie mir aber verbindlich versichern, dass dieser Blog ein Stammtisch für trotzige Postpubertierer sein soll, dann werde ich mir solche Ratschläge künftig ersparen.
Einen freundlichen Gruß aus Eisenach
“Wenn Sie mir aber verbindlich versichern, dass dieser Blog ein Stammtisch für trotzige Postpubertierer sein soll, dann werde ich mir solche Ratschläge künftig ersparen.”
Tun Sie der Leserschaft von Hyperland einen großen Gefallen und ersparen Sie uns nicht nur Ihre Ratschläge, sondern gleich jegliche Kommentare. Danke!
@Herr Sahl
Wie ich sehe, bleiben Sie Ihrer Linie treu – als Beschützer von Frau Bibelmaus und eines gleichbleibend niedrigen Niveaus Ihrer Kommentare.
Da Sie offensichtlich lesen können haben Sie nur Probleme mit dem Verstehen, was die Sache etwas erleichtert.
Zum einen geht es, wie “nik” schon schrieb, um den Prozess, von daher hat der Kommentar von Frau Bibelmaus absolut nichts mit dem Artikel zu tun.
„Bibelmaus = Nur in der Erinnerung sieht eine so sonst unbeachtete Seele die Chance zur gesellschaftlichen Wahrnehmung. Übrigens muss keiner von euch ein Psychologe oder Psychoanalyst sein um jene Signale an und in seinem Mitmenschen zu erkennen nach deren Verlangen sich ausnahmslos jeder, aber auch wirklich… jeder Mitmensch sehnt: Zuwendung!“
Diese “unbeachtete Seele” die in Bibelmaus “Kommentar” sich nach “Zuwendung sehnt”, ist ein Massenmörder, der gnadenlos 77 überwiegend junge Leute aus niedern Beweggründen abgeschlachtet hat.
„Herr Sahl = Aber offensichtlich versteht nicht jeder das Gelesene.“
Sie haben Recht, Sie verstehen es nicht.
Schon mal an die Angehörigen gedacht? Schon mal daran gedacht was die Mütter und Väter der Opfer bei solchen Zeilen empfinden könnten?
@Redaktion
Danke für das schnelle Handeln.
So langsam gewinne ich den Eindruck, dass “die Stimme aus Thüringen” und der Bibeltroll ein und dieselbe Person sind.
Bitte ZDF, unternehmt etwas gegen diesen Troll. Sowas gehört in Hyperland nicht rein. Kommentare habe ich bislang immer gern gelesen. Seit einiger Zeit ist das hier zum Gruselkabinett verkommen.
Das hat Hyperland nicht verdient!