MyVote: One Facebook-Account, one vote

Auf Facebook für die kommende Präsidentschaftswahl registrieren, eine App macht's möglich (Quelle: Screenshot MyVote-App)
Der US-Bundesstaat Washington hat am Montag die Facebook-App MyVote gelauncht. Sie soll mehr Nutzer motivieren, sich online für die Präsidentschaftswahl im November zu registrieren und damit die Wahlbeteiligung erhöhen. Die Anwendung ist ein Gemeinschaftsprojekt von Washington State, Microsoft und Facebook.
MyVote zieht sich den Namen und das Geburtsdatum aus dem Facebookprofil und trägt ihn in ein Formular ein. Nach der Bestätigung durch den Nutzer leitet sie auf die Website des Washington Secretary of State weiter, auf der die Online-Registrierung abgeschlossen werden kann.
“Gefällt mir”
Während in Deutschland der Wahlschein automatisch per Post zum Bürger kommt, kann in den meisten Bundesstaaten nur wählen, wer sich vorher dafür registriert hat. Offizielle Umfragen zur letzten Präsidentschaftswahl im Jahr 2008 legen nahe, dass die Registrierung eine spezifische Hürde darstellt, und wenig mit einem Interesse oder Desinteresse an der eigentlichen Wahl zu tun. Shane Hamlin, Co-Director of Elections im Bundesstaat Washington, beschreibt gegenüber Hyperland die Erwartungen an die Anwendung: “Mit der MyVote-App können wir die Kraft sozialer Netzwerke nutzen. Ich denke vor allem an die intensive Kommunikation unter Freunden und an die Möglichkeit, die App zu ‘liken’ oder zu ‘sharen’. Diese Prozesse haben das Potenzial, die Online-Registrierungsraten zu erhöhen.”
Die Deadline für die Online-Registrierung in Washington State ist der 8. Oktober. Schon jetzt würden sich einige andere Bundesstaaten für die Anwendung interessieren. Wirklich sinnvoll sei sie aber nur dort, wo auch eine Online-Registrierung möglich ist. Die eigentliche Innovation geschah im Jahr 2008, als Washington diese Möglichkeit einführte. Mittlerweile bieten 13 der insgesamt 50 Bundesstaaten das an.
Werbung für den Internet Explorer
Die Anwendung ist in Kooperation mit Facebook und Microsoft entstanden und hat den klammen Bundesstaat Washington somit kein Geld gekostet. Für Microsoft scheint das Sponsoring mehr als nur einen abstrakten Image-Gewinn zu bringen. Auf der Seite des Secretary of State, auf der die reguläre Online-Registrierung möglich ist, erscheint der Text: “Wir sind noch dabei, die Kompatibilität der Seite zu verbessern. Für optimale Resultate verwenden Sie bitte den Internet Explorer.” Auch Facebook könnte erheblich profitieren. Wenn sich die Anmeldung durchsetzt, wäre das nicht nur ein Gewinn für die US-amerikanische Demokratie, sondern auch eine Werbung für das Klarnamen-Vorhaben von Facebook, das ansonsten in der Kritik steht. Verbalisiert würde die Botschaft lauten: “Für optimale Resultate verwenden Sie auf Facebook bitte Ihren Klarnamen und Ihr richtiges Geburtsdatum.”
Eine deutsche MyVote-App?
Da das deutsche Wahlsystem keine Registrierung kennt, ist die Anwendung auf hiesige Verhältnisse nicht direkt übertragbar. Doch wird es eines Tages vielleicht politische Wahlen oder Abstimmungen via Facebook geben? Der digitale Weltstaat Facebook würde dann eine Infrastruktur bilden, auf dem der wichtigste demokratische Prozess schlechthin koordiniert wird. Aus “One man, one vote”, dem historischen Motto der Wahlgleichheit, würde “One Facebook-Account, one vote”. Das wird nicht ernsthaft diskutiert und wäre vor allem ein feuchter Traum von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Es würde bedeuten, dass alle Bürger auf Facebook sind und grundlegende demographische Daten korrekt angeben müssten.
Als Facebook das letzte Mal Demokratie gespielt hat, ist das kläglich gescheitert. Im Juni 2012 sollten alle 900 Millionen Mitglieder über die neuen Geschäftsbedingungen abstimmen, doch weniger als 0,1 Prozent beteiligten sich an der Abstimmung. Die Facebook-kritische Organisation Europe-vs-Facebook spottete, dass der US-Konzern bei der tatsächlichen Ausgestaltung der Abstimmung wohl Demokratieunterricht in China genommen habe. Ein idealer Partner für demokratische Prozesse sieht anders aus. Prinzipiell kann Facebook überall dort als Andockstelle dienen, wo Online-Prozesse vorgesehen sind. Sobald Online-Wahlen möglich sind, ist es gut denkbar, dass eine Facebook-App auch in Deutschland Nutzer zu den digitalen Wahlurnen lockt. Bis politische Wahlen auch ohne die Vor-Ort-Anwesenheit von Bürgern auskommen, ist es aber noch ein langer Weg.
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3 Kommentare | 08. August 2012 | 11:21 Uhr |
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Damit wird klar, welchen Stellenwert der Datenschutz momentan in den USA hat.
Eine derart wichtige Angelegenheit wie die Präsidentenwahl über einen privaten Anbieter abwickeln zu wollen, der damit noch zusätzlich an wichtige Daten herankommt, ist echt ein starkes Stück.
“One Facebook-Account, one vote”
Naja, einen Lacher war es immerhin wert.
“Für optimale Resultate verwenden Sie bitte den Internet Explorer”
Das passiert, wenn solche Kooperationen mit Microsoft geschehen. Auch einen kleinen Lacher wert.
Ach du lieber Himmel.