Mars-Rover “Curiosity”: Mission Control im Wohnzimmer

Marsrover "Curiosity" (Quelle: Wikipedia; Lizenz: Public Domain http://bit.ly/N4duUg)

Marsrover "Curiosity" (Quelle: Wikipedia; Lizenz: Public Domain)

Kaum etwas ist so komplex wie die Weltraumforschung. Der luftleere Raum, die lebens- und technikfeindliche Strahlung, scheinbar unüberwindbare Distanzen. Die Simulation im Spiel macht die Forschung im All greifbarer und generiert Lösungsstrategien für die Realität.

Er wiegt etwa 900 KG und ist so groß wie ein Kleinwagen. Der Mars-Rover “Curiosity” konnte bei seiner Landung auf dem Mars nur mit Hilfe eines speziellen Triebwerks gebremst werden. Bei dem komplizierten Manöver war der Bordcomputer auf sich allein gestellt. Eine Fernsteuerung war aufgrund des langen Zeitintervalls, das ein Signal von der Erde zum Mars braucht, unmöglich.

Marslandung im Wohnzimmer

Um die komplexen Vorgänge der Mission einem wissenschaftsfernen Publikum nahe zu bringen, hat die amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde NASA in Zusammenarbeit mit Microsoft ein kostenloses Simulationsspiel für die XBox-Konsole entwickelt, das es Spielern ermöglicht, die Landesequenz des Marsrovers per Kinect-Bewegungssteuerung nachzuahmen. “Mars Rover Landing” simuliert den Eintritt in die Marsatmosphäre. Der Spieler beeinflusst den Eintrittswinkel der Fähre mit seiner Körperhaltung (wie hier im Youtubevideo zu sehen), trennt das Hitzeschild mit einer Handbewegung und balanciert den Abstieg zur Oberfläche mit den Armen. “Die Spannung einer Marslandung samt der Herausforderungen rund um die Curiosity-Mission bringen wir in die Wohnzimmer der ganzen Welt.”, sagte Jeff Norris, Softwareentwickler des NASA Mars Science Laboratory, bei einer Pressekonferenz im Juli.
Obwohl das Konsolenspiel in erster Linie dazu dienen dürfte, der 2,5 Milliarden Dollar teuren Mission einen jugendlich-coolen Anstrich zu verleihen, ist es ein Beleg für eine spielerische Öffnung der (Weltraum-)Forschung. Norris verkündete, dass die NASA bald eine Software bereitstellen will, mit der man eigene Experimente auf dem Mars simulieren kann. Die so virtuell gewonnenen Erkenntnisse könnten in den realen Wissenschaftsbetrieb einfließen, wie Norris meint.

Gene entschlüsseln und Satellitendaten anzapfen

Dass spielerische Elemente und Wissenschaft zusammenpassen beweist das EteRNA-Projekt der Stanford University. In dem Online-Game erschaffen Spieler innovative GEN-Sequenzen. Bei dem Online-Puzzle Foldit ergründen Spieler komplexe Protein-Strukturen und die Astronomie-Plattform Galaxy-Zoo entdeckt dank weltrauminteressierter Beobachter neue Himmelskörper. Bald können Spieleentwickler in Echtzeit auf Satelliten-Daten zugreifen und Wetterinformationen, Umwelt- und sonstige Messdaten in Games integrieren. Spieler werden so virtuell Lösungsstrategien für Umweltprobleme oder Katastrophen-Szenarien entwickeln, die in strategische Überlegungen bei realen Problemen eine Rolle spielen könnten. Das mit öffentlichen Mitteln finanzierte GMES-Projekt plant die Bereitstellung solcher erdbezogenen Daten und will sie für jegliche Nutzungsformen freigeben.

Spieler und Bastler erobern das All

Wie man spielerisch Nutzer in die Raumfahrt einbinden kann, ermitteln die Berliner Part-Time Scientists mit einer mehrwöchigen Trainings-Session auf einer nachgebauten Mondlandschaft. Dort sollen Fans und Unterstützer des Projekts einen Mondrover per iPad-App steuern. Durch die Vielzahl der unterschiedlichen Fahrer wird der Lunar Rover Härtetests bestehen müssen, die ein internes Testteam nur schwer simulieren könnte. So tragen Spieler zur Weiterentwicklung des Mondgefährts bei. Noch mehr gamifiziert-crowdgesourcte Weltraumforschung betreiben die Macher des ArduSat-Projektes, das kürzlich via Kickstarter mit über 100.000 Dollar erfolgreich schwarmfinanziert wurde (Video). Der Open Hardware Satellit soll per Webinterface im All ansteuerbar sein und mit Social Media Elementen spielerisch kontrolliert werden. Entwickler sammeln derzeit kreative und wissenschaftliche Nutzungskonzepte für den Arduinobasierten Satelliten.

Erfolge jenseits der Planungsphase kann das Team der PongSats vorweisen (Video). Mit einem modifizierten Wetterballon schickt die Forschergruppe rund um Gründer Josh Powell tausende Mini-Satelliten an den Rand des Weltalls – und zwar kostenlos! Die in Pingpong-Bällen verbauten Geräte beherbergen komplexe Sensoren von Forschern sowie Bastel-Projekte von Kindern und zeigen spielerisch Wege auf, wie wissenschaftsferne Querdenker an eine oftmals betriebsblinde Wissenschaftler- und Forschergemeinde herangeführt werden können, was im besten Fall für kreative, gegenseitige Denkanstöße sorgen dürfte. Und natürlich für eine Menge Spaß!

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

2 Kommentare | 06. August 2012 | 16:37 Uhr | Twittern | Facebook

2 Kommentare

  1. Goiles Teil! will haben :-)

    Totte | 6. August 2012 | 17:05
  2. Landesequenz des Marsrovers per Kinect-Bewegungssteuerung auf der XBox zocken. Das ist ja wohl voll Titte!

    meine Titte | 7. August 2012 | 13:41