HuffPost Live – die niemals endende Talkshow
Wenn Arianna Huffington etwas Neues startet, schauen viele genauer hin. Seit einer Woche gibt es HuffPost Live, ein Internetfernsehsender, der an die Seite angedockt ist. Täglich wird zwölf Stunden im Videostream diskutiert. Die Teilnahme ist rege, der Sinn hinter diesem Stream erklärt sich aber auch nach der ersten Sendewoche noch nicht komplett. Trotzdem ist die Branche begeistert.
In einem Fake-Wohnzimmer sitzen drei Amerikanerinnen und lachen. “Gut, dass wir ein freies Internet haben, sonst wäre das nicht möglich”, sagt die Dunkelhaarige mit dem Laptop auf dem Schoss. Hinter ihr ein Monitor, der einen Google-Hangout zeigt, über den noch weitere Diskutanten aus ihren Büros und Wohnzimmern zugeschaltet sind. Eine typische Situation, die auf HuffPost Live zu sehen ist.
Seit einer Woche wird neben den Artikeln, Links und Blogbeiträgen auf der Huffington Post Webseite auch dieser Videokanal angeboten. Die Macher haben ihn als “niemals endende Talkshow im Netz” angekündigt, was zunächst wie eine Drohung wahrgenommen wird. Redakteure und Autoren des Portals diskutieren zwölf Stunden am Tag live mit Zuschauern über typische Huffington-Post-Themen: Den US-Wahlkampf, die Homo-Ehe, Netzneutralität oder gar die Einführung einer Steuer für Stripclubs. In den anderen zwölf Stunden werden diese kurzen Sendungen wiederholt.
Alle sollen mitmachen
Der Kanal setzt voll auf die Mitmachmöglichkeiten der Zuschauer durch Social Media: Wer HuffPostLive startet, sieht den aktuellen Live-Stream, dazu passende Links, Kommentare aus sozialen Netzwerken und er kann sich auch selbst beteiligen und Kommentare schreiben oder gar direkt auf der Webseite einen Videoclip aufnehmen und einschicken. Das Projekt ist ziemlich aufwändig: 100 Leute kümmern sich ausschließlich um HuffPost Live.
Die Branche fragt sich, was sich die Huffington Post von diesem Dauer-Rede-Strom verspricht. Arianna Huffington betont, dass es seit Jahren ihr Ziel gewesen sei, viel mehr Videomaterial auf der Webseite anzubieten. “Dieses Streamingprojekt, welches auf unsere Themen, Redakteure, Blogger und Kommentatoren in Echtzeit setzt, ist das richtige Vehikel, um die Stimme, Einstellung und den aufmischenden Ansatz der Huffington Post auf das Medium Video zu übertragen”, schreibt Arianna Huffington in ihrem Blog.
Diskussion der aktuellen Nachrichten
Huffington hat Roy Serkoff als leitenden Redakteur mit diesem Projekt betraut. Er hat eine ganz feste Vision für das Dauerberieselungsprogramm. Sie unterscheide sich deutlich vom herkömmlichen Fernsehen: “Bei uns geht es nicht um Breaking News, aber unsere Gespräche drehen sich inhatlich um diese Nachrichten.”
Nach der ersten Sendewoche gibt sich Roy Sekoff entspannt. Er ist in einem Gespräch mit dem Fachmagazin AdAge begeistert, wie rege die Teilnahme ist. Social TV scheint zu funktionieren. “Die Zuschauer hinterlassen ihre Videokommentare und wir laden die besten live in den Stream ein”, erklärt Serkoff.
Unterstützung kommt vom Technik-Kommentator Gus Sentementes. Er bescheinigt, dass das Publikum nicht nur zuschaut: “Es engagiert sich, postet Kommentare, schreibt Tweets und Facebook-Updates über die Seite. Und HuffPo fügt Links zu allen relevanten Artikeln und Video-Clips hinzu, sodass die aktuelle Diskussion unterstützt wird.”
Drohung einer nie endenden Talkshow
Beim Magazin Forbes wird man gar überschwänglich: “Das ist nicht SocialTV wie wir es kennen, welches einfach nur mit einem Spritzer social sendet. Es ist eine tiefe Integration dieser zwei Bestandteile. Kommentatoren werden nicht nur erwähnt, sie werden sogar Gäste. Das ist mutig!”
Einzig die Kritikerin Lauren Kirchner vom Magazin Fast Company kommt nach ihrer 12-Stunden-Teststrecke zu dem Schluss: “Ich kann nicht abwarten auszuschalten. Die Moderatoren wollen mich aber noch nicht gehen lassen. Die Unterhaltung endet jetzt nicht, sagen sie. Ich könnte schon jetzt die Kommentare für die morgigen Sendungen abgeben.”
Am Ende wird die Drohung von Arianna Huffington wahr: Es ist eine Talkshow, die nie enden will.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
Kommentieren | 25. August 2012 | 10:58 Uhr |
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