“Hangout on Air”: Google startet Live-Streaming-Angebot in Deutschland
Ab jetzt können auch deutsche Google+-Nutzer Fernsehen spielen: Die Videochat-Funktion “Hangout on air” wurde hierzulande freigeschaltet, bei der theoretisch unbegrenzt viele Zuschauer live beim Plaudern zuschauen können. Doch es ist Vorsicht geboten.
Wer einen privaten Hangout-Videochat startet, kann nun den Videostream mit einem Klick auf “Start Hangout on Air” in seine eigene Livesendung im Internet verwandeln. Denn der Stream läuft nicht nur innerhalb von Google Plus, per Link lässt er sich auch im Web posten. Das Video wird automatisch – falls vorhanden – im eigenen Videokanal gespeichert.
Hangout on Air verknüpft geschickt die Funktion sozialer Netzwerke mit den Möglichkeiten des Livestreamings. Der Dienst war im Mai schon in anderen Ländern an den Start gegangen, nur deutsche Nutzer von Google+ mussten noch warten.
Initiiert von Blogger Thomas Knüwer fand dann am Mittwoch der erste Hangout on Air in Deutschland statt, zu dem sich neben fast 100 Zuschauern auch Google-Sprecher Stefan Keuchel zuschaltete. Mit dieser Teilnehmerzahl war der Videostream schon nahe an der Grenze zu einer Rundfunksendung. Gerade diese Abgrenzung ist in Deutschland wichtig und hatte in der Vergangenheit immer wieder zu Diskussionen geführt (Hyperland berichtete).
Die Landesmedienanstalten hätten aber signalisiert, dass es mit der Funktion an sich keine rechtlichen Probleme gäbe. “Hangouts on air sind klassischer User generated Content, die Nutzer entscheiden selbst, was sie streamen und was sie zeigen wollen,” erklärt Keuchel. Ob die im Netz für die Öffentlichkeit verfügbar gemachten Videostreams Rundfunk sind oder nicht, könne man als Betreiber der Plattform nicht entscheiden.
Damit liegt die Verantwortung für die veröffentlichen Inhalte komplett beim Nutzer. Ihm obliegt es, sorgfältig auf die geltenden Regeln zu achten. Dazu zählt nicht nur das Rundfunkrecht. Auch das Urheber- und Persönlichkeitsrecht muss beachtet werden, ebenso wie die Gesetze zum Jugendschutz. Wer es nicht tut, könnte Post vom Abmahn-Anwalt oder gar vom Staatsanwalt bekommen.
“Hangouts on Air ist zunächst einmal die Erweiterung eines Dienstes für private Kommunikation um ein Livestreaming-Angebot. Für die Medienanstalten wird das erst zum Thema, wenn aus dem Livestreaming Rundfunk wird. Falls es sich um ein Rundfunkangebot handeln sollte, müsste sich der Veranstalter, also derjenige, der das Angebot bei Hangouts on Air hochlädt, mit den Medienanstalten darüber verständigen”, erklärt Friederike Grothe, Sprecherin der gemeinsamen Geschäftsstelle der Landesmedienanstalten.
User sollen rechtliche Prüfung selbst vornehmen
Damit die User nicht in eine rechtliche Falle tappen, stellt Google in der Hilfe-Funktion ein Checkliste der Landesmedienanstalten zur Verfügung. Damit können die Nutzer selbst prüfen, ob für das von ihnen veranstaltete “Programm” eine Lizenz erforderlich ist. Nach der derzeit geltenden Rechtslage ist das der Fall, wenn es journalistisch-redaktionell betreut wird, es einen Sendeplan gibt und die Ausstrahlung linear ist.
Eine weitere Hürde stellt die Zuschauerzahl dar. Erst wer 500 oder mehr Zuschauer mit seiner Livesendung erreichen kann, kommt für eine Lizenz in Betracht. “In Zweifelsfällen wird das jeweilige Angebot geprüft – ob ein bestimmtes Angebot Rundfunk ist oder nicht, kann immer nur im Einzelfall entschieden werden,” erklärt Grothe.
Inhalteanbieter stehen in den Startlöcher
Auch wenn die Livestreaming-Funktion nur über Googles soziales Netzwerk Google+ gestartet werden kann und nicht direkt über Youtube, bietet der Konzern damit deutschen Nutzern eine lange erwartete Funktion. Dass damit in Zukunft nicht nur private Videochats öffentlich gemacht werden, kündigte ein weiterer Teilnehmer des ersten deutschen Hangouts on air sofort an. “Ich glaube, dass diese Hangouts das ideale Tool sind, um vernünftige Podcasts international durchzuführen, wo es völlig egal ist, wo die Leute sitzen”, sagte Sascha Pallenberg, Gründer des Technikblogs netbooknews. Schon heute nutzt sein Team von Taiwan aus Google-Hangouts, um Livesendungen durchzuführen, doch bislang konnten die deutschen Nutzer nicht zuschauen. Das ist ab jetzt möglich.
Neue Möglichkeiten für die Unternehmenskommunikation
Und auch für Unternehmen öffnet sich ein neuer Kommunikationskanal. Die Metro nutzte Google+-Hangouts bereits zu einer virtuellen Weinprobe. Welches Potential in der Anwendung steckt, wird am Beispiel der Singer-Songwriterin Daria Musk deutlich. Die Musikerin veranstaltet regelmäßig “Hangout-Konzerte.” Der Erfolg: Mehr als 1,8 Millionen Menschen haben Musk zu ihren Kontakten (Kreisen bei Google) hinzugefügt. Am Montag wurde der Studio Modus für die Hangouts freigeschaltet, der eine wesentlich verbesserte Tonqualität für derartige Darbietungen bietet, ein Zeichen, dass auch Google dieser Erfolg gefällt.
PS: Die Teilnehmer des Hangouts on Air kamen übrigens aus Dormagen, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Bangkok und Taipei.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
2 Kommentare | 16. August 2012 | 07:00 Uhr |
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Da kann ich Susi nur zustimmen. Wenn an deutschen Flughaefen Koerperscanner aus Sicherheitsgruenden eingesetzt werden sollen, dann fuehlt sich gleich jeder in seiner Privatsphaere verletzt. Im Internet laesst man die Hosen runter und keiner merkts!!!!
Wirklich smart von den Amis & Konsorten;-)
Wieder mal Propaganda des Öffentlich-Rechtlichen in eigener Sache.
Internet ist kein Rundfunk!
Die technischen Restriktionen, die zu den Rundfunkgesetzen geführt haben, gelten im Internet nicht.