Erfolgreiches Crowdfunding: die OUYA-Story

OUYA: Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter der Renner (Foto: Screenshot)

OUYA: Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter der Renner (Foto: Screenshot)

Es ist beinahe Stoff für Hollywood: Das Projekt OUYA (sprich: Uhja) wollte eine alternative Spielekonsole auf den Markt bringen und via Crowdfunding 950.000 Dollar zusammenkratzen, um das Projekt starten zu können. Am Ende kamen fast neun Millionen Dollar zusammen. Fast 60.000 Unterstützer haben die schnittige Game-Konsole bereits gekauft – obwohl sie noch gar nicht existiert.

Wenn es um Spiele geht, weiß Julie Uhrman, wovon sie spricht. Sie arbeitete bereits als Publishing Manager bei Vivendi Universal Games und als Vice President Business Development bei der News-Corp-Tochter IGN Entertainment, die vor allem über Spiele berichtet. Und sie daddelt auch selber gern – mit ihren Kindern am Fernseher oder alleine mit dem Smartphone, wo derzeit durch die limitierten Möglichkeiten besonders viel Kreativität freigesetzt wird.

Diese Kreativität wollte sie auch auf TV-Konsolen sehen. Doch Spieleproduzenten setzen bei PlayStation 3 und Xbox 360 meist auf Einheitskost der Marke “Nummer Sicher”. Angesichts der hohen Produktionskosten für aufwändige Blockbuster, die mehrere Jahre Entwicklungszeit und zweistellige Millionbeträge verschlingen, mag sich kein Studio einen Spiele-Flop leisten. Daher gibt es vor allem grafisch aufwändige, inhaltlich aber eintönige Shooter und Rollenspiele.

60.000 Gamer kauften blind

OUYA könnte das ändern. Es basiert auf dem quelloffenen Betriebssystem Android und das wiederum hat sich bereits auf vielen Smartphones als Spiele-Grundlage bewährt. Mit den Abmessungen eines Zauberwürfels passt die Konsole auch dann ins kleinste Wohn- oder Kinderzimmer, selbst, wenn dort schon drei andere Systeme stehen. Beim avisierten Preis von 99 US-Dollar empfiehlt sich die Daddel-Alternative mit Quad-Core-Prozessor, ein GByte RAM, acht GByte Speicher, LAN/WLAN und drahtlosen Controller auch für den kleinen Geldbeutel.

Natürlich entsteht so eine Konsole nicht von selbst: Julie Uhrman setzte auf die Crowdfunding-Plattform Kickstarter.com, um das Geld für Entwicklung und Produktion zu sammeln. Sie war bescheiden: Nur 950.000 Dollar wollte sie zusammenbekommen – doch als bisher schnellstes Kickstarter-Projekt konnte OUYA die Funding-Grenze von einer Million US-Dollar knacken und schloss am Ende mit 8.596.475 US-Dollar aus privater Hand.

Vielfältige Unterstützung

Fast 60.000 bei Kickstarter “Backer” genannte Projektunterstützer gaben 95 Dollar oder mehr, damit OUYA gebaut werden kann. Sie taten es freilich nicht nur aus gutem Willen: Wer mindestens diesen Betrag spendete, sicherte sich auf diese Weise auch gleich eine der Konsolen, deren Auslieferung im März 2013 beginnen soll. Crowdfunding erlaubt es, sich bei den Fundern in verschiedenen Abstufungen zu bedanken. 2.500 Käufer gaben daher 250 Dollar aus, um ihren Namen in die eigene Konsole eingraviert zu sehen. Zwölf bisher unbekannte Spender ließen es sich satte 10.000 Dollar kosten, ihren Namen in alle Geräte der ersten Serie eingraviert zu wissen – und beim Launch der Konsole mit den OUYA-Machern im kleinen Kreise dinieren zu dürfen.

Erste namhafte Spiele-Titel haben sich bereits angekündigt, beim Start dabei zu sein, zum Beispiel von Square Enix. Einer der kommenden Spiele-Trends, nämlich Cloud-Gaming, soll über eine App für die Plattform Onlive unterstützt werden. Damit kann die Konsole auch für Spiele genutzt werden, die eigentlich nur auf ganz anderen Systemen laufen. Die Software XBMC soll die OUYA in ein Media-Center verwandeln, auch das Online-Radio TuneIn wird für die Konsole kommen. Und das ist nur der Anfang, denn alle für Android entwickelten Apps können prinzipiell schnell auf die OUYA portiert werden. Auf der Umfrageseite surveymonkey.com können User ihre Wünsche äußern.

Freiheit als Konsolen-Konzept

Die etablierte Spielekonsolen-Landschaft mit Geräten von Microsoft, Sony oder Nintendo, gleicht eher einer Wüste. Für sie zu entwickeln ist komplex und der Zugang wird durch diverse Lizenzen erschwert. “Modder”, die ihr Gerät als normalen PC, als Media-Player oder als Spielekonsolen-Emulator nutzen wollen, werden technisch behindert, teils sogar als Kriminelle verfolgt.

Julie Uhrman hält das anders. Jeder darf ihre OUYA-Konsole verändern (“rooten” und “modden”), wie er möchte. Anders als Xbox und PlayStation “gehört” die nur einfach verschraubte Konsole also wirklich ihrem Besitzer. Außerdem soll jedermann ohne Lizenzgebühren eigene Spiele entwickeln können. Einzige Forderung von OUYA ist, dass jedes Spiel eine kostenlose Demo oder einen kostenfreien “Free-to-Play-Modus (F2P)” besitzt.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

5 Kommentare | 13. August 2012 | 14:34 Uhr | Twittern | Facebook

5 Kommentare

  1. Naja ich weiß nicht ob bisher ein Spiel an die Brutalität der Bibel heranreicht, wenn das die Kritik sein soll?
    Aber ein schöner beweis, dass immer noch wissenschaftlich wiederlegte Tatsachen als nicht wiederlegte Tatsachen propagiert werden.
    Meine Schuhe sind auch Anti-Tiger Schuhe, immer wenn ich sie Trage ist kein Tiger zu sehen.
    Wer behauptet eigentlich immer, Spieler werden Mörder oder gründen eine Partei die alles umsonst will?

    Mark | 13. August 2012 | 16:12
  2. “Die Jugend hat üble Manieren, keinen Respekt vor Älteren und tyrannisiert die Lehrer…”, hiess es angeblich schon im antiken Griechenland, und seitdem waren es der Reihe nach Bilder, Bücher, Zeitungen, Comics, Kino, Groschenromane, Fernsehen, BTX, Mailboxen, Computerspiele, das Internet und so weiter, die 1. angeblich 2. irgendwie 3. an allem Schuld sind.

    Der obige Beitrag behauptet allerdings keinen pädagogischen Hintergrund von Spielen; er handelt nicht von Shootern und bewirbt sie auch nicht; er relativiert weder Attentate und Massenmord. Ich finde den Kommentar daher unpassend.

    Andreas | 13. August 2012 | 16:21
  3. Liebe Bibelmaus, Thema verfehlt!

    In diesem Artikel geht es darum, dass es mittlerweile neben der klassichen Finanzierung durch Freunde und Banken neue Wege für junge Start-ups gibt. Die Menschen, die ein vielversprechendes neues Produkt später nutzen wollen, beteiligen sich an der Finanzierung und nehmen aktiv Einfluss auf die Entwicklung. Crowdfunding ist eine tolle Sache, und die OUYA beweist, dass es hier einen eindeutigen Bedarf gibt, sich nicht immer nur dem Diktat der Großkonzerne unterwerfen zu wollen, sondern frischen neuen Produkte auf unkonventionelle Art und Weise eine Chance zu geben.

    Stattdessen wittert die bibelfeste Leserin sogleich neue Gefahren durch neue Technik, und natürlich sind alle Spieler von Schiessspielen potenzielle vereinsamte Massenmörder. Dass dieser Zusammenhang noch nie wissenschaftlich belegt worden ist, spielt anscheinend keine Rolle. Dass man Agressionen auf diese Wiese in der virtuellen Welt abbauen kann und dies auch noch zusammen mit Freunden, dieser Gedanke kommt der guten Susi wohl nicht. Lieber sollen die Kinder wohl gemeinsam im Hof mit Stock und Reifen spielen und abends den Hirsebrei mit dem Holzlöffel essen.

    Und wer sagt überhaupt, dass Spiele mit Gewaltinhalten auf der OUYA eine Rolle spielen werden? Die Masse der Android-basierten Spiele sind harmlose Casual-Speile für zwischendurch, die mit den üblichen Shootern auf den üblichen Konsolen nichts gemein haben.

    Aber soviele geistige Flexibilität oder Interesse an neuen Entwicklungen kann wohl nicht von jedem verlangt werden.

    Dale Cooper | 14. August 2012 | 11:11
  4. Interessantes Konzept. Gerade als Spiele-Entwickler wurde es immer schwerer, für Konsolen zu entwickeln. Die PS3-Architektur ist da wohl mit die Krönung, oder sollte man besser sagen Krampf?

    Nun kommt eine Wohnzimmerkonsole unter Android? Das klingt einfach zu gut, um wahr zu sein :-)

    Reime Freund | 14. August 2012 | 11:18
  5. Bin schon sehr gespannt auf alles. Ich selbst muss meine Vorfreude etwas runterschrauben, da ich denke, dass die Macher der OUYA in manchen Punkten übertreiben.

    Offene Konsole, jeder darf Rooten? Klar, klingt gut. Doch wer rootet, hat anscheinend keinen Zugang mehr zum “App-Store”.

    “Revolution” der Konsolen? Preislich sicherlich, ohne Frage. Ob’s am Ende tatsächlich so neu ist, müssen die Entwickler (sowohl der Konsole als auch der Spiele) in den nächsten Monaten beweisen. Bis März 2013 muss noch einiges getan werden.

    Entscheidend werden sicherlich auch die verfügbaren Spiele sein. Wenn das Lizenzmodell Indie-Entwickler anzieht, dann ist das schön und gut – doch bislang blieben Ankündigungen aus. Selbst Mojang – die Macher von Minecraft – will erstmal abwarten und nur entwickeln, wenn es einen entsprechenden Markt gibt.

    Auf so etwas wie Human Element (das erste angekündigte Spiel für die OUYA) sollte man sich jedoch nicht verlassen. Das klingt mehr nach einem öden Resident Evil-Abklatsch als nach “Revolution”.

    Aber ich denke es gilt: einfach mal abwarten. Bis März ist es noch eine ganze Weile – auch wenn es aus Entwicklersicht sicherlich relativ knapp ist.

    Daniel | 19. August 2012 | 18:09