Computer gekauft, Software gemietet

Auslaufmodell: Box mit Programm-CD (Foto: Julius Endert)

Auslaufmodell: Box mit Programm-CD (Foto: Julius Endert)

Mit dem kommenden Office 2013 versucht Microsoft, das Modell “Mieten statt kaufen” auf dem heimischen Desktop zu etablieren. Sollte Microsofts Versuch von Erfolg gekrönt sein, könnte der Software-Riese einen radikalen Wechsel im Umgang mit Programmen einläuten.

 

Bei der Vorstellung der kommenden Office-Version “Office 2013” stellte Microsoft nicht, wie sonst üblich, die neuen Funktionen der verschiedenen Programme in den Mittelpunkt, sondern bewarb vor allem “Office as a Service”. Damit startet der weltweit größte Softwarehersteller auf breiter Front den Versuch, den Verkauf physikalischer Datenträger in einer Box – und damit das Eigentum des Anwenders am erworbenen Programm – durch ein Abo abzulösen, bei dem Programme nur so lange zur Verfügung stehen, solange die monatliche Abogebühr bezahlt wird. Sollte Microsofts Versuch von Erfolg gekrönt sein, könnte der Softwareriese einen radikalen Wechsel im Umgang mit Programmen einläuten.

Programme aus der Wolke

Bei kleinen und mittelständigen Unternehmen ist diese Art der Softwarenutzung seit einigen Jahren als “Software as a Service” (SaaS) bekannt. Der Vorteil für die Kunden liegt besonders bei sehr kostspieliger Unternehmenssoftware auf der Hand. Der Installations- und Wartungsaufwand wird minimiert, Updates werden automatisch vom Anbieter bereitgestellt und die Kosten für die IT-Infrastruktur zum Teil drastisch reduziert.

Allerdings begibt man sich in die völlige Abhängigkeit des Anbieters. Ändert dieser sein Lizenzmodell, kann sich die scheinbar günstige Lösung als kostspielige Bindung erweisen. Oft liegen auch die mit der abonnierten Software erstellten Dokumente auf den Servern des Anbieters, was nicht nur mit Blick auf den Datenschutz problematisch ist, sondern dazu führen kann, dass die Dokumente dem direkten Zugriff des Anbieters entzogen sind.

Trotz dieser prinzipiellen Bedenken hat sich SaaS in den letzten Jahren im Unternehmenseinsatz immer stärker etabliert. Die Marktforscher bei Gartner gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2015 rund 15 Prozent aller Unternehmenslösungen als SaaS realisiert werden.

Mieten statt kaufen

Im privaten Bereich spielt dieses Modell bislang keine große Rolle. Mit Office 2013 scheint Microsoft diese Situation grundlegend ändern zu wollen. Zwar wird das neue Office wie gewohnt auch als Box im Regal stehen, doch der Schwerpunkt liegt für Microsoft nun eindeutig beim Abomodell und den eigenen Cloud-Diensten.

Wer Office 2013 nicht in der Box kauft, sondern abonniert, kann die Programme auf bis zu fünf Computern installieren, bekommt automatisch sämtliche Updates und kann verschiedene Cloud-Dienste von Microsoft nutzen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob man mit einem Mac- oder Windows-PC arbeitet. Wer also im Büro mit Windows, daheim mit Mac OS X arbeitet, braucht nicht mehr zwei Versionen, sondern kann Office 2013 auf beiden Systemen im Abo problemlos installieren.

Microsoft ist zwar der größte, aber nicht der erste Anbieter von Mainstream-Software, der auf das Abo-Modell setzt. Schon seit Mai 2012 bietet Adobe seine komplette Creative Suite (zu der unter anderem Photoshop, Illustrator und Indesign gehören) als Creative Cloud im monatlichen Abo an. Die komplette Suite kostet normalerweise rund 3.500 Euro, im Abo soll der Anwender dafür rund 61 Euro bezahlen. Dafür kann er sämtliche Programme der Suite lokal auf maximal zwei Computern installieren (allerdings nicht gleichzeitig nutzen) und hat Zugriff auf diverse Cloud-Erweiterungen.

Günstiges Angebot mit kleinem Haken

Auf den ersten Blick wirkt das Abo-Modell durchaus reizvoll. Bei den aktuellen Abo-Gebühren könnte man etwa die Creative Suite vollständig für fast fünf Jahre einsetzen, bevor man so viel Geld wie für die Vollversion ausgegeben hat.

Wie teuer Office 2013 in der Abo-Version werden wird, hat Microsoft noch nicht verraten. Sollte sich Microsoft bei der Preigestaltung an Office 365 orientieren (der Cloud-Erweiterung von Office für Unternehmen), dann kann man wohl mit monatlichen Kosten um die 10 bis 15 Euro rechnen. Office kostet in der größten Version rund 500 Euro, Office 2013 ließe sich also gut vier Jahre abonnieren, bis man die Kosten der gekauften Ausgabe erreicht hat.

Das klingt verlockend, doch die Sache hat einen Haken: Nach Ablauf des Abos steht man ohne Programm da, mit dem sich die im Laufe der letzten Jahre erstellten Dokumente öffnen oder bearbeiten lassen. Man ist also gezwungen, das Abo kontinuierlich zu verlängern oder sich durch die Anschaffung der Box-Version freizukaufen.

Ob sich das Abo-Modell lohnt, hängt davon ab, wie man mit seinem Computer arbeitet. Wer sich etwa nach vier, fünf Jahren ohnehin neue Hard- und Software anschafft, kann bei einem Abo-Modell zugreifen. Wer allerdings mit einem einmal angeschafften Computer und den erworbenen Programmen solange produktiv sein möchte, wie er will, zahlt beim Abo mittelfristig drauf.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

17 Kommentare | 05. August 2012 | 10:56 Uhr | Twittern | Facebook

17 Kommentare

  1. Das ist doch so, OpenOffice/LibreOffice ist eine komplette Bürosoftware, die auch problemlos Dokumente lesen und bearbeiten kann, die von irgendeinem M$-Office erstellt wurden. Weshalb sollte ich die kostenlose Komplettsoftware gegen so en Dings von M$ mieten, von dem ich nicht weiß, was es auf meiner Festplatte sonst noch tut.

    Auch glaube ich noch sehr fest daran, das Linux uns sehr lange als autonomes Betriebssystem erhalten bleibt. Ich kann mir ja mein XP noch aufheben und später auf einen Virtualplayer übertragen. Auf solche Art wird mir die liebgewordene Windowssoftware, für die es unter Linux keine Alternative gibt bzw unter Wine nicht läuft, noch viele Jahre zur Verfügung stehen.

    Hinterwäldler fallen nicht auf Werbetexte rein.

    Hinterwäldler | 5. August 2012 | 13:11
  2. @ZDF Blogteam
    Wenn Ihr langfristig Erfolg mit diesem Blog haben wollt, werdet Ihr nicht um eine Moderation herum kommen.
    Der Großteil Eurer Berichte ist sehr gut recherchiert und die Themen sind sehr interessant.
    Warum lasst Ihr Euch die Arbeit mit unterirdischen Kommentaren, die nichts mit den Beiträgen zu tun haben, kaputt machen?
    Warum sperrt Ihr nicht die Kommentarfunktion bei Beiträgen wie z.B. http://blog.zdf.de/hyperland/2011/07/youtubes-livestreaming-vor-dem-aus/ ?
    Warum lasst Ihr Einzeiler wie “Das finde ich auch” zu?
    Warum last Ihr zu, dass bestimmte Leute Eure Beiträge regelrecht “zumüllen”?

    Stefan | 5. August 2012 | 13:13
  3. Eine solche Total-Abhängigkeit rein betriebswirtschaftlich nach Kosten zu berechnen, wäre Irrsinn. Auf mich wirkt das wie das “Anfixen” von zukünftigen Süchtigen. Wenn die Kunden das akzeptieren, macht man das in Zukunft auch bei Betriebssystemen so. Ja, es gibt Linux. Der Normalanwender wird jedoch (wieder rein betriebswirtschaftlich) kalkulieren, dass sich der Zeitaufwand nicht lohnt. Es gibt doch gerade dieses tolle PC-Sonderangebot, Windows 10 für 1 Jahr schon freigeschaltet …

    Wenn wir uns darauf einlassen, sind wir verrückt. Aber HD+ ging auch ohne Murren durch. Abhängigkeit von App-Stores bei Andoid-Tablets ist akzeptiert. Die gegängelte Apple-Welt wurde schon mit iTunes zum leuchtenden Vorbild. Amazons Kindle verkauft sich prächtig. Ich bin inzwischen unglaublich pessimistisch in dieser Hinsicht!

    Irgendwann wird Widerstand zwecklos. Was ist, wenn wir unsere Steuer-Erklärung, unsere Behörden-Kontakte in Zukunft online abwickeln müssen? Und die zugehörige Software läuft nur noch unter Windows 10? Dann darf man gerne eine zusätzliche Partition auf der Festplatte einrichten, Linux und Open Office installieren. Oder man darf einen Zweit-PC zusätzlich kaufen. Trotzdem wird man die Miet-Software am Hals haben (hier fiktives Windows 10) und benutzen müssen. Meistens wird man es einfach aus Bequemlichkeit oder Zeitmangel tun.

    Wenn dieses Miet-Modell Schule macht, und es betrifft dann auch Filme, Musik, E-Books usw., dann haben die Anbieter gewonnen. Ein paar Prozent Verweigerer stören dann nicht. Die dürfen gerne ihre alten Geräte und Programme und ihre freie Software benutzen. Und Bücher in gedruckter Form im Laden kaufen. Die Verweigerer erfüllen sogar eine wichtige Funktion. Sie zeigen damit, dass niemand gezwungen wird, dass alle Anwender ihre Geräte und Programme ganz, ganz freiwillig benutzen.

    Bertram in Mainz | 5. August 2012 | 17:20
  4. Diese paranoide Aneinanderreihung von Phrasen hat mit dem eigentlichen Thema “Abo-Modell” des Artikels leider so gut wie nichts zu tun.

    Ole Joerenson | 5. August 2012 | 17:58
  5. hi ihr Poster,

    also ich frage auch mal: warum sollte man sich so eine Office-Version in einer Cloud (von der man nicht mal weiss, wie sicher die ist) mieten, wenn man was besseres wie OpenOffice oder LibreOffice kostenlos kriegen kann?? OpenOffice und LibreOffice laufen übrigens auch auf Windows7 und werden es auch auf Windows8 tun.

    Denn die betreuenden Entwickler sind fleißig und halten diese Software gut auf update!!

    Und die nächste Frage ist: wieso sollte man sich so ein teures Betriebssystem von Microsoft kaufen, wenn man was gleichgutes (in diesem Fall Linux) für Nullo kriegen kann??

    Denn die Wahrheit ist: Mit dem Windows-Betriebssystem verdient Microsoft eine Menge Geld. Die Kosten werden für Windows8 sicherlich auch wieder bei etwa 150 bis 300 € liegen, je nach Version. Und dazu kommen dann die monatlichen Kosten von 10 bis 15 Euronen für diese Office-Paket aus der Cloud.

    Ergo: unter dem Strich zahlen wir dann Summasummarum ehtweder 270 € für das gesamte Paket oder aber im schlimmsten Falle 480 € für das gleiche Paket (Beispielrechnungen siehe unten)

    Von daher sind dass Mehrkosten von 100 bis 180 €, die nicht sein müssten.

    Aber man könnte – wenn man Linux installieren würde – auch die gesamten Kosten dafür sparen. Denn Linux ist kostenlos und damit würde man dann diese genannten Kosten in Höhe von 270 € bis zu 480€ einsparen.

    Hier mal die Berechnungen von mir:

    a) billigstes Modell:

    Betriebssystem: 150 €
    Office-Paket: 100 € (das wären 10 €/Monat Miete)
    ————————————————–
    Endbetrag: 270 €
    ========================

    b) teuerstes Modell:

    Betriebssystem: 300 €
    Office-Paket: 180 € (das wären 15€/Monat Miete)
    ————————————————-
    Endbetrag: 480 €
    ========================

    Von daher ist die Frage: warum sollte der User so dumm sein und sich was installieren, von dem er a) nicht sicher sein kann, wie sicher das Office-Paket in der Cloud ist (Frage: wie sicher ist die Cloud??) und b) wofür er/sie so viel Geld ausgeben soll, wenn es etwas gleichgutes sogar kostenlos gibt??

    Von daher sollte sich Microsoft von diesem Modell mit der Miete eines Office-Paketes in der Cloud lieber mal nicht zu viel versprechen. Denn es könnte sich als böser Reinfall für Microsoft entpuppen.

    Denn: diese freien Office-Pakete können nämlich alles genauso gut, was Microsofts proprietäres Paket auch kann. Auch die Features sind die gleichen.

    Linuxhelfer | 5. August 2012 | 22:25
    • Hau ab mit deinem Linux!

      Linuxhasser | 6. August 2012 | 08:33
    • Weil man da ‘was “sparen” kann – auch, wenn man erst ordentlich ‘was ausgeben muß; und weil der Nachbar diese bunte, tolle “Featureware” hat, da kann man natürlich nicht mit O-/L-Office punkten, man braucht etwas, das man “vorzeigen” kann, indem man den Preis nennt.
      Und natürlich, weil nichts zu dem properotären Office 100% kommpatibel ist, die geklauten und properitär gemachten xml-Formate von MS aber als Standard verkauft und geglaubt werden.

      Wenn jetzt der Eindruck entstanden ist, daß ich mich von Idioten umgeben sehe – nein, daß ist total falsch ‘rübergekommen.

      tjc | 6. August 2012 | 11:25
    • So langsam geht mir deine penetrante Linux-Propaganda auf den Senkel. Wäre ich der Admin dieses Blogs, würde ich dich sofort auf die Spam-List setzen.

      Ole Joerenson | 6. August 2012 | 11:48
      • genau :-D

        tim | 6. August 2012 | 11:57
      • Die Softwarefirmen wollen uns ein zweifelhaftes Geschäftsmodell unterjubeln. Behörden wird man mit günstigen Einstiegspreisen ködern. Private werden die Software einfach auf dem neuen PC haben.

        Gerade in dieser Situation ist der Hinweis auf Linux und andere Open-Source-Software nötig!!!

        In Zukunft wird man wohl auch Musik, Filme, E-Books, Schulmaterial nach solchen Modellen anbieten. Wenn wir uns das gefallen lassen.

        Bertram in Mainz | 7. August 2012 | 01:05
  6. Für den normalen Privatanwender sollte dieses Modell auch mittelfristig keine Rolle spielen. Linux ist nach wie vor ein Frickelbetriebssytem für Leute mit sehr viel Freizeit sowie guten Nerven, Ausdauer und Frusttoleranz. Die Kosten für eine Windows 7 Pro Lizenz liegen nicht bei ~ 300 Euro, sondern bei <40. Gut angelegtes Geld für ein gutes Os.
    Ebenso sind realistische Preise für eine kommerziell nutzbare Office 2010 Version auch unter 200 Euro zu finden.
    Ein Abomodell ist also für kaum einen Privatanwender interessant, ebensowenig wie die extrem wartungsintensiven open source Varianten. Der Großteil der Clouddienste ist Hersteller- und nicht nachfragegetrieben und wird sich auch entsprechend kurz am Markt halten.

    Sebastian | 6. August 2012 | 08:40
    • Frickelsystem ist noch untertrieben.

      tim | 6. August 2012 | 13:46
    • Zitat:
      “Linux ist nach wie vor ein Frickelbetriebssytem für Leute mit sehr viel Freizeit sowie guten Nerven, Ausdauer und Frusttoleranz”

      Ich bin 42 Jahre alt, habe 3 Kinder, keine Freizeit, meine Nerven liegen oft blank und ich arbeite seit 14 Jahren ausschließlich unter Linux. :-)

      Oli W. | 6. August 2012 | 14:50
  7. @ Sebastian,

    also was du hier behauptest, dass Linux immer noch ein Frickelsystem sei für Leute mit viel Freizeit und guten Nerven, stimmt einfach überhaupt nicht.

    Bitte schau dir wirklich mal die aktuellen Linux-Zeitschriften an und schau dir mal Ubuntu-Linux der LinuxMint an. Die sind inzwischen sehr anfängerfreundlich geworden und easy zu handeln!!

    Und was meine Preisrechnung angeht: bitte guck dir dazu mal dass hier an:

    http://www.google.de/#q=Preisvergleich+Windows7&hl=de&prmd=imvnsa&source=univ&tbm=shop&tbo=u&sa=X&ei=0HkfULeWA6X-4QSou4CgDA&ved=0CIYBEK0E&bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_qf.&fp=eed5de1b48924c8b&biw=1366&bih=571

    Linuxhelfer | 6. August 2012 | 10:02
  8. Ein völlig unqualifizierter Kommentar. Heute “muss” das persönliche Leben überhaupt nicht auf “fernen Servern” gespeichert werden. Nur weil es ein paar wenige Menschen gibt die das machen heißt das doch noch lange nicht, dass alle das müssen. Von “Gruppenzwang” kann ja wohl keine Rede sein. Und selbst wenn man nun Cloud-Dienste nutzt ist es ja ein leichtes dort nur verschlüsselte Dateien hochzuladen.

    Und so unglaublich schlimm ist das was die Programme so “nach Hause” senden nun auch wieder nicht. Man kann schließlich auch seinen Browser konfigurieren und Programmen, die nichts ins Internet senden sollen, per Firewall die Kommunikation verbieten.

    AllesKlar | 6. August 2012 | 10:10
  9. Adobes Creative Suite ist als Box in Europa völlig überteuert. So ein Abo könnte da schon sinnvoller sein, wenn man die Produkte für ein paar Monate projektbezogen mietet.

    Bei Office-Produkten sehe ich den Vorteil noch nicht.

    Reime Freund | 6. August 2012 | 14:48