Virtuelles Kleingeld

 

Es gibt viele Wege, online mit Geld zu bezahlen. Foto: epSos.de (CC-BY)

Es gibt viele Wege, online mit Geld zu bezahlen. Foto: epSos.de (CC-BY)

Elektronisches Bezahlen ist nicht einfach. Kreditkarten, in Deutschland ohnehin eher Ausnahme als Regel, sind schwerfällig und unsicher, bei Kleinbeträgen wird das schnell zur Hürde. Selbst große Namen scheitern hier: So musste Facebook unlängst seine Facebook Credits wieder einstampfen. Dabei galten sie als ein wichtiger Anwärter auf den Thron einer erfolgreichen Online-Währung. Trotzdem gibt es schon eine Reihe von Möglichkeiten, Geld jenseits einer Überweisung über den Globus zu schicken.

Grundlage: PayPal und Skrill

PayPal arbeitet fast wie eine normale Bank, als Kontonummer gilt die Mail-Adresse. Jeder Kunde kann jedem anderen Kunden direkt Kleinbeträge bezahlen. Das ist schon ziemlich praktisch, daher auch so erfolgreich und höchst verbreitet: Nach eigenen Angaben gibt es weltweit 224 Millionen Konten, 16 Millionen davon in Deutschland. Hierzulande nehmen 48.000 Händler diese Zahlungen entgegen. PayPal ist auch deswegen so wichtig, weil auch viele andere Zahlsysteme letztlich über diesen Dienst abrechnen. Oft ist es die einzige Alternative zur Kreditkarte.

Ganz ähnlich funktioniert Skrill (früher Moneybookers). Auch hier lassen sich “Peanuts” ganz ohne Bank und komplizierte internationale Überweisungen transferieren. Skrill zählt nach eigenen Angaben weltweit über 25 Millionen Konten und mehr als 120.000 Händler, als Bezahloptionen gibt es Kreditkarte, Lastschrift, giropay und Überweisung. Auf den ersten Blick hat das britische Unternehmen den Charme, nicht in den USA ansässig zu sein. Für manche nicht uninteressant: Auch hier gab es wie bei PayPal Kontosperrungen gegen Wikileaks.

Außenseiter: Bitcoin

Bitcoin zirkulieren als “virtuelle Münzen” in einer globalen Tauschbörse. Zur Teilnahme ist eine spezielle Software zu installieren, denn die Datenbank der Zertifikate wird dezentral von den Teilnehmern gehalten. Direkte Bitcoin-Transfers sind möglich, auch etliche Shops nehmen die virtuelle Währung an.

Der Wert von Bitcoins ist spekulativ: Virtuelle Börsen wie bitcoin.de handeln Bitcoins für derzeit 5 bis 8 Euro. Derzeit gibt es über 9 Mio. Bitcoins, das entspricht also theoretisch an die 50 Millionen Euro Gegenwert. Die Zahl der wirklichen aktiven Nutzer ist wegen des dezentralen Netzwerks nicht bekannt und kann nur geschätzt werden: Stefan Thomas von weusecoins schätzt die Zahl weltweit auf 40.000 bis 200.000, in Deutschland auf 3000 bis 15.000 User, will das aber klar als Schätzung verstanden wissen. Oliver Flaskämper von bitcoin.de nennt hingegen 5 Millionen User, von denen sich 8 Prozent in Deutschland befinden. Die Differenz erklärt sich auch aus der Frage, ab wann jemand ein Nutzer ist: Viele User haben zwar den notwendigen Client ein mal installiert, sich dann nicht wirklich mit dem doch etwas komplexen System anfreunden können.

Social payment: Kachingle, Flattr, tiptheweb

Das freiwillige Bezahlen über “social payment” versucht, eine Infrastruktur für Kleinstbeträge zu etablieren, die zum Beispiel (aber nicht nur) Blogs finanzieren kann.

Kachingle etabliert dabei eine Art Kulturflatrate. Man zahlt monatlich einen bestimmten Betrag ein (fünf Dollar) und installiert eine Software. Sie erfasst, welche Websites, Rubriken oder Autoren man wie oft besucht. Sofern diese ebenfalls Kachingle nutzen, wird der Betrag an sie verteilt. Kachingle nimmt den Faktor “social” ernst und publiziert eine Liste der freigiebigsten “Kachingler. Absolute Nutzerzahlen mag man derzeit nicht nennen, aber es sollen weltweit bereits “Tausende” sein. Mehrere Hundert Transaktionen sollen täglich über PayPal ablaufen, das Kachingle zur Zahlung einsetzt. Kachingle Premium geht über Blog-Finanzierung hinaus, bei diesem neuen Programm wird das Geld zur Bezahlung von Vollversionen typischer Freemium-Software verwendet.

Flattr ist in Deutschland schon recht weit verbreitet. Jeder Teilnehmer zahlt monatlich einen Betrag in eine virtuelle Kasse: Wie bei Kachingle ist er bereit, dieses Geld monatlich für seinen Webkonsum auszugeben. Das geschieht aber nicht automatisch, sondern nur auf solchen Beiträgen, wo der Leser den entsprechenden Button anklickt. Am Ende des Monats wird der festgelegte Betrag dann gleichmäßig auf die Klicks verteilt. Interessant: Flattr ermöglicht über spezielle QR-Codes mit Apps für iOS/Android theoretisch sogar Offline-Zahlungen. Die Zahl der Nutzer will Flattr ebenso wenig nennen wie Umsätze, doch bisher wurde weltweit knapp über eine Million mal auf einen Flattr-Button geklickt.

Während die beiden 10 bis 15 Prozent der Einnahmen in die eigene Tasche schieben, versteht sich das ähnlich arbeitende tiptheweb als Non-Profit-Organisation. Alles Geld soll denen zukommen, die damit freiwillig bezahlt werden. Wer einen “Tip” zahlen möchte, kann hier zudem selbst wählen, welchen Betrag ihm das soeben Gesehene wert war.

Bislang bliebt dem social payment der Durchbruch verwehrt. Trotzdem tauchen immer wieder neue Systeme auf, neu etwa rewrd.com. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis digitales Kleingeld reibungslos den Besitzer wechselt.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

1 Kommentar | 22. Juli 2012 | 12:05 Uhr | Twittern | Facebook

Ein Kommentar

  1. Ich denke es wird auch langsam Zeit für den Durchbruch. Gerade Flattr verbessert viel an ihrem Konzept.

    Coole Leute müssen es Vormachen. ;-) Da habe ich gerade drüber gebloggt: http://www.1337core.de/2012/07/flattr-muss-cool-werden.html

    Viele Grüße, Alex.

    Alex | 22. Juli 2012 | 12:26