Unabhängigkeitstag des Südsudan: keine Feierstimmung im Netz

Per Videobotschaft gratulieren Mitarbeiter der UN Südsudan zum Jahrestag der Unabhängigkeit. (Foto: Screenshot)
Der Südsudan wird ein Jahr alt. Angesichts der Probleme des jüngsten Staates der Welt, fällt die Geburtstagsparty auch im Netz klein aus. Doch die, die gekommen sind, wünschen dem Sorgenkind vor allem eines: Frieden.
Happy Birthday, Südsudan! In der ersten Reihe der Social Media-Gratulanten: Die Vereinten Nationen, die in einem eigenen Blogeintrag Mitarbeiter vor die Kamera baten, um dem Zögling zum ersten Jahrestag gratulieren. Das “Geschenk” hatte die UN-Repräsentantin für Südsudan, Hilde Johnson, bereits vergangene Woche überreicht: ein weiteres Jahr Geburtshilfe per Mandat. Das Schicksal des Staates hinge jedoch auch von der Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft ab, sagt sie. Damit diese nicht verloren geht, läuft zurzeit das südsudanesische Supermodel Alek Wek für die UN pünktlich zu den Feierlichkeiten durch ihre Heimat und lässt die Netzgemeinde per Hashtag #Aleksjourney daran teilhaben.
Doch trotz aller Bemühungen: So recht zündet das alles nicht. Die internationale Aufmerksamkeit liegt zurzeit eher beim Nachbarn Sudan. Hier machen die Menschen ihrem Zorn über jahrzehntelange Misswirtschaft und politisches Scheitern der Regierung Luft (#Sudanrevolts) und rufen Erinnerungen an den arabischen Frühling wach.
“We choose peace”
Besser macht es da noch die Online-Kampagne “We choose peace“. Per Facebook und Twitter (#choosepeace) rufen Aktivisten mitunter auch einflussreiche Politiker dazu auf, Fotos von sich zu schießen und hochzuladen. Eine Google-Map zeigt die bisherigen Teilnehmer an. Die Gruppe rief am Sonntag auch außerhalb des Web zur Teilnahme auf, beispielsweise zu Protesten vor dem Weißen Haus.
Zu feiern gibt es ohnehin nicht viel. Südsudans Bilanz nach einem Jahr Unabhängigkeit sieht düster aus: Über 90 Prozent der Bevölkerung leben von weniger als einem US-Dollar pro Tag. Der Aufbau des Landes ist geschwächt von andauernden Kämpfen im nördlichen Grenzgebiet, bei denen es nicht nur um Ländereien, sondern um die Ölreserven geht. Beide Länder sind ohnehin hochgradig abhängig von den Einkünften aus dem Ölgeschäft. Die humanitäre Lage ist ebenso angespannt: Durch die Grenzziehung fanden sich Bergvölker wie die südsudanesischen Nuba plötzlich im falschen Staat wieder. Ihr rebellischer Widerstand wird vom Sudan mit Gewalt beantwortet.
Viele fliehen ohne Nahrung in den Süden und sind dort auf humanitäre Hilfe angewiesen. Dort mangelt es laut den Hilfsorganisationen an allen Ecken und Enden: Unicef twitterte am Donnerstag ein Bild des einzigen Kinderkrankenhauses im ganzen Land. Daher ist auch die Kindersterblichkeit besonders hoch. Eine trauriger Beleg: Independent Moses, eines von dreizehn Mitternachtskindern, die vor einem Jahr um Punkt Zwölf geboren wurden, hat seinen ersten Geburtstag nicht erlebt.
Triste Aussichten
Auch bei den Medien beherrschen triste Aussichten das Netz, wie der Schlagzeilenüberblick des südsudanischen Bloggers PaanLuel Wëls zeigt. Vielleicht nutzte gerade deshalb der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu seine Popularität und rief am Samstag die Präsidenten beider Länder auf CNN zum Friedensschluss auf. Und tatsächlich standen die Parteien am Samstag kurz vor einer Unterschrift unter einen Friedensvertrag. Letztendlich sprang jedoch wieder nicht mehr als eine mündliche Vereinbarung gegen die Gewalt im Grenzgebiet heraus.
Trotz alldem twitterte die südsudanesische Regierung zum Unabhängigkeitstag, dass dieser neue Hoffnung, Herausforderungen und Chancen bringe, ein wohlhabendes, sicheres und stabiles Südsudan bringen möge. Zu den Feierlichkeiten habe Präsident Salva Kiir Mayardit sogar sein Pendant Omar al-Baschir aus dem Sudan eingeladen. Und die südsudanesische Nachrichtenagentur schreibt in überschwänglichen Worten: “Lasst uns feiern wie nie zuvor.”
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
Kommentieren | 09. Juli 2012 | 12:48 Uhr |
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