Salamworld – das Facebook für Muslime

Salamworld will ein religiös-sicherer Hafen für Muslime im Netz sein. Foto: Screenshot Salamworld.com
Mit Beginn des Fastenmonats Ramadan heute soll es tatsächlich online gehen, das seit vergangenem Jahr angekündigte islamische Social Network “Salamworld“. Zu Beginn in acht Sprachen, darunter Englisch, Arabisch, Türkisch und Urdu und mit Büros in Istanbul, Kairo und Moskau. So jedenfalls lautet der Plan.
Gegründet wurde das Unternehmen mit Sitz in Istanbul von kasachischen und türkischen Geschäftsleuten, die auf das Interesse der gut anderthalb Milliarden Muslimen weltweit setzen. Von denen ist die Hälfte unter 25 Jahren, viele von ihnen leben in Ländern, in denen Internetzugang noch nicht selbstverständlich ist. Ein gewaltiger, bisher kaum erschlossener Wachstumsmarkt also. Salamworld setzt darauf, dass diese Muslime sich ein Internet wünschen, das “halal” ist, also nur solche Inhalte präsentiert, die nach den Geboten des Islam erlaubt sind. Keine sexuell anstößigen Fotos, keine Gewalt, kein Propagieren von Alkohol oder Tabak. Salamworld will die Umma, die Gemeinschaft der Gläubigen in einem Netzwerk zusammenbringen. Und es will mehr bieten als nur einen Facebook-Ersatz. Nicht nur die Vernetzung mit anderen Muslimen gehört zum Konzept, sondern etwa auch die Möglichkeit, sich bei muslimischen Geistlichen Rat in Glaubensfragen zu holen, einen islamischen Internet-Shop zu nutzen, E-Books über den Islam zu beziehen oder eine Pilgerreise nach Mekka zu buchen.
Netzwerk-Lobbying
Die Salamworld-Verantwortlichen sind über Monate hinweg in der islamischen Welt herumgereist, haben sich mit Politikern und religiösen Würdenträgern getroffen, um sie für ihr Projekt zu erwärmen. Die werden zwar eher nicht die zukünftige Community bilden, aber in einflussreichen Kreisen für guten Willen zu sorgen, kann aus Sicht der Netzwerk-Gründer offenbar nicht schaden.
Tatsächlich gibt es im Nahen Osten und anderswo in der islamischen Welt so manche Regierung, die stark mit dem Salamworld-Versprechen “No politics” sympathisieren dürfte. Der Iran kündigt seit langem an, selbst ein Halal-Internet entwickeln zu wollen. Dahinter steckt, anders als bei Salamworld, natürlich in erster Linie kein Geschäftsmodell, sondern der Wunsch nach einem perfektionierten Zensurmechanismus – einem separaten Netz, in dem nichts Unislamisches geschieht, und vor allem auch keine Kritik an der Islamischen Republik Platz hat.
Erfolg: ungewiss
Wenn ein islamisch-pures Internet aber kein Zwang ist, sondern ein freiwilliges Angebot wie bei Salamworld, könnte es dann Erfolg haben? Vielleicht hat das Konzept des allumfassenden, für alle gleichen Netzwerks, wie es Facebook ist, ja auch seine Schwächen. Ein Netzwerk, das zudem von jungen, weißen, amerikanischen Männern aus der Mittel- und Oberschicht ersonnen wurde, und vielleicht vor allem deren kulturelle Werte widerspiegelt – der Kampf um die Privatsphäre wäre da ein Beispiel.
Netzwerkeffekte
Die Internet-Soziologin Zeynep Tüfekci, die selbst gebürtige Türkin ist, bezweifelt im Interview mit dem “Elektrischen Reporter” dennoch, dass der Bedarf junger Muslime nach einem Netzwerk, das nur sie selbst anspricht, wirklich so groß sei. Die Spanne zwischen Rhetorik und realem Nutzungsverhalten hält sie für bemerkenswert. Freiwillige Internetsperren gegen Pornografie, die die islamisch-konservative Regierung in ihrer Heimat initiiert hat, seien zwar auf breiten Beifall gestoßen – installiert habe sie dann aber nur eine Minderheit der türkischen Internetnutzer.
Ansonsten wirkten die Netzwerkeffekte: Entscheidend sei auch für Muslime die Möglichkeit, sich mit möglichst vielen Menschen verbinden zu können. Aus diesen Gründen würden sich Menschen offline wie online in aller Regel dem größten bereits bestehenden Netzwerk anschließen wollen, nicht dem für sie maßgeschneiderten.
“Wenn sie es nicht schaffen, eine große Zahl von Menschen, die sie ansprechen wollen, dazu zu bringen, auf einmal auf ihre Seite zu wechseln, dann werden sie feststellen, dass die bei dem Network bleiben, wo ihre bestehenden sozialen Netzwerke sind”, prophezeit Tüfekci.
Und wer sich bei Facebook nur mit Muslimen befreunden will, der könne das schließlich auch jetzt schon machen.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
4 Kommentare | 20. Juli 2012 | 15:48 Uhr |
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türkisches satelliten tv, türkischer supermarkt, türkischer friseur, türkischer arzt, türkisches cafe und jetzt muslimisches facebook?
ist doch praktisch, dann braucht man kein deutsch lernen.
fehlt nur noch die passende partei.
Ich brauch jetzt einen Döner ;-p
Da fühlt man sich als Christ von Rom total vernachlässigt. Ein Papabook muss jetzt auch noch her, und ein Buddahbook, etc.
Gibt’s doch schon alles …
godsfaithbook.com