Londoner Polizei rüstet sich für Olympia im Netz

 

Wärmebilder sollen warnen: Die Londoner Polizei setzt während der Olympischen Spiele auf das Netz.

Wärmebilder sollen warnen: Die Londoner Polizei setzt während der Olympischen Spiele auf das Netz.

Im Vorfeld von Olympia 2012 hat die Londoner Polizei auch soziale Netzwerke auf dem Schirm. Damit soll verhindert werden, dass es zu Randalen kommt, wie sie vergangenes Jahr in England getobt haben. Die Angst ist groß, dass sich die Ausschreitungen wiederholen könnten. Sie jähren sich in der nächsten Woche – genau während der Olympischen Spiele.

Ein Abschlussbericht im März, der sich mit den Konsequenzen der Ausschreitungen in England befasst, kommt zu einem klaren Urteil: Was soziale Netzwerke betrifft, war die Polizei komplett überfordert. Eine Studie des Guardian und der London School of Economics (LSE), die sich mit der Situation der Polizisten befasst und demnächst veröffentlicht wird, kommt zu einem ähnlich klaren Urteil: Die Mehrzahl der Polizisten befürchtet, dass sich die Ausschreitungen wiederholen werden – und ebenfalls, dass die Polizei damals nicht wusste, wie sie mit den sozialen Netzwerken umgehen sollte. Zwar ist die Polizei inzwischen auch auf Twitter aktiv, aber ob sie über genügend Know-How verfügt, um im Falle einer Eskalation dieses Mal die Situation zu kontrollieren, das ist ungewiss.

Kein Grund zur Sorge

Londons Polizeichef Bernhard Hogan-Howe bemüht sich jedenfalls um Gelassenheit: Die Olympischen Spiele seien sicher, sagt er. Erstens habe das diamantene Thronjubiläum der Queen gezeigt, dass größere Gruppen von Polizisten schnell zu manövrieren seien. Und zweitens seien dank der Olympischen Spiele mehr Polizisten im Einsatz; ein Mehr an Präsenz, das sich im Krisenfall auszahle. Kein Grund zur Sorge also. Auf Anfrage heißt es, dass die Olympischen Spiele ein normales Großereignis seien und deswegen auch die Beobachtung der sozialen Netzwerke unverändert weiterlaufe. Eine Aussage, die in dieser Form in Zweifel zu ziehen ist.

Bis dato beschränkt sich die Arbeit der Polizisten in den sozialen Netzwerken zwar mehrheitlich auf Pressearbeit. Warnungen über Trickbetrüger, wo sich die olympische Fackel aktuell befindet und über ein Hashtag (#AskMetBoss) organisierte Fragestunden. Doch gleichzeitig arbeitet die Polizei an zwei Projekten, um soziale Netzwerke zu nutzen.

Krisen-App

Zum einen will die City of London Police eine App nutzen, die in Zusammenarbeit mit der LSE und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) entstanden ist. Die App wird anzeigen, wo sich die nächste Polizeistation befindet, Informationen über die Straßenkriminalität enthalten und Tipps darüber geben, wie man sich in Notfallsituationen verhalten soll. Der Entwickler der App, Tobias Franke vom DFKI, sagt: “Einige Sensordaten der Nutzer werden – nur mit Zustimmung – anonymisiert an einen Server gesendet. Rettungskräfte können dann sehen, wo Probleme entstehen könnten, weil zum Beispiel eine U-Bahn-Haltestelle überfüllt ist.” In einem zweiten Schritt schickt die App automatisch Warnungen an diejenigen Nutzer der App, die sich in der Nähe dieses Platzes befinden, diesen Ort zu meiden.

Große Datenmengen

Zum Anderen befindet sich die Metropolitan Police in Gesprächen mit StreamUK, die darauf spezialisiert sind, große Datenmengen zu verarbeiten. Sie bieten damit einen Dienst an, der unter anderem vom britischen Sender BBC genutzt wird und es ermöglicht, User Generated Content zu sichten und zu filtern. Dem Daily Telegraph zufolge interessiert sich die Metropolitan Police insbesondere dafür, wie viel Platz sie bräuchten, um ein solches System auch bei hohem Traffic am Laufen zu halten. Ein Traffic, so hoch wie er während der London Riots gewesen ist.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

3 Kommentare | 26. Juli 2012 | 15:21 Uhr | Twittern | Facebook

3 Kommentare

  1. Sehr gut dem füge ich nichts hinzu.
    Gruß Moni

    Monika Müller | 26. Juli 2012 | 20:21
  2. Good Lord! :-p

    Reime Freund | 27. Juli 2012 | 09:11
  3. hoffentlich wird daraus nicht der erneute Versuch einer Netzzensur durch die britische Polizei und deren Geheimdiensten…hoffentlich bleibt das Netz offen und frei!!!

    Linuxhelfer | 27. Juli 2012 | 11:10