Kim Schmitz – Rückkehr des Großmauls
“Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr” oder “Viel hilft viel” – so könnte man das Lebensmotto von Kim Dotcom beschreiben. Mit einer Kampagne will er Druck auf US-Präsident Obama ausüben. Nur wenn das Verfahren gegen ihn niedergeschlagen werde, würden Millionen junger Wähler weiterhin für Obama stimmen.
Der 38-Jährige, der als Kim Schmitz in Deutschland geboren wurde, befindet sich derzeit im Rechtsstreit mit den USA. Im Januar hatten US-Strafverfolger Server und Konten der Firma Megaupload schließen lassen, der Wohnsitz des Deutschen in Neuseeland wurde von Polizisten gestürmt, er selbst und sechs Geschäftspartner festgenommen. Der Vorwurf: Die Firma soll bewusst Raubkopien von Filmen, Serien und Software veröffentlicht haben, Zulieferer gar dafür bezahlt haben. Er selbst sagt, seine Firma sei ein legaler Anbieter für Online-Speicher gewesen. Das Auslieferungsverfahren in die USA jedoch steht auf der Kippe – erst im kommenden Jahr wird die neuseeländische Justiz entscheiden, ob der Deutsche den US-Behörden überstellt wird. Sollte das passieren, droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe. Es wäre nicht der erste Gefängnisaufenthalt für den mehrfach vorbestraften Unternehmer.
Angriff statt Verteidigung
Doch so lange will Schmitz offenbar nicht warten. Mit einer neuen Imagekampagne will er die Öffentlichkeit in den USA für ihn arbeiten lassen. Das Verfahren gegen ihn soll möglichst niedergeschlagen werden, bevor auch nur über seine Auslieferung entschieden wird. Auf seiner Kampagnenwebseite fragt er: “Wenn Megaupload nicht vor dem ersten November wieder online ist – wirst Du für Obama stimmen?” Per Twitter kündigt er an, er werde im August 200 Millionen E-Mail-Adressen aus der Kundendatenbank von Megaupload nutzen, um für seine neue “Bewegung” zu werben.
Kernstück der Kampagne ist aber ein Musikvideo, in dem sich der Megaupload-Gründer singend selbst mit der Bürgerrechtsikone Martin Luther King vergleicht, an Präsident Obama appelliert und den “Krieg um das Internet” ausruft. Dabei setzt der 38-Jährige weniger auf musikalische Qualität, denn auf den Fremdschäm-Faktor. Mit dem breiten deutschen Akzent und einer schamlosen Inszenierung seiner selbst als Widerstandskämpfer gegen ACTA, sorgt Schmitz für Gelächter. Der YouTube-Zähler steht schon auf über 400.000 Klicks, viele Medien verbreiten das Video weiter. Doch Solidaritätsbekundungen sind bedeutend spärlicher: Ein paar Tausend Likes auf Facebook kann er bisher vorweisen – angesichts des Medienwirbels ist das bemerkenswert wenig. Dass gar jemand für Schmitz auf die Straße gehen würde, ist derzeit nicht abzusehen.
Heiße Luft 2.0
Zwischen Witzen und ernst gemeinten Plänen war bei Kim Schmitz noch nie einfach zu unterscheiden: So bot er einst auf seiner Webseite sein Sperma zum Kauf an und kündigte an, dass er auf den Mond fliegen werde – witzig gemeinter Größenwahn. Auf der anderen Seite suchte er ernsthafte Anleger für seine Firma “Trendax”, die versprach mit Hilfe von künstlicher Intelligenz an der Börse Millionengewinne zu erzielen. Dieser und viele andere Pläne lösten sich freilich in Luft auf, wie zum Beispiel eine Luxus-Rallye, die über mehrere Kontinente führen sollte.
Megalomanie und Schamlosigkeit gehört zur Medien-Figur Schmitz, Dotcom, oder wie er sich auch nannte: “Kimble”. So setzte er im Jahr 2001 eine Belohnung von 10 Millionen US-Dollar auf Osama Bin Laden aus – Geld, dass er aller Wahrscheinlichkeit gar nicht hatte. Auch die von ihm angeführte Hacker-Truppe YIHAT, mit der er großspurig die Finanzquellen des Terrorismus lahmlegen wollte, erwies sich eher als Witz: Die Webseite der Möchtegern-Kämpfer wurde von einem Hacker lahmgelegt. Als Schmitz behauptete, der Hack sei eine Art Bewerbungsschreiben gewesen, überschrieb der unbekannte Angreifer die Webseite des angeblichen Super-Hackers erneut.
Marketingkampagne
Die Lautstärke der neuen Image-Kampagne ist nicht überraschend: Denn bis es in den USA zu einem Prozess kommt – so es einen geben sollte – haben die meisten Nutzer Megaupload wahrscheinlich vergessen: Zahlreiche andere Download- und Streamingseiten sind weiter am Netz. Zudem: Schmitz ist mit seinem protzigen Lebensstil eher Symbol für das Problem als die Lösung. Er zelebriert sich mit Millionen-Anwesen und protzigem Fuhrpark wie ein verwöhnter Hollywood- oder Musik-Star, der nicht weiß, was er mit seinen Millionen anstellen soll. Solidarität von 17-Jährigen, die für eine Musikdatei mit Hunderten Euro Anwaltskosten belastet werden, kann er so kaum erwarten. “Obwohl ich ihm bei vielem zustimme, möchte ich nicht, dass Dotcom der Sprecher für Internetfreiheit ist”, schreibt ein Kommentator bei Mashable und fügt hinzu: “Noch viel weniger: ein Märtyrer”
Andere Petitionen
Andere Personen können glaubwürdiger gegen die überbordenden Ansprüche der US-Regierung stehen. So betreiben die US-Behörden zum Beispiel derzeit die Auslieferung des 23-Jährigen Briten Richard O’Dwyer, der auf seinem Portal TVShack Angebote wie Megaupload eingebunden hatte, um TV-Serien kostenlos zu verbreiten. Eine Petition gegen die Entscheidung der britischen Regierung, den eigenen Staatsbürger an die USA auszuliefern, hat bereits 235.000 Unterstützer gefunden.
Anmerkung: Kim Schmitz und Megaupload Ltd sind 2011 mit drei einstweiligen Verfügungen vor drei verschiedenen Landgerichten gegen den Autoren dieses Artikels vorgegangen. Alle drei Einstweiligen Verfügungen wurden jedoch aufgehoben.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
5 Kommentare | 23. Juli 2012 | 13:52 Uhr |
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Hier schreibt offensichtlich einer, der keine Ahnung der Materie und der Bloggospähre hat…..
peinlich hoch drei!
Oh. Gut, das Du drauf hinweist. Jetzt hab ich dem Typen doch glatt die letzten 13 Jahre seine Artikel und die Doku über Kimble geglaubt.
Oh. Gut, das Du drauf hinweist. Jetzt hab ich dem Typen doch glatt die letzten 13 Jahre seine Artikel und die Doku über Kimble geglaubt.
warum kann ich auf heute.de die hyperland kommentare nicht mehr lesen und keine schreiben.
das ist sehr schade.
genau deas gleiche wie mit kennzeichen digital.
ändert das doch mal bitte, die user kommentare sind doch meist das beste an den blogs.
Dr. Kimme for President