Assange-Aktionstag: “Trage ein weißes Hemd” für den “westlichen Dissidenten”

Die "Friends of WikiLeaks wollen ein sichtbares Zeichen setzen. (Foto: Screenshot)

Die "Friends of WikiLeaks wollen ein sichtbares Zeichen setzen. (Foto: Screenshot)


Jeder, der “seine Unterstützung für Julian Assange und Wikileaks” zeigen will, soll an diesem Sonntag ein weißes Hemd tragen. Als Zeichen der öffentlichen Solidarität soll man außerdem ein Foto von sich und dem weißen Hemd samt Twitter-Hashtag veröffentlichen und ein wenig Geld spenden, so lautet die Anleitung für die Assange-Unterstützer. Denn heute findet der “Global 4 Assange Day” statt – den die “Friends of Wikileaks“ weltweit unter anderem mit dem Twitter-Hashtag #G4JAD seit Tagen heftig bewerben. Sie sehen in Julian Assange wie auch in Bradley Manning “westliche Dissidenten.”

Noch immer sind die finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten von Wikileaks stark eingeschränkt, da die Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard sowie der Online-Bezahldienst Paypal die bereits eingesammelten Spenden seit der Veröffentlichung von rund 250.000 US-amerikanischen diplomatischen Depeschen nicht freigeben. Nach Angaben von Wikileaks gingen seither das Spendenaufkommen um 95 Prozent zurück. Die Wikileaks-Aktivisten haben jedoch einen kleinen “Workaround” entdeckt: Über den T-Shirt-Versand Spreadshirt sollen nun Wikileaks-T-Shirts verkauft und mit Paypal bezahlt werden können.

Auch Spenden an den von der britischen Firma Derek Rothera & Company eingerichteten “Julian Assange Defence Fund“ lassen sich per Kreditkarte und Paypal vornehmen. Der Fonds dient dazu, die “Rechtsanwaltskosten von Julian Assange” zu decken. Über die Crowdfunding-Plattform Fundrazr konnte der Fonds bereits rund 194.000 Pfund von rund 7.000 Unterstützern einnehmen.

Finanzielle Unterstützung ausschließlich für Assange

Angaben über die gesamten Einnahmen sowie bereits getätigten Ausgaben gibt es allerdings keine, lediglich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (PDF) des Fonds wurden veröffentlicht. Demnach profitiert die Organisation Wikileaks nicht direkt von den Spenden, obgleich auch sie in Rechtsstreitigkeiten verwickelt ist und den Assange-Fonds auf der Website mit dem Namen Wikileaks bewirbt. Die Angelegenheiten des Gründers werden damit untrennbar mit der Organisation verwoben.

Wikileaks konnte vergangenen Donnerstag immerhin einen Rechtstreit vor einem isländischen Gericht gewinnen. Das Bezirksgericht Reykjavik verpflichtete den lokalen Partner von Visa und Mastercard namens Valitor, Spenden an Wikileaks weiterzuleiten. Valitor will dagegen in Berufung gehen. Gerichte in Dänemark und Belgien wurden ebenfalls in derselben Sache angerufen.

Asylverfahren offen

Das Schicksal von Assange ist nach wie vor ungewiss: Nachdem er im Auslieferungsverfahren an Schweden vor dem höchsten britischen Gericht unterlegen war, bat er vor knapp einem Monat in der ecuadorianischen Botschaft in London um politisches Asyl. Noch hat Ecuador nicht über sein Gesuch entschieden. Assange fürchtet, dass Schweden ihn an die USA ausliefert. In den USA fordern Politiker noch immer eine Verurteilung des Australiers wegen der Veröffentlichungen von Wikileaks. Die Befürchtung der Aktivisten: Die US Grand Jury könnte in geheimer Sitzung bereits eine Anklage formuliert haben. Öffentlich wurde sie bislang nicht.

Die Aktivisten beunruhigt folgendes: Schweden hatte im Jahr 2001 zwei ägyptische Flüchtlinge an die CIA übergeben, die diese nach Ägypten brachte, wo sie angeblich gefoltert wurden. Abgesegnet wurde die Auslieferung unter anderem vom ehemaligen schwedischen Justizminister Thomas Bodström, der heute Geschäftspartner von Claes Borgström ist. Dieser vertritt die zwei schwedischen Frauen, die Assange der Vergewaltigung in einem minderschweren Fall bezichtigen.

Riskanter Personenkult

Die Konzentration der Medien wie auch der Aktivisten auf die Person von Julian Assange macht ihn noch angreifbarer. John Young, Betreiber der ältesten Whistleblower-Plattform im Internet namens Cryptome, glaubt, dass der Ruhm Wikileaks und seine Aktivisten längst korrumpiert hat. Er bezweifelt sogar, dass Assange sich überhaupt in der ecuadorianischen Botschaft in London aufhält. Auch glaubt Young, dass das letzte Wikileaks-Projekt, die Syria Files, letztlich den Abhöraktivitäten westlicher Regierungen zu verdanken sei und dass sich Wikileaks daher längst mit den Regierungen verbündet habe.

Andere Berichte wiederum vermuten Anonymous-Hacker hinter dem jüngsten Leak, die schon zu einem früheren Zeitpunkt Kontakt mit Wikileaks-Aktivisten aufgenommen haben sollen. Eine solche Verbindung könnte Assange in den USA vor Gericht wiederum zu Last gelegt werden.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

 

 

 

1 Kommentar | 15. Juli 2012 | 10:49 Uhr | Twittern | Facebook

Ein Kommentar

  1. Dieser Mann ist kein Dissident auch wenn er gerne einer wäre. Für seine Taten gehört er zurecht hinter Schloss und Riegel – und damit sage ich nicht dass jedes Geheimnis das er aufgedeckt hat besser unter Verschluss geblieben wäre.

    Von dem Hubschrauberangriff auf wehrlose Zivilisten im Irak beispielsweise musste die Welt erfahren, daran besteht kein Zweifel.

    In vielen anderen Fällen hat er jedoch das Leben der Informanten wie auch die Sicherheit unserer westlichen Gesellschaften nur aus eigenen, niederen Motiven aufs Spiel gesetzt. Man sollte ihm Gelegenheit geben darüber nachzudenken…

    Aufgemerkt! | 15. Juli 2012 | 22:53