Abkürzung zum Erfolg: der German Silicon Valley Accelerator

Blick über das Silicon Valley: sonnige Aussichten für Startups (Bild: User Elf auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Blick über das Silicon Valley: sonnige Aussichten für Start-ups (Bild: User Elf auf Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

“Von der Sowjetunion lernen, heißt Siegen lernen”, hieß ein frühes Propaganda-Motto der DDR, das von der Bevölkerung halb ernsthaft und halb ironisch aufgegriffen wurde. Heute, in der Bundesrepublik, ist der Blick in die USA gebräuchlicher. Das gilt vor allem für den Technologiebereich. Das “Silicon Valley” ist weiterhin das Mekka für IT-Start-ups und steht für eine nie enden wollende Serie von erfolgreichen Gründungen. Auch wenn Berlin nach häufig vorgetragener Meinung rasch aufschließt, heißt es für Gründer weiterhin: “von den Amis lernen, heißt Siegen lernen”.

Der German Silicon Valley Accelerator will einigen deutschen Start-ups diesen Lern-Prozess ermöglichen. Das Programm holt Gründer ins Valley, damit sie von den spezifischen Bedingungen vor Ort profitieren können. “Das Silicon Valley ist erstens ein Sammelbecken von internationalen Spitzenkräften und jungen Gründern aus der ganzen Welt, die dahin strömen”, sagt Dirk Kanngiesser, der geistige Vater des Programms. “Zweitens basiert das Valley auf einem erheblichen Erfahrungsschatz von erfolgreichen Serien-Gründern. Drittens ist der Zugang zu Kapital weitaus besser und viertens gibt es eine viel stärkere Austausch-Mentalität”. In den USA diskutiere man seine Ideen von Anfang an mit anderen Gründern aus dem gleichen Umfeld, so dass es schneller zu einem Fein-Tuning des Konzepts kommt.

Workshops, Wachstum und Wirtschaftsförderung

Das Programm startete im Februar 2012, anfänglich mit nur zwei Start-ups. Bald sollen jeweils vier Teams pro Durchgang für drei Monate ins Silicon Valley gehen, wobei die besten zwei die Möglichkeit haben, auf ein halbes Jahr zu verlängern. Das Programm hilft bei der Beantragung von Visa und stellt Büro-Räume zur Verfügung. Der laut Kanngiesser wichtigste Aspekt sind Workshops, die in die Besonderheiten des US-Marktes einführen sowie Coachings durch erfahrene Mentoren, die mit den Gründern intensiv am Produkt arbeiten.

Als Pioniere gingen Anfang Februar das Journalismus-Projekt Fair Observer und der Sicherheits-Dienstleister Trifense nach Kalifornien. Fair Observer aggregiert Meinungs-Artikel und Berichte von Experten, die in der Gesamtschau einen international und sozial ausgewogenen Blick produzieren sollen. Sie haben auf sechs Monate verlängert. Ende Juli 2012 endet das Programm endgültig. Was haben sie gelernt? “Vor allem, in ganz anderen Wachstums-Kategorien zu denken”, erinnert sich Fabian Neuen, einer der Gründer. “In Deutschland galten wir mit unseren Planungen als größenwahnsinnig, hier wurde uns schnell empfohlen, mindestens um den Faktor zehn größer zu denken”. Im Silicon Valley sei zudem die Angst zu versagen nicht so groß. Bei Misserfolg stelle man sich einfach die Frage, welches Projekt als nächstes ansteht. Das führe allerdings zu einer gewissen Söldner-Mentalität, die Leute ziehen einfach weiter.

Abwanderung als unerwünschter Nebeneffekt?

Der German Silicon Valley Accelerator wird vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützt. Das Ministerium hat für den Zeitraum von drei Jahren ein Budget von 2,5 Mio. Euro zur Verfügung gestellt, verbunden mit der Maßgabe, zusätzlich Sponsoren zu finden. Das Programm soll den IT-Standort Deutschland international voranbringen.

Wenn aber das Silicon Valley der bessere Ort zum Gründen ist, könnte es nicht sein, dass die besten Köpfe ganz einfach im sonnigen Kalifornien bleiben? Kanngiesser kennt die Bedenken: “Die Gefahr besteht, das haben wir offen diskutiert. Abwanderungen in Einzelfällen können wir nicht ausschließen, aber in der Gesamtheit denken wir, dass das nicht geschieht”. Vor allem bei Technologie-intensiven Start-ups sei es rational, zumindest den Entwicklungs-Standort in Deutschland zu belassen, da deutsche Ingenieure sehr gut ausgebildet und auch kostengünstiger seien. Fair Observer wird eine kalifornische Dependance behalten, aber prinzipiell nicht ins Silicon Valley übersiedeln. Neuen glaubt, dass die sozialen Faktoren wie Freunde oder Familie in Deutschland wichtiger seien als die objektiven Vorteile, die sich vielleicht bieten. In jedem Fall sei das Valley ein idealer Ort, um sein Start-up wachsen zu lassen.

In den nächsten Wochen beginnt die dritte Runde des Programms: Upcload bietet eine Software zur Körper-Vermessung, die einen Schneider ersetzt, Prodcuts Up optimiert Onlineshops für die Google-Produktsuche und ParStream will die Analyse von Daten-Massen revolutionieren. Sie alle träumen vom großen internationalen Erfolg. Im Silicon Valley wollen sie dem Traum näher kommen.

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Kommentieren | 16. Juli 2012 | 15:02 Uhr | Twittern | Facebook