Ukrainer zeigen ihre Verbitterung im Netz
Das schwebende Verfahren gegen Julia Timoschenko wird heute ohne sie wieder aufgenommen werden. Der Chef der Berliner Charité, Karl Max Einhäupl, hatte die 51-Jährige untersucht und von einem Transport zum Gericht abgeraten. Die Behörden sind dieser Empfehlung gefolgt. Unterdessen äußern die Ukrainer Im Netz ihren Unmut über die politische Situation ihres Landes.
Präsident Janukowitsch platzt der Prozess gegen die ehemalige Regierungschefin und die damit verbundene Berichterstattung mitten in die gute Laune der EM. Zu gerne hätte er dem Ausland eine heile (Fußball-) Welt vorgeführt. Selbst das Ausscheiden der eigenen Mannschaft ist für die Politik kein Drama. Premierminister Nikolai Asarow sagte: “Sport ist Sport und da gibt es wie im richtigen Leben alles: Fehler, Glück und Ungerechtigkeiten.”
Er sei sich ganz sicher, dass die EM 2012 endgültig alle “Mythen über die Ukraine verscheucht” habe und die Timoschenko-Proteste nur “ein Wermutstropfen im Freudentaumel des Fußballfestes” seien. Die Ukraine hatte sogar darauf verzichtet, wegen des “geklauten Tores” gegen England vor Gericht Berufung einzulegen.
Harte Linie außerhalb der Stadien
Außerhalb der Stadien verfolgt die Politik weiter eine harte Linie. Ein in der letzten Woche auf kommersant.ua erschienenes Interview mit dem ukrainischen Generalstaatsanwalt Renat Kusmin hatte dabei für besonders großen Wirbel im Netz gesorgt, denn darin vorverurteilte er Timoschenko öffentlich als Verbrecherin und bezichtigte sie indirekt des Mordes.
Da Timoschenko aber wisse, dass ein Prozess im Falle einer noch nicht kurierten Krankheit gesetzeswidrig sei, schütze sie sich durch ihre “ewige kranke Hysterie”, so Kusmin. Im Notfall müsse “ein medizinisches Gutachten vom Gericht erstellt werden” und dann könne Timoschenko in einem “orthopädischen Bett“ an dem Prozess teilnehmen.
Die Reaktionen im Netz spiegeln ein abgrundtiefes Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Politik wieder, egal um welches Lager es sich dabei handelt. Ukranews-Leser Balkantrava meint: “Es ist eher an der Zeit, eine Folterbank auf dem Marktplatz zu montieren.“
Hauptkrankheit: Korruption
Die Ukrainer sind verbittert, dass die neuen ukrainischen Machthaber noch korrupter sind als jene, die sie vor zwei Jahren abgewählt haben. @Dmytro_Dobriy, Leiter der Organisation “Freies Internet” twittert: “Wie man sich von dem Schuldgefühl befreien kann, dass man Janukowitsch gewählt hat.” Im Rahmen eines Psycho-Rehabilitations-Kurses könne man sich zum Beispiel mit anderen Janukowitsch-Wählern zusammenschließen, die ähnliche Probleme haben.
Die allgemeine Auffassung, dass die Politiker ihren Sitz im Parlament nur benutzen, um sich Zugang zu den staatlichen Konten zu sichern, bestätigen die Reaktionen im Netz nur zu gut. Internet-User Wasya kommentiert einen Artikel auf ukranews.ua über die Neuformierung der Oppositionsparteien mit den Worten: “Es gibt keine Opposition, nur Lügner, die das ukrainische Volk zum Narren halten. Wahlen sind eine Auktion um den besten Platz im Parlament – nah am Geld.”
Resignation macht sich breit
Verheerend sind für viele nicht so sehr die Zustände in der Ukraine, sondern vielmehr ihre gefühlte Endgültigkeit. Der Journalist Sergey Leshchenko schreibt auf Facebook: “Es gibt keine Informationen mehr zu enthüllen, die die Verhältnisse in der Ukraine wieder vom Kopf auf die Füßen stellen könnten.” Das klingt nach einer völligen Resignation. Und diese Gemütslage setzt ein gewaltiges Maß an Zynismus frei. Erst Recht dann, wenn die Bevölkerung nur zufällig durch ins Internet geratene Luftaufnahmen von der neusten auf Staatskosten gebauten Villa des Präsidenten erfährt.
So einfach wie mit der Ablehnung gegenüber Janukowitsch verhält es sich mit der Solidarität für Timoschenko in der Bevölkerung nicht. Gumenyuk meint, die ukrainische Bevölkerung wüsste zwar, dass ihr “Justizsystem das korrupteste aller staatlichen Institutionen ist”, aber gleichzeitig sei jedem klar, dass Timoschenko nicht nur ein politisches Opfer ist. Die Solidarität mit der Ex-Ministerpräsidentin “bezieht sich daher auch eher auf ‘Timoschenko-als-Frau’, nicht so sehr auf “Timoschenko-als-Politikerin.” Das zeigt auch, dass sich die Facebook-Gruppe “Freiheit für Timoschenko” vielmehr eine menschlich-moralische Unterstützung fordert, im Gegensatz zur von Timoschenkos Tochter Jewgenia organisierten Homepage www.tymoshenko.ua, die Gerechtigkeit für die Inhaftierte einklagt.
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1 Kommentar | 25. Juni 2012 | 09:53 Uhr |
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Die Ukrainer sollten mal unsere Verbitterung anschauen, dann haben sie wieder ein grund zur freude.
2000 Milliarden Euro schulden. Wir und unsere Nachkommen sind zum schulden tilgen bis zum bitteren ende verdammt.
Welche Banden die Taschen vollgestopft haben bleibe hier offen….