Klein, kleiner, Mini-PC – der Raspberry Pi

Kaum größer als eine Kreditkarte: Der Mini-PC Raspberry Pi. Foto: Flickr/Phil Sheard (CC-BY)

 

Kaum größer als eine Kreditkarte: Der Mini-PC Raspberry Pi. Foto: Flickr/Phil Sheard (CC-BY)

Kaum größer als eine Kreditkarte: Der Mini-PC Raspberry Pi. Foto: Flickr/Phil Sheard (CC-BY)

Tablets, Smartphones und vielleicht noch Smart-TVs, das sei die Zukunft des “Personalcomputers”. Der klassische PC, der erst als brummender, unförmiger Turm, dann als stylischer, schuhkartongroßer Kasten in Wohn-, Arbeitszimmern und Büros einzog, soll am Ende seiner langen und erfolgreichen Karriere angekommen sein. Als Beweis für diese These sehen viele Experten auch den Niedergang des PC-Herstellers Hewlett Packard, der erst vor kurzem den größten Stellenabbau der Geschichte angekündigt hat. Gegen diesen Trend stemmen sich einige kleine Firmen und Pioniere, die den PC nicht für tot, sondern für zukunftstauglich erklären – allerdings ganz anders und sehr, sehr viel kleiner als bisher.

Im Mai 2011 zeigte der Brite David Braben in einem BBC-Interview den Prototyp eines PCs, den er Raspberry Pi nannte. Im Endeffekt war das aber nur eine Platine in der Größe eines Feuerzeugs. Darauf ein ARM-Prozessor, ein HDMI-Ausgang, eine USB-Schnittstelle, ein SD-Karten-Slot und eine kleine Kamera. Damals hoffte David Braben mit seiner Erfindung Schulen zu erreichen, die den kleinen Rechner an ihre Schüler verteilen und ihnen damit das Programmieren nahe bringen würden. In den nächsten 12 Monaten sollte der Raspberry Pi in Serie gehen und nur 25 Dollar kosten.

Export-Schlager

Etwas mehr als ein Jahr später wird der Raspberry Pi langsam aber sicher als Massenware ausgeliefert und ist längst ein Überraschungserfolg. Als im Februar der mittlerweile etwas gewachsene Mini-PC zum ersten Mal bestellt werden konnte, brachen die Server der Vertriebspartner zusammen und die komplette erste Liefermenge war in 20 Minuten ausverkauft. Wohin die Bestellungen ausgeliefert wurden ist ebenfalls erstaunlich. Auf der ganzen Welt hat sich der Raspberry Pi verteilt – sogar in der Antarktis wird auf drei Forschungsstationen mit ihm gearbeitet.

Die Platine enthält zwar nun mehrere USB-Schnittstellen, einen Audio- und Videoausgang und einen LAN-Anschluss, mit seinen 256 Mb RAM und dem 700Mhz ARM Prozessor scheint er jedoch um ein vielfaches schwächer auf der Brust als heutige Standard-PCs, die mit mehreren Gigahertz und Prozessorkernen rechnen. Vergleicht man ihn allerdings mit der Leistung des ersten iPads fällt kaum noch ein Unterschied auf.

Perfekt für den Alltag

Genau hier wird die Stärke des kleinen Rechners deutlich. Denn die meisten PCs sind von der Rechnerleistung her völlig überdimensioniert. Zum surfen im Netz, ein paar Office-Anwendungen und dem Abspielen von HD-Videos ist kein Rechner nötig, mit dem man theoretisch eine Mondmission kontrollieren könnte. Angeschlossen an einen Bildschirm ist der Raspberry Pi ein für das Netz ausreichender PC auf Linux-Basis. Und wer die Cloud nutzt, braucht auch keine großen internen Festplatten mehr. Unschlagbar wird der Raspberry Pi aber, wenn man ihn an seinen Fernseher anschließt. Für nur 35 Dollar, die das stärkere der zwei erhältlichen Modelle nun kostet, wird der Flachbildfernseher zum Smart-TV. Für diesen Preis bekommt man gerade mal die Fernbedienung für die neuesten Fernseher mit Internetanschluss.

Nachahmer mit Mehrwert

Die Zukunft der PCs? Ein Raspberry Pi in einem speziellen Gehäuse. Foto: Flickr/Solarbotics (CC-BY)

Die Zukunft der PCs? Ein Raspberry Pi in einem speziellen Gehäuse. Foto: Flickr/Solarbotics (CC-BY)

Der Erfolg des Raspberry Pi hat längst auch andere Anbieter aufhorchen lassen. Für nur 49 Dollar bietet die taiwanesische Firma VIA ab Juli ein ähnliches Gerät an, das mit einem speziellen Android-System läuft. Und auch eine chinesische Firma hat einen USB-Stick großen Mini-PC entwickelt, der Android 4.0 auf jeden Bildschirm zaubert. Zwar ist der MK802 aus China mit rund 74 Dollar fast dreimal so teuer wie der Raspberry Pi, aber immer noch um Klassen günstiger als jedes Tablet, das mit dem gleichen Betriebssystem läuft.

Auf dem Weg zum Mainstream?

Wie erfolgreich die Portierung von Android als Desktoprechner sein wird und ob der Erfolg des Raspberry Pi anhält und nicht nur die Hacker- und DiY-Szene, sondern auch den Otto-Normalverbraucher erreicht, dass lässt sich noch nicht abschätzen. Die Entwickler der Mini-PCs haben aber eines bereits deutlich gezeigt: Bei den großen Rechnern zahlen wir für viele Funktionen, die wir gar nicht nutzen und für Smartphones oder Tablets geben wir hunderte Euro dafür aus, damit wir Angry-Birds darauf spielen können. Mit einem Gerät unter unter fünfzig Euro seinen Fernseher internetfähig machen, das wäre, nun ja, wirklich smart.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich; der Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder)

Autor: Jochen Dreier

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Jochen Dreier arbeitet vorrangig als "Skypereisender" für das Deutschlandradio. Kunst, Kultur, Games, Netzpolitik und Verbraucherschutz - dass diese Themen im Netz nicht mehr trennbar sind, schreibt er auch hier auf Hyperland.
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3 Kommentare

  • Linuxhelfer
    12.06.2012, 19:56 Uhr.

    hallo Herr Dreier,

    den Fernseher internetfähig machen, dass geht schon heute ohne diesen Raspberry Pi. Dazu braucht es nur einen TV, einen usb-Anschluss dort und ein Laptop oder eine Tastatur und eine Maus. Denn die meisten TV-Geräte von heute haben bereits CD-/ DVD-Slots, usb-Steckplätze und auch hdmi-Anschlüsse.

    Und dass ermöglicht einem, den Laptop direkt an einen TV-Screen anzustöpseln, dann per VGA-Kabel den TV-Screen mit dem Laptop verbinden (TV-Screen als Monitor nutzen) und los geht’s. Das Internet kommt dann über den Laptop (die meisten Geräte sind heutzutage mit LAN-Anschlüssen und mit WLAN ausgerüstet).

    Von daher braucht es diesen sogenannten Mini-PC überhaupt nicht. Ich nutze da doch deutlich lieber mein Laptop und auch auf ein Tablet kann ich guten Herzens verzichten. Denn alles, was ein Tablet kann (auch e-book reading) kann mein Laptop ebenfalls. Denn Linux enthält ein Programm dafür und somit brauche ich keine neue Hardware dafür und kann mir dieses Geld sowohl für ein Tablet, als auch für diesen Raspberry Pi als auch für einen E-book-Reader sparen. Das nenne ich mal smart!!

    Gruß
    Linuxhelfer

  • Stefan
    13.06.2012, 12:05 Uhr.

    @Linuxhelfer

    Wenn ich Ihre Kommentare so lese, kommt der Verdacht auf, dass Sie die Beiträge gar nicht lesen.
    Für 35 Dollar stöpselt keiner mehr ständig mit dem Laptop rum.

  • nik
    14.06.2012, 18:32 Uhr.

    @Linuxhelfer: Schön und gut, nur was hat das mit dem Thema zu tun? Es geht hier nicht darum, den Bildschirm als Laptopdisplay zu gebrauchen, sondern den TV internettauglich zu machen. Meine Waschmaschine ist auch netztauglich, wenn ich ein Laptop drauf stelle.

    @Artikel: „Zum surfen im Netz, ein paar Office-Anwendungen und dem Abspielen von HD-Videos ist kein Rechner nötig, mit dem man theoretisch eine Mondmission kontrollieren könnte.“ – Auch wenn klar wird, was gemeint wird, _das Surfen im Netz_ gibt es heute nicht mehr. Von 90er-Jahre-Textseiten bis Flash-Inhalte, Live-Renderings, anspruchsvollen Javascript-Anwendungen oder hochauflösenden Medieninhalten ist alles dabei. Und da wird es ganz schnell eng auf einer Architektur mit ein paar Huindert Megahertz. Und – Mondmission – nun gut, darüber brauchen wir nicht reden. Sondern einfach mal recherchieren, mit welchen Rechnern (oder auch Analog-Systemen) dort gearbeitet wurde. Der Vergleich passt also hinten und vorne nicht.

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