Bloggen unter Einsatz des Lebens

Heute wurden beim Global Media Forum der Deutschen Welle in Bonn die Gewinner der “Gewinner der BOBs 2012“, des Deutsche Welle Blog Awards geehrt. Die Themen freie Meinungsäußerung, Bildung und Erziehung stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung.


Der Hauptgewinner der BOBs 2012 ist der persische Blogger und Journalist Arash Sigarchi. Er wurde für sein Blog “Window of Anguish” ausgezeichnet, in dem er über Menschenrechte, soziale und politische Themen in seinem Heimatland Iran berichtet. Sigarchis Stimme im Netz wurde von der Jury als besonders wertvoll angesehen, da er nicht nur innerhalb und außerhalb des Iran sehr gut vernetzt ist, sondern auch besonders dazu in der Lage ist, aus der Vielzahl seiner Quellen die relevanten Informationen auszuwählen.

Sigarchi wurde in Iran mehrmals verhaftet und zu 14 Jahren Haft verurteilt, die mit der Unterstützung der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi auf drei Jahre reduziert werden konnten. Noch vor Ablauf seiner Haft wurde er aus medizinischen Gründen entlassen und konnte 2008 in die USA ausreisen.

Preis für Meinungsfreiheit

(Die Gewinner der BOBs 2012. Foto: Julius Endert)

Der internationale Blog Award der Deutschen Welle BOBs zeichnet Webseiten in elf Sprachen aus, die im Sinne der Meinungsfreiheit den offenen Diskurs im Internet vorantreiben und bereichern. “Die BOBs bieten einen globalen Überblick über die Weblogszene und sie zeigen den unglaublichen Einsatz, den diese Blogger bringen”, sagt BOBs-Organisator Gabriel González Zorrilla im Gespräch mit Hyperland. Teilweise gehe das Engagement sogar bis zur Gefährdung des eigenen Lebens.

Der Journalist und Blogger Abu Sufian aus Bangladesch ist einer derjenigen, die ihr Leben riskieren, um Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen. In seinem Blog berichtet er über “außergerichtliche Tötungen” durch Killerkommandos.

Im Gespräch mit Hyperland erklärt er seine Motivation: “Als ich vom Mord an zwei Journalistenkollegen erfahren habe und gemerkt habe, dass sich niemand um die Aufklärung kümmert und auch die Medien nicht mehr berichtet haben, habe ich angefangen, darüber zu bloggen”. Daraufhin bekam er anonyme Drohanrufe und Schwierigkeiten mit der Polizei. Doch die von ihm geschaffene Öffentlichkeit sorgte dafür, dass das Thema ans Licht kam. Heute spricht ganz Bangladesch über dies Morde.

(Der bengalische Blogger Abu Sufian gehört zu den Preisträgern bei den BOBs 2012. Foto: Julius Endert)

Halal wäre nicht das Ende der Kommunikation

Die Zensur begleitet dabei Abu Sufian und viele der anderen Preisträger. In fast keinem der Heimatländer der Preisträger gibt es ein Internet ohne staatliche Kontrolle. Hyperland sprach mit Jurymitglied Arash Abadpour. Der Iraner bloggt unter dem Namen Kamangir (Bogenschütze) auf Englisch und Persisch. Sein Blog gehört zu 20 am meisten gelesenen persischen Blogs im Internet. Seit Jahren schon spricht die Regierung in Teheran davon, ein Netz einzuführen, das nach religiösen Vorstellungen “halal” ist. Es wäre eine vom Staat kontrollierte saubere Alternative für die Iraner, die aller Zensur und Sperren zum Trotz vom Netz nicht lassen wollen. 17 Millionen sollen allein bei Facebook angemeldet sein.

Für Regimekritiker wie den Blogger Abadpour würde ein derart kontrolliertes Netz aber noch nicht das Aus jeglicher Aktivitäten im Netz bedeuten. Wichtig sei, dass die Menschen überhaupt kommunizieren könnten. Denn letztendlich seien die Nutzer von sozialen Netzwerken immer klüger als die staatlichen Aufpasser oder religiöse Sittenwächter.

“Wenn sie uns eine Plattform geben, auf der wir uns vernetzen können, werden wir uns vernetzten”, sagt Abadpour. Selbst unter den Bedingungen einer strengen Zensur, würden die Menschen Wege finden, wie sie ihre Botschaften untereinander austauschen könnten. “Natürlich würden wir nicht offen gegen die Regierung wettern. Wir würden neutrale Begriffe nutzen und die Empfänger wissen dann, was gemeint ist”.

Im August soll mit “Salamworld” ein in der Türkei gegründetes soziales Netzwerk starten, das den Muslimen weltweit als Alternative zu Facebook die Möglichkeit gibt, sich religonskonform zu vernetzten. Abadpour glaubt jedoch nicht, dass es dafür wirklich eine Bedarf gibt: “Auf Facebook zum Beispiel habe ich sehr viele religiöse Freunde. Die Auffassung, dass einer bestimmten religiösen Gruppe Facebook nicht behagt, habe ich noch nie gesehen”.

Bildung Schlüssel für Entwicklung und Wohlstand

Auf dem Global Media Forum im alten Plenarsaal in Bonn mit rund 1.800 Teilnehmern aus aller Welt, stehen in diesem Jahr neben der freie Meinungsäußerung, die Themen Bildung und Erziehung im Mittelpunkt. “Bildung für die gesamte Bevölkerung eines Landes ist der Schlüssel für positive wirtschaftliche Entwicklungen und Wohlstand – und davon hängt wiederum das Wachstum der Weltwirtschaft ab”, sagte der stellvertretende Intendant der Deutschen Welle, Reinhard Hartstein zur Eröffnung. Umgekehrt sei Bildungsnotstand eine Quelle für Armut und soziale Spannungen. Selbst kriegerische Auseinandersetzungen hätten häufig ihre Ursachen auch in mangelnder Bildung oder der dadurch verursachten Armut und sozialen Unterschieden.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich; der Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder)

Kommentieren | 26. Juni 2012 | 18:30 Uhr | Twittern | Facebook