Facebook Börsengang: “Käufer, passt auf!”

Facebook-IPO: "Daumen-rauf oder Daumen-runter?" das entscheidet die Börse (Foto:GOIAB; Quelle: Flickr, CC BY 2.0)

Facebook-IPO: "Daumen-rauf oder Daumen-runter?" das entscheidet die Börse (Foto:GOIAB; Quelle: Flickr, CC BY 2.0)

Es ist soweit, man sollte sagen: endlich! Heute geht das soziale Netzwerk Facebook an die Börse. Und wären sie noch aufgeregter, drohten den US-Journalisten und Bloggern wohl bleibende körperliche Schäden. Selten gab es einen solchen Rummel im Netz bei einem Börsengang.


Es ist ein großer Börsengang, zweifellos. Die Online-Journalisten der New York Times führen das ihren Lesern in einer knackigen Grafik vor Augen. Und erinnert sie daran, dass es der drittgrößte Börsengang der Geschichte ist – aber vor allem der mit so unglaublich großem Abstand der größte Börsengang einer Internetfirma. 38 Dollar will Facebook für eine der sehr begehrten Aktien. Das hat Facebook gestern, als es in Deutschland schon später Abend war, bekannt gegeben. 104 Milliarden Dollar soll Facebook damit Wert sein.

“Das macht mir Sorgen”, twittert Jim Cramer, “Börsenurgestein” und Gründer des Finanzblogs “The Street“. Er ist nicht allein. Der Grundtenor der Wall-Street-Beobachter: besorgt. Der Investor und angesehene Analyst Roger Ehrenberg beschreibt seine Sorgen in seinem Blog “Information Arbitrage“: “Die Euphorie, die den Börsengang Facebook umgibt, erreicht nie zuvor gesehene Ausmaße. Händler nehmen keine Bestellungen mehr auf. Der Einstiegspreis ist stark erhöht worden. Der Anteil der Aktien, die bestehende Investoren verkaufen, ist dramatisch angestiegen. Was soll man von all dem halten? Ich sage es Ihnen: Käufer, passt auf!”

Altinvestoren machen Kasse

Dass so viele Aktien von Investoren kommen, die in einem frühen Stadium in Facebook investiert haben, macht vielen Kommentatoren Sorgen. 57 Prozent aller Aktien, die ab heute verkauft werden, kommen von diesen Investoren. Zum Vergleich: bei Google waren es gerade Mal 28 Prozent. Als Yahoo und Amazon in den Neunzigern an die Börse gingen, gaben die Investoren gar keine Aktien her; alle kamen von der Firma selbst. Die Facebook-Investoren scheinen aber kaum warten zu können, ihre Aktien loszuwerden. “Die wollen nicht einfach Geld verdienen, die flüchten”, schreibt Cyrus Senati für das Wirtschaftsmagazin Fortune unter der Überschrift “Warum ich keine Facebook-Aktien kaufe”.

Und die Warnungen nehmen kein Ende. David Weidner vom Wall Street Journal listet zehn Dinge auf, die Facebook bedrohen könnten. Auf viele davon macht auch Charles Rotblut aufmerksam, Vizechef der amerikanischen Investorenvereinigung: “Der CEO ist sehr jung und unerfahren, hat das Schlusswort bei der Entscheidung, wer im Verwaltungsrat sitzt. In seiner kurzen Zeit als CEO hatte er mit vielen Kundenbeschwerden und Gerichtsverfahren zu kämpfen. Kunden wechseln auf mobile Geräte, und das Produkt ist von China weiterhin nicht zugelassen.” Stünde auf diesem Angebot nicht “Facebook” und “Social Media”  würde das keiner kaufen. Da dies aber drauf stehe, und diese Euphorie auslöse, sei das keine Investition sondern ein Hochrisikogeschäft – ähnlich einem Startup. Als dieses müsse man den Facebook-Börsengang auch behandeln, alles andere sei dumm, schreibt Rotblut und zitiert die Investorenlegende Benjamin Graham. Dumm wäre, wenn man “spekuliert, obwohl man denkt, man investiert” oder wenn man “mehr Geld riskiert als zu man zu verlieren vermag.”

Wie es denn aussieht, wenn Börsenträume platzen, können sich die künftigen Aktionäre bereits heute schon auf BuzzFeed anschauen. Die Seite listet acht Katastrophen-IPO’s auf – Schadenfreude inbegriffen.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich; der Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder)

Autor: Michaël Jarjour

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Michaël Jarjour ist freier Journalist in Brooklyn, New York. Er berichtet über Technologie, Start-ups, Medien und darüber, wenn sie auf Politik treffen. Folgen Sie ihm auf Facebook und Twitter. michaeljarjour.com.
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7 Kommentare

  • Walter Schmid
    18.05.2012, 13:43 Uhr.

    Die Investoren wollen heute so richtig Kasse machen sofern es Gott will.
    Ich glaube , dass viele Marktteilnehmer heute vorsichtig sind, Aktien zu ordern.
    Sollte Panik aufkommen, da die Erwartungshaltung sehr hoch ist, werden
    sehr viele Investoren (sollte der Kurs unter die Räder kommen) verkaufen
    müssen. Wer will schon 30% und mehr verlieren. Der realistische Wert der
    Aktie liegt für mich bei ca. 25 Dollar. Es muss erst ein Boden gefunden werden, sodass Anschlusskäufe getätigt werden. Gehen dann viele Marktteilnehmer Short so kann es bis auf unter 20 Dollar gehen.
    Warten wir ab. Es wird spannenend.

    • Walter Schmid
      18.05.2012, 18:45 Uhr.

      Der Kurs ist kurzfristig auf 43 Dollar gestiegen, dann fiel er wieder auf den
      Ausgabepreis. Hätten die Banken nicht gestützt wäre der Kurs total
      abgefallen. Diejenigen, die mit Optionsscheine auf steigende Kurse gesetzt
      haben mussten herbe Kursverluste einstecken. Viele Investoren haben
      Kredite auf Facebookaktien aufgenommen. Sollten die Banken den Kurs in den
      nächsten Tagen den nicht mehr stützen, so müssten Investoren , die
      auf Kredit Aktien von FB gekauft unter 38 Dollar massiv verkaufen.
      Abwarten u. Teetrinken ist besser! Viele haben gedacht der Kurs steige
      um 50%und mehr, haben sich verzockt.

  • Stefan
    20.05.2012, 00:50 Uhr.

    Bei Google hat sich der Gang an die Börse rentiert, auch für die Anleger.
    Der Ausgabepreis war 2004 – 85$, heute liegt der Kurs bei über 450$.
    Ob das Facebook schafft ist fraglich.

  • Bert Jung
    20.05.2012, 17:26 Uhr.

    Im Gegensatz zu Google ist das Werbekonzept von Facebook weder innovativ noch nachhaltig. Vielleicht schafft Facebook in der Anfangsphase paar Schlagzeilen. Doch mittelfristig sehe ich schwarz für seine Aktien. Der Online-Werbemarkt ist nunmal nicht unendlich. Nur diejenigen mit kostengünstigen und präzisen Werbeeinblendungen können langfristig am Markt bestehen.

  • Sandra
    21.05.2012, 18:03 Uhr.

    Ja, die erste Bestätigung ist da. Die Facebook Aktienpreise rutschten deutlich unter Ausgabepreis ab.

  • JennyGER
    21.05.2012, 23:27 Uhr.

    Wie schön, wenn man in den Datenbanken der US-Börsenaufsicht nach Insiderverkäufen sucht…. man findet Goldman Sachs und einen Fonds von Goldman Sachs. GS gehörte heute morgen zu den größten Verkäufern; man hat kasse gemacht. Schon lange vor dem Börsengang habe ich nachgerechnet: Würde man Facebook mit den selben betriebswirtschaftlichen Regeln bewerten wie Google und Apple, dann hat der Aktienkurs ein Abwärtspotenzial von ca. 75%. Beim IPO sahen wir, dass Facebook keine Überfliegeraktie ist. Heute sahen wir, dass Facebook eine Luftnummer war. Beim IPO konnte der Kurs nur durch abgesprochene Bankenkäufe gestützt werden, Morgan Stanley hat nun riesige Verluste; Goldman Sachs freut sich. Thats business.

    lg <3

  • Walter Schmid
    05.06.2012, 23:29 Uhr.

    Jetzt ist Facebookaktie schon bei ca. 25 Dollar wie ich es vorausgesagt habe angelangt.
    ( siehe die beiden ersten Blogbeiträge)
    Es wird in Richtung 20 Dollar gehen. Danach gilt es zu entscheiden.

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