Netzkampagnen: Obama hält seinen Vorsprung
Vergangene Woche gab es schon wieder eine Netz-Premiere für Barack Obama: Den 30. Januar 2012 werden die Geschichtsbücher einmal als den Tag vermerken, an dem sich zum ersten Mal ein amtierender US-Präsident in einen Google+-Hangout begab. Doch das ist noch lange nicht die einzige Neuerung in Obamas Onlinestrategie.
Im Video-Chat auf Google+ diskutierte Obama dann mit fünf Wählern über seine Politik. Unter ihnen war die eigentlich erklärte Republikanerin Jennifer Wedel, die anschließend gegenüber Medien erklärte, sie könne sich schon vorstellen, bei dieser Wahl für den Präsidenten zu stimmen. Der Online-Wahlkampf läuft.
Barack Obama hat seine hohe Präsenz im Netz, das Markenzeichen seines erfolgreichen Wahlkampfs 2008, auch im Amt nie aufgegeben. Er hat regelmäßig Videos bei YouTube platziert und ein Bürgerforum auf Facebook veranstaltet. Selbst eine eigene Tumblr-Seite betreibt die Kampagne zu seiner Wiederwahl. Der Grad an Online-Affinität, der vor vier Jahren noch eine kleine Wahlkampfrevolution darstellte, ist 2012 aber Standard bei allen Kandidaten. Und wenn am heutigen Dienstag in Colorado und Minnesota die republikanischen Wähler über ihren Kandidaten entscheiden, dann ist klar, dass der Sieger, egal ob er am Ende Mitt Romney oder doch noch Newt Gingrich heißt, im Netz mit dem Präsidenten mithalten können muss.
Man muss sich vielleicht noch einmal daran erinnern, dass noch zu Zeiten des Wahlkampfs 2004 Facebook bloß ein (wenige Monate altes) Spielzeug für Harvard-Studenten war, und weder YouTube noch Twitter überhaupt existierten. 2008 war der erste amerikanische Wahlkampf, in dem Social-Media- und Videoplattformen überhaupt eine wichtige Rolle spielen konnten. Im Wahlkampf 2012 nun ist eine Internetstrategie, wie sie Barack Obama vor vier Jahren zum Sieg getragen hat, bereits eine Selbstverständlichkeit.
Zac Moffatt, der für Romney den digitalen Wahlkampf koordiniert, lobt die Obama-Kampagne gegenüber dem Atlantic noch heute. Dass die Online-Verantwortlichen dort vollen Zugang zu den Zirkeln der Entscheidungsträger hatten – das wird nun auch im Romney-Team so gehandhabt.
Die Bedingungen für den Online-Wahlkampf haben sich geändert
Doch das Web des Jahres 2012 ist nicht mehr das von 2008. Die Nutzung ist mobiler geworden, soziale Netzwerke haben an Bedeutung noch gewonnen. Die Kampagnen passen sich auch an diese Veränderung des Ökosystems an. Sowohl Barack Obama als auch Mitt Romney wollen die Smartphone-App Square dafür nutzen, ihren Unterstützern die schnelle Wahlkampfspende von unterwegs zu ermöglichen. Und noch mehr Wahlwerbespots werden in erster Linie oder gar ausschließlich für das Internet produziert. Ein Clip, der in den sozialen Netzwerken viral wird, erspart schließlich viel kostspielige Sendezeit in den Werbeblöcken des Fernsehens.
Als den “größten Wandel” beschreibt Moffatt die Dezentralisierung der Online-Arbeit. Zwar bleiben die Websites der Kandidaten, etwa barackobama.com oder mittromney.com die zentralen Anlaufstellen. Wer aber nicht dort hinkommt, den müssen die Kampagnen an jedem anderen denkbaren Ort im Netz abholen können. “Wir werden niemanden abblitzen lassen, der sich nur auf Facebook mit uns beschäftigen will”, sagt Moffatt dem Atlantic.
Dass die Rolle sozialer Medien noch einmal so viel wichtiger geworden ist, liegt allein schon an ihrem Zugewinn an Masse. Gab es bei Obamas Wahlsieg 2008 noch sechs Millionen aktive Twitter-Nutzer, sind es jetzt schon 100 Millionen. Ein Anstieg, der natürlich nicht in den USA alleine erzielt wurde, aber jeder Twitter-Wahlkämpfer kann damit rechnen, einen ungleich größeren Teil der Wählerschaft zu erreichen als noch vor vier Jahren. Zwölf Millionen Follower hat Barack Obama bereits, 1,45 Millionen Newt Gingrich, Mitt Romney hinkt mit gut 320.000 noch hinterher, brüstet sich aber mit relativ mehr Retweets.
Und Twitter hilft nicht nur dabei, die eigenen Botschaften unter das Volk zu bringen. Romneys Wahlkampfmanager beschreiben, wie sehr ihnen der Dienst umgekehrt auch als Frühwarnsystem dafür dient, welche Themen in Begegnungen mit Journalisten oder Wählern hochkochen werden. Teddy Goff, der Obamas Online-Wahlkampf leitet, berichtet in der New York Times, wie sein Team einzelne Sätze aus Reden des Präsidenten bei Twitter eingegeben hat, um an der Zahl der Retweets die Resonanz der jeweiligen Botschaft zu ermessen. ”Twitter”, so Goff, habe “die ganze Funktionsweise von Politik verändert.”
Obama ist ein Schritt voraus
Schließlich wird aber auch Facebook 2012 in bisher unbekanntem Ausmaß als politische Plattform genutzt werden. Facebook-Nutzer, die nach Erkenntnissen der Pew-Internet-Studie politisch interessierter sind als der Durchschnitt der amerikanischen Bevölkerung, sollen einander viel stärker als bisher gegenseitig für ihre jeweiligen Kandidaten begeistern, so wünschen sich das die Strategen. Nichts motiviert schließlich so stark wie direkte Ansprache durch andere Wähler. Und an dieser Stelle scheint das Team Obama den Republikanern erneut einen Schritt voraus zu sein. Über die Facebook-App Are you in?, die seit vergangenem Frühjahr im Einsatz ist, haben sich Zehntausende Nutzer mit dem Präsidenten vernetzt.
Die über die Anwendung gewonnenen Daten erlauben es Obamas Wahlkampfhelfern in Zukunft nach Altersgruppen, Geschlecht, Wohnort, Zahl von Freunden in einer Art Rasterfahndung immer genau jene Zielgruppe herauszufiltern, die man zu einem bestimmten Zeitpunkt motivieren möchte, für den Präsidenten aktiv zu werden – und in ihren Freundeskreisen wiederum die Message der Kampagne zu multiplizieren.
So zielgerichtet will die Obama-Kampagne nicht nur über Facebook vorgehen. Das hauseigene Datenanalyse-Team arbeitet, so berichtet es Bloomberg, unter strenger Geheimhaltung aber mit großen Ambitionen an Tools für Methoden, die intern “Microlistening” genannt werden. 2008 sei man “in vielem prähistorisch“ gewesen, wird Obamas Wahlkampfchef David Axelrod zitiert, in diesem Jahr sollten die Wähler “viel zielgerichteteter angesprochen” werden. Botschaften weit, aber ungezielt zu streuen, das ist passé.
Denn purer “Buzz“ in den sozialen Netzwerken ist noch lange nicht mit einer erfolgreichen Mobilisierung von Wählern zu verwechseln. Das Paradebeispiel dafür ist der republikanische Außenseiterkandidat Ron Paul. Wenn ausgewertet wird, wie häufig ein Kandidat in sozialen Medien genannt oder ein mit ihm assoziiertes Hashtag verwendet wird, liegt der Kongressabgeordnete mit der treuen Anhängerschaft stets weit in Führung. Würde eine “Online-Vorwahl“ nach solchen Referenzen entschieden, dann, das hat das Blog Floating Sheep in einer Grafik sehr hübsch visualisiert http://www.floatingsheep.org/2012/01/mapping-cyberscapes-of-2012-republican.html, würde Paul sie in fast allen Staaten gewinnen. Eine real stattfindende Vorwahl zu gewinnen, das allerdings schaffte er noch nie.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
3 Kommentare | 07. Februar 2012 | 14:10 Uhr |
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Ganz Europa plant Demonstrationen und das ZDF berichtet nicht einmal über die 30 000 in Polen, traurige Selbstzensur! Ich glaube man braucht sich generell nicht mehr über die TV-Nachrichten informieren zu wollen. Ihr habt mit mir einen weiteren Zuschauer verloren – wer dieses Thema weiter totschweigt verschweigt bestimmt auch anderes.
Dass Proteste etwas bewirken hat sich jetzt laut netzpolitik punkt org in Polen usw. schon gezeigt!
Obama ist clever! Das Internet ist schon längs das Diskussionspodium der Bürger Nr. 1 geworden. Obama und sein Team kennt die Methoden des Online-Marketings und setzt diese sinnvoll und kosteneffizient ein.
beim Zdf in der nachrichten-Redaktion sitzen Lügner, Vertuscher u. Kriegstreiber
eine Schande
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