Gesucht: Die besten politischen Blogs weltweit

"The BOBs" - die Preisverleihung findet im Juni im alten Plenarsaal in Bonn statt. (Foto: Deutsche Welle)

"The BOBs" - die Preisverleihung findet im Juni im alten Plenarsaal in Bonn statt. (Foto: Deutsche Welle)

Die Deutsche Welle startet zum achten Mal den internationalen Blog-Award “The BOBs”. Schwerpunkt ist das Thema Recht auf Bildung. Internetnutzer in aller Welt können bis 13. März 2012 herausragende Webseiten in sechs Fachkategorien und elf Sprachen vorschlagen. Die Auszeichnung soll Mut machen, sich im Netz für Meinungsfreiheit und freien Zugang zu Bildung zu engagieren. Nicht alle Staaten sind davon begeistert.

Blogs, Twitter und die sozialen Netze sind mittlerweile eine relevante Größe in der politischen Öffentlichkeit geworden. Insbesondere in Ländern, in denen das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht in der Verfassung verankert ist, sind die jedermann zugänglichen Kanäle über das Netz oft die einzige Möglichkeit für Bürger, sich Gehör zu verschaffen und sich politisch zu engagieren.

Wie gefährlich das in manchen Ländern sein kann, zeigt aktuell wieder der Fall des 23-jährigen Journalisten Hamsa Kaschgari, der via Twitter ein fiktives Gespräch mit dem Propheten Mohammed führte und nun für seine angebliche Beleidigung des Propheten mit der Todesstrafe bedroht ist.

Aus der Idee heraus, Menschen wie Kaschgari zu unterstützen und weltweit freie Meinungsäußerung, politische Beteiligung und Demokratisierung zu fördern, sind die BOBs entstanden. 2004 ist der Wettbewerb mit sieben Sprachen gestartet, mittlerweile sind es elf geworden. “Als aufmerksame Beobachter der politischen und sozialen Entwicklung in ihren Ländern sind Blogs und soziale Medien eine wichtige publizistische Stimme, wenn es um mehr Demokratie und um den Zugang zu Information geht. Das galt auch schon vor dem arabischen Frühling”, sagt Gabriel González Zorrilla, BOBs-Projektmanager bei der Deutsche Welle.

Zwar verbreiten sich einzelne Nachrichten, Fotos oder Videos im Internet heute weltweit in Windeseile, manche innovative Projekte oder Initiativen brauchen aber oft länger, um die Sprachbarriere zu überwinden. Teilweise werden sie außerhalb der Urheberländer gar nicht wahrgenommen. Hier setzt der Preis an: “Wir wollen mit diesem Award auf herausragende Initiativen und individuelle Leistungen aufmerksam machen und sie über Sprachgrenzen hinweg unterstützen”, erklärt González. “Ein mehrsprachiger Award wie “The BOBs” kann unserer Ansicht nach sehr wertvoll sein, um auf solche Projekte aufmerksam zu machen und sie zu würdigen.”

Iran mit Anti-BOB-Award

Dass nicht alle Länder, aus denen die Preisträger kommen, mit dem Award glücklich sind, liegt auf der Hand. Es gibt Staaten, die sehr empfindlich und geradezu verärgert auf die BOBs reagieren, berichtet González. “In der Vergangenheit gab es sowohl im Vorfeld als auch während des Awards Einschüchterungsversuche gegenüber Jurymitgliedern und Nominierten. Es gab Jurymitglieder und Gewinner, denen die Ausreise aus ihrem Land verweigert wurde und Nominierte, deren Webseiten während des Awards aus dem Netz genommen wurden.” Im letzten Jahr rief der Iran sogar einen Konkurrenz-Award gegen die BOBs ins Leben, sagt González weiter.

Lina Ben Mhenni wurde 2011 für ihr Blog "A Tunesian Girl" ausgezeichent; (Foto: Julius Endert)

Lina Ben Mhenni wurde 2011 für ihr Blog "A Tunesian Girl" ausgezeichent. (Foto: Julius Endert)

Entsprechend der Entwicklung im Internet haben sich die BOBs von einem Blog Award zu einem Wettbewerb entwickelt, der Projekte auszeichnet, die andere Formen der sozialen Medien nutzen. Obwohl die BOBs weiterhin die traditionelle Bezeichnung Blog Award im Namen führen, sind sie längst nicht mehr an dieses Format gebunden – sie zeichnen auch Social-Media-Kampagnen, Videoformate oder Internetplattformen aus. “Entscheidend ist nicht das Format – Twitterfeed, Blogs, Facebookprofil etc. -, sondern das inhaltliche Konzept und die persönliche Leistung”, erklärt González. Blogs sind dabei die “klassischste” Form unter allen sozialen Medien. Nach Auffassung der BOBs-Ausrichter werden sie nicht durch neuere Formen wie Twitter oder Facebook abgelöst, sondern ergänzt.

Schwerpunkt auf Kultur und Bildung

In diesem Jahr liegt ein Schwerpunkt auf Kultur und Bildung. Entsprechend dieser Themensetzung findet im Juni in Bonn das “Deutsche Welle Global Media Forum” statt. Dort werden Gewinner der “BOBs” ihre Preise entgegennehmen. Zum zweiten Mal wird die beste “Social Activism”-Kampagne gesucht. Und der “Reporter ohne Grenzen”-Preis geht wieder an einen Blog, der das Thema Pressefreiheit, Demokratie und Menschenrechte in besonderer Weise in die öffentliche Wahrnehmung rückt. Darüber hinaus werden die derzeit besten Blogs in elf Sprachen ermittelt – dieser Teil des Wettbewerbs ist themenübergreifend.

Abstimmen im Netz

Internetnutzer können über Facebook, Twitter und OpenID ihre Vorschläge einreichen. Außerdem haben sie die Möglichkeit, über Soziale Netze wie das chinesische Sina Weibo oder das russische VKontakte am Wettbewerb teilzunehmen. So sollen auch Menschen mitmachen können, in deren Ländern anderssprachige regionale Netze verbreiteter sind.

Zur international besetzten Jury zählt in diesem Jahr der renommierte Fotograf Professor Shahidul Alam aus Bangladesch. Alam wurde für seine Werke mehrfach ausgezeichnet. Er ist unter anderem Gründungsmitglied der “Learn Foundation”, die internetbasierte Trainings für ländliche Gemeinden anbietet. Mitglied der Jury sind auch der bekannte russische Journalist und Blogger Alexander Plushev sowie der Chinese Isaac Mao, einer der Organisatoren der “Chinese Blogger Conference”.

Alle Informationen zum Wettbewerb unter:

http://www.thebobs.com

http://www.facebook.com/dw.thebobs

Twitter: @DW_thebobs

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

3 Kommentare | 15. Februar 2012 | 16:51 Uhr | Twittern | Facebook

3 Kommentare

  1. Thanks for this post, Mr. Endert. We have a list of blogs people should check out. All nominees of our transatlantic diablog award back in December 2011. Maybe something to submit to the BOBs, too…?

    http://transatlanticdiablog.wordpress.com/the-2011-transatlantic-diablog-award-nominees-updated-list/

    the transatlantic diablog | 15. Februar 2012 | 17:49 | Antworten
  2. Da bewerbe ich mich gern.

    Christi Edom | 15. Februar 2012 | 23:19 | Antworten
  3. Obwohl die BOBs weiterhin die traditionelle Bezeichnung Blog Award im Namen führen, sind sie längst nicht mehr an dieses Format gebunden – sie zeichnen auch Social-Media-Kampagnen, Videoformate oder Internetplattformen aus. “Entscheidend ist nicht das Format – Twitterfeed, Blogs, Facebookprofil etc.

    Dwayne Smith | 3. April 2012 | 13:49 | Antworten

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