Datenschutzdebatte schadet Facebook nicht
Facebook gilt hierzulande als chronischer Ignorant in Sachen Datenschutz. Ein ums andere Mal beschweren sich Datenschützer über das Geschäftsgebaren des Unternehmens, der wirtschaftlichen Expansion hat das bislang nicht geschadet.
Die Mehrheit der Internetnutzer ist mittlerweile in den sozialen Netzwerken aktiv, doch wenn es um den Datenschutz geht, hält sich ihre Begeisterung in Grenzen.
Eine kürzlich vorgestellte Nutzerumfrage des IT-Branchenverbands Bitkom kam zu dem Ergebnis, dass es mit dem Vertrauen der deutschen Nutzer in die Sicherheit sozialer Netzwerke schlecht bestellt ist. “Bei allen abgefragten Netzwerken geben jeweils mindestens die Hälfte der Nutzer an, der jeweiligen Community eher nicht oder gar nicht zu vertrauen”, heißt es in dem Papier. Dem Marktführer Facebook misstrauen dabei 62 Prozent, Google+ 64 Prozent und Twitter sogar 70 Prozent der insgesamt 1.023 Befragten.
Fast alle, nämlich 94 Prozent, sind der Meinung, dass die Netzwerke für einen besseren Datenschutz sorgen müssen. 78 Prozent haben kein Vertrauen mehr in eine Selbstregulierung, sondern verlangen sogar strengere staatlicher Regeln für den Datenschutz in sozialen Netzwerken.
Wirtschaftlicher Erfolg trotz Datenschutz-Problemen
Zumindest was den Marktführer Facebook anbelangt, hat diese kritische Haltung der Nutzer jedoch keinen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg. Dem jetzt veröffentlichten Börsenprospekt ist zu entnehmen, dass Facebook im Jahr 2010 einen Umsatz von zwei Mrd. Dollar erwirtschaftete, 2011 waren es bereits 3,7 Mrd. Dollar und in diesem Jahr sollen der Umsatz auf 4,3 Mrd. Dollar steigen.
Doch letztendlich sind es nicht diese Zahlen, die dem Unternehmen jetzt zu einer erwarteten Börsenbewertung von bis zu 100 Mrd. Dollar verhelfen, sondern es sind die 845 Millionen Nutzer weltweit und das noch viel größere Potential, was sich daraus nach Meinung der Investoren ergibt.
Vielleicht nicht zu unrecht, denn derzeit führt für die Werbewirtschaft kein Weg an Facebook vorbei, glauben Experten. Jörg Hoewner von der Düsseldorfer Agentur K12, berät zahlreiche deutsche Unternehmen bei ihren Social-Media-Aktivitäten und meint: “Alle großen Unternehmen sind bei Facebook vertreten. Jetzt merken auch die mittelständischen Unternehmen, dass sie an Facebook als Kommunikationsplattform kaum noch vorbeikommen.”
Die Datenschutzdebatte habe die Entwicklung lediglich etwas verlangsamt, aber nicht aufgehalten, glaubt der Kommunikationsexperte. Er hat den Eindruck: “Die Datenschutzdebatte wird von den Unternehmen vor allem als politische Diskussion wahrgenommen, die Juristen der Unternehmen haben gegen ein Engagement in der Regel keine Einwände.”
Wie die Studie “Social Media Governance 2011 (PDF)” eindrucksvoll belegt, ist Facebook die unangefochtene Nummer eins, wenn sich deutsche Unternehmen sich im Social Web engagieren wollen: Während 56 Prozent der befragten Unternehmen 2011 auf Facebook bereits aktiv waren und weitere 19 Prozent ein Engagement planen, lag das Business-Netzwerk Xing deutlich abgeschlagen auf Platz zwei: Dort engagierten sich lediglich 38 Prozent der Unternehmen und nur elf Prozent planten einen künftigen Einsatz. Dabei hatte sich das Interesse an Facebook als Kommunikationsplattform im Vergleich zum Vorjahr (PDF) deutlich gesteigert: 2010 waren erst 30 Prozent der Unternehmen auf Facebook aktiv und nur 15 Prozent hatten ein weiteres Engagement geplant.
Probleme am Horizont
Noch also bleibt Facebooks Geschäftserfolg von der Datenschutzdebatte nahezu unberührt. Doch die Änderungen, die jetzt unter anderem nach den Datenschutzprüfungen der US-Regulierungsbehörde FCC und des irischen Datenschutzbeauftragten anstehen, wird Facebook jetzt nach und nach umsetzen müssen.
Ganz wohl ist es dem Unternehmen dabei nicht: So warnt es seine Investoren nun im Rahmen des Börsengangs davor, dass Facebook künftig verschiedenen Untersuchungen durchlaufen und Vereinbarungen mit Regulierungsbehörden schließen müsse, die “substanzielle Kosten” verursachen könnten. Diese könnten das Unternehmen zwingen “unsere Geschäftspraktiken auf materielle Weise entgegen unserer Geschäftsstrategie zu ändern”. Weiter heißt es, dass es “substanzielle Geldbußen und anderen Strafen” unterworfen sein könnte, die sich finanziell negativ auswirken könnten.
In Börsenprospekten ist es üblich, alle Eventualitäten zu berücksichtigen. In den USA jedenfalls ist Facebook Geldbußen bislang entgangen. Bis die Europäische Kommission ihre Datenschutzreform durchsetzt, die Sanktionen in Höhe bis zu zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verlangt, dürften auch noch einige Jahre ins Land gehen.
Facebook sorgt hier vor und hat seine Lobby-Aktivitäten im vergangenen Jahr sowohl in Washington wie auch in Brüssel und Berlin bereits deutlich aufgestockt. In Brüssel konnte die versammelte US-Lobby eindrucksvoll beweisen, dass die Höhe der möglichen Strafen durchaus verhandelbar ist: Lag sie in einem ersten Entwurf noch bei fünf Prozent, wurde sie auf vier und schließlich auf zwei Prozent heruntergehandelt – bei vier Mrd. Umsatz wären dann 80 Mio. für Facebook fällig. Gemessen an seiner Gewinnmarge wäre auch das verkraftbar: Bislang konnte das Unternehmen mit seinen nur 3.200 Mitarbeitern einen Gewinn einstreichen, der fast ein Viertel des Umsatzes ausmacht.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
5 Kommentare | 03. Februar 2012 | 11:48 Uhr |
|

Verd***** Axt, berichtet endlich im TV (Hauptnachrichten) über das undemokratische ACTA-Abkommen, damit die Bürger mündig ihre Meinung kund geben können! Die polnischen Proteste dürften doch genug Anlass dafür geben und die geplanten Proteste in D. genauso.
Werdet doch bitte nicht zu “Mittätern” dieses undemokratischen Prozesses. Selbst die “alte” ARD macht mehr.
Mein Gott, fünfzig Talkrunden über Wulff und so weiter, aber nicht ein Bericht über die Lobby, die mit SOPA, PIPA und ACTA versucht die Zuständigkeit der Gerichte zu umgehen und Zensur fördert.
Das schlimme an der Zensur ist ********
Facebook kann es sich auch leisten, wenn alle User es weiterhin nutzen. Warum sollte Facebook es dann auch ändern. Der einzig richtige Weg ist es, dass sie es ändern lassen.
Wir haben es im IT-Media-Bereich generell mit einer neuen Form des Sozialismus zu tun, welche man auch “invers” nennen könnte:
7-8-Milliarden Menschen besitzen Medien und Daten nicht etwa länger sondern sie haben nur noch das Recht sie zu nutzen. Hierfür müssen sie bezahlen, entweder durch Preisgabe oder durch Preisentrichtung.
Den Regeln definieren hierbei nicht irgendwelche Körperschaften sondern globale Konzerne, die praktisch immer im US-amerikansichen Bereich anzusiedeln sind. Und weil aus den USA immer nur Frieden, Freiheit, Demokratie, Wohlstand, Vernunft, Heldenhaftigkeit usf. zu erwarten ist, müsste schon ein verfluchter Ketzer und Häretiker sein, der etwas dabei findet.
Fazit: Weil Daten niemandem mehr gehören (objektiv) steht die Nutzung jedem frei, der über Interesse und Mittel verfügt.
Einfach genug ausgedrückt?
Facebook ist inzwischen so mächtig und wächst munter weiter wie ein Krebsgeschwür. Was juckt die schon Datenschutz?
Ich entschuldige mich für die Unterbrechung der Diskussion und bitte nur um eine kurze Aufmerksamkeit.
Die Freiheit des Internets ist gefähredet durch ein neues Gesetz, dass dem EU-parlament vorliegt, angestoßen durch die Amerikaner.
Durch eine flächendeckende, weltweite Zensur soll es möglich werden das Internet vollständig zu überwachen und jede noch so kleine Urheberrechtsverletzung strafrechtlich zu ahnden (dazu zählen auch gepostete Links oder private Videos mit Hintergundmusik).
Um diese Gesetz zu verhindern wurde eine Petition ins Leben gerufen, mit der die Untergrabung der Demokratie und Freiheit verhindert werden soll.
Bereits 1,5 Millionen Unterschriften sind europaweit zusammengekommen.
Jede weitere Stimme zählt und nur gemeinsam sind wir stark.
Wir wollen ein starkes und unübersehbares Signal senden, darum bitte ich jeden von euch diese Petition zu unterstützen und weiter bekannt zu machen.
Ich bedanke mich für die kurze Aufmerksamkeit und wünsche jedem hier weiterhin viel Spaß beim diskutieren, solange es noch uneingeschränkt, frei möglich ist.
mfg Fred
Link der Petition und weitere WICHTIGE Informationen:
http://www.avaaz.org/de/eu_save_the_internet_spread/?slideshow