SOPA-Proteste: Google als Vorkämpfer für Netzfreiheit?
Die Protestwelle gegen die geplanten US-Netzsperren war erfolgreich – auch, weil sich große Internetfirmen wie Google daran beteiligten. Doch sind die Konzerne die geeigneten Verbündeten im Kampf für mehr Freiheit im Internet?
Eigentlich wollte der US-Senat heute über einen Gesetzentwurf abstimmen, der Urheberrechtsverletzungen im Netz erschweren sollte. Doch der “Stop Online Piracy Act” (SOPA) stand seit Wochen unter schwerem Beschuss, weil das Gesetz auch Netzsperren erleichtert und so die Infrastruktur für eine Zensur des Webs etabliert hätte. Der Sturm auf die Zensur-Bastille war erfolgreich, die Abstimmung zum Gesetzesentwurf wurde verschoben. Gut so.
Marktgiganten machen Politik
Nun lichtet sich der Pulverdampf und gibt den Blick frei auf das Schlachtfeld mit den Kontrahenten. Zum einen ist da die stets härtere Copyright-Gesetze fordernde Medienindustrie, die bekanntlich von Herstellung und Verkauf ihrer Inhalte lebt – und nun weiterhin befürchten muss, dass die Kunden sich lieber kostenlos selbst bedienen. Ihr gegenüber formierten sich Marktgiganten wie Google, Facebook, Amazon, PayPal und andere. Sie haben sich zu Meinungsmachern emporgeschwungen, und politische Gesetzgebungsprozesse nicht nur kritisiert, sondern auch verhindern können.
In seiner Dimension war der Protest ein einmaliger Vorgang. Noch nie hat ein Wirtschaftszweig derart vehement und offen seine eigene Dienstleistung verweigert, um seine Benutzer dazu zu bringen, die Politiker in ihrem Sinne unter Druck zu setzen. Das ist, als würde die Bahn einen Tag streiken, um Stuttgart 21 durchzusetzen; als würde ein Flughafen den Betrieb einstellen, um die zusätzliche Startbahn durchzudrücken; als würde die Telekom ihr Netz abschalten, damit ihre Nutzer die Politik nötigen, die Möglichkeiten der Bundesnetzagentur bei der Kontrolle der Telekom einzuschränken.
Sechste Gewalt als Retter in der Not
Es ist vor allem ihre infrastrukturelle Macht, die es Marktgrößen wie Google und Facebook überhaupt erlaubt hat, solche Stärke zu demonstrieren. Und ihre Message ist klar: Gegen unseren Willen könnt ihr keine Gesetze beschließen. Grundlage dieser Macht ist nicht etwa eine parlamentarische Abstimmung durch gewählte Volksvertreter, sondern der einfache Umstand, dass das Internet zu Monopolen neigt und einige wenige Marken immense Nutzerzahlen auf sich konzentrieren. Man muss hier möglicherweise schon von einer neuen, “sechsten Gewalt” sprechen, die erstmalig ihre Muskeln spielen lässt: Sie gilt einigen als Retter in der Not in einer Zeit, da auf die “vierte Gewalt”, also auf die klassischen Medien, kein Verlass mehr zu sein scheint – weil nämlich deren eigene Interessen betroffen sind und diese daher selbst zur “fünften Gewalt“, nämlich den Lobbyisten gegriffen haben, um diese Interessen zu wahren.
Doch dass diese “sechste Gewalt” dem Wesen nach direktdemokratisch wäre, ist wohl eher eine Illusion. Zwar richtet sich die Aktivität der involvierten Web-Riesen bisher vor allem gegen ein im Kern tatsächlich unsinniges Gesetz, das Urhebern wenig geholfen und allen anderen ohne Not viel geschadet hätte. Doch einen schlechten Beigeschmack hat diese Einflussnahme schon. Erst recht, wenn man sich ansieht, womit die Rädelsführer des Widerstands eigentlich so massiv Kasse machen.
Google, Facebook, Paypal…
Google zum Beispiel stellt kaum eigene Inhalte her und lebt davon, die Nachrichten anderer durchsuchbar zu machen; auch Google-Tochter YouTube lebt von den Inhalten Fremder, viele davon sind gestohlen (nicht von Google, aber von seinen Nutzern). Die Google-Tochter Blogger.com ist nicht nur ein guter Dienst für Blog-Autoren, in einschlägigen Kreisen ist die Plattform auch dafür bekannt, dass manche Benutzer auf Filehoster wie Megaupload verlinken, um Raubkopien zu verbreiten. Das Unternehmen Facebook ist selten dadurch aufgefallen, dass ihm Urheberrechte oder Datenschutzrechte besonders verteidigenswert erschienen wären, nur Nacktbilder werden entfernt. Die eBay-Tochter PayPal gehörte zu den Unternehmen, die Wikileaks im entscheidenden Augenblick die Dienstleistung entzogen und es so zu zensieren halfen.
Auch Amazon war dabei und ist obendrein selbst als Zensor aufgefallen, als es ausgerechnet Orwell-Bücher von den Kindle-Readern seiner Nutzer löschte. Selbst Wikipedia ist keineswegs frei von inhaltlichen Beeinflussungen und Zensurideen. Anders gesagt: Der große Protest geht vor allem von in der Regel profitorientierten Quasi-Monopolisten aus, die überwiegend von der Vermarktung unbezahlter, geliehener, aggregierter und manchmal auch am Rande der Legalität genutzter Inhalte leben und in Sachen Zensur selten eine weiße Weste haben.
Mehr Transparenz und Kontrolle
Ohne jeden Zweifel ist die Zeit reif für eine sechste Säule der Gewaltenteilung, in der Bürger direktdemokratische Verfahren nutzen können, um allzu etablierten Machtstrukturen von Politik, Medien und Wirtschaft zu mehr Transparenz und Kontrolle zu verhelfen, damit die Staatsgewalt im Sinne des Grundgesetzes wirklich vom Volke ausgeht. Zugleich hätten gerade die großen Web-Konzerne längst die technischen Möglichkeiten, politische Entscheidungsprozesse mit jenen plebiszitären Elementen zu begleiten, wie sie das eGovernment von morgen benötigt. Man muss allerdings fragen dürfen: Sind Google, Facebook, Amazon, PayPal & Co. wirklich die geeigneten Verbündeten für mehr Freiheit im Internet?
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
13 Kommentare | 24. Januar 2012 | 16:25 Uhr |
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Die großen Konzerne haben natürlich ihre eigenen Interessen, die mit aller Kraft verfolgt werden. Als Internetriesen sind Sie natürlich die ersten, die durch eine Zensur getroffen werden. Daher sind hier die Konzerninternen Interessen Richtungsgebend und wenn Ihre Unternehmen von der Zensur nicht betroffen wären, wäre es beachtlich, wenn Sie dennoch so eine große Anstrengung gegen die Zensur leisten würden. Der Gedanke dahinter ist aber der richtige und es ist gut, dass sich solche Weltkonzerne für mehr Transparenz einsetzen. Ob dies die richtigen Institutionen sind, steht meiner Meinung nach in den Sternen.
Ein paar Randnotizen:
Zu sagen, das Google von Online-Piraterie profitiert ist ungefähr so, wie wenn man sagt, dass Spritzenhersteller von Drogenabhängigen profitierten.
Das was auf youtube hochgeladen wird, kann nicht gestohlen sein. Das impliziert nämlich, dass irgendwem etwas weggenommen wurde.
Wer das Katzenvideo mit seinem Lieblingslied hinterlegt sorgt jetzt sicherlich nicht dafür, dass der arme Künstler verhungert.
Denn zum einen bemüht sich youtube ja um Ausgleichszahlungen für die Streams (nur die utopischen Forderungen der GEMA bereiten uns in Deutschland ja zum Beispiel überhaupt erst solchen Ärger)
Zum anderen korreliert Verbreitung und Popularität mit finanziellem Erfolg. (Ist ja auch relativ offensichtlich – wenn niemand mich oder mein Werk kennt, wieso sollte er dafür bezahlen?)
Irgendwann müssen wir uns von dem Gedanken verabschieden, dass jedes unlizensierte Anhören oder Ansehen ein tatsächliches Minus für den Künstler ist. Wenn etwas gut ist, dann werden die Leute den Künstler auch honorieren, z.B. in dem sie das Konzert besuchen oder die DVD kaufen oder Ähnliches.
Jeder Mensch hat nur ein begrenztes Budget an Geld, was er für Unterhaltung ausgeben kann, aber warum sollten wir ihm im Alter unbegrenzter Kopien den Rest künstlich vorenthalten?
Ja, dann kann immer noch nicht jeder Künstler gut oder überhaupt von seiner Kunst leben – aber darauf gibt es nun mal auch kein Recht. Vielleicht sind sie in dem Fall wirklich einfach nur schlechte Künstler oder sie müssen an ihrem Marketing arbeiten.
Künstler mögen Ihrer Ansicht nach kein Recht haben, von ihrer Kunst zu leben. Aha. Aber sie haben eben doch Urheber- und Verwertungsrechte, das ist Ihnen sicher bekannt. Warum sollen ausgerechnet so diese Rechte nichts gelten? Weil Sie lieber gratis downloaden wollen? Kann ich verstehen. Aber wieso sollen Piraten wie Megaupload das Recht haben, von der Kunst der Künstler zu leben – aber die Künstler selbst nicht?
Wieso müssen Katzenvideo-Macher das Recht haben, Lieder, die sie – anders als das Katzenvideo – nicht selbst gemacht haben, für ihr Katzenvideo zu verwenden? Warum nehmen die nicht einfach rechtefreie Songs?
Oder warum komponieren sie die Songs nicht einfach selber? Es ist ja Ihrer Meinung nach offenbar so dermaßen einfach, dass Leute wie Sie den Künstlern das Recht absprechen, für diese mühelose Peanuts-Arbeit Geld zu verlangen. Wenn es aber so einfach wäre, warum erscheint dann dem Katzenvideo-Macher der rechtefreie Song als weniger attraktiv als der kostenpflichtige?
Ach so, Lada Gaga hat schon genug Geld, die „verhungert“ nicht. Ja. Mag sein. Aber es ist halt nicht jeder Künstler Lady Gaga. Wohingegen Google und Facebook ganz gewiss keine armen Schlucker sind, und Kim von der Piraterie-Plattform Megaupload auch das eine oder andere Auto hatte. Schon merkwürdig, wie lukrativ das ist.
Warum zahlt YouTube nicht einfach die (natürlich stets „utopischen“) Forderungen der GEMA – aus ihrer Portokasse? Möglicherweise, weil es sich dann nicht lohnen würde, YouTube zu betreiben?
Ja, vielleicht verkaufen schlechte Künstler wenig Kunst, da mögen Sie Recht haben. Aber vielleicht sind Unternehmen, die vorwiegend von den Inhalten anderer leben (vom Katzenvideo ebenso wie vom Song) und sie trotzdem nicht bezahlen können, einfach nur schlechte Unternehmen. Warum suchen die sich nicht ein anderes Geschäftsmodell? Warum soll das ausgerechnet der tun, der das begehrte Objekt herstellt?
Vielen Dank Herr Winterer, sowohl für Ihren Blog-Beitrag, als auch für Ihre Antwort auf den Kommentar von Silvia, der mich beim Lesen wirklich wütend gemacht hat – soviel Ignoranz kann es doch gar nicht geben! Der Kommentar von Silvia zeigt aber doch sehr gut, dass der Punkt, den Sie in Ihrem ursprünglichen Beitrag angesprochen haben, von ihr, wir auch der Mehrheit der Internet-Nutzer nicht erkannt wird: Und zwar der, dass wir, weil wir gerne Teil von etwas sind, Teil einer Online-Bewegung, eines Protests, viel zu selten hinterfragen, warum ein Unternehmen uns eigentlich anbietet, Gefällt mir, +1 oder retweet zu drücken und warum das so viele schon gemacht haben. Man denkt sich einfach, ‘Oh. Gegen Zensur. Natürlich bin ich da dagegen!’ denn schließlich muss man als angehöriger der Generation Internet selbiges auch verteidigen. Allerdings vergisst man, eben weil der Protest so unkompliziert ist, einem so einfach gemacht wird, welche Interessen sonst noch dahinter stecken.
Daher freue ich mich umso mehr, dass Sie in Ihrem Bericht genau auf dieses Problem hinweisen.
Mit freundlichen Grüßen
O.
PS: Im übrigen finde ich es eine Frechheit von Google/Youtube, die GEMA als Buhmann hinzustellen, weil sie kein Interesse daran haben, Künstler (und es gibt genügend davon, die es verdient haben, davon leben zu können, kleine nur bei bestimmten Genrefans bekannte Bands z.B.) außreichend zu entlohnen. Traurig, wenn man dann Kommentare liest oder Unterhaltungen hört, die nur über die GEMA herziehen.
Als gemeiner Internet Nutzer, der alleine keine Einflussnahme hat, sucht man sich halt die Verbündeten wie man sie braucht oder findet.
Der Protest gegen SOPA / PIPA, man könnte hier auch noch ACTA nennen, richtete sich NICHT gegen die Beschränkung von Copyrights. Jeder Künstler hat natürlich das recht von seiner Arbeit zu leben. Der Protest richtet sich gegen die
überzogenen Forderungen der Studios und der Politik. Es war ein Protest für die Meinungsfreiheit.
Genau ACTA! Wieso wird derzeit nicht so viel über ACTA diskutiert, das sollte doch gerade in diesen Tagen top thema bei uns sein. Details z.b. unter http://www.siliconrepublic.com/new-media/item/25449-forget-sopa-europe-is/
@Juergen: Protest gegen SOPA kritisiert doch niemand. Aber nehmen Sie allen Ernstes Google und Facebook einen Protest für Meinungsfreiheit ab?
Lieber Herr Winterer,
bin beim Lesen des Beitrags bisschen stutzig geworden. Wie kommen Sie auf den Vergleich mit der Bahn? Die Bahn würde wahrscheinlich alleine kämpfen. Hier geht es um viel mehr. Die Netzfreiheit geht uns alle etwas an. Es ist Stück Freiheit. Freiheit, die unter anderem von Google, Facebook, Wikipedia & Co zurecht verfechtet wurde. Freiheit, die zugunsten großer Verlagshäuser (und nicht deren Künstler) könnte verloren gehen. Unsere Copyright/Autorenrechte stammen aus einer Zeit wo von digitalen Medien noch längst keine Rede war. Es ist Zeit umzudenken, mit der Zeit zu gehen.
Erinnern Sie sich an die 90er als die Plattenfirmen mit immer besseren Kopierschutzmechanismen gegen das CD-brennen vorgingen? Am Ende konnte doch jeder Kopierschutz umgangen werden und die Plattenindustrie hatte den Anschluss verloren. Den MP3-Markt hatten sie verkämpft.. ääh verschlafen.
Und um wieder zurückzukommen. Ja ich nehme Google die Meinungsfreiheit ab. Google geht es um die (Weiter-)Entwicklung des Webs. Und jetzt mein Bahn-Vergleich: Profitiert die Bahn nicht, wenn die Gleise verbessert werden? Also was macht Google hier falsch?
Dass das Urheberrecht aus den von Ihnen genannten Gründen dringend einer Reform bedarf, stelle ich nicht in Abrede. Ich selbst bin zum Beispiel privat Musiker und finde die Sampling-Problematik absurd.
Aber darum gehts an dieser Stelle ja auch nicht. Es geht um die “sechste Gewalt”, die sich hier formiert. Die finde ich prinzipiell gut, um nicht zu sagen: An der kommen wir – samt damit verbundener politischer Reformen – ebenso wenig vorbei wie an einer Neuformulierung des Urheberrechts (welche im Vergleich eher unwichtig ist).
Die sechste Gewalt hat hier scheinbar ihrer Forderung Nachdruck verliehen, die vorhandene Freiheit des Internet nicht einzuschränken. Das ist gut, denn nicht jeder wusste, was er tat. (Köstlich dazu übrigens dieser Beitrag: http://www.thedailyshow.com/watch/wed-january-18-2012/ko-computer )
Aber ist das denn wirklich so? Oder ist es nicht vielmehr so, dass viele der SOPA-Blackouter den legitimen Wunsch nach Freiheit nur vor ihren Karren gespannt haben? (Und was werden sie vor ihren Karren spannen, wenn sie andere Interessen haben?)
Einer Wikipedia als Ganzes nehme ich noch ab, dass es ihr um freien Zugang zu Wissen gehen mag – auch wenn jeder, der je versucht hat, dort Einträge vorzunehmen oder zu korrigieren, weiß, wie mickrig “Freiheit” im konkreten Einzelfall aussehen kann. Vielen anderen Marktteilnehmern nehme ich es nicht ab. Es ist wie mit der Piratenpartei und den Grünen: Wenn die Piraten gegen Gesetzesentwürfe wie SOPA Stimmung machen, dann wirklich, weil das ihr Anliegen ist, nur für diese Politik existieren sie überhaupt. Wenn es die Grünen tun, dann nur, damit ihnen die Wähler nicht zu den Piraten abhauen.
Hallo Herr Winterer,
das Problem ist doch, dass das Geschäftsmodell für jede kleinstmögliche Nutzung und Kopie eine Entlohung zu verlangen im digitalen Zeitalter nicht mehr aufgeht.
MegaUpload konnte doch erst so erfolgreich werden, nach dem die nichtkommerziellen Peer-to-peer filesharing-Netze von Abmahnanwälten durchforstet oder geschlossen worden.
Wie ich schon schrieb, hat jeder Nutzer erst mal nur ein begrenztes Budget für Künstler übrig – ich kann mir im Monat z.B. problemlos 2 Musik-Alben am Tag anhören, aber das macht bei sagen wir 15 Euro pro Album 900 Euro und so viel haben die wenigsten von uns übrig.
Ich bin dafür, dass jeder, das was er kann für Kunst ausgibt (und Studien zeigen ja, dass das auch in Zeiten weitverbreiteten Filesharings im gleichen Maße geschieht). Wollen wir deswegen den Menschen den Rest wirklich vorenthalten und sagen wie sie etwas nutzen dürfen? Was hat das mit moderner Wissensgesellschaft zu tun?
Jetzt zu dem Argument, dass Firmen mit den Inhalten anderer Geld verdienen.
Im Fall von MegaUpload bin ich da sehr einer “selbst- schuld” -Meinung verhaftet. Denn es gibt kein auch nur annähernd niedrigschwellige und vielfältige legalen Angebote seitens der Verwerterindustrie. Diese glaubt nämlich auch noch an “du darfst nur sehen, was du bezahlt hast”.
Ich will das nicht verteigen, aber wenn es nicht bald ein legales Angebot gibt, dann werden sich die 150 Millionen Nutzer wieder woanders versammeln.
Am Ende wollen Künstler mit ihren Werken Geld verdienen. Dann kann ich aber auch erwarten, dass sie ihre Geschäftsmodelle an den digitalen Wandel anpassen.
Im Zeitalter nahezu kostenloser, verlustfreier Vervielfältigung ist Kopien zu verkaufen nun mal kein wirkliches gutes Modell.
Da gilt so ein bisschen die Sache mit Angebot und Nachfrage knapper Güter.
Was dagegen knapp ist, sind zum Beispiel Live-Performances. Ein Künstler kann nur endlich oft ein Konzert geben und damit lässt sich ja für viele Musiker schon wesentlich mehr Geld verdienen.
Genauso knapp sind, T-Shirts, anderes Merchandise, Autogramme, das Kino-Gefühl, physische Kopien zum Verschenken und vieles mehr.
Warum werden andere für ihre Geschäftsmodelle verteufelt, nur weil man nicht Willens oder in der Lage ist selbst ein vernünftiges zu finden?
Anders rum kann ich doch genau so sagen: die Künstler z.B. Monthy Python profitieren vom Geschäftsmodell von youtube, denn seit dem sie Ausschnitte ihrer DVDs dort kostenlos (also ohne eigene Admins oder Serverkosten bezahlen zu müssen) online gestellt haben, verkaufen sie wesentlich mehr davon als früher.
Ich glaub, die Idee das youtube nur einseitig von geschützen Werken profitiert und die armen Künstler gar nichts davon haben ist falsch. Ein Künstler profitiert zwar nicht direkt davon, wenn sein Werk Teil eines Katzenvideos ist. Aber je mehr Leute dieses Katzenvideo schauen (und sind wir ehrlich, die sind relativ beliebt), desto mehr hören die Musik und wenn es ihnen gut genug gefällt, wird ein Teil irgendwann für dieses Lied bezahlen. In der Zwischenzeit hat aber youtube alle Kosten für die Bandbreite. So ganz schwarz-weiss, kann man das nicht sehen.
Wenn das Filmteam (Zimmermänner, Elektriker, Kabelleger, Lichtsetzer, Schauspieler, Regisseur, Kameramann, Drehbuchautor, Filmentwickler, Cutter…) nicht genug T-Shirts verkauft, um 60 Tage Dreh samt Catering und Übernachtung finanzieren zu können, dann sind es Ihrer Meinung nach “schlechte Künstler”, die sich modernen “Geschäftsmodellen” (=haben wollen, aber nicht bezahlen wollen) verweigern. Aha. Ja, ne, in Sachen Schwarzweiß fällt mir dazu nichts mehr ein.
Jetzt werden sie aber etwas unsachlich.
Wenn der Schauspieler genug T-Shirts verkauft, dann engagiert er halt das Studio und die Elektriker und so weiter. Ich bin doch dafür dass weiterhin genausoviel Geld in das System Kreativwirtschaft fließt nur halt nicht mehr in Form von Kopien sondern so ziemlich alles außer Kopien.
Das heißt bei gleich viel Geld ist auch erst mal niemand arbeitslos das Geld muss nur anders verteilt werden und dafür gibt es ja die Verlage etc – das ist deren Aufgabe – und wir haben außerdem die Möglichkeit mehr Kultur zu verbreiten. Win win – würde ich sagen.
Wir betreiben filesharing jetzt schon seit über 10 Jahren und es ist wie damals beim Aufkommen der Kasette, der Videos, und der CD kein Untergang der Kreativen zu beobachten.
Es gibt noch genau so viele Blockbuster, Super-Stars und Bestseller-Autoren und auch die etwas weniger erfolgreichen. Wir müssen also mal überlegen ob filesharing wirklich immer den Schaden macht, von dem uns die Verwerterindustrie glauben machen will, dass er entsteht.
Schon interessant, wie Sylvia, eine führende Funktionärin der Piraten-Partei, ungeniert ausschließlich die Abschaffung von Urheber und Verbreitungs-Rechten fordert, aber zum ursprünglichen Beitrag und seiner Befürwortung von alternativen und digitalen Medien als Kontroll-Organ gegen Mainstream-Medien und gegen Lobbyismus scheinbar überhaupt nichts zu sagen weiß. Da wünscht man sich ja fast die FDP zurück, oder irgendwelche Internet-Ausdrucker aus Höhlen in Bayern. Denn besonders weit ist es mit der digitalen Kompetenz bei den deutschen Piraten wohl nicht her, wenn das Partei-Programm sich in Kürze so darstellt: “1) Bedingungsloses Grund-Einkommen für alle 2) nur Künstler haben kein Recht auf Einkommen 3) und E-Goverment interessiert uns nicht.”