Salamworld: Wie ein Netzwerk Muslime verbinden will

Foto: Francesco_G, Quelle: Flickr, CC BY-SA 2.0

Foto: Francesco_G, Quelle: Flickr, CC BY-SA 2.0

2012 soll das islamische, soziale Netzwerk Salamworld starten – schon jetzt stehen angeblich 100.000 Menschen auf der Warteliste. Und in drei Jahren sollen 50 Millionen muslimische NutzerInnen den Dienst nutzen – das ist zumindest die Hoffnung der Netzwerkbetreiber.

Wozu aber ein in erster Line islamisches Netzwerk? Zwei inhaltsähnliche Einführungsvideos legen die Beweggründe der Salamworld-Macher dar: Während das Internet zunehmend stärkere Verbreitung finde und mittlerweile 300 Millionen Muslime online seien, gebe es so gut wie keine Webseiten mit entsprechendem Inhalt. Schon der nächste Facebook-Post oder das algorithmisch vorgeschlagene Youtube-Video könne Bilder und Szenen enthalten, die für Muslime ‘ungeeignet’ seien. Anstatt die Zensurpraxis von Ländern wie der Türkei oder dem Iran zu übernehmen, schlägt Salamworld eine “angemessene Alternative” vor. Gewollt ist dementsprechend ein Umfeld, in dem sich die NutzerInnen sicher sein können, nicht auf Bilder zu stoßen, auf denen exzessiver Alkoholkonsum zu sehen ist. Da diese Selektion aber ebenfalls über Filtermechanismen geschehen soll, ist nicht ganz klar, wo der Unterschied zur repressiven Staatspraxis besteht.

Außerdem werde der Markt für islamkonforme Halal-Waren immer größer. Als islamisches, soziales Netzwerk will man hier dementsprechend mitmischen und damit das funktioniert, ist geplant, ein eigenes Bezahlsystem einzuführen. Personenbezogene Daten sollen nicht verkauft werden, wie Achmed Asimow betont, einer der Namen hinter dem Projekt. Das Projekt selbst erhielt mehreren Quellen zufolge eine Finanzierung von “islamischen Geschäftsmännern” über mehrere Millionen; Laut Asimow werden keine Spenden von politischen oder öffentlichen Einrichtungen angenommen.

Launch steht noch bevor: Salamworld (Screenshot salamworld.com)

Launch steht noch bevor: Salamworld (Screenshot salamworld.com)

Der Sitz des Unternehmens ist in Istanbul. Die Stadt “hat eine besondere Bedeutung, sowohl global als auch innerhalb der islamischen Welt”, so Asimow im Gespräch mit der türkischen Zeitung “Hürriyet”. “Außerdem ist die Türkei ein demokratisches Land und hier gibt es die meisten Internet-Nutzer, darum haben wir uns für Istanbul entschieden.” Weitere Büros sollen in Moskau und Kairo entstehen.

Islamische Beratung

Was die Seite, die auf lange Sicht eine Art islamischer Wikipedia in Form eines soziale Netzwerkes aufbauen will, von anderen islamischen Netzwerken wie Muzlim oder Muxlim unterscheidet, ist der globale Anspruch. Nicht nur, dass der Dienst in mehreren Sprachen zur Verfügung stehen soll, die Macher wollen auch den Versuch unternehmen, Gelehrten und Intellektuellen innerhalb der islamischen Community eine Plattform zu bieten. Jüngere Leute, die als Hauptzielgruppe ausgemacht werden, sollen hier islamische Beratung finden und ihre Fragen sollen von einer angesehenen Persönlichkeit beantwortet werden. Es ist zum Beispiel bekannt, dass mit Rawil Gainutdin, Vorsitzender des Rates der Muftis in Russland, einer der Meinungsführer bereits einen Vertrag mit Salamworld unterschrieben hat. Gerade für den Islam, der an sich keine strikte Hierarchie kennt, könnte es ein interessanter Ansatz für Meinungspluralismus sein, zumal die auftretenden Sprachbarrieren per Simultanübersetzung überwunden werden sollen.

Gibt es schon: muxlim.com (Screenshot)

Gibt es schon: muxlim.com (Screenshot)

Dies geht aus einem Hyperland vorliegenden Einladungsschreiben hervor. Zurzeit stellen die Salamworld-Gründer ihr Projekt in mehreren Ländern vor, unter anderem auch in Deutschland. An diesem Wochenende wird in Köln ein “Medienseminar” stattfinden, dessen Zweck es ist, “mögliche kommerzielle und ideelle Berührungspunkte mit ‘Salamworld’ und den Muslimen im deutschsprachigen Raum” zu besprechen.

Vorgestellt wird das Projekt vom Präsidenten des Islamischen Kulturzentrums Russlands, Abdulwahid Nyazov, und dem Generaldirektor des “Islamic Countries Youth Entrepreneurs Network”, Nedim Kaya.

Hallo Welt!

Übersetzt bedeutet “Salamworld” übrigens “Hello, world“. Der Name ist so eine direkte Anspielung auf das erste Buch über die Programmiersprache C. Erschienen ist dieses im Jahre 1978. Asimow zufolge befindet sich die islamische Community technologisch gesehen noch genau so weit zurück. Mit Salamworld solle sich genau das ändern.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

13 Kommentare | 15. Dezember 2011 | 14:02 Uhr | Twittern | Facebook

13 Kommentare

  1. Wer brauch schon Bots, die das Internet nach email-adressen durchsuchen. Die Menschen geben sie einem doch genauso gut freiwillig.

    “islamischer Wikipedia”, was hat das mit Social-Networking zu tun?

    globalenemy | 15. Dezember 2011 | 16:06 | Antworten
    • nachtrag bezüglich “Halal-Waren”:
      Dieses Projekt nur eine Art um Werbung für bestimmte Produkte zu machen.

      Das Ziel sozialer Netzwerke ist es, den Internet-Nutzer noch mehr an den Bildschirm zu binden damit sie schön lange auf die Werbung gucken und irgendwann die angepriesenen Produkte erwerben.

      Das Menschen mit gleichen Interessen sich kennenlernen ist ein Nebeneffekt, der nach und nach immer mehr verschwimmt, weil durch die Werbung alle aneinander angeglichen werden.

      globalenemy | 15. Dezember 2011 | 16:15 | Antworten
  2. Da das hier auf der seriösen heute.de Startseite erscheint, könnte man bitte in ordentlichem Deutsch schreiben und sich dieses Innen sparen?

    Mueller | 15. Dezember 2011 | 19:29 | Antworten
  3. Aufgrund der Datensammelwut stehe ich allen Netzwerken kritisch gegenüber, aber auch wenn dieses Netzwerk verspricht, diese nicht weiter zu geben, fände ich es traurig, wenn es Erfolg hat. Das liegt daran, dass eben genau mit solchen, abgetrennten Netzwerken sogar im Netz parallelgesellschaften entstehen und somit das globale Zusammenwachsen behindert wird. Muslime (aber auch andere Gruppen) müssen mit der Realität klarkommen – und Alkohol sowie ähnliches “verbotenes” ist nunmal selbst in muslimischen Ländern real vorhanden (Urlaubsregionen). Ähnlich kritisch ist es, wenn alle streng gläubigen Christen in einem Netzwerk alleine sind, in dem keine geschiedenen Leute usw. vorkommen. Solche Netzwerke verlangsamen die Öffnung der Leute gegenüber Fremdem und verhindern eine schnelle/bessere Völkerverständigung. – Klar, die Sprachen erschweren das sowieso, aber das ist eine natürliche Schwierigkeit beim kulturellen Austausch. Durch so ein Portal wird nicht nur “normalen” Gläubigen ein Treffpunkt gegeben, sondern diese werden auch verstärkt mit den ewig gestrigen Meinungen konfrontiert. Insbesondere, wenn ein Staat evtl. nur ein solches Netzwerk erlaubt und ansonsten das Internet kontrolliert.

    weltmensch | 15. Dezember 2011 | 19:35 | Antworten
    • da hast du absolut recht!

      mirolo | 16. Dezember 2011 | 00:09 | Antworten
  4. Das Problem ist : Die Menschen wissen zu viel….

    Mineiro | 15. Dezember 2011 | 23:01 | Antworten
  5. Eine interessante Idee, denn welches islamische Land kann schon ein islamisches Netzwerk verbieten, ohne dafuer in “Glaubenskritik” zu geraten. Da koennten Muslime besser sehen, dass es auch ganz andere Formen des Islam gibt, als die eigene. Bloed nur, wenn es dann so ueberkommerzialisiert wird…. und ich gehe davon aus, dass es in viel Streit enden wird, denn ein Wikipedia Ansatz ist fuer eine Religion mit so viel Auslegungsvielfalt ja schon fast toedlich.

    Michu | 16. Dezember 2011 | 01:54 | Antworten
  6. Dort sind dann die Terroristen und Frauenhasser unter sich.

    Mork | 16. Dezember 2011 | 07:22 | Antworten
  7. Es ist ziemlich merkwürdig, über das Netz für mehr Zusammenhalt zu sorgen, also die Freiheit des Netzes dafür zu Nutzen, um dann doch Zensur, hier Selbstzensur zu üben. Was ist, wenn jemand das bemängelt? Da geht doch jede vernünftige Kommunikation flöten. Da werden sich nur die ewig Gestrigen versammeln. Ich verstehe das nicht und verstehe es doch wieder. Beides!

    Rüdiger von Gizycki | 16. Dezember 2011 | 07:44 | Antworten
  8. Meine Güte,

    wenn ich mir die Kommentare unter den ZDF-Blogs so ansehe, habe ich manchmal den Eindruck, man muss nur irgendwo “islamisch” oder “muslimisch” draufschreiben, damit alle “Find’ ich doof!” schreien!

    Ich kann es durchaus verstehen, dass Muslime (auch gemäßigte) von der weltweit omnipräsenten “westlichen Kultur”, (die sich nunmal plakativ in Hedonismus, Besitzgier, Alkohol und Sex darstellt) angewidert sind.
    Dass man sich hier versucht, “Inseln der Ruhe” zu schaffen, ist verständlich.
    Außerdem ist doch der Wunsch berechtigt, sich mit (religiös) gleichgesinnten Weltweit auszutauschen. Vor allem in einer Religion, die weltweit verbreitet ist und über keine festen Strukturen verfügt!

    Und dass sich ein solches Netzwerk irgendwie finanzieren muss, dürfte offensichtlich sein.

    Ich wünsche salamworld.com viel Erfolg!
    Beste Grüße

    Barabbas | 16. Dezember 2011 | 10:11 | Antworten
  9. Hallo Barabas!

    Das ist wieder so eine Verschwörungstheorie. Niemand spricht jemandem das Recht ab, sich ““Inseln der Ruhe” zu schaffen oder “sich mit (religiös) gleichgesinnten weltweit auszutauschen.” Es bleibt aber trotzdem fragwürdig, und das hat mit Islam oder Moslems nichts zu tun, dass hier sowieso nur die altbekannten Positionen ausgetauscht werden. Wozu sonst die vorgegebenen Denkkategorien?
    Ich argumentieren genau so, wenn Christen oder andere das täten. In den einschlägigen Foren sitzen auch da ewig Gestrige. Niemandem kann man vorschreiben, wie er sein Leben zu leben zu hat. Unter humanistischen Gesichtspunkten lehne ich christliche wie islamische oder sonstwelche Vorgaben irgendwelcher Organisationen im gedanklichen Austausch. Denkverbote entsprechen keiner Freiheit des Denkens.
    Zitat
    Immanuel Kant:
    “AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.”

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

    Rüdiger von Gizycki | 16. Dezember 2011 | 10:56 | Antworten
  10. Warum auch nicht. Ich finde daran nichts Befremdliches.

    Reime Freund | 10. Februar 2012 | 18:19 | Antworten
  11. @glycoflex
    Das Du kein Wort verstanden hast merkt man sofort.
    Bei allen Deinen Beiträgen verwendest Du ein Übersetzungsprogramm.

    Stefan | 19. April 2012 | 09:22 | Antworten

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