Mexiko: Drogenbanden töten Blogger
Kritische Journalisten werden ermordet, Politiker schauen weg. Das ist die Situation in vielen mexikanischen Städten, in denen faktisch die Drogenkartelle die Macht übernommen haben. Ihr nächstes Ziel im Kampf um eine kontrollierte Öffentlichkeit: Blogger und Twitter-Nutzer.
Es begann im September. Zwei von grausamer Folter zerschundene Körper baumelten von einer Brücke in der nordmexikanischen Stadt Nueva Laredo. Bei den Leichen fanden die Polizisten Pappschilder mit hingeschmierten Botschaften. Auf dem einen stand: “Das wird allen passieren, die lustige Sachen im Internet posten.” Auf dem zweiten war zu lesen: “Du passt besser auf, ich werde dich kriegen.”
Das Morden geht weiter
Im November traf es den nächsten Blogger: “El Rascatripas”, Moderator eines Forums, das Meldungen über die Aktivitäten der Drogenkartelle veröffentlicht. Auch bei ihm fand sich ein Schild. Darauf die Botschaft: “Hallo, ich bin Rascatripas und das hier passierte, weil ich nicht verstanden habe, dass ich in sozialen Netzwerken nicht über Dinge reden soll.” Inzwischen ist die Zahl der toten Blogger und Twitter-Nutzer angeblich auf acht angestiegen. Sicher sagen lässt sich das nicht, denn die Medienberichte widersprechen sich und die Polizei hält sich mit Informationen zurück.
Schnell ging jedoch die Angst um auf Twitter und in der Blogosphäre: Das Internet war zuletzt der einzig vermeintlich sichere Rückzugsort, der kritischen Journalisten sowie Gegnern und Opfern der Drogenkartelle noch blieb, um zumindest rhetorischen Widerstand gegen die Übermacht der Banden zu leisten.
Internetnutzer versuchen die Polizei zu ersetzen
Klassische Medien sind in Mexiko nahezu machtlos. “Es herrscht ein Klima voller Misstrauen und Selbstzensur”, stellt die Organisation Reporter ohne Grenzen fest. “Wenn du hier mit Polizisten sprichst, kannst du nie sicher sein, ob er nicht selbst ein Vertreter des organisierten Verbrechens ist”, so der Ehemann der Journalistin Maria Esther Aguilar, die nach Ermittlungen gegen die Drogenbande “La Familia” 2009 verschwand und seitdem als vermisst gilt.
Also führen Bürger ihre eigenen Kriminalitätsstatistiken. Auf der Mapa Delictivo werden Orte markiert, an denen Betrügereien oder Überfälle stattgefunden haben. Die Hackergruppe Anonymous ging noch einen Schritt weiter. Nachdem ein Mitglied der Gruppe von einer Drogenbande entführt wurde, drohten sie in einem Video damit, die Namen von Gang-Mitgliedern, Politikern und Soldaten zu veröffentlichen. Wenige Tage später war das Anonymous-Mitglied wieder frei, wie die Gruppe auf Twitter mitteilte. Um wen es sich bei dem Entführungsopfer handelte und ob dieses wirklich frei kam, lässt sich nicht verifizieren.
Panik nach Falsch-Tweet
Die meisten Bürgerreporter sehen sich hierfür auch gar nicht zuständig, wie eine Gruppe von ihnen im “Twitter Manifest” erklärt: “Dem Staat sind unsere Forderungen gleichgültig. Niemand dort kümmert sich zumindest darum, die Fakten zu verifizieren, die wir über unsere sozialen Netzwerke verbreiten.”
Gelegentlich kippt die Stimmung in den Blogs und Tweets aber ins Hysterische. So twitterte ein Mathematiklehrer in Vera Cruz von einem bevorstehenden Bandenangriff auf eine Schule. Eine panische Kettenreaktion setzte ein, im Netz und auf den Straßen – zahlreiche Unfälle waren die Folge. Ergebnis für den twitternden Lehrer: eine Anklage der Staatsanwaltschaft.
Kartelle und Staat gehen gemeinsam auf Internet-Aktivisten los
“Internet und soziale Netzwerke werden so von beiden Seiten in die Zange genommen, vom Staat und vom organisierten Verbrechen”, sagt Juan Carlos Romero von Capitulo 19, einer Organisation zur Verteidigung der Meinungs- und Pressfreiheit.
Auch wenn in den Blog-Posts und Tweets immer wieder Falschmeldungen und Übertreibungen auftauchen, erfüllen sie eine unschätzbar wertvolle Rolle im Leben vieler Mexikaner. Soziale Medien werden wohl kaum die Macht der Kartelle brechen, aber zumindest bieten sie den Betroffenen eine Öffentlichkeit, die klassische Medien nicht mehr bieten können. Die jüngste Mordserie hat der Bewegung einen Dämpfer verpasst und viele von ihnen vorsichtiger werden lassen. Aber anders als Journalisten und Politiker haben die meisten Blogger und Twitterer weder ein Gesicht noch einen Namen – und daher meistens auch keine Angst.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
4 Kommentare | 17. Dezember 2011 | 12:24 Uhr |
|

Das Leben für die Blogger wird immer gefährlicher oder gar ganz eingeschränkt. Die Pekinger Regierung hat für alle Blogger eine Identifizierung angeordnet. Wer nicht mitmacht, dem wird untersagt, im Blog Meinungen zu veröffentlichen.
Wann immer über die Verbrechen in Mexiko berichtet wird, sollte nicht vergessen werden wer diese Verbrechen bezahlt. Der ganz normale Drogenkonsument in El Norte. Und solange sich dort nichts an den Ursachen ändert, wird sich auch in Mexiko nichts ändern. Es ist ein trauriges Hase und Igel-Rennen, und den einfachen Bürgern Mexikos hängt die Zunge schon weit aus dem Hals. Ein größerer Zyniker als ich es bin, würde es wohl so formulieren: Drogen und Waffen sind neben der Prostitution die einzigen Geschäfte die in den USA noch florieren. Hey, und was ist mit der Politik? Hab ich doch erwähnt, neben Drogen und Waffen–.
traurige Grüße aus dem Hintergrund
Le-ga-li-sie-ren! ALLE DROGEN!
Apotheker fixen keine kleinen Kinder an, um ihren Umsatz zu steigern. Dealer schon.
Es gibt keinen anderen Weg mehr zum Ziel!
Wenn nur die CIA nicht wäre: Seit die Afghanistan “bewachen”, ist der Drogenanbau auf dem Höchststand angekommen. Noch Fragen?
„Ich habe keinen einzigen Teil des mexikanischen Territoriums verloren“, entgegnet der mexikanische Präsident Felipe Calderón wiederkehrenden Fragen nach einem möglichen Staatszerfall Mexikos. Das Staatsoberhaupt sieht sich angesichts zehntausender Gewalttoter, massiver Korruption der staatlichen Behörden und illegalem Handel mit Drogen in Milliardenhöhe zunehmend mit dem Thema Staatskollaps konfrontiert.”
Quelle: http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/189527.html
Wenn ein Staatsoberhaupt so die Augen verschließt – wo soll der Antrieb zu Veränderungen herkommen?
Die Blogger und Twitterer können nur Informationen liefern, die dann diejenigen nutzen sollen, die dafür gewählt wurden.