Google, Bing, Twitter, Facebook, YouTube: Das Jahr im Netz

Was bewegte 2011 das Netz? (Foto: dullhunk, Quelle: Flickr, CC BY 2.0)

Was bewegte 2011 das Netz? (Foto: dullhunk, Quelle: Flickr, CC BY 2.0)

Was suchten, sahen, lasen die Internet-Nutzer 2011? Mit Hilfe offizieller Statistiken der Internet-Giganten Google, Bing, Facebook, Twitter und YouTube blickt das Hyperland-Blog auf die Trends, Hypes und Memes des zu Ende gehenden Jahres.

Google: Plastikpop

Killer-Applikation Nummer 1 blieb auch im Jahr 2011 die gute alte Suchmaschine. Ohne sie läuft nichts. Spannend ist daher der Blick auf die Daten der großen Suchmaschinen. Google veröffentlicht alljährlich seinen “Zeitgeist”, in dem der Marktführer zeigt, nach welchen Personen und Dingen im aktuellen Jahr öfter gesucht wurde als zuvor. Aufsteigerin des Jahres: Rebecca Black. Wer die junge Dame nicht kennt: Sie veröffentlichte im Frühjahr ein Musikvideo zu ihrem Song “Friday” bei YouTube – ein ziemlich flaches Plastikpop-Liedchen, das eine unheimliche Eigendynamik entwickelte und in den verschiedenen Versionen auf mehrere Millionen Abrufe kam – dazu später noch mehr.

Auf den weiteren Plätzen des weltweiten Google-Zeitgeist-Aufsteiger-Rankings: das eigene soziale Netzwerk Google+ und der verstorbene “Jackass”-Darsteller Ryan Dunn. In Deutschland führt das Onlinespiel Minecraft die Liste an, vor dem Bakterium EHEC und dem iPhone 5, das bis zum heutigen Tag nicht erschienen ist. Alle Infos finden sich auf der Homepage von Google Zeitgeist.

Bing: Facebook

Beinahe noch spannender als die Zeitgeist-Rankings sind Statistiken über die meistgesuchten Begriffe überhaupt. Da Google solche Rankings nicht veröffentlicht, kommt hier der schärfste Konkurrent Bing ins Spiel. Zwar erreicht der Microsoft-Dienst nur einen Bruchteil der Google-Marktanteile, doch das Suchverhalten der Nutzer dürfte sich nicht grundlegend von dem der Google-Besucher unterscheiden. Laut Bing war der Top-Suchbegriff in Deutschland 2011 “Facebook”. Offenbar nutzen immer noch sehr viele Leute eine Suchmaschine statt der Browserzeile dafür, ihre Lieblingsseiten aufzurufen, denn auch dahinter finden sich in der Bing-Top-Ten zahlreiche Websites: YouTube auf Platz 2, eBay auf 3, Jappy, Bild, GMX, wer-kennt-wen, Spiegel und Amazon dahinter. Einzig der Begriff “Routenplaner” hat es als allgemeines Suchwort in die Top Ten geschafft.

Das deutsche Bing-Ranking der männlichen Stars führt – wenig überraschend – Justin Bieber an, vor dem “Deutschland sucht den Superstar”-Sieger Pietro Lombardi und Rapper Sido. Bei den weiblichen Stars gewann Miley Cyrus vor Paris Hilton und Selena Gomez. Überraschend sieht es bei den Musikern aus: Hier gewann Schlagersternchen Helene Fischer vor Rihanna und Justin Bieber. Weitere Top Tens zu Models, Sportarten, Fußballclubs etc. finden sich im offiziellen Bing-Blog-Artikel.

Twitter: Schwangere Beyoncé

Soweit die Suchbegriffe des Jahres, doch welche aktuellen Ereignisse, welche Nachrichten haben die Menschen in Atem gehalten? Für die Beantwortung dieser Frage bieten sich die Twitter-Statistiken an, denn kaum ein anderes Tool hat sich so als Plattform für die schnelle Verbreitung von News etabliert wie dieses. Das erstaunliche: Die zehn Momente, in denen in der Geschichte von Twitter weltweit am aktivsten getwittert wurde, fanden allesamt im Jahr 2011 statt. Mit 8.868 Tweets pro Sekunde die Nummer 1 war dabei der MTV Video Music Award, bei dem Sängerin Beyoncé ihren Babybauch präsentierte. Ein Beispiel dafür, dass es eben nicht immer die weltbewegenden Ereignisse sind, die die Menschen in Aufruhr halten, sondern oft Nebensächlichkeiten. Platz 2 der Twitter-Charts geht an die Hinrichtung von Troy Davis, die weltweit für Diskussionen über die Todesstrafe sorgte, dahinter folgt das Finale der Frauen-Fußball-WM. Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe von Japan belegt mit 5.530 Tweets pro Sekunde Rang 11 – noch hinter Rücktritt und Todesmeldung des Apple-Gründers Steve Jobs. Die 16 Top-Ereignisse nach Tweets pro Sekunde verkündet Twitter auf einer speziellen Webseite.

Facebook: Osama Bin Laden

Etwas anders sehen die entsprechenden Rankings bei Facebook aus. Hier war laut offiziellen Angaben des sozialen Netzwerks der Tod von Osama Bin Laden das Ereignis, über das am meisten gesprochen wurde. Allerdings ist die Methodik dahinter auch eine etwas andere als bei Twitter: Statt Tweets pro Sekunde wurden Reaktionen über einen längeren Zeitraum gezählt. Auf den weiteren Plätzen folgen bei Facebook der Super Bowl und der Gerichtsprozess gegen Casey Anthony, die unter Verdacht stand, ihre Tochter ermordet zu haben, aber mit einem Freispruch davon kam. In Deutschland bewegten die Facebook-Massen vor allem der Tod von Amy Winehouse, die EHEC-Epidemie und wiederum der Tod Osama Bin Ladens. Ebenfalls in der Top Ten dabei: Karl-Theodor zu Guttenberg und das Dschungelcamp. Die komplette Statistik findet sich bei Facebook.

Youtube: Noch mehr Plastikpop

Kommen wir zum Schluss nochmal zurück zu Rebecca Black, der Sängerin, die schon die weltweite Google-Zeitgeist-Wertung gewonnen hatte. Ihr Musikclip “Friday” war nämlich auch das meistgesehene YouTube-Video des Jahres 2011. Da YouTube für die offizielle Statistik offenbar alle verschiedenen Versionen des Clips zusammengezählt hat, ist die genaue Zahl der Abrufe nicht bekannt, es dürften aber mehr als 77 Millionen gewesen sein. Denn: Mit 77,7 Millionen auf Rang 2 folgt der “Ultimate Dog Tease”, ein lustiges Video mit einem sprechenden Hund. Platz 3 geht an ein Musikvideo der Comedytruppe The Lonely Island mit Michael Bolton, dahinter folgen noch süße Babies, süße Katzen und mehr Musik. Die komplette Top Ten mit den direkten Links zu den Videos finden sich im offiziellen Youtube-Blog.

Was bleibt also vom Netz-Jahr 2011 übrig? An was werden wir uns erinnern? Daran, als wir über Twitter oder Facebook vom Tod Osama Bin Ladens erfahren haben? An das Aus von Karl-Theodor zu Guttenberg, an dem Internet-Rechercheure direkt beteiligt waren? An die Erdbeben-Tsunami-Atom-Katastrophe von Japan? Oder doch nur an einen sprechenden Hund und süße Katzen?

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: schroeder.j

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Jens Schröder ist freier Journalist, Autor und Daten-Analyst für verschiedene Auftraggeber vom Medienportal MEEDIA bis zum ZDF-Blog Hyperland. Nebenbei ist Schröder ein Blogger der ersten Stunde, betrieb und betreibt seit zehn Jahren verschiedene Blogs. 2013 startete er die Social-Media-News-Charts 10000 Flies.
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