Soundcloud: Wie Berlin zur Heimat der neuen Internet-Generation wird

Die internationale Presse ist begeistert. Nach unzähligen Garagen-Storys aus dem Silicon Valley sucht man sich wieder einen neuen Lieblingsschauplatz: Berlin! Unzählige Startups kämpfen um die beste Idee und die nächste Investition. Mittendrin: Die Musik-Community Soundcloud.

Das Soundcloud-Prinzip ist einfach: Ein YouTube für Musik. Die Nutzer laden eigene Musik auf die Plattform und “teilen sie mit der Welt”. Die Musik kann nicht nur über die Soundcloud-Webseite hochgeladen und gehört werden, sondern lässt sich auch auf persönliche Homepages oder in soziale Netzwerke wie Facebook integrieren. Über eine große Anzahl von Apps lässt sich Musik produzieren und ergänzen. Die Hörer können ihre Meinung nicht nur zu kompletten Titel abgeben, sondern bestimmte Stellen einer Sounddatei markieren und diese entsprechend kommentieren. So entsteht um die Titel eine Community. Die Plattform ist umfassend, lässt sich leicht bedienen und sieht schick aus.

70 Mitarbeiter, internationale Standorte

Schon oft wurde die Geschichte der drei Gründer-Schweden erzählt, wie sie mit ihrer Idee nach Berlin kamen, um 2008 die beste soziale Plattform für Musik zu schaffen. Doch ein Garagen-Unternehmen ist das Startup längst nicht mehr. Soundcloud steht für mehrere Investitionsrunden, rund 70 Mitarbeiter und internationale Standorte, aber auch für eine neue Generation von Internet-Unternehmern, die ihre Heimat in Berlin gefunden haben.

“Angetrieben von hunderten Hinterhof-Startups auf beiden Seiten einer unsichtbaren Mauer, boomt Deutschlands Dot-De-Revolution”, schrieb das US-Magazin Wired über die Bundeshauptstadt. Allerdings nicht erst kürzlich, sondern schon im November 2000. Dann platzte die Dot-Com-Blase. Nicht nur Berlin begann sich von der DDR zu erholen, sondern auch die Tech-Szene. Bei diesem Prozess lassen sich zwischen Berlin und der neuen Startup-Szene viele Parallelen ziehen; und das abseits vom überstrapazierten “Arm aber sexy”-Spruch von Berlins regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit.

Das Geheimnis: Mehr als Deutschland erobern!

“Seit drei Jahren beobachte ich intensiv, wie eine neue Generation von Internet-Unternehmen Projekte aus der Pipeline holt”, erklärt Mike Butcher, der für das einflussreiche US-Webmagazin TechCrunch die europäische Szene im Auge behält. Das, was in Deutschland und insbesondere in Berlin geschehe, sei aufregend für Europa. “Der Unterschied der neuen Generation ist”, so Butcher, “dass die neuen Startups nicht mehr nur Deutschland in Angriff nehmen, sondern sich international aufstellen.”

So ist Soundcloud durch seine Gründer nicht lediglich als Plattform für deutsche Nutzer an den Start. Mittlerweile gibt es weltweit mehr als fünf Millionen Nutzer und in diesem Jahr öffnet auch die US-Depandance in San Francisco, mitten im technologischen Zentrum der Vereinigten Staaten.

Musik-Community: Soundcloud-Profil des Produzenten und DJs Justin Faust (Screenshot: soundcloud.com)

Musik-Community: Soundcloud-Profil des Produzenten und DJs Justin Faust (Screenshot: soundcloud.com)

Mehr als zwölf Millionen US-Dollar konnte Soundcloud in mehreren Investitionsrunden einsammeln. So haben Schauspieler Ashton Kutcher oder Madonnas Manager Guy Osary in das Unternehmen investiert. Sogar die Investmentprofis von Union Square, bekannt für ihre Investments in Twitter, Foursquare und Zynga, haben sich an Soundcloud beteiligt. Die Musik-Community spielt längst in der ersten Liga der Web-Investements mit.

“Das ist ein Startup-Gefühl.”

Trotzdem bleibt Soundcloud Berlin treu: “Es fühlt sich so an, als ob ganz Berlin wie ein Startup ist”, diktiert Soundcloud-Gründer Alexander Ljung einem Reporter der “New York Times” in dessen Notizbuch. “Es bewegt sich schnell, ist chaotisch. Du weißt nicht wohin sich die Stadt entwickelt, aber du weißt, dass die Richtung gut ist. Das ist ein Startup-Gefühl.”

Internationalität statt Deutschland heißt es auch für die neue Generation der Berliner: Während vor zehn Jahren sich Anwohner über die vielen zugezogenen Schwaben beschwerten, gibt jetzt der internationale kreative Nachwuchs Berlin als Traumwohnort an. Ganz nach dem Motto Kreuzberg statt Brooklyn.

Der Wert der Community

Wirtschaftlicher Erfolg und Popularität lassen sich aber nicht aus einer guten Idee generieren. “Ich würde jungen Unternehmern empfehlen, auf ein Cluster zu setzen und ein eigenes zu erstellen, denn sie können viel untereinander lernen”, erklärt Mike Butcher. Dies gehe besonders gut in Berlin, da es dort bereits viele Startups gebe.

Die Faszination von Soundcloud macht ebenfalls nicht ausschließlich die Technik aus, sondern auch die treue Community. Regelmäßig werden Nutzer dazu ermutigt, lokale Treffen zu organisieren. So hat im Februar der Soundcloud Meetup Day stattgefunden. Egal ob in Santiago, Tokyo, Auckland oder Vancouver – Nutzer trafen sich und teilten ihre Erlebnisse mit dem Startup. “Mache immer etwas mehr, als von dir erwartet wird”, fasst Soundcloud-Manager David Noel die Einstellung des Support-Teams zusammen.

Support statt Massenprotest

Auf seiner Soundcloud-Visitenkarte steht “Community Evangelist”. Immerhin sei guter Support das beste Marketing. Als an einem Wochenende die Webseite 17 Stunden offline war, drohte ein Massenprotest. Deswegen habe Soundcloud alle halbe Stunde ein Update veröffentlicht – auch wenn es nicht viel Neues gab.

Das Startup von heute baut somit seine Konzepte rund um Communitys. Die Lösung heißt Bedürfnisse erkennen und Lösungen anzubieten, so Noel: “Es dreht sich um die Menschen und ihre Geschichten.” Was am Ende des Tages auch für Berlin gilt.

Hyperland begleitet die neue Gründerszene. Mit diesem Blogeintrag beginnt eine neue Serie über die Berliner Startups. Von nun an berichten wir regelmäßige über neue, ungewöhnliche und erfolgversprechende Netzfirmen in der Hauptstadt.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

2 Kommentare | 11. Oktober 2011 | 13:29 Uhr | Twittern | Facebook

2 Kommentare

  1. Link: Online-Plattform Gidsy: Marktplatz für das authentische Stadterlebnis

    [...] und erfolgversprechende Netzfirmen in der Hauptstadt. Zuletzt ging es um die Startups Soundcloud und [...]

  2. Link: E-Books: Readmill will Büchern eine Zukunft geben

    [...] und erfolgversprechende Netzfirmen in der Hauptstadt. Zuletzt ging es um die Start-ups Soundcloud, Amen und [...]

Was sagen Sie dazu?