Die Buchbranche und das Raubkopierer-Schreckgespenst
Es herrscht eine seltsame Stimmung auf der Frankfurter Buchmesse: Die Buchbranche präsentiert fragwürdige Statistiken zu Urheberrechtsverletzungen, ruft nach staatlicher Hilfe und wettert gegen die Piratenpartei. Statt das Thema zukunftsorientiert anzugehen, machen die Buchverlage so die gleichen Fehler wie die Musikindustrie vor ein paar Jahren.
Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, fand bei seiner Eröffnungsrede der diesjährigen Buchmesse mahnende Worte. Sie galten nicht den Lesern, Autoren oder Verlegern, sondern den Politikern.
Honnefelder forderte sie auf, nicht aus wahltaktischen Gründen angesichts des überraschenden Wahlerfolgs der Piratenpartei in Berlin einer “kleinen Gruppe lautstarker Netzaktivisten” hinterherzulaufen. Denn man höre und staune: Die Piraten treten für eine Änderung des Urheberrechts ein – und das geht ja nun gar nicht. Zwar verschweigt Honnefelder dezent, was die Piraten denn nun genau geändert sehen möchten und warum das so schrecklich wäre, doch allein die Idee einer Änderung scheint ihm in Kombination mit dem Reizwort “Piraten” Garant für den Untergang des Abendlandes zu sein.
Luftnummer
Anlass für Honnefelders Warnung vor der Piratenpartei ist eine aktuelle “Studie zur digitalen Content-Nutzung”. Diese Gemeinschaftsproduktion von GfK, GVU und dem Börsenverein zeichnet ein düsteres Bild, das Honnefelder so zusammenfasst: “In Deutschland werden zurzeit etwa 60 Prozent der genutzten elektronischen Bücher illegal heruntergeladen.”
Eine verblüffende Zahl, die noch verblüffender wird, wenn man sich ansieht, wie die zitierte Studie “illegal” definiert. Nämlich so: “Definition Illegal: […] Downloads von Tauschbörsen / Sharehostern / privaten Websites / Blogs / Foren / ftp-Servern / Newsgroups”. Kurz: Alles, was nicht aus den digitalen Kaufhäusern von Amazon, Apple & Co stammt, ist per se illegal. Da können so umfangreiche Angebote wie das Project Gutenberg, Mobileread oder die Arno-Schmidt-Referenzbibliothek (um nur drei zufällige Beispiele von Websites mit völlig legalen digitalen Büchern zu nennen) natürlich einpacken.
Doch selbst, wenn man die völlig aus der Luft gegriffene Prozentzahl einen Augenblick ernst nimmt, weiß man immer noch nicht so recht, was Honnefelder mit der Zahl sagen will. Die Vorstellung, sie erlaube valide Rückschlüsse auf verlorene Buchhandelsumsätze, wird er wohl nicht hegen – dazu ist sie bereits auf den ersten Blick zu abseitig. Nichts spricht dafür, dass jemand, der eine illegale Kopie lädt, bereit wäre, 15 Euro oder mehr für eine legale, in der Regel DRM-verseuchte und an ein bestimmtes Gerät gebundene Version zu bezahlen, wenn er die illegale nicht bekäme.
Der Ruf nach dem Staat
Diese Unklarheiten hindern ihn allerdings nicht daran, pauschal nach staatlicher Hilfe zu rufen und Angela Merkel an ihr Versprechen, “den Urheberschutz, den Schutz des geistigen Eigentums, weltweit zu verankern” zu erinnern (was immer Angela Merkel damit nun wieder sagen wollte).
Schon vor Beginn der Buchmesse war Erstaunliches von den Verlegern zu hören. So gab Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, der Nachrichtenagentur dpa zu Protokoll, die Internetprovider müssten vom Staat dazu verdonnert werden, vor einem illegalem Download den Anwender darauf hinzuweisen, “dass sie etwa Illegales tun”.
Wie das funktionieren soll und wie ein Provider erkennen könnte, dass ein Datenpaket möglicherweise illegalen Ursprungs ist, verrät Skipis allerdings nicht. Ihm scheint der Generalverdacht zu genügen, dass jeder, der Dienste wie Rapidshare nutzt, illegale Downloads lädt.
Im gleichen Atemzug raunt Skipis “von kriminellen Organisationen”, die sich auf den Buchklau spezialisiert hätten und schießt gegen die Piraten, deren Überlegungen er als “reine Worthülsen” abtut. Dass die Inhalte bei Rapdishare kostenlos sind und von Privatpersonen eingestellt werden, dass die Piraten explizit von “nicht-kommerzieller Vervielfältigung” reden, passt da allerdings nicht so ganz ins Bild.
Vorbild Musikindustrie
Es drängt sich der Eindruck auf, die Buchverlage würden mit etwas Verzögerung die gleichen Fehler wiederholen, die die Musikindustrie ihnen vorgemacht hat und mit denen sie gescheitert sind. Auf eine sich radikal und sehr schnell verändernde Marktsituation reagiert man nicht mit aktiver Teilnahme an der lebhaften Diskussion über Urheberrechte und geistigem Eigentum in Zeiten digitaler Reproduzierbarkeit, auch nicht mit der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, sondern mit der trotzigen Forderung, die Politik solle die Sache doch bitte schön regeln, damit man so weitermachen kann wie bisher.
Nun weiß derzeit zwar wohl niemand, wohin die Reise gehen wird. Der Verdacht liegt allerdings nahe, dass die Buchverlage mit ihrer Stillstandpolitik Gefahr laufen, auf der Strecke zu bleiben.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
25 Kommentare | 15. Oktober 2011 | 08:44 Uhr |
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Oh, das ist wieder herrlich!
Ich schaue mal in die Zukunft und prophezeihe: Die Verlage werden demnächst noch herbere Verluste machen, weil sie ihre Kunden verschrecken –> Sie werden das auf Raubkopierer schieben und sich bestätigt fühlen
–> Erst wenn all die Lehrer, die etwas einscannen, um es ihren Schülern auf dem Beamer zu präsentieren, hinter Gittern sitzen, werden vielleicht die ein oder anderen Menschen beginnen, umzudenken
Wollte neulich ein neueres (elektronisches) Buch für meine Lesegerät kaufen (bisher las ich darauf nur die alten, frei zugänglichen Bücher von Gutenberg.org). Aber das ging gar nicht (z.B. Amazon verkauft nur Bücher für ihr eigenes Lesegerät) oder schien sehr kompliziert (man muss die Rechte dann irgendwie über spezielle Software verwalten, sie seinem Lesegerät zuteilen damit das Buch funktioniert, dieses dafür anmelden etc.) Als ich den Titel zusammen mit dem Stichwort “epub” hingegen einfach bei einer Suchmaschine suchte, hatte ich das Buch nach zwei weiteren Klicks auf meiner Festplatte (ist dann wohl eine Raubkopie). Es war also nicht so, dass ich mir die 4,79 EUR für eine legale Kopie sparen wollte, ganz und gar nicht, vielmehr wollte ich mir das Buch ganz regulär kaufen, aber wenn die Verlage es ihren Kunden so schwer machen ihre Bücher zu erwerben, dann müssen sie sich nicht wundern, dass diese dann doch einen einfacheren Weg gehen.
Das ist so, als ob ich um ein “normales” Buch lesen zu können entweder eine spezielle Lesebrille des Buchhändlers kaufen muss, oder mich erst beim Buchhandel registrieren muss, mir dafür spezielle Formulare besorgen muss, angeben muss wo ich das Buch lesen möchte, und sich dann nur dort der Buchdeckel überhaupt öffnen lässt – während der Kopierladen gleich gegenüber das Buch als Gratis-Kopiervorlage anbietet, die ich in den Kopierer lege und nach 5 Minuten das kopierte Buch mit nach Hause nehmen kann.
Sehr guter Artikel!!!
zitat:
“Der Verdacht liegt allerdings nahe, dass die Buchverlage mit ihrer Stillstandpolitik Gefahr laufen, auf der Strecke zu bleiben.”
–> Der Satz bringt es auf den Punkt. In den letzten Jahren wurde oft von der Liberalisierung von Märkten gesprochen. … und jetzt soll mehr geregelt werden.
zitat Glaskugel:
“Erst wenn all die Lehrer, die etwas einscannen, um es ihren Schülern auf dem Beamer zu präsentieren, hinter Gittern sitzen, werden vielleicht die ein oder anderen Menschen beginnen, umzudenken.”
–> Das erinnert mich an die Gema, die Kinderchöre auf Weihnachtsmärkten abgemahnt hat. Mal schaun, wann Musiklehrer abgemahnt werden, wenn sie im Musikunterricht ein Lied von den Beatles spielen. jüngere Musikgeschichte wäre dann problematisch zu vermitteln.
Ich dachte eigentlich, dass die Buchbranche jedes Jahr Zuwächse hatte. … auf einen imaginären Feind einzudreschen, wenn die eigenen Umsätze einbrechen, ist leicht. Vielleicht machen andere in der Branche mehr Umsätze? … dann würde ich mal dort gucken, warum die das machen. Ein Teil des Kuchens geht wohl zukünftig zum Beispiel an Kindle und nicht an die Verlage. Vielleicht hätten die Verlage selber soetwas entwickeln sollen. Nur ist es jetzt wohl schon zu spät.
Märkte bleiben nicht statisch, sondern verändern sich.
Der Artikel bringt es wunderbar auf den Punkt. Wenn es nach dem Willen “klassischer” Medienverantwortlicher ginge, würde man das Internet vermutlich ganz verbieten.
Erst wird die Entwicklung ignoriert, dann gegen sie gewettert und wenn es gar nicht mehr anders geht, öffnet man sich mit halbherzigen, restriktiven Geschäftsmodell-Versuchen und ruft nach der Obrigkeit, sie möge durch staatliche Eingriffe den Erfolg dieser den Leser bevormundenden Modelle absichern.
Bleibt zu hoffen, dass alsbald möglichst viele Autoren erkennen, dass sie die Verlage nicht mehr unbedingt brauchen. Die Vermarktung eines Ebooks ist nicht an einen Verlag gebunden (jede spezialisierte Werbeagentur kann den Job übernehmen), und die physische Produktion des Buches wird ja obsolet.
Höchste Zeit, sich in diesem Zusammenhang auch mal Gedanken über Sinn, Unsinn und Zeitgemäßheit des Buchpreisbindungsgesetzes aus dem Jahre 1888 gedanken zu machen…
Habe gerade einen Roman über dieses Thaema so halb halb gelesen: Der Raubkopierer
Der Mann, der dieses Buch geschrieben hat, beschreibt das ganze Problem aus der Sicht des Autors und Verlegers.
Wie soll ein Autor seinen Lebensunterhalt finazieren, wenn kein Verkauf mehr möglich ist? Er wird das Buch mit bezahlten Inhalt füllen (Politisch, Werbung,…)
Jedenfalls finden die Raubkopierer im Buch kein gutes Ende.
Haben wir als User und Leser keine Lobby?
Die Branchen aller Bereiche zittern in díe Rezession und es ist klar, dass man durchgreifen will (sich retten will)-
Heraus kommt dann so ein UNFUG und unpraktisches Gehampel wie mit der Löschfrist für öffentliche rechtliche Webseitenbetreiber. Widerlich. Ich bin einer großer Fan von Youtube, und als Künstler weiss ich, dass Urheberrecht nicht wichtig ist (!), sondern die EXISTENZ,.
Wenn die Existenz aller gesichert ist, was schert mich dann noch das konzernialische Gewinnstreben, von dem ein Künstler SOWIESO KAUM WAS VON HAT!
Die Lobbisten sollen den Mund nicht zu voll nehmen. Immer so tun, als wären ihre Interessen selbstverstüändlich. Die Zeit ist längst vorbei. Wenn die meckern, ist es immer sofort eine Antiwerbung und ich merke mir, wer was sagt und das entscheidet SEHR WOHL über mein Kaufverhalten.
Habe mir vor einiger Zeit schweren Herzens ein digitales Wörterbuch für meinen Ereader auf meinem Mobilfunkgerät gekauft. Ich habe ziemlich mit mir gehadert, da das elektronische genausoviel wie ein reguläres analoges Buch gekostet hat. Aber weil ich nun mal eines benötigte und ich keine freie Version irgend eines bekannten Wörterbuchs fand, habe ich den Kauf getätigt. Nach einer Weile musste ich allerdings mein Handy zur Reparatur einschicken. Als ich das Gerät wieder in den Händen hielt, konnte ich das Wörterbuch und weitere gekaufte Applikationen nicht mehr freischalten, weil bei der Reparatur mein Handy (ohne meine Zustimmung) ausgetauscht wurde. Dadurch stimmt die IMEI auf meinem Gerät nicht mehr mit der beim Buchverkäufer hinterlegten Identifikationsnummer überein, wodurch sich weder das Buch noch die Apps ordnungsgemäß installieren bzw. überhaupt geöffnet werden können und ich diese erneut bezahlen müsste!
Das zeigt nur, dass künstliche Regelungsmechanismen wie DRM oder die Gerätekopplung als Access-Kontrolle unsinnige Massnahmen sind. Die Offenheit des Web als Basis für Veröffentlichung und Geschäftsmodell zu denken ist der einzig sinnhafte Weg.
Beruflich bedingt habe ich mir in der Hauptsache Fachbücher gekauft, für die Entspannung auch mal einen Roman oder Krimis.
Allerdings haben die Verlage, genauso wie die Musikindustrie, Verkaufspreise, die für mich nicht den Gegenwert bieten, sind also meiner Meinung nach viel zu teuer. Ich lese übrigens gerne ein richtiges Buch, Onlinebücher (legal oder illegal)oder elektronische Lesegeräte sind nichts für mich.
Was mache ich also, um zu sparen: Ich kaufe gebrauchte Bücher über Ebay oder Amazon und biete sie nach dem Lesen wieder zum Verkauf an. Sorry, Ihr Verlage, aber ich trage definitv nicht dazu bei, eure Umsätze zu steigern. Da müsstet Ihr schon die horrenden Buchpreise senken, um mich zum Kaufen zu animieren. Das gilt übrigens auch für Zeitungsverlage: Die Wochenendausgabe lasse ich mir von einem Nachbarn geben, weil die sowieso im Papiercontainer landen würde, unter der Woche reicht mir das Radio bzw. das Internet als Informationsquelle.
Übrigens: Jeder, der drei Worte richtig schreiben kann und das in einem Buch tut, hält sich für einen Schriftsteller. Aus meiner Sicht sind die meisten Bücher ihr Geld ohnehin nicht wert.
Man versuche einmal als Autor eines wirklich guten Buches in Deutschland einen Verlag zu finden…
In der Regel treffen Sie auf kleingeistige “Unternehmer”, die kein Risiko eingehen wollen (das nennt sich tatsächlich Unternehmer!), und deshalb lieber die deutsche Übersetzung eines amerikanischen Titels vorziehen, wenn dieser bereits den Erfolg “unter Beweis gestellt” hat.
Auf solche Verleger können wir alle im Land verzichten.
Das es in 99% aller Fälle an der Qualität eine Manuskripts scheitert, warum etwas nicht veröffentlicht wird, kann natürlich nicht sein, ganz bestimmt nicht.
Vielleicht sollte man sich auch einfach mal darauf einstellen, dass es “die Buchbranche” eigentlich so nicht gibt und dass die Herren Skipsis und Honnefelder nicht für alle Verleger, Buchhändler und Autoren sprechen – sicher für die dicken Fische im Tümpel – aber eben nicht für alle. Und selbst bei einigen Mitgliedern des Börsenvereins verursachen solche Äusserungen nur Stirnrunzeln, wie ich im Gespräch mit Verlegerkollegen, Dienstleistern und Autoren in Frankfurt feststellen konnte. Kundengängelung durch Überwachung und DRM-Strukturen kann kein Geschäftsmodell sein.
Auf der anderen Seite sind die Alternativen aber auch nicht gerade berauschend: Das, was bei den PIRATEN als “Urheberrecht modernisieren” gehandelt wird, klingt für mich als Autor und Verleger eher nach Enteignung als nach einem tragfähigen Konzept. Vertrauen zu einen Partei, die eine Kulturflatrate fordet und sich zwei Ecken weiter gegen eine GEZ-Gebühr wendet (die ja nichts anderes ist, als eine Kulturflatrate fürs ÖR Fernsehen) kann man irgendwie schwer fassen. Angesichts der GEZ-Strukturen oder GEMA-Auswüchse verheißt eine Kulturflatrate mit deutscher Gründlichkeit auch nur ein weiteres verwaltungstechnisches Monster.
Die Ansicht, was Gut und Richtig ist kann auch schon mal schwer verrutschen. So war neulich in einem einschlägigen Forum ein User zu lesen, der nach der – natürlich illegalen – Kopie eines E-Books suchte, welches man ohne große Probleme zum Preis einer guten Tasse Cappuchino bei Amazon erwerben kann. Pikanterweise handelte es sich bei dem gesuchten Titel um ein Buch, wie man erfolgreich E-Books veröffentlicht und damit Geld verdienen kann. Ob der junge Mann, wenn er denn sein Werk mit Hilfe dieses Ratgebers veröffentlicht hat, von illegalen Downloads noch genauso begeisert ist wie vorher, sei einmal dahingestellt.
Es ist eine erwartbare Reaktion, aber trotzdem enttäuschend, dass etliche junge Content-Verleger und vorallem viele kompetente Juristen, Netzintellektuelle und Wissenschaftler, die global an der notwendigen Reform des Urheberrechts arbeiten mit einer Splitterpartei in einen Sack zu stecken und zu diskreditieren. Ein solch durchschaubares Manöver zeigt welch geistige Brandstifter im Börsenverein sitzen.
“geistiger Brandstifter im Börsenverein” Huhu- wenn man da sich nicht im Ton vergriffen hat? Aber zur Info: Ich bin kein Mitglied im Börsenverein, und habe wohl auch deutlich Kritik an dessen Einlassungen geäussert, wie man oben lesen kann.
Punkt zwei: Wo habe ich denn “etliche junge Content-Verleger und vorallem viele kompetente Juristen, Netzintellektuelle und Wissenschaftler” mit einer Splitterpartei (8% bundesweit in Umfragen relativiert das “Splitter” doch in wenig) in einen Sack gesteckt? Ich habe ganz konkret vom “Konzept” der Piraten gesprochen, welches mir Unbehangen bereitet.
Naja, veilleicht genügt ja auch schon die Äusserung, dass man sich als Verleger betätigt, sein Herzblut, sein ganzes Geld und seine Existenz da reinlegt, für manche, ihren irrationalen Hass auf eine imaginäre “Contentmafia” freien Lauf zu geben.
Die Medienmafia sollte sich mal an der eigenen Nase fassen. Gerade heute habe ich wieder eine DVD legal erworben, die sich dank eines “leistungsfähigen” Kopierschutzes auf keinem meiner ebenfalls legal erworbenen, mit der DVD-Spezifikation kompatiblen Abspielgeräte wiedergeben lassen. Anders gesagt, hat man mir eine silbrig glänzende Scheibe in einer Verpackung mit DVD-Logo verkauft, die keine DVD ist. Das Wort “Betrug” umschreibt diesen Tatbestand recht treffend.
Bei jedem dieser Fehlkäufe steigt mein Verständnis für die Personen, die sich vom legalen Erwerb von Medien komplett verabschiedet haben.
Die Sorgen der Verlage sollten ernst genommen werden. Eben das Beispiel Musikindustrie zeigt, dass die Interessen der Kulturschaffenden leiden, wenn Verletzungen des Urheberrechts nicht konsequent verfolgt werden. Die großen Verlage werden so oder so auch mit Raubkopierern fertig. Aber was machen kleine Verlage?
Die größte Gefahr ist in diesem Zusammenhang leider gerade die nicht-kommerzielle Vervielfältigung. Denn wer wird sich noch ein Buch kaufen (digital oder analog), wenn er es völlig legal aus dem Internet beziehen kann?? Die allermeisten illegalen Angebote an raubkopierten Büchern sind nicht-kommerzieller Natur. Oft handelt es sich um sogar um gut organisierte Gruppen, die gezielt die neuesten Werke digitalisieren und ins Internet stellen.
Man könnte im Detail viel an diesem Blogeintrag inhaltlich kritisieren und als falsch entlarven, denn (nur ein Beispiel) “so umfangreiche Angebote wie das Project Gutenberg, Mobileread oder die Arno-Schmidt-Referenzbibliothek” fallen nach der Definition “Tauschbörsen / Sharehostern / privaten Websites / Blogs / Foren / ftp-Servern / Newsgroups” nicht unter illegale Inhalte.
Ich finde schon die Vorstellung schäbig und anstössig, raubkopierte Bücher zu lesen. Autoren und Verlage werden damit um den verdienten Lohn ihrer Arbeit gebracht. Das sollten sich alle Leser von Raubkopien bewusst machen, und dies sollte auch von den Medien stärker berücksichtigt werden.
Ein sehr Fragwürdiges Ideal: In Bibliotheken kann man kostenlos Bücher ausleihen und lesen, aber die (vom Autor) kostenlos im Internet angebotenen eBooks sind generell mal illegal?
Manche Leute sollten mal lieber VOR dem reden darüber nachdenken, was sie sagen…
Das “kostenlose” Ausleihen von Büchern ist ein Service der jeweiligen Bibliotheksbetreiber, in der Regel also der öffentlichen Hand. Für jedes in einer Bibliothek ausgliehene Buch sind Tantiemen (ca. 3-4 Cent) an die VG Wort zu zahlen. Nur mal so zu Info.
Über die Fragwürdigkeit der zitierten Studie ist glaube ich genug gesagt worden. Im Laden werden auch Bücher geklaut, trotzdem habe ich noch keinen Börsenvereinsvorsitzenden von Nacktscannern an Eingängen zu Buchhandlungen reden hören. Wenn man sich die Umsatzzahlen anschaut, dürfte der Schaden durch Diebstahl von Papierbüchern in absoluten Zahlen höher sein, als der durch geklaute E-Books.
3-4 cent würden sicher 99% der ach so illegalen Filesharer gerne bezahlen.
Nur zwischen Buchausliehe in eine Bibliothek und “Ausleihe” via Fileshareing ist da so eine kleiner Unterschied, nicht wahr? Buchausleihe ist nicht anonym und das Buch muss ich wieder zurückgeben (oder zumindest eine satte Strafgebühr bezahlen, wenn ich es nicht tue). Wie ist das beim Fileshareing? Würden Filesharer das E-Book denn nach der Ausleihzeit wieder löschen? Ich fürchte das geht wieder nur mit Kontrolle von Aussen, wie es z.B. Amazon in seinem Verleihprogramm macht.
Was ich vermissen, sind die Stimmen der Autoren in der ganzen Diskussion. Klar, da gibt es jemand, der in seinem Büchlein Raubkopierer kein gutes Ende finden lässt, aber ist das schon alles – und ist das in irgendeiner Weise produktiv, ja vielleicht sogar progressiv? Wo sind diejenigen, die mit neuen Formen arbeiten, durch CC-Lizenen Veränderungen und Remixe ihrer Texte erlauben und ihre Romane – z.B. als Werbung gür die gedruckte Ausgabe – kostenlos in digitaler Form ins Netz stellen, so wie es hierzulande Arthur Missa und anderswo Cory Doctorow, aber auch Paulo Coelho und Steven King getan haben? Was ist das für ein Bewusstsein, das sich da (nicht) zu Wort meldet? Das 19. Jahrhundert?
Man beachte auch die Aufrichtige Meinung einiger “Ausleier”, die Ihren “geliehenen” Büchern, Filmen oder Programmen Textdateien hinzufügen, welche dazu aufrufen bei gefallen des Produktes dieses auch legal zu erwerben. Viele “Ausleier” sind auch bereit etwas für die Produkte zu bezahlen, wenn sie wissen was man für sein Geld bekommt.
Eine Bewertung sagt halt nicht alles über ein Produkt aus. Ein Buch im Buchladen ließt man ja auch auf den ersten Seiten um zu sehen ob einem das Buch gefallen könnte.
Die Verlage haben noch einiges aufzuholen!!!
Oh je, jetzt begeht die “Buchindustrie” den selben Fehler, wie damals unsere Musikindustrie und versucht nicht auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Ich erinnere mich noch gerne an die Zeit, als plötzlich Napster auftauchte und die Musikindustrie sagte sofort, dass ist böse, das darf man nicht. Leider hat man damals die Zeichen der Zeit nicht erkannt und kam dann erst viel später mit den legalen Downloadmöglichkeiten. Mit einer geschickten Übernahme von Napster hätte Musikindustrie schon große Gewinne einfahren können.
Und jetzt schlagen die Verleger in die gleiche Kerbe und verteufeln erst einmal die E-Books, die ja alle illegal sind, weil diese nicht von deren Webseite stammen (so etwas gehört nach der antiquierten Ansicht einiger Verleger ja schon mit Exkommunikation und Knast nicht unter 125 Jahren pro E-Book bestraft). Schade, ihr hättet etwas daraus machen können und die Nutzer nicht mit DRM bestrafen. Hinzu kommt auch noch die Frechheit, für ein digitales Exemplar fats genau so viel Geld zu nehmen, wie für ein gedrucktes Buch. He, Ihr Buchbinder, mit einem E-Book habt ihr fast keine Kosten, wie bei einem gedruckten Buch, kein Risiko für eine zu hohe Auflage und lasst euch dafür die Nase vergolden…
Tja, ich habe auch einen Roman geschrieben und darf diesen jetzt nach dem Willen der Verlage nicht über meine HP mehr anbieten, weil illegal? Schade, denn ich habe in dem PDF keine Straf-DRM eingebunden.
Vielen Dank für diesen schönen Blogpost. Auch wenn ich persönlich keine eBooks lese (außer Fachliteratur) sondern lieber durch Papier wühle ist diese “Angst” wie ein Deja-Vu. Die Content-Mafia raubkopiert sich gegenseitig die Handlungsmuster
“Auf den Boden werfen, schreien und rumheulen” – erinnert mich irgendwie an Kleinkinder.
Endlich ist es soweit. Die traditionellen Verlage verlieren endlich ihre monopolähnliche Position. Kein Mensch braucht diese schwerfälligen Apparate, in denen der Autor nur als notwendiges Übel angesehen wird. Habe selbst jahrelang für diese Verlage gearbeitet (siehe http://www.ebookblog.de). Das Schreckgespenst Raubkopie ist nur der letzte Versuch, den schwindenden Markt in den Griff zu bekommen. Doch endlich gibt es auch für kleine Verlage, angagierte Herausgeber und für die vielen Autoren Alternativen. Stichwort Self-Publishing.