Das Milliarden-Such-Spiel

Angriff auf Google (Foto: michperu; Quelle: Flickr CC BY 2.0)

Angriff auf Google (Foto: michperu; Quelle: Flickr CC BY 2.0)

Der Angriff kam aus dem Nichts. Gerade einmal ein gutes Dutzend Jahre
ist es her, dass Google zum ersten Mal auf den Rechnern dieser Welt
auftauchte. Binnen weniger Jahre fegte der Newcomer die durchaus rege
Konkurrenz von Excite über Lycos bis Altavista vom Feld und etablierte
sich als die Übersuchmaschine, auf die das World Wide Web gewartet
hatte. Heute scheint Google unschlagbar, das ganze Internet sucht mit
Google. Das ganze? Nein: Ein Konzern im idyllischen Redmond gibt nicht
auf, dem Giganten beharrlich Widerstand zu leisten – koste es, was es
wolle.

Fast zeitgleich mit Google entdeckte auch Microsoft Suchmaschinen als neues Geschäftsfeld. 1998 versuchte man mit MSN Search zu reüssieren, doch das zusammengeschusterte Angebot, das auf den Suchergebnissen von Inktomi und Looksmart aufbaute, scheiterte kläglich und dümpelte allen Anstrengungen zum Trotz am Rande der Unkenntlichkeit dahin.

Aber ein Konzern wie Microsoft gibt so schnell nicht auf und kann es
sich dank der durch Windows und Office gut gefüllten Kassen erlauben,
auch mehr als nur eine Handvoll Dollar zu verbrennen. Auf das
glücklose MSN Search folgte daher Windows Live Search, das wenige
Monate nach dem Start in Live Search umbenannt und im Juni 2009 nach
einer Komplettrenovierung als Bing wiedergeboren wurde.

Damit konnte Microsoft zwar ein wenig Lob einfahren und auch erste,
bescheidene Erfolge verbuchen – doch geändert hat sich an der
Situation nichts. Bing macht jedes Quartal weit über 500 Millionen
US-Dollar Verlust, seit dem Start sind 5,5 Milliarden US-Dollar im
Schwarzen Loch Bing verschwunden. Trotz dieser riesigen Investitionen
dominiert nach wie vor Google unangefochten den Markt (Markanteil:
86,6%), nach wie vor ist Bing nur Größter unter den Kleinen und führt
mit 3,9% Marktanteil die Liste der Loser an.

Last Exit Bing

Die aktuellen Quartalszahlen brachten da keine Änderung. Während
Google mit seinem Ergebnis die Analysten und Anleger überraschte,
vermeldete Microsoft zwar ebenfalls gute Zahlen, doch im Internet
verliert der Konzern immer noch jedes Quartal ein paar Hundert
Millionen US-Dollar.

Da könnte man in Redmond vielleicht auf dumme Gedanken kommen. Zum
Beispiel auf den, den ungleichen Kampf gegen den anscheinend
unschlagbaren Konkurrenten aufzugeben und die Milliarden in andere
Projekte zu investieren.

Doch das kann Microsoft sich nicht leisten. Die Geldmaschine Windows
scheint ins Stocken geraten zu sein, auf dem Smartphone-Markt spielt
man keine Rolle und mit Office als einzigem Zugpferd kann der Konzern
gefährlich ins Schlingern geraten. Für Microsoft gibt es nur einen Weg
– und der führt ins Internet, also über Bing. Kein Wunder, dass man
nicht im Traum daran denkt, das Internet-Engagement zu stoppen, hier
geht es letztlich um die Existenz des gesamten Unternehmens.

Der Riese ist verwundbar

Auch für Google geht es beim Kampf gegen die Suchmaschinen-Konkurrenz
um alles oder nichts: Bricht das Geschäft mit der Suchmaschine ein,
folgt der gesamte Konzern.

Dabei könnte Google durchaus nicht so unangreifbar sein, wie es den
Anschein hat. Denn neben vielen guten und erfolgreichen Projekten hat
man auch in Mountain View zahlreiche Fehlschläge zu verbuchen und
schon mehrfach viel Geld in Märkten versenkt, die zu erobern man sich
anschickte. Die beiden größten Fehlgriffe der letzen Zeit dürften wohl
Wave und Buzz sein, die beide mit viel Trommelwirbel gestartet wurden,
um schließlich im engsten Freundeskreis still beigesetzt zu werden.
Googles Problem: Man denkt in Produkten, nicht in Plattformen – so
jedenfalls sieht es der Google-Ingenieur Steve Yegge, dessen Brandpost
bei Google+ versehentlich an die ganze Welt und nicht nur die
Google-Mitarbeiter ging.

Wenn nicht Microsoft – wer dann?

Eigentlich könnten wir uns als Anwender Popcorn holen, bequem
zurücklehnen und den Kampf der Giganten amüsiert verfolgen. Doch so
einfach ist das leider nicht: Es kann kaum in unserem Interesse sein,
dass die Suche nach Informationen im Netz monopolisiert wird.

Doch wenn es selbst einem Schwergewicht wie Microsoft nicht zu
gelingen scheint, den Riesen Google zu verletzten – wer sollte es dann
schaffen? Eines zeigt Bings Misserfolg jedenfalls deutlich: Ein
zweites Google wird es nicht mehr geben, die Zeiten, in denen ein
unbekanntes Startup den Internet-Markt umkrempelt, sind vorbei. Wer
heute gegen die Big Player angehen will, der muss nicht nur einen gute
Idee und einen langen Atem haben, er braucht auch ein paar Milliarden
in der Portokassse.

 

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

17 Kommentare | 22. Oktober 2011 | 12:39 Uhr | Twittern | Facebook

17 Kommentare

  1. bei mir wird nicht mehr gegoogelt, nur noch gebingt aber letztendlich sagen die meisten nicht suchen im web sondern googeln im web. eine einzige suchanfrage kostet bei google soviel strom wie eine sparlampe in einer stunde verbraucht. alle die wirklich etwas für den klimaschutz machen wollen, sollten wenigsten bingen und nicht googeln.

    hans | 22. Oktober 2011 | 14:25 | Antworten
    • Ach und beim bingen wird auf erneuerbare Energien gesetzt?

      Brian | 22. Oktober 2011 | 17:08 | Antworten
      • das nicht aber google verbraucht 11x mehr strom wie bing

        hans | 23. Oktober 2011 | 17:39 | Antworten
        • Das mit dem 11x mehr stimmt nicht mehr. Diese Zahl ist von 2008. Inzwischen hat Google erheblich aufgerüstet mit weiteren Servern seit Bing existiert und dürfte sich bei 24 bis 26x mehr bewegen.

          Dirk | 24. Oktober 2011 | 13:09 | Antworten
  2. eigentlich ist es ungerechtfertigt dass bing soweit abgeschlagen ist. Die Qualität der Suchtreffer ist mindestens so gut wie die von Google und bing-maps ist meiner Meinung nach besser als Google-maps. Insbesondere die Darstellung “Vogelperspektive” liefert doch ganz erstaunliche Ergebnisse.

    Christoph | 22. Oktober 2011 | 14:39 | Antworten
  3. Wenn die grossen Ölkonzerne mal eben locker 1.60+ Euro für Benzin verlangen können und keiner boykottiert sie – wer dann Google?

    Rokko | 22. Oktober 2011 | 14:51 | Antworten
  4. erschreckend ist dass die gleichen leute die heute bei google suf die suche gehen, ein android tablet haben und mit einem android phone telefonieren vor jahren ueber MS herzogen weil man in redmond eine “datensammelwut” haette und intel landete am pranger wegen einer processor ID.
    bei mir wird gebingt und mein web gateway blockt google-analytics.

    Stefan | 22. Oktober 2011 | 14:51 | Antworten
  5. > Ein zweites Google wird es nicht mehr geben, die Zeiten, in denen ein
    unbekanntes Startup den Internet-Markt umkrempelt, sind vorbei.

    Soso, woher will der Autor das wissen? Wer hätte gedacht, das Twitter so erfolgreich wird und Facebook war nun auch nicht gerade das erste soziale Netzwerk. Wenn ein Startup eine Technologie hat, die der Konkurrenz haushoch überlegen ist – so wie bei Google damals – kann auch heute noch als Startup im Internet groß werden.

    Sollte also zum Beispiel ein Startup in der Lage sein, eine Suchmaschine zu entwickeln, die echte Fragen richtig beantworten kann, das ganze zuverlässig und schnell und vielleicht auch gleich per Sprache und nicht per Tastatur, dann wirds auch für Google eng. Schon heute ist es kein Zufall, dass Google sich so mühsam gegen Facebook wehrt, weil sie dort Gefahr für ihr Geschäft sehen.

    Allerdings ist es aufgrund der Marktmacht der Großen wahrscheinlich, dass so ein Startup aufgekauft wird. Aber das liegt ja auch bei denen. Dropbox hat angeblich ein riesen Übernahmeangebot von Apple ausgeschlagen, auch Twitter ist eigenständig geblieben.

    Siri, die Antwortmaschine auf dem neuen iPhone, stammt auch von einem Startup.

    Oder anders formuliert: es wird weiterhin interessante Startups geben und ab und an wird auch mal eines richtig erfolgreich sein.

    Und im Übrigen ist auch eine Revolution wie das Internet selbst nicht die letzte technologische Erfindung, die alles umkrempelt. Wer weiß denn heute schon, was in 20 Jahren ist? Wir wissen nicht mal wie das Wetter in einer Woche wird und da meint der Autor zu wissen, was es künftig nicht mehr geben wird. Es mangelt wohl ein bisschen an der Phantasie des Autors.

    Recht hat er aber, dass es neben Google keinen Platz gibt für jemanden, der es genauso versucht. Das ist übrigens eines der größten Probleme von Microsoft, ihnen fehlen eigenständige, revolutionäre Produkte und Technologien. Nur das Kopieren, was die Konkurrenz sich ausgedacht hat, reicht heute nicht mehr und selbst Ideen, die ursprünglich MS mal gehabt hat, haben sie nicht erfolgreich in populäre Produkte umgewandelt (die Idee mit dem Tablet war je ne Vison von Bill Gates).

    Kado | 22. Oktober 2011 | 17:29 | Antworten
  6. Ecosia ist die umweltfreundliche Alternative:
    siehe: http://www.ecosia.org

    Ute | 22. Oktober 2011 | 18:15 | Antworten
  7. “eine einzige suchanfrage kostet bei google soviel strom wie eine sparlampe in einer stunde verbraucht.” Das wäre für Google viel zu teuer! Kann also nie und nimmer stimmen. So viel Geld machen sie pro Suchanfrage einfach nicht! Ausserdem ist Google unglaublich effizient, z.B. haben sie herausgefunden das sie ihre Rechenzentren ohne Aktivkühlung laufen lassen können (http://ezinearticles.com/?Google-Reduces-Costs-by-Repurposing-Hardware,-Using-Passive-Cooling&id=6594707) und in alternative Energien haben sie auch massiv investiert (http://www.renewableenergyworld.com/rea/news/article/2011/09/google-reveals-carbon-footprint-renewable-energy-goals).

    Außerdem, warum erwähnt eigentlich niemand Baidu? Fast niemand in China verwendet Google, alle suchen mit Baidu! Immerhin sind das ziemlich viele Menschen!

    Motu | 22. Oktober 2011 | 19:21 | Antworten
  8. Ich bin sogar der Meinung, dass die Suchergebnisse von Bing in den letzten Monaten deutlich besser geworden sind. Eigentlich gefällt mir die Allmacht von Google nicht! Als einfach mal auch eine Alternative nutzen!

    Wilfred Lindo | 23. Oktober 2011 | 00:34 | Antworten
  9. Ich nutze nur Google und dabei bleibt es auch. Was interessieren mich “umweltfreundliche Alternativen” wie Ecosia? Bullenschiss!

    Google war immer gut, ist gut und bleibt es auch.

    Googlefan | 23. Oktober 2011 | 09:23 | Antworten
  10. Googles Erfolg kommt daher, dass sie die Standardsuche bei vielen Browsern(Firefox+Chrome) sind! Der Nutzer ist einfach nur zufaul zum wechseln.

    frederick | 23. Oktober 2011 | 19:15 | Antworten
  11. Ich empfehle https://duckduckgo.com/?t=i :-)

    Lena | 23. Oktober 2011 | 19:57 | Antworten
  12. Naja, in Deutschland zumindestens spielen andere Suchmaschinen neben Google kaum eine Rolle. Google ist auch immer dabei die Claims weiter abzustecken. Das neueste Baby von Google ist der Hotelfinder: http://www.google.com/hotelfinder. Noch in der Experimentierphase, aber mal wieder einen Schritt weiter.

    NicoleWebdesign | 24. Oktober 2011 | 06:02 | Antworten
  13. Nein, Googlefan, Googles Erfolg hat nichts damit zu tun, “dass sie die Standardsuche bei vielen Browsern(Firefox+Chrome) sind”, das kam ja erst viel später dazu, als Google schon lange die dominierende Suchmaschine war. Googles Erfolg in den frühen 2000ern ist leicht zu erklären: Die für die Nutzer angenehme, radikale Reduktion auf eine fast leere Seite mit Suchmaske, während die Konkurrenz damals auf überladene “Portale” setzte, in denen die Suchfunktion schon fast in den Hintergrund trat – verbunden damit, dass Google einfach die besten Suchresultate lieferte. Sie machten damals ja praktisch keine Werbung. Sie hatten auch keine Unterstützung durch einen Softwaregiganten wie Microsoft, Google war nirgends vorinstalliert – die Leute nutzten diese Suchmaschine immer mehr, weil sie einfach am besten war. Ich finde das auch immer noch eine ermutigende Erfahrung: Da hatte sich doch mal tatsächlich Qualität durchgesetzt, nicht Geld – eben keine “Milliarden in der Portokasse”. Mittlerweile hat Google selbst viel Geld, kann aber immer noch davon zehren, die beste Suchmaschine zu sein. So lange mir Bing für meine Suchanfragen nicht klar bessere Resultate liefert, habe ich keinen Grund zum Wechseln. Wer heute Google als die “Suchmaschine der Massen” verdrängen möchte, müsste das schaffen: Ganz eindeutig viel bessere, praktischere Resultate liefern. Denn bei einer Suchmaschine geht es immer noch in erster Linie ums Suchen und Finden. Alles andere ist Drumherum. Darum gilt auch umgekehrt: Wenn es tatsächlich nochmal jemand schaffen sollte, die Suchmaschine zu revolutionieren (und das halte ich nicht für ausgeschlossen), dann hat Google ein echtes Problem – trotz seiner jetzt so vollen Kassen.

    P.B. | 30. Oktober 2011 | 14:54 | Antworten
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    bail bond | 31. Januar 2012 | 11:20 | Antworten

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