Tweets im Weltall

Vernetztes Weltall (Foto: Nasa Goddard Photo und Video, Quelle: Flickr, CC BY 2.0)
Vernetztes Weltall (Foto: Nasa Goddard Photo und Video, Quelle: Flickr, CC BY 2.0)

Vernetztes Weltall (Foto: Nasa Goddard Photo und Video, Quelle: Flickr, CC BY 2.0)

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Grenzenlose Stille. Und dann macht es “Ping”. Wenn Astronauten twittern, liest die Menschheit mit. Und die Retweets sind garantiert. Aber wie machen die Raumfahrer das? Hyperland blickt ihnen auf den Monitor.

Weltraumtwittern ist nicht neu. Der erste Tweet aus dem All erreichte die Erde bereits am 22. Januar 2010. Die Technik dahinter ist komplex, liest sich aber simpel: Solange die Internationale Raumstation ISS in Funkkontakt zur Zentrale auf der Erde steht, können die Astronauten auf ihre Rechner fernzugreifen. Damit können sie nahezu alles tun, was ein Nutzer am heimischen PC auch kann. Twittern? Gar kein Problem – und es geschieht sogar nahezu in Echtzeit, trotz der extremen Entfernung.

Erster Tweet aus dem Weltall. Screenshot: Twitter

Erster Tweet aus dem Weltall. Screenshot: Twitter

Seit dem ersten Tweet hat sich bei den Astronauten einiges verändert: Befüllte damals noch die Crew der ISS die Tweets, sind die meisten Kollegen heute mittlerweile persönlich auf Twitter aktiv.

Zumindest, wenn sie im Einsatz sind. Paolo Nespoli (@astro_paolo) versorgte bis Mai 2011 die Erdenbewohner mit atemberaubenden Fotos vom ISS-Einsatz. Fotos, die mehr über die Arbeiten unserer Weltraumreisenden aussagen, als tausend Pressemitteilungen.

Nach dem Einsatz wurde es still um sein Twitterkonto. Einfache Erklärung des Italieners: “Viel zu viel zu tun nach dem Einsatz.” Wochenlange Missionsbesprechungen, etwas Freizeit und dann gibt es ja auch noch die Familie. Und die 24.000 unveröffentlichten Fotos müssen ebenfalls sortiert werden.

Schwerelos auf Twitter

Twitternde Astronauten beim SpaceTweetUp 2011 in Köln: Cady Coleman und Paolo Nespoli. Foto: Hündgen

Twitternde Astronauten beim SpaceTweetUp 2011 in Köln: Cady Coleman und Paolo Nespoli. Foto: Hündgen

Denn Vorschriften für oder gegen das Twittern, neudeutsch Social-Media-Richtlinien genannt, gibt es bei der Arbeit im All noch nicht. Anders als in vielen Unternehmen, wo mehr oder weniger klar geregelt ist, was die Mitarbeiter wie, wo und wann sagen beziehungsweise twittern dürfen, haben die Astronauten freie Hand. Keine Kontrollinstanz zensiert die maximal 140 Zeichen langen Texte oder Links auf Fotos und Videos. “Wir arbeiten aber an Richtlinien für alle unsere Mitarbeiter”, sagt Andreas Schepers von der Europäischen Weltraumorganisation ESA.

Unabhängigkeit beim Twittern ist für Luca Parmitano das Wichtigste. “Die Menschen möchten lesen, was ich wirklich tue und nicht, was ich nach Meinung irgendwelcher Leute machen sollte”, sagt er im Gespräch mit Hyperland. Der ESA-Astronaut Parmitano (@astro_luca) ist seit April 2011 bei Twitter.

Der Nachfolger von @astro_paolo

Astronauten brennen für ihren Job. Und wer für seinen Job brennt, möchte diese Flamme der Begeisterung weiterreichen. Die Twitter-Leidenschaft des Italieners entfacht hat der Besuch eines Nutzertreffens (TweetUps) in Florida. “Diese Begeisterung, dieser Enthusiasmus für das Thema Raumfahrt, aber auch für die Menschen dahinter, hat mich umgehauen”, erzählt er. Wenige Tage nach der Veranstaltung war er dann “dabei”.

2013 Italiens Mann im All und auf der ISS: Luca Parmitano. Foto: Markus Hündgen

2013 Italiens Mann im All und auf der ISS: Luca Parmitano. Foto: Markus Hündgen

Wie jeder Astronaut, verfolgt Parmitano seine ganz eigene Twitter-Philosophie. “Ich schreibe nur über das, was mich interessiert.” Noch ist das nicht viel, zum Leidwesen seiner Fans, die mehr Informationen haben möchten. Der Output könnte sich aber schon bald steigern. 2013 wird Luca Parmitano für sechs Monate Besatzungsmitglied der ISS. Bereits in wenigen Monaten geht es mit dem Training für die Mission richtig los. “Dann möchte ich da weitermachen, wo Paolo Nespoli mit seinen Fotos aufgehört hat.”

Ein kleines Versprechen für den Italiener, aber ein großer Erkenntnisgewinn für die Menschheit.

Im Vorfeld des Gespräches mit Luca Parmitano fragte uns Twitter-Nutzer @strickleiter: “Was passiert, wenn man im Weltraum “Position an Tweet anhängen” anklickt?” Die Antwort steckt im zweiten Abschnitt dieses Artikels versteckt. Der zugeordnete Ort des Tweets hängt vom Standort des Kontrollzentrums ab. Dies kann sowohl Houston als auch Darmstadt bedeuten.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

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