Facebook-Umbau: Zweite Chance für Gegennetzwerk Diaspora?

Facebook: Netzwerk oder Zentrale unseres Lebens? (Foto: Karrierebibel.de, Quelle: Flickr, CC BY-ND 2.0)
Neue Profile, neues Design, neue Funktionen – und neuer Datenhunger: Facebook hat sich mal wieder neu erfunden, das weltgrößte soziale Netzwerk will zur zentralen Infrastruktur unseres digitalen Lebens werden. Doch gerade das Unbehagen über diesen neuen Zentralismus könnte die Facebook-Nutzer zur Konkurrenz treiben.
Die steht bereit. An erster Stelle natürlich Google+, erst seit drei Monaten im Betrieb und seit kurzem für alle nutzbar. Die Öffnung des Dienstes in der vergangenen Woche war perfekt gewählt und eine Kampfansage an Facebook, das einen Tag später seine Idee der digitalen Tagebücher vorstellte. Google+ wächst und wächst, trotzdem ist das Netzwerk im Vergleich zu den 800 Millionen Facebook-Mitgliedern noch ziemlich klein: 40 Millionen machen angeblich mit.
Gegennetzwerk vom Riesenkonzern
Bei Google+ kommen Neuerungen in eher kleinen Schritten – nicht geballt wie bei Facebook. Vielleicht macht das auch einen Teil des Reizes aus: Man schreibt, teilt und liest Statusmeldungen – das war es auch fast schon. Alles in allem ist Google+ im Vergleich zum überladenen Facebook doch sehr entschlackt.
Google+ könnte sich als Gegenentwurf zum Immer-mehr-und-immer-größer-Facebook entwickeln. Die “digital natives”, also die Vordenker im Web, lieben das neue Netzwerk sowieso – nicht nur wegen der ausgefeilteren Privatsphäre, sondern schon allein deswegen, weil es die Masse noch nicht erobert hat. Doch auch Google ist ein Konzern, der letztlich kommerzielle Interessen verfolgt. Und weder bei Facebook noch bei Google wissen die Nutzer, was mit ihren Daten tatsächlich oder irgendwann geschieht.
Diaspora: Zwerg mit Vision
Das könnte die Chance für eine Alternative sein: das Open-Source-Netzwerk Diaspora. Die Plattform besteht schon seit November 2010, allerdings bisher nur in einer geschlossenen Alpha-Phase. Die Vision ist selbstbewusst. Vier Informatikstudenten aus Kalifornien wollen eine Art Anti-Facebook erschaffen, ein dezentrales Netzwerk, dessen Daten allein den Mitgliedern gehören. Alle Informationen werden auf persönlichen Webservern (pods) abgelegt. Als die Diaspora-Gründer damit erstmals an die Öffentlichkeit gingen, war der Hype gewaltig. Doch dann wurde es still um das alternative Facebook.
Jetzt scheint wieder Bewegung in das Projekt gekommen zu sein, die Macher bemühten sich zuletzt mit zwei Blogbeiträgen um Öffentlichkeit – und erklärten hier erneut ihre Idee vom „social freedom“. Bis Ende Oktober sollen alle, die Diaspora ausprobieren wollen, endlich eine Einladungsmail bekommen. Viele warten darauf schon Monate.
Brachliegende Profile in trister Umgebung
Hinter den Kulissen hat sich Diaspora längst weiterentwickelt. Viele neue Funktionen sind hinzugekommen – aber man merkt, dass die Mühlen hier deutlich langsamer mahlen als bei den Großen. Man kann jetzt Diaspora mit Facebook verbinden und die Statusmeldungen auf verschiedene Arten sortieren. Wer Facebook (und Google+) gewohnt ist, wird beim ersten Blick auf Disapora erschrecken. Nach wie vor ist die Seite sehr statisch und durch die grau-weiße Farbgebung ziemlich trist. Weil nur mitmachen darf, wer von einem Mitglied eingeladen wird, passiert zurzeit nicht viel auf der Plattform. Die meisten, die angemeldet sind, lassen ihr Profil brach liegen – vielleicht warten sie ja, dass endlich etwas im Netzwerk passiert. Dabei hat Diaspora viele Vorteile, nicht nur, was den Datenschutz angeht: Im Gegensatz zu Google+ sind dort auch Pseudonyme erlaubt.
Immerhin beteiligt sich das Netz am Diaspora-Aufbau: Hunderte Freiwillige haben die Webseite in 13 Sprachen übersetzt und Programmcodes geliefert. Die Macher fordern alle zum Mitmachen auf. Das hat bei Mozillas Open-Source-Browser Mozilla funktioniert – warum also nicht beim offenen Online-Netzwerk für alle?
Gefangen im Teufelskreis
Der Fallstrick für Diaspora ist, dass es zu langsam voran geht. In dem einen Jahr seit der Ankündigung des Projekts startete Google+ und Facebook ist in dieser Zeit um ein Vielfaches gewachsen. Und die Otto-Normal-Netzwerk-Nutzer werden sich kaum um ein kleines Netzwerk scheren, auch wenn es ihnen mehr Sicherheit bietet – es sei denn, sie können dort soviel machen wie auf Facebook oder wenigstens bei Google+. Dazu müssten aber erst mal mehr Mitglieder dazukommen – und vorher müsste sich Diaspora für alle öffnen. Ein Teufelskreis.
An Selbstbewusstsein mangelt es dem kleinen Netzwerk trotzdem nicht: Die eigenen Ideen hätten zu zwei wichtigen Verschiebungen in der Welt der Online-Netzwerke geführt, tönen die Diaspora-Macher in ihrem Blog. Facebook gehe, was die Privatsphäre angeht, zumindest “in die richtige Richtung”. Und Google+ habe eines der Hauptmerkmale von Diaspora “imitiert”, finden sie – und meinen damit die Kreise, die bei Diaspora Aspekte heißen. Vielleicht wird sich ja der Daseinszweck von Diaspora künftig so definieren: als Inspirationsquelle für die Netzwerk-Riesen.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
8 Kommentare | 28. September 2011 | 11:01 Uhr |
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Bei Diaspora kann man auch ohne Einladung mitmachen z.B. unter https://diasp.de/ – weitere offene Pods gibt es auf http://podupti.me/
Um bei Facebook ein Profil einsehen zu können, muss man sebst Mitglied sein. Zdf und ARd verhökern dort Inhalte, und ich weigere mich nur um die Inhalte zu sehen, mich anzumelden.
ich halte facebook für total intransparent und suche und warte auf Alternativen, die fair, transparent und im Sinne der Nutzer und nicht wegen Werbung arbeiten
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ZDF heute.de: Wir verhökern (= verkaufen) bei Facebook nichts, sondern bewerben dort Highlights aus unserem Angebot. Sie verpassen auch nichts von unserem Angebot, wenn Sie dort nicht angemeldet sind.
Sehr schön, dass Sie Diaspora als Alternative aufführen, was leider viel zu häufig vergessen wird. – Etwas verwunderlich ist allerdings, dass Sie Plus als “entschlackt”, Diaspora aber als “trist2 bezeichnen? Das Design ist nahezu deckungsgleich. Google hat sich funktional sogar sehr stark bei Diaspora bedient: “Circles” etwa sind eine blanke Kopie von Diasporas “Aspects”. – Ansonsten gilt wie immer: “Gut Ding will Weile haben”; http://eicker.at/DiasporaNews
Diaspora ist sehr wohl offen und es gibt mittlerweile eine Fülle von zuverlässigen Pods:
http://podupti.me/
Der Pod der Entwickler (joindiaspora.com) ist nur mit Einladung erreichbar, das ist korrekt. Allerdings werden sehr gerne und voller Freude von allen dort bereits aktiven Communitymitgliedern Einladungen verteilt.
Und offenbar hat das ZDF leider die falschen Freunde, denn:
Diaspora ist weder trist noch langweilig, sondern hochaktiv und bereits sehr effizient. Die Community ist neugierig, sehr freundlich und enorm hilfsbereit.
-> http://diasporafoundation.org
Auch ich möchte die Erwähnung D*s loben. Brachliegende Profile gibt es unter meinen Kontakten nur eines: Jemanden, den ich überredet habe. Alle, die von sich aus nach einer Einladung fragten, oder die ich bereits auf D* kennengelernt hatte, sind vor allem in den letzten Wochen ziemlich aktiv und schreibfreudig unterwegs. =)
Vergessen wird oft bei der Benutzung von D* (und G+), dass man nicht mehr, wie bei Facebook typisch, Freundschaftsanfragen verschicken muss, sondern auch komplett einseitig die Beiträge eines Users verfolgen kann.
Dadurch entfällt dieser Zwang, nach bereits bekannten Gesichtern zu suchen bzw unbekannten/langweiligen/unbeliebten Leute im Gegenzug ebenfalls Aufmerksamkeit zukommen lassen zu müssen.
Wenn man neu auf Diaspora ist, sollte man schlicht und ergreifend einfach mal ein paar Leute in seine Aspekte einteilen und keine Scheu haben, sich offen in Diskussionen (von denen es in D* sehr viele und hochwertige gibt!) einzubringen. Dadurch lernt man wiederum neue User kennen und kann dann Freunden, die man zu D* einlädt, auch gleich ein paar interessante Kontakte vorschlagen.
PS: Zu der Änderungsfrequenz: Man sollte beachten, dass D* zu keinem gigantischen Konzern wie Google oder Facebook gehört, nicht über enorme Kapazitäten an Entwicklern und Geld verfügt und sehr unkommerziell aufgebaut ist. Dadurch liegt es in der Natur der Sache, dass die Entwicklung nicht so schnell vorangehen kann, aber in meinen Augen hat sich schon in den paar Tagen, die ich jetzt auf D* aktiv bin, einiges an sinnvollen Stellen verbessert.
Toll ist auch, dass das Entwicklerteam auch regelmäßig transparent informiert, wenn etwas geändert wurde und die Benutzer zu Feedback aller Art aufruft.
Also das man nicht auf eine Einladung warten muss, haben ja genug erwähnt. Da aber nicht jeder die Kommentare im Anhang des Blogs liest, wäre es toll, wenn besagter editiert würde. Danke dafür.
Und überhaupt: wenn das ZDF die Idee von Diaspora gut findet, dann wäre es toll, wenn es dort auch einen eigenen Auftritt hätte. Von mir aus auch mit den Beiträgen 1:1, wie man sie auf Facebook findet. Das wäre auf jeden Fall ein Zeichen.
[...] bleibt einem also nichts übrig, als bei Facebook auszutreten und zu Alternativen wie Google+ oder Diaspora zu wechseln. Oder einfach mitzumachen. Denn eigentlich ist nichts schlecht an der [...]