Der gute Ruf im Netz wird zum Geschäft

Dafür, dass kompromittierende Inhalte aus dem Netz verschwinden, sorgen Spezialagenturen (Foto: Daniel Novta; Quelle: Flickr CC-BY-2.0)
Endlich Schluss mit negativen Kommentaren oder kompromittierenden Photos im Internet. Das verspricht das Unternehmen Swiss Life und bietet eine Versicherung gegen eine schlechte Online-Reputation an. Ein Schritt in die richtige Richtung, doch noch lange kein Allheilmittel, meinen Medienexperten.
Wie wichtig das eigene Image im Internet, die sogenannte e-Reputation, für das wirkliche Leben sein kann, zeigt nicht zuletzt eine Umfrage des Instituts Cross Tab aus dem vergangenen Jahr: Dabei gaben 14 Prozent der befragten französischen Personalreferenten an, schon einmal einen Bewerber wegen kompromittierender Informationen im Netz abgewiesen zu haben. Darunter fallen unter anderem negative Kommentare und Photos beziehungsweise Videos, die die Seriosität des Kandidaten in Zweifel stellen.
Um solchen und anderen Fällen vorzubeugen, bietet das Versicherungsunternehmen Swiss Life nun eine Versicherung gegen den schlechten Online-Ruf für Privatpersonen an: 9,90 Euro kostet die sogenannte Swiss Life e-Reputation pro Monat. Dafür sorge das Partner-Unternehmen Reputation Squad dafür, dass rufschädigende Inhalte entweder entfernt oder aber durch zahlreiche positive Kommentare überdeckt werden. Zudem berate die Kunden ein Team aus Juristen des Schadenregulierers Civis, die, wenn nötig, gerichtlich eingreifen. Dabei würden Kosten bis zu 10.000 Euro übernommen.
Der gut Ruf im Netz wird zum Geschäft
Swiss Life ist dabei nicht die erste Firma, die das Phänomen der e-Reputation als Markt für sich entdeckt: Unternehmen wie Sindup oder QSN Digital und Berater zur persönlichen Markenbildung wie Fadhila Brahimi bieten bereits Kurse für Unternehmen und Privatpersonen an, in denen sie zeigen, wie man seinen Online-Ruf pflegt. Der französische Internet-Watchdog Commission Nationale de l’Informatique et de Liberté (CNIL) erklärt zudem seit kurzem auf seiner Webseite was zu tun ist, wenn das Image im Netz einmal Schaden gelitten hat.
“Aber die Versicherung von Swiss Life ist das erste wirklich umfassende professionelle Angebot zum Thema Online-Ruf”, sagt Francis Balle, Medienexperte an der Universität Panthéon-Assas Paris II. “Einige Medienagenturen haben zwar bisher die e-Reputation beobachtet, aber eingegriffen haben sie meist nur im Krisenfall. Eine juristische Begleitung im Schadensfall boten sie nicht an.” Dabei sei ein solches Komplett-Angebot heutzutage unabdingbar, meint er. Denn der Online-Ruf hänge nun einmal immer mehr von den sogenannten neuen Medien wie dem Mikroblogging-Service Twitter ab. Und darauf könne das persönliche Image nun einmal in Windeseile beschädigt werden.
Für Marken-Beraterin Brahimi ist die Swiss Life e-Reputation jedoch zu schön, um wahr zu sein: “Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man für 9,90 Euro jemanden umfassend beraten und schützen kann”, sagt sie. “Schließlich muss man einen guten Online-Ruf über Monate hinweg aufbauen und pflegen.” Und das verlange nach einer regelrechten Online-Markenbildung, also einer eigenen Webseite mit positiven Informationen und Bildern. “Die muss so gut bestückt sein, dass sie auf Suchmaschinen als eine der ersten Ergebnisse auftaucht”, erklärt Brahimi.
Zudem seien die Geschäftsbedingungen der Versicherung (PDF) zu restriktiv gefasst: “Es sind zum Beispiel die Fälle ausgeschlossen, bei denen es sich um Informationen aus dem Berufsleben handelt”, sagt sie. “Doch oft haben ja negative Kommentare über die Arbeitsleistung eine Auswirkung auf den persönlichen Ruf.”
Photos und Kommentare werden zum Selbstläufer
Weiterhin zählen Informationen und Bilder, die man selbst ins Netz gestellt hat, nicht zum Versicherungsfall. “Dabei können Photos doch in einen falschen Zusammenhang gesetzt werden”, wundert sich Brahimi und erinnert sich daran, dass einmal ihr eigenes Photo auf einer Seite für Prostitution auftauchte. Das denkt auch Jérôme Deiss, Social Media Manager beim Institut für Erwachsenenbildung AFPA, und fügt hinzu: “Studien zeigen, dass viele Jugendliche Dinge ins Netz stellen, für die sie sich nur fünf Jahre später schon schämen. Solche Photos und Kommentare werden dann meist zum Selbstläufer.”
Außerdem kritisiert Deiss die maximale Schadenssumme, die auf 10.000 Euro beschränkt ist. “Gerade, wenn man eine Person des öffentlichen Lebens ist, wie zum Beispiel ein Journalist, schießen Gerichtskosten in Nullkommanichts in die Höhe und über dieses Limit hinaus”, sagt er. So käme die Swiss Life e-Reputation wohl nur für Menschen, die wenig im Netz präsent sind, in Frage.
Dennoch stößt die Swiss Life e-Reputation auf reges Interesse, so das Unternehmen. Der Versicherer denkt bereits über ein auf Firmen zugeschnittenes Angebot nach.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
5 Kommentare | 01. September 2011 | 13:55 Uhr |
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Dear Lisa,
Sorry for writing in English but my German is very rusty.
This insurance is indeed designed to cover some specific needs for everyday people that are the victims of online defamation or identity theft…
This insurance and the fact that it covers up to 10.000 Euros of services delivered by Reputation Squad is based on more than two years of internal statistics from our actual clients and cases.
The issues covered and the amount covered protect an overwhelming majority of real, disturbing online reputation situations.
The services offered by Reputation Squad itself of course go beyond this and are spefically designed to answer celebrities online reputation management.
This insurance (which is a world premiere by the way) was created from day one to answer the needs of everyday people. More is to come indeed to offer insurance policies for other types of audiences.
I am of course available if you want to discuss this further.
Albéric
Also, ich weiss nicht.
Schweizer Erfindungsgeist kennen wir ja zur Genüge, und manchmal ist es super.
Aber hier wird dem Missbrauch Tür und Angel geöffnet und bald wegen dem guten Schein BERECHTIGTE KRITIK wegretuschiert.
Andere weniger seriöse Firmen oder mit anderem Kundenstamm könnten in diese “neue ” Branchen Fuß fassen.
Man hat dann ein Forum oder Blog, wo man keine Orientierung mehr gewinnen kann, weil jemand versichert ist, zwar ein Bösewicht ist oder Kapitalist, aber versichert und hat seine Zuarbeiter.
Nee, das will ich nicht gerade befürworten:
Zitat meiner Vorrednerin: “This insurance (which is a world premiere by the way) was created from day one to answer the needs of everyday people. More is to come indeed to offer insurance policies for other types of audiences.”
>>
I think, this opens the door to erase all critic, no need if its correct critic. That would undermine every culture of truth as well and not only may be used to cover evil attacks on a person.
If it once grow.
The world is full of evil people or how you call them, eh, maybe criminals with good clothes.
Vielmehr muss klar unterschieden werden, was Rufmord ist und was Kritik.
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Wir sind eine Beratungsagentur in München, die sich auf das Management der Online Reputation von Personen, Einzelpersonen und Leistungsträger in Unternehmen, spezialisiert hat.
Seit 2010 sind wir bereits aktiv. Insofern begrüße ich sehr, dass Versicherungen sich in dem Bereich engagieren.
Nicht immer müssen oder können wir bei reputeer Anwälte zu Projekten hinzunehmen. Oft liegt keine rechtliche Grundlage vor. In den meisten Fällen können wir mit technischen Mitteln oder Kommunikationsmaßnahmen dagegenwirken und den Kunden selbst schulen und vor allem sensibilisieren.
Gerade für Privatpersonen können die Investitionen dennoch sehr hoch sein. Prävention ist sinnvoll, die meisten kommen aber erst, wenn das Kind im Brunnen ist. Dann ist der Schaden, der oft erst spät erkannt wird (z.B. beim Thema Bewerbung), sehr hoch – die Rufreparatur teuer.
Versicherungen müssen wohl wie wir auch auf das Thema aufmerksam machen und die Öffentlichkeit sensibilisieren. Die Problematik wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen!