Webscheue Wissenschaftler

 

Über die deutsche Onlineforschung redet so gut wie niemand. (Foto: Julius Endert)

Über die deutsche Onlineforschung redet so gut wie niemand. (Foto: Julius Endert)

Es gibt Internet-Experten, die im Internet selbst kaum in Erscheinung treten: Bloggende oder twitternde Professoren sind in Deutschland eine Seltenheit. Eine vergebene Chance.

Auch deutsche Medienforscher und Sozialwissenschaftler beschäftigen sich wissenschaftlich mit den Auswirkungen des Internets auf Menschen und Gesellschaft. Aber sie halten Abstand von ihrem Untersuchungsgegenstand: Die meisten schalten sich mit ihren Erkenntnissen nicht in den allgemeinen Diskurs über das Netz ein. Die Folge: Sie werden so gut wie nicht wahrgenommen. Stattdessen bestimmen US-Autoren und Forscher die wissenschaftliche Diskussion. Diese spielt sich zudem zu großen Teilen im Web selbst ab, also außerhalb der gewohnten wissenschaftlichen Veröffentlichungskreisläufe und mit einem ungleich rasanteren Tempo.

“Tatsächlich benutzen viele Kollegen die digitale Sphäre nicht so, wie es in anderen Ländern üblich ist“, sagt der Berliner Soziologe Stephan Humer, der selbst stark im Web aktiv ist. “Ich beobachte das immer wieder bei Kolleginnen und Kollegen aus den USA, die über das Netz vor allem Inspiration, Orientierung und schnelle Antworten erhalten. Chancen, die sich viele deutsche Kolleginnen und Kollegen anscheinend entgehen lassen – das hat möglicherweise auch dazu beigetragen, dass die deutsche sozialwissenschaftliche Analyse des Internets international nicht so etabliert ist.“

Unbekannte Forschung

Dabei gab und gibt es seit Beginn des Web-Zeitalters eine ganze Menge sozialwissenschaftlicher Forschung zum Thema, wie aktuell der Überblick von Martin Emmer zeigt. Aber wer außerhalb der Fachwelt hat beispielsweise je von Gerhard Vowe gehört, der aktuell eine Forschungsgruppe zur politischen Online-Kommunikation leitet?

“Sicherlich liegt es an den Spielregeln, die den Wissenschaftsbetrieb auszeichnen: Klassische Publikationsformen, Drittmittel und Vorträge bringen mehr Reputation als die ‘kurze Form’ im Blog oder via Twitter“, vermutet Humer. So sieht das auch der Soziologe Jan Schmidt vom Hans-Bredow-Institut in Hamburg: Dabei könnte man zum Beispiel Zwischenergebnisse von Forschungsprojekten veröffentlichen.

Schmidt ist einer der wenigen, die im Web überhaupt auffallen. “Мan muss nicht alles ausprobiert haben, aber ich profitiere davon, dass ich teilnehmender Beobachter bin“, sagt Schmidt, der sich auf diese Weise einen Ruf als Weblog-Experte erarbeitet hat. Auch andere jüngere Wissenschaftler nutzen die direkte Kommunikation mit den Rezipienten über das Web. “Aber je höher man der Hierarchie steigt, desto schwieriger wird es”, sagt Schmidt.

Sicherheitsabstand zum Forschungsgegenstand

“Wenn Sie Wissenschaft organisieren, fehlt Ihnen für vieles die Zeit, was Sie gerne ausgiebiger tun würden“, bestätigt Professor Vowe. Das sei aber kein grundsätzliches Problem: “Ich bekomme schon ziemlich gut mit, was sich da so tut.“ Ein wenig Abstand zum Forschungsgegenstand sei sogar hilfreich.

Ähnlich sieht dies der Münchener Professor Christoph Neuberger: “Ich bin keineswegs der Auffassung, dass der Diskurs über ein Medium vor allem in jenem Medium stattfinden muss, mit dem man sich beschäftigt. Es wäre sogar problematisch, wenn alleine die Formate des Internets die ‘Denkbahnen’ für diesen Diskurs bestimmen würden: Vieles, was man da liest, empfinde ich als schnell dahingeschrieben und leicht widerlegbar, viele Gedanken, die als neu dargestellt werden, sind eigentlich schon uralt.“

Für den wissenschaftlichen Diskurs greife er lieber auf die althergebrachten Möglichkeiten zurück. “Wenn man Gedanken ausführlich, konzentriert und sachlich darlegen will (inklusive Belege und Fußnoten), sind Buch und Aufsatz immer noch die besten Möglichkeiten. Beruflich bin ich ein notorischer Langsam- und Langschreiber, was nicht gut zum Social Web passt“, sagt Neuberger, der mehrere umfangreiche Studien zum Online-Journalismus vorgelegt hat. Bedauern müssen man aber, “dass der wissenschaftliche Diskurs und der Diskurs im Internet im Social Web so wenige Berührungspunkte haben. Das ist das eigentliche Problem.“

Damit trifft Neuberger den Nagel auf den Kopf: Die nicht-netzaktiven Wissenschaftler hinterlassen eine Lücke. Der häufig aufgeregt und hektisch geführte Diskurs im Social Web wird hierzulande stattdessen von Brancheninsidern, Bloggern und medienaffinenen Journalisten geprägt und speist sich oft aus US-Quellen. Und die traditionellen Medien interviewen zu Themen aus dem Internet immer die selben Experten: Sascha Lobo, Sascha Lobo und Sascha Lobo. Dabei könnte die Diskussion sehr wohl von den Erkenntnissen der Wissenschaft profitieren, ebenso wie von ihrer Reputation. Doch so sind über den Umweg über die Massenmedien die Meinungsführer des Social Web inzwischen auch die Vermittler für den Dialog mit dem internetfernen Teil der Gesellschaft und der Politik.

Google nimmt die Sache in die Hand

In das Wissenschaftsvakuum dringt nun ausgerechnet Google ein: Das vom Suchmaschinenkonzern mit-finanzierte “Forschungszentrum für Internet und Gesellschaft” in Berlin soll der Forschung auf die Sprünge helfen.

Getragen von der Humboldt-Universität, der Universität der Künste sowie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und in Zusammenarbeit mit dem Hans-Bredow-Institut in Hamburg will das Forschungsinstitut nach eigenen Angaben “führende Wissenschaftler sowie Akteure aus allen Sparten der Gesellschaft zusammenbringen, um Fragen in den Bereichen Internet Innovation, Internet Regulierung, Informations- und Medienrecht sowie Fragen des Verfassungsrechts im Internet zu erörtern und zu erforschen”.

Der Name des Instituts ist so griffig, dass es sicher schnell einen Ruf als kompetenter Ansprechpartner zu allen netzrelevanten Fragen gewinnen wird. Dass es diesem auch gerecht wird, bleibt zu hoffen. Es ist schade, dass die deutsche Sozialwissenschaft solche Stimmen nicht schon zuvor aus eigener Kraft hervorgebracht hat.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

11 Kommentare | 08. August 2011 | 11:42 Uhr | Twittern | Facebook

11 Kommentare

  1. Hört sich so an als ob man froh sein darf das diese internet experten überhaupt wissen das es das WWW bereits gibt und es nicht nur mehr eine rein theoretische frage ist.
    Wenn man dies liest seh ich diese wissenschaftler vor mir wie sie mit erhitztem kopf diskutieren ob es möglich ist verschiedene computer an einander zu koppeln damit diese miteinander kommunizieren können. Dazu will man die kollegen in Köln befragen was diese davon halten und schickt sofort eine nachricht mit dem schnellsten kommunikationsmittel, der brieftaube, das man bislang kennt. Innerhalb einer woche, erwartet man voller spannung, dürften die kollegen bereits eine antwort schicken.

    B | 8. August 2011 | 14:01 | Antworten
  2. Liebes B.
    Nehmen Sie den Satz: “Vieles, was man da liest, empfinde ich als schnell dahingeschrieben und leicht widerlegbar…”
    und wenden Sie es auf ihre eigene Aussage an. In diesem Sinne danke für dieses passende Paradebeispiel der bestehenden Internetkultur.

    Magnus | 8. August 2011 | 15:53 | Antworten
  3. Ich kann gut nachvollziehen, dass man als Wissenschaftler lieber in den gewohnten Wissenschaftsformaten veröffentlicht. Auch finde ich, dass ein Internetwissenschaftler nicht unbedingt gleichzeitig ein enthusiastischer Webanwender sein muss, wie beispielsweise Herr Lobo. Das mag zwar wichtig sein, um den aktuellsten Trend zu erspüren, für eine Untersuchung der langfristigen und tiefgreifenden Folgen der Internetnutzung könnte es aber eher schaden, weil man den Einfluss des Internets generell überschätzt (ich meine, eine Zeit lang waren es Blogs, welche die Medienlandschaft umkrempeln sollten, heute sind es Facebook und Twitter, aber Massenmedien gibt es immer noch und der Wandel gestaltet sich um einiges komplexer).
    Auch ist es schwer genug, den zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu folgen, eine weitere Zunahme an Kommunikation kann da schnell zur Überforderung werden.
    Allerdings glaube ich auch, dass sowohl der Diskurs innerhalb der Wissenschaften als auch der Kontakt zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft davon profitieren könnte, wenn im Netz ein bisschen mehr passieren würde.
    Wie in dem Artikel ja auch deutlich wird, ist der aber für Wissenschaftler, die ohnehin schon viel mit ihrer Forschung zu tun haben, sicherlich nicht immer leistbar. Das sagt ja selbst Jan Schmidt, der das Netz nun wirklich ausgiebig nutzt.
    Trotzdem sollte man von Seiten der Wissenschaft weiter den Kontakt zur Öffentlichkeit such und das gilt für alle Wissenschaftler, nicht nur für die Medienforscher.
    Aber: liegt es nicht vielleicht auch ein bisschen an den Medien, wenn sie lieber kurz Google anschmeißen und zu “Internet und Gesellschaft” dann den Lobo finden, anstatt mal eine Brieftaube zu den Wissenschaftlern zu schicken, um zu sehen, was die dazu so sagen?

    Titus | 9. August 2011 | 08:43 | Antworten
  4. Ich unterstütze die Ausführungen des Autors. Da ich selbst zum Thema Web 2.0 promoviere und gleichzeitig operativ in die Thematik involviert bin. Daher kenne ich sowohl das Dilemma der ungezählten und täglich anwachsenden Literatur und (potentiellen) Quellen wie aber auch die Oberflächigkeit der Web-Praktiker, die sich regelmäßig Fragen stellen, die in der Wissenschaft teilweise vor Jahren geklärt wurden: “… viele Gedanken, die als neu dargestellt werden, sind eigentlich schon uralt.” – besser hätte ich es nicht formulieren können. So krämt mich die tägliche Oberflächigkeit des Netzes und all der “Experten”, die sich darin tummeln. Und ich wünsche mir, dass mehr Wissenschaft Einzug hält, die fundiert und nachvollziehbar ihre Erkenntnisse kommuniziert. Ich hoffe, mit meinen Kommentaren und Posts ein kleines Stückchen dazu beitragen zu können.

    PS: Mein Professor (Prof. Schweiger TU Ilmenau; Gruß an Dr. Emmer) ist im Netz vertreten und mit Sicherheit kein webscheuer Wissenschaftler.

    Christian Salzborn | 9. August 2011 | 10:40 | Antworten
  5. Es ist in meinen Augen nicht verwunderlich, dass deutsche Wissenschaftler im Web nicht einmal ansatzweise die Präsenz zeigen, die z.B. US-Amerikanische Ökonomen zeigen. Wenn man sich mit seinen Meinungen, Forschungen und Ansichten im Web präsentiert, dann hat das mindestens zwei unliebsame Konsequenzen: (1) Man muss von seinem elitistischen Roß herunter und sich sogar mit Kritik auseinandersetzen, es sei denn, man stellt z.B. die Kommentarfunktion im blog ab, was auch bezeichnenden ist; (2) Man muss die Verantwortung für das übernehmen, was man forscht und ist vielleicht sogar genötigt, den Nutzen der eigenen Forschung darzustellen.

    Beide Punkte setzen zudem voraus, dass Wissenschaftler etwas zu erzählen haben. Es gibt nichts schlimmeres als ein blog, das alle Monate einmal um einen Beitrag erweitert wird und die entsprechende Sprachlosigkeit bei Wissenschaftlern zöge vermutlich sehr schnell den Spott von Kollegen an, die zwar ihrerseits das Web meiden, weil Sie Ihre “komplexen Gedanken” nicht mundgerecht für das “dumme Volk” präsentieren wollen und können, aber dennoch schadenfroh den Misserfolg von Kollegen begleiten.

    Schließlich hängen vielen Wissenschaftler am Tropf ihrer Regierung oder von halböffentlichen Institutionen und trauen sich schlicht nicht, in der Öffentlichkeit etwas zu sagen, was dazu führen könnte, dass ihnen die lukrativen Gutachter- oder sonstigen Gefälligkeitsarbeiten gestrichen werden oder sie beim Kultusministerium in Ungnade fallen, wss dann bei der nächsten Stellenrunde dazu führen könnte, dass aus dem halben ein Viertelmitarbeiter wird.

    Ein bezeichnendes Beispiel für die Feigheit deutscher Wissenschaftler ist ein offener Brief an die GEW, die ganz ungeniert in einer Studie mit dem Titel “Bildung von Geschlecht” Falsches behauptet und für sich Wissenschaftlichkeit reklamiert. Obwohl die Verstöße gegen Wissenschaftlichkeit und Lauterkeit eklatant sind, hat sich nur ein kleines Häuflein von Professoren und Doktoren eingefunden, um diesem Treiben ein Ende zu setzen.

    http://sciencefiles.org/2011/07/09/wider-das-expertisenunwesen-wissenschaftler-fordern-gew-in-einem-offenen-brief-zu-richtigstellung-auf/

    Michael Klein | 9. August 2011 | 11:52 | Antworten
  6. ““Ich bekomme schon ziemlich gut mit, was sich da so tut.“ Ein wenig Abstand zum Forschungsgegenstand sei sogar hilfreich.“

    Das klingt nach derselben abschätzigen Ausrede, die ich auch immer wieder im Studium zu hören bekam … ´´Machen Sie sich mal keine Sorgen, ich kriege das schon mit´´ Eine Floskel, nichtssagend, abwiegelnd.

    Dass der Abstand zum Forschungsgegenstand hilfreich ist, ist nur eine weitere wohlfeile Floskel. Was soll uns das an dieser Stelle sagen? Dass all diejenigen, die das Internet im Innersten beleuchten eine gebotene Professionalität vermissen lassen? Dass Forscherinnen wie danah boyd, eine der bekanntesten und sicherlich auch angesehendsten Internetexpertinnen schon wieder zu tief in der Materie steckt?

    ´´Wenn man Gedanken ausführlich, konzentriert und sachlich darlegen will (inklusive Belege und Fußnoten), sind Buch und Aufsatz immer noch die besten Möglichkeiten.´´

    Auch eine klassische Schutzbehauptung der Ewiggestrigen, die nur im Buch die reine Lehre und ihre Pfründe durch Open Access gefährdet sehen – obwohl sie meist bereits auf unbefristeten Stellen sitzen und den Elfenbeinturm wohl über alles lieben:

    “The report finds that faculty members want to publish in high “impact factor” journals unless they have some specific reason why they should go the Open Access route, e.g., they need to get something out quickly. The subscriptions their libraries buy mask from them the extent to which their work becomes inaccessible to those who are not a university.

    The report ends with some recommendations for trying to move academics towards OA publishing.“

    http://librarylab.law.harvard.edu/blog/2011/07/11/why-dont-more-academics-do-open-access-publishing/

    Sina | 9. August 2011 | 12:53 | Antworten
  7. Ich stimme Michael und Sina auf jeden Fall darin zu, dass Wissenschaft für die Öffentlichkeit zugänglich sein sollte. Nichts wäre mir lieber, als wenn alle Artikel Open Access wären. Es passiert nämlich schon häufig, dass meine Uni eben genau für das wichtige Journal dass ich gerade brauche keine Lizenz hat. Aber ich weiß nicht, ob freier Zugang gleichzeitig eine erhöhte Nutzung in der Öffentlichkeit hervorrufen würde. Ich persönlich würde mir keinen Fachartikel aus einer Disziplin antun, in der ich mich nicht auskenne.

    Hier wäre ein Blog, wo der jeweilige Wissenschaftler seine aktuellen Überlegungen allgemeinverständlich darlegt natürlich um einiges besser. Wenn hier noch andere Menschen kommentieren würden, dann könnte man auch gleich sehen, wie umstritten ein Thema ist, etc. Und nebenbei würde man auch eine öffentliche Qualitätskontrolle der Forschung haben, für die sich Michael stark macht.

    Ich glaube aber von alleine passiert da nichts, man müsste noch sehr viele Berührungsängste abbauen und das System Wissenschaft grundlegend umbauen. Ein Weg wäre vielleicht, zunächst die Lehre an den Hochschulen stärker ins Netz zu verlegen. Jeder Prof. an öffentlichen Unis hält Vorlesungen und Seminare. Vielleicht könnten die Universitäten ja darauf aufbauend Schnittstellen im Netz schaffen, die den Diskurs mit der Öffentlichkeit anregt, Forschung transparent und zugänglich macht.

    PS: ich würde übrigens nicht, wie Michael, alle deutschen Wissenschaftler unter den Verdacht stellen, feige und arrogant zu sein.

    Titus | 9. August 2011 | 14:30 | Antworten
    • Hallo Titus,

      ich stelle nicht alle deutschen Wissenschaftler unter den Generalverdacht der Feigheit, schon weil ich ja strukturelle Variablen angegeben habe, die diesen Verdacht begründen und somit die Menge der davon betroffenen einschränken (wer nicht am Tropf der Bundesregierung hängt, ist weniger feige als …) und weil es ja eine ganze Reihe von Wissenschaftlern gibt, die sich gegen den Missbrauch von Wissenschaft wenden und – last but not least – weil ich selbst Wissenschaftler bin und entsprechend davon ausgehe, dass Feigheit und Wissenschaftler eine mehr oder weniger große Schnittmenge bilden… Wer sagt schon von sich, er sei feige (jenseits des neuen Mannes, meine ich…:)

      Michael Klein | 9. August 2011 | 16:01 | Antworten
  8. Danke für diesen Artikel.

    Es wird Zeit, dass der wissenschaftliche und intellektuelle Diskurs über das Web, die Netzwerkgesellschaft und das Informationszeitalter auf einer breiteren Basis hierzulande geführt wird. Das wird vielen Beteiligten, den Forschern, den Aktivisten uvm. gut tun.

    Jens Best | 10. August 2011 | 02:43 | Antworten
  9. Das Verhältnis zwischen Internet und Wissenschaftler muss differenziert betrachtet werden. Die Frage ist: nutze ich das Internet für Informations- und Verbreitungszwecke oder als Forschungsgegenstand. Meiner Erfahrung nach werden für die Erforschung, insbesondere des Web 2.0, häufig Paradigmen, die vielleicht für die Offline-Welt gelten einfach auf diesen Bereich angewandt, ohne genauer zu differenzieren. Es steht für mich nicht die Frage im Raum, “wo” der Diskurs über das Internet stattfindet, sondern “wie” er sich gestaltet. Schließlich zeigen sich im Internet die Strukturen auf, die in der Offline-Welt nicht so einfach zu fassen sind. Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn die Forschungsergebnisse nicht im Internet angekommen. Sie werden einfach nicht ernst genommen. Da kann man versuchen wie man will, diese über Twitter oder Facebook zu “vertreiben”.
    Ich bin mir selber noch unschlüssig, inwiefern ein Wissenschaftler mit seinem Forschungsgegenstand “verbunden” sein muss. Schließlich ist es die Aufgabe der Wissenschaft, objektiv Aussagen zu treffen. Geht das überhaupt, wenn man stark in das Social Web involviert ist?

    Eine Kommunikationswissenschaftlerin, die den alten Paradigmas nicht verhaftet ist und das Internet erforscht :)

    Mediarina | 10. August 2011 | 15:09 | Antworten
  10. Dazu kann ich nur sagen, wer über einen Film diskutieren und mitreden möchte, den er nur vom hören, sehen und sagen kennt — sprich gar nicht selbst gesehen hat, begibt sich mitunter auf dünnes Eis. Das war schon immer so, nur wird es jetzt um eine Potenz beschleunigt.

    Dementsprechend unbefriedigend geradezu bescheiden war beispielsweise auch die aus Anlass des 100. Geburtstags von Marshall McLuhan in Berlin angesiedelte Konferenz „RE-TOUCHING McLUHAN – THE MEDIUM IS THE MASSAGE“ im Mai 2011 in der kanadischen Botschaft. Kein Wunder — kaum einer der Vortragenden partizipiert selbst als Protagonist am Social Web oder betreibt einen eigenen Facebook-Account! Da klaffen Theorie und Praxis mal wieder ziemlich weit auseinander — schade — hatte ich mich doch auf eine spannende Diskussion mit Theoretikern gefreut … http://mcluhan2011.eu/berlin/

    I-wie verwunderlich: Aktion, Reaktion und Reflexion sind doch ein immer währender Kreislauf. Als pragmatischer Kommunikationsdesigner stehe und stand ich schon immer mittendrin und bestaune, belächle und bedaure zuweilen, dass die Protagonisten von Theorie und Praxis nicht zueinander finden!

    Ohne eigene empiristische Erfahrungen gemacht zu haben, wird es wohl schlichtweg unglaubwürdig und zuweilen abstrakt erscheinen, will man über hochdynamische Medienphänomene forschen und diskutieren. Wäre schön, wenn das dann auch noch eines Tages bei unseren Politikern ankommen würde … bald ist ja Weihnachten! :—)

    Prof. Eku Wand | 14. Dezember 2011 | 00:20 | Antworten

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