Reißt Euch endlich zusammen!

Politiker sehen sich im Netz oft Spott und Hohn ausgesetzt (Quelle: Screenshot Twitter)

Politiker - wie hier Hans-Peter Uhl - sehen sich im Netz oft Spott und Hohn ausgesetzt (Quelle: Screenshot Twitter)

Der digitale Graben will sich einfach nicht schließen. Seit Jahr und Tag bekriegen sich Netzaktivisten, Politiker und Wirtschaftsvertreter mit virtuellen Sprachgeschützen. Die einen, weil sie die Freiheit im Netz als bedrohte Chance sehen. Die anderen, weil ein unreguliertes Web für sie Sinnbild für Anarchie und Chaos ist. Doch anstatt auf die Sturköpfe in Politik und Wirtschaft zuzugehen, überschüttet die digitale Bohemia sie mit Hohn und Spott. Manchmal lustig, aber oft kontraproduktiv. Es wird Zeit, sich endlich zusammen zu reißen.

Es war wieder einer dieser Tage. Das Oslo-Attentat war noch nicht mal ansatzweise verarbeitet, da meinte Hans-Peter Uhl, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschlandfunk: “Diese schreckliche Tat von Oslo wurde ja nur scheinbar von einem Einzeltäter begangen. Jetzt wird immer mehr bekannt über seine Internet-Kontakte. In Wahrheit wurde diese Tat im Internet geboren.“

Was folgte war beinahe absehbar: Aus der Äußerung wurde innerhalb kürzester Zeit ein Mem, es wurde geshitstormt, gebloggt, gerantet was das Zeug hielt.

Der Effekt: Eine kleine Äußerung eines Politikers erhielt mehr Aufmerksamkeit, als ihr eigentlich zustand. Das Netz begeistert sich an seiner eigenen Lustigkeit, aber die Debatte um Freiheit und Kontrolle im Internet war wieder mal keinen Millimeter voran gekommen. Stattdessen weiter verhärtete Fronten: Hier die Internet-Versteher, dort die Internet-Regulierer.

Rituelles Ranten

Die unüberlegte Uhl-Äußerung ist nur EIN Beispiel dafür, was schief läuft in der Debatte. Der Netzprotest hat sich längst ritualisiert: Ein Politiker sagt etwas internetahnungsloses und schon geht’s los: Anstatt den Ahnungslosen beiseite zu nehmen und ihm zu erklären, warum sein toller Vorschlag untauglich ist, beginnt der öffentliche Spott der Netzaktivisten.

Dabei wird häufig übersehen, dass ein derart Verspotteter selten eingeräumt hat, dass er im Unrecht ist. Im Gegenteil: Er sieht sich in seinen verqueren Argumenten bestätigt wie: “Im Internet wohnen nur Terroristen, die auf Randale aus sind“, “Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein“, usw. Ein Teufelskreis.

Gewöhnen wir uns dran!

Die Politik hat lange Zyklen und merkwürdige Rituale. Gewöhnen wir uns endlich daran. Ein Fehler wäre es aber, den Politikern Dummheit zu unterstellen. Sie verstehen ihr Handwerk sehr gut und sind den Politiknovizen aus dem Netz darin weiter überlegen. Zum Beispiel wissen sie sehr genau, wie man sich oder sein Thema in die Öffentlichkeit bringt und sei es mit einem bis ins karikaturhafte überspitzten Vorschlag.

Der Shitstorm als Antwort darauf ist der einfachste Weg. Das Mem das billigste Argument. Der Rant das unüberlegteste Positionspapier. Alle sind weder nachhaltig noch wirksam. Sie sind – zugegeben – (manchmal) lustig, unterhaltsam und haben kulturwissenschafltich betrachtet ihren Sinn. Sie tragen zur Gruppenbildung und zum Zusammenhalt bei, sie fungieren als Code, der die Gruppe erst konstituiert und aufrecht erhält. Nur wer den Code entschlüsseln kann, gehört dazu.

Das bedeutet auch: “Die anderen”, die angeblich Ahnungslosen werden ausgeschlossen, weil sie weder Zeit noch Lust haben, sich mit dem ganzen Quatsch zu beschäftigen. Doch auch die Eingeweihten haben ein Problem. Die Meme wechseln mittlerweile so schnell, dass ein Tag ausreicht, um nicht mehr im Bilde zu sein. Worum ging es noch mal bei “modegeworden“? Achso…

Warum es soviel Spaß macht, sich derart lustvoll zu bekriegen, liegt auf der Hand. Hinter der Auseinandersetzung liegen in sich geschlossene Wissens-, Denk- und Glaubenssysteme, die für ähnliche Probleme grundverschiedene Lösungsansätze bieten. “Diskurse“ nannte der Soziologe Michel Foucault diese Systeme, die in Gesellschaften herrschen und unterdrückt werden und widmete ihrer Analyse einen Großteil seines wissenschaftlichen Lebens. Wer einem Diskurs anhängt, so Foucault, hat immer Recht. Glaubt er. Die anderen haben dagegen Unrecht und müssen bekämpft werden. Denn in Diskursen geht es immer um Macht.

Blasengehabe einer peudo-elitären Truppe

Wenn Meme und Shitstorm zum Selbstzweck werden, sind sie jedoch nichts weiter als selbstreferentielles Gehabe in der Gedankenblase einer pseudo-elitären Truppe. So werden Gräben nur noch tiefer gemacht, anstatt sie durch Vermitteln und Erklären endlich ein Stück weit zuzuschütten.

Die Politik muss lernen das Netz zu verstehen – aber gleiches gilt auch umgekehrt. Denn wir – die “coolen Netzpeople” werden dieses politische System mit all seinen Gremien, Konferenzen und Papieren nicht innerhalb von wenigen Jahren ändern, egal wie viel wir spotten, ranten, schimpfen und lustige Mashups aus Politiker-Äußerungen bauen.

Was ist stattdessen zu tun? Ein Appell an die Netzpeople:

# Verschwendet eure Zeit nicht mit Pöbeln!

# Bündelt eure Energien! Organisiert euch, teilt auf, wer welche Positionspapiere auseinander frickelt, wer wo bei einem Kongress auftaucht!

# Lasst Gags nicht zum Lebenssinn werden!

# Seid nachhaltig! Bleibt an den Themen länger dran als nur drei Tage!

# Erklärt ihnen „Das Internet“. Wieder und wieder. Macht euch nicht zum Kasper, sondern zum Lehrer.

 

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: Daniel Bröckerhoff

Autorenbild

Freier Journalist, TV-Reporter, Autor und Regisseur für Fernsehen und Online.
Alle Beiträge von Daniel Bröckerhoff anzeigen

57 Kommentare

  • Shred
    04.08.2011, 15:13 Uhr.

    > Doch anstatt auf die Sturköpfe in Politik und Wirtschaft
    > zuzugehen, überschüttet die digitale Bohemia sie mit Hohn
    > und Spott.

    Grundsätzlich ist diese Kritik berechtigt. Allerdings müssen auch die “Sturköpfe” auf die Netzgemeinde zukommen, man muss sich in der Mitte treffen.

    Als in der letzten Regierung Frau von der Leyen die Internetsperren (das berühmte “Stoppschild”) durchsetzen wollte, erklärten Netzgemeinde und Experten unisono, warum dieser Vorschlag nicht funktionieren kann und die Demokratie gefährdet. Aktivisten sammelten in jener berühmten Online-Petition – also quasi auf dem Terrain der Politiker – die meisten Unterschriften in der deutschen Geschichte.

    Was passierte war, dass die Politik die Bedenken der Netzgemeinde, der Experten und der Petenten schlichtweg ignorierte, wegwischte, und mit dubiosen Umfragen und nachweislich unwahren Äußerungen (z. B. dass in Indien Kinderpornografie legal sei) antwortete, und schließlich das Gesetz durchsetzte. Mit bekanntem Erfolg.

    Solche Beispiele gibt es viele, sei es die gescheiterte Reform des JMStV, ELENA oder jetzt die Neufassung des GlüStV. Die Meinungen der Experten und der Netzgemeinde wurden stets ignoriert.

    Es wird sicherlich Zeit, dass die Netzgemeinde ihre politische Meinung deutlich und höflich formuliert. Es wird aber auch Zeit, dass die Politik und die Wirtschaft als Adressat diese Meinung endlich ernst nimmt und entsprechend handelt!

  • David Moritz
    04.08.2011, 15:19 Uhr.

    Der Spott fängt nicht im Netz an. Solche Personen wie Herr Uhl machen sich selbst durch ihre unqualifizierten Äußerungen zum Affen. Ich denke nicht, dass es in irgendeiner Form helfen würde, auf so jmdn zu zugehen. Warum auch sollte man Herrn Uhl auch das Internet erklären, wenn er nichtmal Grundlagenverständnis besitzt. Das Problem ist nicht der Spott, das Problem sind die alten Säcke, die glauben für ein junges Publikum Politik machen zu können… aber #Demografie… Herr Uhl spricht sicher nicht “uns” an, sondern die ältere Bevölkerung, die genauso wenig Verständnis für das Web 2.0 (nichtmal für 1.0 ;-)) haben. Und denen spricht er aus der Seele. Für alte Menschen ist es doch immer das Gleiche (und wird sich so in der Geschichte wahrscheinlich auch fortsetzen)… was neu ist, ist schlecht. Die Jugend von heute ist viel schlimmer, als wir…. usw.
    Also von mir aus: Weiter lustig machen – und zwar auf’s Derbste! Bis die Generation endlich aus der Regierung verschwunden ist. Der Kasper ist hier Herr Uhl und nicht die Netzgemeinde.

    • herr von s.
      04.08.2011, 17:25 Uhr.

      dem stimme ich zu.
      dau’s, die gerademal in der lage sind die maus richtig rum zu halten oder anders gesagt, graumelierte politiker wie herr uhl, kauder und konsorten mögen vom internet vielleicht mal gehört haben, sollten sich lieber nicht populistisch mit unwissenheit in die öffentlichkeit wagen.

      wir alle wissen, das staaten durch das internet fallen können, politiker derer betrügereien entlarvt werden und jede menge kluge köpfe auch gutes über das internet transportieren. herr uhl sollte, … wenn er denn so klug sei die selbstregulierende mechanismen im internet im “rechtsfreien” raum zu schätzen und zu verstehen lernen.
      genau dieses ist aufgrund seltsamer politäusserungen “modegeworden”.

      • Teetrinker
        04.08.2011, 21:14 Uhr.

        Ich stimme zwar grundsätzlich zu, kann mir aber die Bemerkung nicht verkneifen, dass es auch Leute gibt, die meinen sich auszukennen, aber noch nicht einmal wissen wie man große Buchstaben erzeugt.
        Die einen können eben nicht mit einer Maus umgehen, die anderen nicht mit einer Tastatur. ;-)

        • herr von s.
          04.08.2011, 22:23 Uhr.

          :D

        • Daniel
          06.08.2011, 10:58 Uhr.

          Auskennen und Rechtschreibung hat wohl nix (uuups, meinte natürlich “nichts”) miteinander zu tun, deswegen ist dieser Kommentar hier völlig fehl am Platze.

  • Wähler im 21. Jahrhundert
    04.08.2011, 15:23 Uhr.

    Wenn man etwas bei den angesprochenen Politikern bewirken will, dann mag das sinnvoll sein. Nur:

    Vielleicht erwartet man, dass Politiker wissen, wovon sie reden.
    Vielleicht erwartet man, dass Politiker kompetent sind.
    Vielleicht erwartet man, dass Politiker sich selbst informieren.
    Vielleicht will man solche Leute gar nicht überzeugen.

    Vielleicht will man einfach nicht von solchen Menschen regiert werden.

  • David Moritz
    04.08.2011, 15:30 Uhr.

    @Wähler im 21. Jahrhundert

    Danke :-) Besser hätte man es nicht kurz zusammenfassen können!

    Und @Daniel Bröckerhoff und ihr Appell:

    Machen Sie sich doch nicht selbst lächerlich, mit einem solchen “Appell”. Sie glauben doch nicht wirklich, dass der bei irgendwem ankommt. ;-)

    • Daniel Bröckerhoff
      04.08.2011, 17:36 Uhr.

      Ach, sich ab und zu lächerlich machen ist doch okay :-)

      PS: Ich lass mich gern duzen ;-)

    • Sibylle
      04.08.2011, 19:09 Uhr.

      Dann machen sich eher die lächerlich, bei denen nichts ankommt – warum gleich wieder ins Aggressive ausweichen?

    • Wähler im 21. Jahrhundert
      04.08.2011, 23:15 Uhr.

      Danke, David! Deinen Kommentar Daniel gegenüber finde ich allerdings daneben.

  • This.Base
    04.08.2011, 15:33 Uhr.

    Die Kritik ist durchaus berechtigt, nur die vorgeschlagene Lösung ist nicht machbar. So ein aufeinander Zugehen funktioniert, wenn sich 2 Personen gegenüber stehen. Die Netzgemeinde ist aber unglaublich groß, äußerst pluralistisch und hat definitiv keine Form von übergeordneter Instanz, die sich an so etwas beteiligen könnte. Hier prallen einfach 2 Welten aufeinander. Die eine besteht aus losen Gruppierungen mit dezentraler und freier Selbstorganisation, die Andere ist zentralistisch und hierarchisch ausgelegt und mit Führungspersonen ausgestattet. Hier sehe ich nur eines dieser Systeme in der Lage, auf die andere zuzugehen und selbt dann ist die Reaktion der Netzgemeinde im Vorfeld völlig unvorhersehbar.

  • David Moritz
    04.08.2011, 16:00 Uhr.

    Dazu fällt mir ein toller Song ein:

    http://www.myvideo.de/watch/1643617/Sven_Schumacher_Aufstehn_Aufeinander_Zugehn

  • jott
    04.08.2011, 16:03 Uhr.

    Es mag an meinem Verständnis liegen, aber verwechselt der Autor hier vielleicht gerade die Vornamen von Michel Foucault und Pierre Bourdieu…!? Das hätte schon seinen ganz eigenen Witz…

    • Julius Endert
      04.08.2011, 16:42 Uhr.

      @jott
      vielen Dank für den Hinweis, das war ein “Vornamendreher”, den wir korrigiert haben.

  • Jan
    04.08.2011, 16:05 Uhr.

    “dass ein derart Verspotteter selten eingeräumt hat, dass er im Unrecht ist.”
    Das hat mit Spot nichts zu tun, einzugestehen das man unrecht hat, ist in der Politik grundsätzlich nicht üblich. Uhl gibt schon so lange solch unqualifiziertes Zeug von sich. Er hatte solange Zeit sich zu informieren und hat es nicht getan.

    Ich stelle mich auch nicht in die Gegend und erzähle den Leuten wie der Hase läuft, bei Dingen die ich nicht verstehe. Daher habe ich auf jeden Fall das Recht, mich über diese und ähnliche Personen zu empören. Wenn ich keine Ahnung von meinem Job mehr habe, wäre ich ihn ganz schnell los. Für Herrn Uhl gilt das leider nicht.

    Es geht daher auch eigentlich nicht mehr nur um Netzpolitik, sondern darum, dass Sachkenntnis in der Politik völlig irrelevant zu sein scheint. Das die sachlichen Aufgaben von Referenten, nicht vom Amtsträger bearbeitet werden, ist ja nun ein offenes Geheimniss. Ansonsten wären diese ganzen Personalrochaden in wichtigen Gremien und an den Ministerienspitzen ja auch nicht möglich.

  • Daniel Bröckerhoff
    04.08.2011, 16:18 Uhr.

    @jott: jepp, du hast Recht. Ich hab von beiden zuviel gelesen und sie in meinem Kopf zu einer Person werden lassen :D wir korrigieren das.

  • Thomas
    04.08.2011, 16:33 Uhr.

    Versuche, diese Dialoge zu führen, gab es doch schon reichlich in den letzten Jahren.

    Das Zensursula-Gesetz, das trotz massiver konstruktiver Einwände einfach umgesetzt wurde. Es konnte von vornherein nicht funktionieren, aber das war denen wohl egal.

    Im Fall von Videospielen wurde sogar ein LAN-Party im Bundestag veranstaltet. Da waren sogar einige Politiker da, aber diejenigen, die es nötig gehabt hätten (also jene, die immer lauthals “Killerspiele” gebrüllt haben), hatten es nicht nötig und waren nicht da.

    Wie also soll man einen Dialog mit jemandem führen, der dies gar nicht will?

  • Lutz Hohle
    04.08.2011, 16:35 Uhr.

    Die so genanten Shitstorms erfüllen gleich mehrere wichtige Zwecke:

    - Unangebrachte Forderungen werden öffentlich markiert und so wahrnehmbarer gemacht.
    - Gegenwehr wird demonstriert. (Digitale Demonstration)
    - Ein Massen Brainstorming findet statt. (Kollektive Intelligenz)

    - Die gesammelten Argumente werden in Blogs und Medien aufgegriffen und finden so Eingang in den Diskurs.

    Klar gibt es auch immer wieder Kommentare gibt, die ein gewisses Niveau unterschreiten. Aber diese verhallen schon nach kurzer Zeit.

  • digiom (Jana Herwig)
    04.08.2011, 16:38 Uhr.

    Man könnte auch sagen: Für Netzaktivismus!

    Diese Notfallknopfscherzereien sind Intellektuellenstammtischgespräche unter Nutzung digitaler Medienkompetenz – also solche aber latürnich völlig legitim und menschlich ud keineswegs ein Problem. Zu schelten, das wäre der falsche Aktivismus, bringt nicht weiter – es ist kein Netzaktivismus, es ist Bloggen, Twittern, Photoshoppen, mit seinen Skills seine Meinung raushängen lassen und als solches eine kreative Tätigkeit und natürlich lustbringend.

    Frage ist: Wird’s durch Aktivismus besser?

  • Daniel Bröckerhoff
    04.08.2011, 16:40 Uhr.

    Der unredigierte Artikel kann jetzt auch auf meinem Blog gelesen werden: http://danielbroeckerhoff.de/2011/08/04/reist-euch-endlich-zusammen/

    • Juli
      07.08.2011, 18:27 Uhr.

      Mein Korrekturvorschlag: “reißt”, nicht “reist” …

      Spannende Debatte!

  • Felix Lieb
    04.08.2011, 16:54 Uhr.

    Sicherlich ist die Kritik berechtigt. Doch das Aber bleibt nicht aus. Denn die “Politik” genießt kein Vertrauen mehr.

    Wenn gannz offensichtlich geschmierte Lobbyentscheidungen gefällt werden, wenn die Minderheit mit dem dicken Geldbeutel scheiße baut und sich dann bei “der Politik” freikaufen kann. Wenn es an der Zeit ist, mit populistischem Scheißdreck aufzuhören und ernsthaft an Lösungen zu arbeiten, die populistische Gülle aber weiter durch die Medien quillt… soll ich weiter machen?

    Es gibt genug Menschen, die Ahnung haben, die ihr Wissen teilen, die sich Mühe geben und doch müssen wir uns den Shit ohne Storm von “der Politik” anhören. Irgendwann ist gut mit gut zureden, per Argument überzeugen wollen, mit miteinander reden, denn es tut sich nichts. Immer wieder von denselben Gesichtern denselben alten Mist hören, weil sie sich weigern sich weiterzubilden. ES LANGT!

    Ich hoffe auf die jungen Politiker, auf den Generationenwechsel, wenn die Internetausdrucker in der Minderheit sind und eine Generation, die lieber produktiv ist, als in Parteifarben zu sprechen, die Mehrheit wird. Ich selber versuche meinen Beitrag zu leisten, indem ich mit meinem Umfeld kommuniziere, diskutiere und eben diese Betonköpfe nicht mehr wähle.

  • Alex
    04.08.2011, 17:06 Uhr.

    Ich halte das Gerante schlicht für einen Ausdruck von Verzweiflung, den ich völlig nachvollziehen kann. Wer sich wieder und wieder derart beratungsresistent gezeigt hat wie die Uhls und Kauders dieser Republik muss sich nicht wundern, wenn die konstruktive und sachliche Kritik seltener wird.

    Vielleicht hat ein Teil derer, die das Internet als das, was es ist begreifen innerlich schlicht kapituliert und wartet darauf, dass die aktuelle Generation einfach durch Absitzen von Zeit ersetzt wird. Vielversprechende Ansätze in den Facetten junger Politik sind ja tatsächlich vereinzelt aufzufinden.

  • Mascher_Peter
    04.08.2011, 17:29 Uhr.

    Die Politiker selbst nehmen uns Netz-Nutzern den Willen, konstruktiv zusammenarbeiten zu wollen. Beispielsweise werden diverse Aussagen trotz offensichtlicher Widerlegung immer und immer wieder getätigt. (Beispiel Vorratsdaten). Oder wie im bereits in den Kommentaren angesprochenen Fall Zensursula-Petition, wo von führenden(!) Unions-Politikern alle Mitzeichner pauschal als Unterstützer von Kinderpornografie diffamiert wurden.
    Nein, liebe Leute, diese Politiker sind überhaupt nicht daran interessiert, Argumente zu hören, es geht ausschließlich darum, bestimmte potenzielle Wählerschichten anzusprechen.

  • Daniel Bröckerhoff
    04.08.2011, 17:40 Uhr.

    Ich finde alle Gegenstimmen hier richtig und wichtig. Danke auch für den sachlichen Ton, trotz Pseudonym-Möglichkeit ;-)

    Auf lange Sicht wird “Das Netz” sowieso gewinnen. Wichtig ist jetzt glaube ich die Schienen in die richtige Richtung zu lenken. Und das geht besser, wenn man sich “vernünftig” und “konsensbereit” gibt, anstatt wild rumzuranten.

    Natürlich war Frau von der Leyen beratungsresistent und hat das Thema für ihren Wahlkampf mißbraucht. Aber letzen Endes waren es nicht die Banner, lustigen Sprüche und der Spott, der das Gesetz hat wieder einschlafen lassen, sondern unermüdliche Lobbyarbeit, Diskutieren und Argumente. Davon brauchen wir mehr.

    Die Ansätze sind da. Aber da geht noch was. Einige!

    • Old European
      04.08.2011, 20:09 Uhr.

      An die Macht von Argumenten zu glauben spricht von großer Naivität. Wäre Fr. Leyen noch Familienministerin, wären wir schon lange auf einer Stufe mit der Volksrepublik China. Zu unser aller Glück ist Roland Koch in seinen “wohlverdienten” “Ruhestand” gegangen und plötzlich wurde allen die vollständige Inkompetenz des Herrn Jung bewußt. Daraufhin hatte Fr. Leyen neue und spannendere Spielzeuge.

  • nurmalso
    04.08.2011, 17:44 Uhr.

    tja, dass die “coolen netzpeople” ein in sich geschlossener zirkel von selbstreferentiellen möchtegernanarchos wissen die selbst am besten. ist aber nicht so, dass diese kreise nach außen völlig abgeschottet sind. es steht jedem, auch politiker, frei, sich dort zu betätigen oder informieren.

    ich habe zum beispiel nicht von herrn uhl verlangt, dass er seine ahnungslosigkeit von der materie unverlangt nach außen trägt. wer so nach aufmerksamkeit giert, bekommt eben den shitstorm, den er verdient.

    • Querulator
      05.08.2011, 09:14 Uhr.

      Right!

    • Daniel Bröckerhoff
      05.08.2011, 11:08 Uhr.

      Der Satz in dem DRadio-Interview wäre vermutlich untergegangen, wenn er nicht mit einem Shitstorm veredelt worden wäre.

      • Count Krey
        05.08.2011, 11:38 Uhr.

        Ja wäre er vielleicht, aber das kann nicht das Ziel sein. Den Satz würde niemand mitbekommen, aber z.B. Herr Uhl würde seine Meinung behalten und würde nicht wahrnehmen, was er überhaupt für einen Bullshit erzählt. Leider sitzen die Politiker in den “entscheidenden” Position um Rahmen für unsere Gesellschaft zu setzen, dass heißt wir müssen immer wo Mist erzählt wird und falsche Entscheidungen getroffen werden, drauf hauen und den Fehler öffentlich vorführen.

  • kadekmedien
    04.08.2011, 18:34 Uhr.

    Die Kritik finde ich schon gut. Aber warum sollte man als Netizen nicht beides haben, Schadenfreude und Schulmeisterei?

    • Daniel Bröckerhoff
      05.08.2011, 11:09 Uhr.

      Soll man. Wenn es denn nicht oft bei der Schadenfreude bliebe…

  • crackpille
    04.08.2011, 19:06 Uhr.

    Stellen wir uns mal vor, die Grünen kämen an und würden fordern, sofort und umgehend nicht nur aus der Kernenergie auszusteigen, sondern auch alle Kohle- und Gaskraftwerke in Deutschland abzuschalten, weil die so umweltschädlich sind. Und wenn dann jemand kritisch fragen würde “Aber wo sollen wir denn dann unseren Strom hernehmen?”, käme als Antwort: “Aus der Steckdose”. Und wer lacht, dem wird unterstellt, er sei ein abartiger, bösartiger Mensch, der die Kinder vergiften will…

    Gäbe es da irgendwas zu diskutieren? Zum aufeinander zugehen? Nein, aber die GRÜNEN würden auch in den Medien zerpflückt.

    Das Drama ist, dass ähnlich substanzloses Gerede beim Thema Digital- und Netzpolitik von Politikern und Medien scheinbar als solches überhaupt nicht erkannt wird.

    Danisch hat seine Erfahrungen mit dem Netzsperren-Gesetz nachträglich gebloggt und das spricht einfach Bände:

    http://www.danisch.de/blog/2011/06/21/wie-die-deutsche-internet-kinderpornosperre-zustande-kam-und-zugrunde-ging/

  • Wähler im 21. Jahrhundert
    04.08.2011, 20:14 Uhr.

    @Daniel Bröckerhoff: Es ist völlig richtig, was Du schreibst.

    Es gäbe allerdings etwas, was Politik noch schneller ändern könnte. Vielleicht ist es sogar das einzige, was Politik ändern kann. Und das ist – ironischerweise – “Shitstorms” auch offline zu betreiben. Auch offline die Aussagen von Politikern zu entlarven.

    Parteien sind auf Wählerstimmen angewiesen. Bei manchen führt das offenbar dazu, dass Wählerstimmen das einzige sind, was ihnen überhaupt wichtig ist. Insbesondere zwei Parteien, die für sich beanspruchen, angeblich als einzige “Werte” hoch zu halten.

    In der jüngeren Vergangenheit hatten wir dazu zwei sehr anschauliche Beispiele:

    CDU/CSU war es doch *scheißegal*, dass die Internetsperren überhaupt nichts gegen Kinderpornografie ausrichten. Im Gegenteil, diesen Parteien war bekannt, dass Internetsperren sogar *schädlich* sind – weil sie den Tätern nutzen. Alle Argumente dagegen wurden im Bundestag und außerhalb geäußert, erklärt, wiederholt, veranschaulicht – bis zum Erbrechen. Es hat niemanden interessiert. Weil sie zwar Opfern geschadet haben – aber hey, mit ihrem Wahlkampfpopulismus haben sie dafür Stimmen gewonnen.

    Als dann plötzlich eine neue Partei auf Anhieb 2% der Stimmen bei der Bundestagswahl erreicht hat, war das plötzlich ein Grund, doch noch einmal umzuschwenken. Und nun sieht sich genau die Partei, die Internetsperren eingeführt hat, gezwungen, sie nach kurzer Zeit wieder abzuschaffen.

    Und auch in Sachen Atomkraftwerke haben sich diese Parteien entlarvt:

    CDU/CSU (und FDP) haben über Jahrzehnte Kernkraftwerke befürwortet, gebaut, Kosten auf die Allgemeinheit übertragen, den Atomausstieg rückgängig gemacht und stattdessen die Laufzeiten verlängert. Mit Argumenten war nicht das Geringste auszurichten. Aber plötzlich – als sich nach Fukushima die Mehrheiten in der Bevölkerung verschoben haben – wird von heute auf morgen die nur kurz davor beschlossene Laufzeitverlängerung rückgängig gemacht und ein Atomausstieg beschlossen.

    Was hat sich jeweils geändert? An der Sache jeweils überhaupt nicht. Es gab keinerlei neue Argumente.

    Aber es gab neue Mehrheiten.

    Es ist nicht immer für jeden so offensichtlich wie in den zwei Beispielen. Jedoch: Manche Politiker drehen sich wie die Fähnchen im Winde. Aber nicht, weil es vernünftig wäre, weil es neue Argumente gäbe. Nein, Vernunft ist ihnen offenbar völlig egal! Das einzige, das für sie zählt, das ist Macht. Wenn sie befürchten müssen, Wählerstimmen zu verlieren, also Macht zu verlieren, predigen sie plötzlich genau das Gegenteil von dem, was sie gestern als die reine Wahrheit verkauft haben.

    Sie gieren nach Wählerstimmen.

    Und das ist der Ansatzpunkt. Indem wir ihr Versagen, ihr Geschwätz, ihre unrealistischen Forderungen, ihren rechtsstaatsgefährdenden Populismus und ihren Opportunismus öffentlich machen. Dann haben sie die Möglichkeit, zumindest danach vernünftig zu argumentieren. Oder vernünftige Leute für die Ministerien auszuwählen – und dadurch vielleicht nicht nur an den Symptomen zu arbeiten, sondern an den Ursachen. Und wenn sie beides nicht tun, dann ist zumindest das Volk informiert und hat die Chance, sie abzuwählen.

    Werte sind ihnen völlig egal. Es geht ihnen nur um Macht und Wählerstimmen. Wenn man Politik also ändern möchte, dann muss man auch der Generation Offline zeigen, wer sie da wirklich regiert.

    • Teetrinker
      04.08.2011, 21:23 Uhr.

      Sehr gut!
      Absolut meine Meinung!

    • Daniel Bröckerhoff
      04.08.2011, 23:17 Uhr.

      Dem stimme ich zu. Aber zwischen “Öffentlich machen” und einem Shitstorm liegen Welten. Meme, Banner, lustige Sprüche, Witze und T-Shirts bringen nichts. Stattdessen hilft weiterreden, im Dialog bleiben, auch untereinander, die Argumente der Gegenpartei nachvollziehen und entkräften, darüber bloggen, aber ohne Aufregung, immer wieder nachhaken und bohren.

  • Michael Boersma
    04.08.2011, 20:28 Uhr.

    Ich versuche in Krefeld mich Kommunalpolitisch einzubringen. Gerne würde ich Anregungen aus dem Internet aufgreifen. Was ich aber nur finde sind haltlose Unterstellungen, dumme Beleidigungen usw. . Leider sind eigentlich nie wirkliche an der Sache orientierte, Vorschläge oder Ideen dabei. Ich habe den eindruck das im anonymen Internet sein persönlicher Frust ausgelebt werden kann. Vielleicht ist dieses ja bei “größeren” Temen anders, ich kann es nur hoffen. Bei Kritik an Politik bitte auch beachten: es reicht nicht zu wissen wie es besser gemacht werden kann, es müssen auch Mehrheiten gewonnen werden, es müssen Wahlen gewonnen werden, und dieses geht nur über Kompromisse und Kompromisse und Kompromisse….

    • Der alte Mann
      05.08.2011, 16:53 Uhr.

      “Kompromisse und Kompromisse und Kompromisse….”

      Da liegt ja schon ein wenig die Crux des Ganzen, weil mit einem Kompromiss niemand zufrieden ist. Allerdings ist dies systembedingt. Demokratie an sich ist eine Verwaltungsform die hauptsächlich den Status Quo erhält und genau das erleben wir jetzt. Sie schreiben “es müssen Wahlen gewonnen werden,”. Wie gewinnt man Wahlen, mit Mehrheiten. Wer ist die Mehrheit? Bezogen auf das Internet ebend eher nicht netzaffinen Menschen (reine Demografie). Genau hier liegt das Problem sowohl der Demokratie als auch des Vorschlag von Daniel. Die in einer Demokratie gewählten “Volksvertreter” können keine grundlegende Änderung erzeugen. Weil Sie es ebend nicht riskieren wollen Ihre Machtbasis zu verlieren. Das macht Politiker in der Wahrnehmung absolut austauschbar da diese selten ein eigenes nicht populistisches Profil entwickeln. (Es gibt Ausnahmen!) Es kann gern jeder für sich überlegen welcher Politiker ihm derzeit für seine Überzeugungen bekannt ist, und diese auch korrekt/sinnvoll argumentieren kann. Politiker sind auch wenn Sie oft so tun als wäre es anders vom Wähler abhängig. Von daher ist viel sinnvoller am Wähler zu agieren statt am Politiker. Das wiederum macht uns allerdings selbst zu Politikern ob wir wollen oder nicht. Die Frage ist nun ob wir unsere Position auch so begreifen und Verantwortung übernehmen wollen konstruktiv zu gestalten. Allerdings nicht für die Anderen (Politiker der alten Schule) sondern für uns selbst.

      Wirre Gedanken zum Freitag. Da sind jetzt eigentlich 3 Themen verquickt aber ich kriegs grad nicht besser hin ;)

  • Daniel Bröckerhoff
    04.08.2011, 20:39 Uhr.

    Ich möchte an dieser Stelle kurz anmerken, dass dieser Artikel ohne die Inspiration und den Einfluss von Markus “videopunk” Hündgen nicht zustande gekommen wäre. Danke dafür!

    Zur Diskussion mehr, wenn meine Tochter im Bett ist ;-)

  • Daniel Bröckerhoff
    04.08.2011, 20:44 Uhr.

    Der Ausgangsblogpost von Markus war dieser: http://videopunks.de/die-sache-mit-dem-glaubenskrieg

  • rudi
    04.08.2011, 22:46 Uhr.

    Ist es nicht legitim nach über 25 Jahren ausserparlamentarischer Interessenvertretung, und 25 Jahre nach der Serrung von XS4All.nl ( http://netzpolitik.org/2011/bewegendes-mein-erster-rant-uberhaupt/ ) die Geduld zu mit großen Teilen des politischen Establishment zu verlieren ? In all diesen Jahren gab und gibt es reichlich Ansprechpartner, die geduldig die Technik und ihre möglichen sozialen und politischen Implikationen erklären. Ja es gibt wohl sogar in jeder im Bundestag vertretenen Partei “Netzversteher”. Allein: Sie werden ignoriert, wir werden ignoriert und wir sehen die Ignoranz von Kauder und Co.
    Ich werde niemanden davon abhalten die Geduld zu behalten und unermüdlich weiter zu erklären und sich auf die Zunge zu beissen. Ja meine Bewunderung ist den NGOs sicher.
    Mein Geduldsfaden ist aber gerissen, ich werde als Pirat die Sprache sprechen, die Kauder und Co verstehen: Wählerstimmen und Mandate.

  • Martin Emmerich
    04.08.2011, 23:14 Uhr.

    Wie ich schon in meinem Kommentar in Daniels Blog http://bit.ly/oGyrZb geschrieben habe:
    - Uhl ist am rechten Rand der CDU/CSU in der ersten politischen Liga
    - Uhl weiß genau, was er tut. Seit Jahrzehnten.

    Ausführlicher in Daniels Blog, s.o.

  • Jens Best
    05.08.2011, 00:12 Uhr.

    Lieber Daniel,

    Dein Aufruf freut mich. Seit einigen Monaten gibt es immer wieder einzelne Stimmen aus der Reihe der engagierten Netzbenutzer. Steter Tropfen höhlt den Stein, das gilt auch im digitalen Nerdistan.

    Ein Vorkommentator wies bereits auf die Vielfältigkeit der “Szene” hin. Vom unreflektiert libertären bis hin zum grün-boergoiseasen Besserweltler. Alles dabei, nur halt eben mit der digitalen Duftnote versehen.
    In einigen netzpolitischen Kernpunkten ist die Varianz in den Forderungen überschaubar und wenn ein medial machtvoller “Feind” auftaucht (vdL, Uhl, etc.), schliessen sich die Reihen und man schafft sogar Petitionen, Mahnwachen, große RL-Demos und was sonstnoch so dazu gehört.

    Und dann gibt es diejenigen, die sich wirklich den Ar*** aufreissen und komplexe inhaltliche Arbeit hinlegen, analysieren, Gegenpositionen formulieren. Wie bei so vielem online (und nicht nur dort) gilt eben die 90:9:1-Regel.

    Viele haben Schwerpunkte, mit denen sie Gas geben. Medienbildung/pädagogik/kompetenz die einen, Social Entrepreneurship die anderen z.B.. Und hin und wieder macht sich jemand auf, um mal zu versuchen, einen großen Bogen zu schlagen. Mal zu fragen, was das jetzt eigentlich wird mit dieser Informationsgesellschaft, was denn dieses Internet jetzt so evolutionär wichtig macht – nein, Moment, davon gibt es leider viel zu wenig aktuell.
    Solange es immer noch möglich ist, zu behaupten das Web wäre ja nur ein weiterer Kanal, ein weiteres Werkzeug – haben “wir” viel Grundlegenderes zu tun (neben unserer alltäglichen Arbeit) als nicht mehr wie frustrierte Clowns auf Uhlsche Propaganda zu reagieren.
    Im Grunde haben wir die dringliche Aufgabe, neben den all den teilweise unvermeidlichen Stellungskämpfen und der Abwehr des gröbsten Anti-Web-Schwachsinn, neben und eigentlich vor alle dem sollte die Frage stehen, was denn jetzt diese sogenannte digitale Gesellschaft wirklich ausmacht. Was ist die essentielle Weiterentwicklung? Wie kann es menschlich gerecht und innovativ zugehen, wenn die digitale Informationsebene von allen kulturell versganden wurde? Und vorallem: Welche nachhaltigen Aufgaben stehen an, um diesen Weg offen und transparent durchzuziehen?
    Ein bißchen weniger hirnlos pseudo-witzig Rumranten ist zwar angesagt, aber damit ist noch lange nichts vollbracht. Dann fängt die Arbeit erst an.

    Oder, ums kurz zu machen: Full ACK

    • Daniel Bröckerhoff
      05.08.2011, 11:10 Uhr.

      Danke. Gut gebrüllt, Jens.

  • R. Zbinden
    05.08.2011, 10:01 Uhr.

    Ich fasse dann mal zusammen;

    Die Politiker leben in einer ganz anderen Welt als der Rest der Bevölkerung;
    müssen ihre Daseins-Berechtigung mit eben solchen Äusserungen un dem Erlass von abstrusen Gesetzen nachweisen und belegen
    wollen die Kontrolle und ihren Sitz behalten und wieder gewählt werden
    es dringend eine Reform oder Revolution im politischen und demokratischen System braucht

    Habe ich etwas vergessen?

    A ja, wir sollten solche Politiker als Volksvertreter wählen, welche noch nicht zu alt und vom System abgeschliffen sind, Kontakt zur Basis, also Bevölkerung haben und für die Interessen der Bevölkerung, nicht aber für eigene Interessen (Lobbys) stehen

  • lothlean
    05.08.2011, 11:34 Uhr.

    “Du hast das “geht zum Lachen in den Keller”
    und “Rasen betreten verboten” vergessen.

    Ganz ehrlich? Bashing, Ranting und Flames gibt es wie die Pseudonyme und Handles solange wie es das Netz selbst gibt. Das mag für viele mit dem WEB 2.0 dazugekommene erschreckend sein.

    Klar ist manches geschmacklos oder einfach Comedy, aber das ist Satire manchmal auch. Es führt aber auch zu einem: Aufmerksamkeit.

    Ja, es wäre schön einen unlängst überfälligen, zivilisierten Diskurs über Netzpolitik auf Augenhöhe zu führen, aber dazu gehören aber immer zwei, bzw. in unserem Falle sogar drei – die Medien.

    Wahrscheinlich niemand außerhalb des Netzes hätte von #Zensursula, oder von #modegeworden gehört, wenn die klassischen Medien (dem Sprachrohr der nicht #iminternetgeboren:en) es nicht irgendwie bemerkt, aufgegriffen und für unsere Sicht Raum gegeben hätten.

    Insofern ist das Ranting scheinbar noch bitter notwendig, damit man überhaupt von uns Notiz nimmt. Und wenn es kreativer Protest ist, umso besser, da es zeigt, dass man sich hier mit einer dummen Aussage auseinandersetzen und sie karrikieren kann. (Mein jetziger Favorit: Einigkeit und Recht und Modeerscheinung).

    Ich stimme dir voll zu, dass das Engagieren außerhalb wichtig ist, obwohl ich das nicht auf die Politik beschränken würde. Ich schule die ältere Generation im Umgang mit neuen Medien und beim Thema Datenschutz und Privatsphäre im Netz kommen z.b. Fragen zur VDS schon von ganz alleine.

    • lothlean
      05.08.2011, 11:34 Uhr.

      zdf eure Ironietags funktionieren nicht ;-)

  • Rant zurück.
    05.08.2011, 11:54 Uhr.

    > Doch anstatt auf die Sturköpfe in Politik und Wirtschaft
    > zuzugehen, überschüttet die digitale Bohemia sie mit Hohn
    > und Spott.

    Bei Aktionen/Reden von Politikern mit dem Spotten anzufangen, ist richtig. Falsch hingegen ist es, damit jemals aufzuhören. Spott ist eine Form der Kommunikation, die die “Netzpeople” gewählt haben. Ja und?

    Und zu Politikern als Volksvertretern: Wie sollen blinde, taube und gefühllose Männer für andere sprechen können?

  • Unitarier
    08.08.2011, 06:02 Uhr.

    Ich glaube nicht, das der Herr Uhl wirklich ins Internet guckt. Der ist kein User. Wenn der auf die Netzgemeinde zugehen will, dann kannn er ja hier oder an anderen relevanten Stellen bloggen. Und schon hat er den Kontakt, der hier als nötig eingestuft wird. Da ist aber nichts. Warum wohl?

    • Rokko
      21.08.2011, 19:34 Uhr.

      Das war jetzt Sarkasmus, oder? :D

  • Karl Letis
    09.08.2011, 10:32 Uhr.

    Zunächst einmal finde ich das Bild mit dem Notausschalter an dem Kopf von Herrn Uhl unmöglich und geschmacklos.

    Das hätte ich eher in einer linksradikalen Zeitschrift vermutet, aber nicht beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Hier wird unnötig Benzin ins Feuer gegossen.
    Ich bin zwar kein besonderer Fan von Herrn Uhl, aber man sollte doch eine gewisse würdevollen Umgang wahren. Zumal es um eine sachliche Diskussion gehen sollte und nicht um Satire.

    Zm Thema:
    Das Internet ist von Charakter her „Grenzlos“ ausgelegt. Was bedeutet:

    - Informationen unterschiedlichster Art können Weltweit angeboten und abgerufen werden. Dazu gehören auch kriminelle Inhalte die in den unterschiedlichen Nutzerländern kulturell und per effektum juristisch unterschiedlich bewertet werden.

    - Das Internet spielt eine wirtschaftlich entscheidende Rolle. Das birgt die Gefahr von Terroranschlägen und Industriespionage

    - Das Internet ist für jedem zugänglich. Auch Kinder und Jugendliche, welche von der Gesellschaft einem besonderen Schutz unterliegen, können heutzutage meist ohne Begrenzung und Kontrolle alle Funktionen und Inhalte abrufen.

    - Das Internet ist überwiegend anonym. Wer etwas schreibt oder abruft ist zunächst mit seiner eigentlichen Identität nicht sichtbar. Das bedeutet, dass zum einen Gesetzesverstöße nicht, schwierig oder nur mit größeren Aufwand geahndet werden, was sich nur bei größeren Verstößen lohnt. Zum anderen fühlt sich der Internetbenutzer hinter einem

    - Die Internetnutzung wird von vielen Nutzern und selbst von Experten nicht in seiner vollen Tragweite für sich selber und für andere nicht erkannt. Dazu gehört die Speicherung von personenbezogenen Profilen von Unternehmen mit eine völig anderen Gesetzeslage, der psychologischen Wirkung bestimmter Inhalte,

    - Das Internet und der Umgang verändert sich sehr schnell. Was heute Sachlage ist, kann Morgen schon völlig anders aussehen.

    Alle mit der Zeit daraus entstandene gefährdende Details, wie Internetspionage, pornographiesierung der Gesellschaft und von Kindern und Jugendlichen, Urheberverletzungen, Informationsaustausch für terroristische Anschläge etc, werde ich nicht weiter darstellen. Die meisten Gefahren sind bekannt.

    Ich plädiere für folgende Maßnahmen, die inzwischennitwendig geworden sind. Das mag für jemanden der aus der „Gründerzeit“ des Internets Erfahrungen gesammelt hat, überzogen erscheinen. Aber man ist jetzt in einer andern Situation. Es werden immer mehr die Schattenseiten und die kriminellen Möglichleiten gesucht und gefunden.

    1. Jeder, der sich in das Internet einwählt, muss sich eindeutig authenifizieren. Dies geht am besten über den Provider mit dem Personalausweis. Das zukünftige Internetprotokoll v6 wird dabei hilfreich sein. Jugendliche und Kinder werden entsprechend ihres Alters beim Provider registriert.
    2. Das Internet in Deutschland wird vom Internet der übrigen Welt getrennt. Eine Verbindung wird über ein, oder mehreren Rechenzentren bewerkstelligt. Die Daten über diese Bridges werden gemäß der eigenen Gesetze gefiltert. Verschlüsselte oder vermeindlich verdecke Inhalte werden nur durchgeleitet, wenn Sie vom Staat zumindest potentiell eingesehen werden können und den gesetzlichen Bestimmungen unterliegen.
    3. Das „Intranet“ mit seinen Servern in Deutschland wird dann gemäß den gesetzlichen Bestimmungen durch die Polizei auf den hiesigen kulturellen und juristischen Standards gehalten.
    4. An dieser Stellen können auch massiver Atacken aus dem ausländischen Internet schnell bekämpft und blockiert werden.

    • Rokko
      21.08.2011, 19:35 Uhr.

      Das war jetzt Sarkasmus, oder? :D

      (sry, einmal falsch geantwortet^^)

  • Binderhannes
    11.08.2011, 09:50 Uhr.

    tl;dr gründet die Piratenpartei, oder was?

  • DownsStephanie
    22.12.2011, 12:49 Uhr.

    It is understandable that cash can make people disembarrass. But what to do when one has no money? The only one way is to get the loans and small business loan.

  • Felix
    31.01.2012, 11:00 Uhr.

    Wer ist eigentlich genau diese Netzgemeinde?
    Ab wann gehört man dazu?
    Wer gehört nicht dazu?
    Wer ist der Gemeindevorsteher?

    Frage über Fragen welche ich mir einfach nicht beantworten kann.. Vielleicht gibt es ja mal einen kleinen Artikel von einem Mitglied über die Netzgemeinde. Wäre hilfreich, danke!

  • Lindsey Burns
    31.01.2012, 18:08 Uhr.

    Dieser Beitrag erwies sich als sehr nützlich für mich sein. Ich habe ziemlich intensiv für Informationen wie diese aussah. Vielen Dank für die Aufrechterhaltung einer solchen höchst informative Website.

Kommentare geschlossen

Dieser Beitrag kann nicht länger kommentiert werden.