Kuba – Insel ohne Internet
Auf die Frage nach ihrer E-Mail-Adresse gab es einen Zettel mit einer etwas kryptischen Adresse und dem Hinweis, das wäre aber die eines Freundes ihres Mannes. Persönliche Dinge dann vielleicht besser per Brief – was natürlich auch nicht hieße, dass dann keiner mitliest. Willkommen im Kuba 50 Jahre nach der Machtübernahme der Revolutionäre Fidel und Che.
Ein Land mit nicht nur stagnierender, sondern kaum vorhandener Wirtschaft. Ein Land mit atemberaubender Natur und Städten, dessen Luft sich nach einer halben Stunde metallisch auf die Zunge legt. Ein Land, in das jährlich mehr als 2,5 Millionen Touristen aus aller Welt reisen und in dem nur drei Prozent der Einheimischen Zugang zum weltweiten Internet haben.
Luxusgut Netzzugang
Schon als Tourist ist es nicht einfach, mal seine Mails zu lesen oder sogar eine kleine Audiodatei von nur 1,5 Minuten zu verschicken. Nach 15 Minuten Upload teilte mir der Computer des mittelklassigen Hotels in Havanna mit, dass es verboten sei, so große Dateien zu verschicken. Der Preis für die Stunde voller Aufreger mit dem Computer in der Hotellobby: umgerechnet etwa fünf Euro.
Der hohe Preis ist Teil des Systems. Nicht nur zur Devisenbeschaffung über Touristen, sondern zur Kontrolle und Zensur der Bevölkerung. Denn Zugang zum Internet, Import- und Luxusgüter können nur in der Devisenwährung gekauft werden. Um dieses System zu verstehen, kommen wir an einer kleinen Rechnung nicht vorbei.
Der Trick mit der Währung
Die Devisenwährung Peso Convertible ist an den Dollar gekoppelt und ist rund das 25-fache des normalen Peso Cubano wert. Löhne werden in Pesos Cubanos ausgezahlt, die wenigen Grundnahrungsmittel in dieser Währung gehandelt oder über Lebensmittelkarten verteilt. Ein durchschnittliches Grundeinkommen beträgt um die 400 bis 500 Pesos Cubanos. Tauscht man diese in die Devisenwährung, dann bleiben 16 bis 20 Pesos Convertibles übrig – also rund zwei Stunden Internet im Monat im überwachten staatlichen ETECSA-Café und dazu ein kaltes Bier. Prost.
Das kubanische Regime filtert und kontrolliert durchaus auch technisch, aber durch die hohen Zugangskosten können sie sich Firewalls à la China sparen. Perfide und funktional.
Bloggen auf Kuba
Erstaunlicherweise gibt es trotzdem eine rege Bloggerszene, die sich auf dem Portal Desde Cuba versammelt. Die bekannteste unter ihnen ist Yoani Sánchez. Oft schon wurde sie für ihre mutige Berichterstattung und Überwindung der Zensur international ausgezeichnet. Das Time Magazine wählte sie 2008 sogar unter die 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres. Ihr Blog wird von Menschen weltweit gelesen, da er von Freiwilligen nicht nur ins Englische, sondern in mittlerweile 15 Sprachen übersetzt wird – auch ins Deutsche. Iris Wißmüller wurde vor einiger Zeit durch einen Artikel der Süddeutschen Zeitung auf das Blog aufmerksam. Dort wurden Übersetzer gesucht und heute organisiert sie schon ein eigenes, kleines Team für die deutsche Version. Und das nur, weil sie gerne literarische Texte übersetzt, Yoani politisch unterstützen möchte und weil sie sich immer wieder über das positive Feedback freut, wie sie mir in einer Mail schreibt.
Auf Kuba selbst ist das Blog schon seit 2008 nicht mehr zu erreichen.
Insel-Intranet statt Internet
Die Bloggerszene zeigt natürlich, dass ein privater Zugang zu E-Mail und Internet möglich ist, aber dieser ist noch weitaus teurer, muss offiziell angemeldet sein. Etwas einfacher ist ein privater Zugang zum kubanischen Intranet. Und dann? Dann kann man im gemütlichen Tempo eines Lastesels surfen und sich beispielweise auf der wikipediaähnlichen Seite EcuRed – der kubanischen Enzyklopädie im Netz – über den „Fortschritt“ der sozialistischen Revolution informieren. Das einzige, was auf dieser Seite nicht kritisch hinterfragt werden muss, ist wohl die Creative-Commons-Lizenz.
Mit dem kubanischen Alltag hat das Internet allerdings herzlich wenig zu tun, wie Yoani Sánchez notiert: „Obwohl wir schon das Jahr 2011 schreiben, konnten wir Bewohner des „Archipels Kuba“ bisher keine Fahrkarte für Bus oder Zug, geschweige denn einen Flug über das Internet kaufen. Wir wissen nicht, wie es ist, unser Bankkonto via Onlinebanking zu verwalten, und irgendetwas über den Bildschirm eines Computers zu kaufen, ist etwas, das wir nur aus ausländischen Filmen kennen.“
Man soll ja nie nie sagen, aber im Jahr 2011, 50 Jahre nach der Machtübernahme der Sozialisten, scheint so ziemlich alles auf Kuba wahrscheinlicher zu sein als eine Facebook-Revolution.
Ein Beitrag von Jochen Dreier
Webweit
In der neuen Hyperland-Serie “Webweit” nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch die Netzkulturen dieser Welt. Was bewegt Internetnutzer in anderen Ländern, welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Gesellschaft auf anderen Kontinenten – “Webweit” blickt ins Netz und in unser aller Zukunft.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
22 Kommentare | 31. Juli 2011 | 08:49 Uhr |
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Oh da kann ich Parallelen zu meinem Urlaub entdecken
http://www.netzartig.org/?p=6246
Es lebe der Turbokapitalismus. Es gibt in der Schweiz Leute die haben auch kein Internet, weil sie es sich nicht leisten können. Strompreiserhöhungen sorgen für Preiserhöhungen, das sind echte Probleme. Die haben die in Cuba nicht. Teilweise ist Strom dort umsonst, auch wenn der Bedarf nicht immer gedeckt ist. Wasser ist gratis, sowie das jedem dort ein Haus zusteht. Ganz so schlecht ist es dort auch wieder nicht.
Und es ist gut, dass “ER” Autobahnen gebaut hat, nicht wahr?
nun- du bist wirklich nicht gut informiert. alle bekommen eine stromrechnung, und die ist ebenfalls nicht billig, wenn das einkommen zwischen 15-20 dollars liegt. wasser hat es immer noch nicht hinreichend, nie alle haben eine dusche, waschen sich von kopf bis fuss. warmes muss widerum aufgewärmt werden. und die häuser werden nicht einfach zur verfügung gestellt, und nicht jeder kann zu jedem ziehen, auch nicht die stadt wechseln, also sind 1000 im eigenen land illegale, das kam schon im fernsehen in kuba, weil man nicht berechtigt ist, einfach in einer andern stadt was zu mieten. ich kenne kuba seit 14 jahren, davon lebte ich 3 jahre dort.
asta la vista und dann schon gar nicht mit unserem land zu vergleichen, vielen dank diese naivität möchte ich auch mal haben- du hast wohl wirklich zuwenig gesehen.
nun- du bist wirklich nicht gut informiert. alle bekommen eine stromrechnung, und die ist ebenfalls nicht billig, wenn das einkommen zwischen 15-20 dollars liegt. wasser hat es immer noch nicht hinreichend, nie alle haben eine dusche, waschen sich von kopf bis fuss. warmes muss widerum aufgewärmt werden. und die häuser werden nicht einfach zur verfügung gestellt, und nicht jeder kann zu jedem ziehen, auch nicht die stadt wechseln, also sind 1000 im eigenen land illegale, das kam schon im fernsehen in kuba, weil man nicht berechtigt ist, einfach in einer andern stadt was zu mieten. ich kenne kuba seit 14 jahren, davon lebte ich 3 jahre dort.
asta la vista und dann schon gar nicht mit unserem land zu vergleichen, vielen dank diese naivität möchte ich auch mal haben- du hast wohl wirklich zuwenig gesehen.
ICH MUSS DIESE SEITE VERLASSEN, DENN DA SCHREIBEN JA WIEDER SOLCHE BANAUSEN, DIE EINFACH GAR KEINE AHNUNG HABEN. MAN SOLLTE DEN MUND AUFTUN, WENN MAN IN EINEM JAHR 1-2 JAHRE MINDESTENS GEWOHNT HAT UND MIT FAMILIEN KONTAKT HATTE. ANSONSTEN AUCH WIEDER SO EINE VERDUMMTE SEITE, WO JA JEDER FÜDLIBÜRGER UND SPIESSER, ICH KANNS NICHT ANDERS SAGEN,EINFACH DEN MUND HALTEN SOLLTE.
Gut gesagt, aber was?, habe kein Wort verstanden.
Soll ich lachen oder mich in die Hose machen, Sie wissen über Kuba genauso viel wie eine Kuh vom Alt Chinesisch.Shalom.
Das ist nicht ganz korrekt. Strom kostet, und Wasser kostet auch, zwar minimal zu useren Strom- und Wasserpreisen aber Kubanische Verhältnisse ein nicht unachtlicher Betrag.
Es lebe der Turbokapitalismus. Es gibt in Deutschland Leute die haben auch kein Internet, weil sie es sich nicht leisten können. Strompreiserhöhungen sorgen für Preiserhöhungen, das sind echte Probleme. Die haben die in Cuba nicht. Teilweise ist Strom dort umsonst, auch wenn der Bedarf nicht immer gedeckt ist. Wasser ist gratis, sowie das jedem dort ein Haus zusteht. Ganz so schlecht ist es dort auch wieder nicht.
Die Wirtschaft Kubas leidet vor allem unter den USA! Wäre Kuba nicht ständig durch die wirtschaftlichen wie geheimdienstlichen Angriffe durch die USA bedroht, so sähe das dort wohl ganz anders aus. Was die USA machen ist Terrorismus auf ganz vielen Ebenen.
Und was bitte ist eine “Facebook-Revolution”? Habe ich da was verpasst? Nur weil es in unserer kapitalistischen Welt genug Vollhonks gibt, die ihre Daten anderen Firmen in anderen Ländern anvertrauen, sind wir doch nicht besser. Wer das glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann!
Frohe Weihnachten!
Facebook Revolution …. pffff
Es ist natürlich leicht, die schlechte Infrastruktur des Internets zu kritisieren, ohne die Fakten dabei zu nennen:
Bislang bekommt Kuba den einzigen Zugang zum weltweiten Internet über einen kanadischen Satelliten, dessen Datentransfer zudem extrem teuer ist. Dabei steht Kuba eine Transferleistung von gerade mal 125 MBit/s im Download zur Verfügung. Man kann sich selber vorstellen, wieviel davon übrig bliebe, wenn ich diesen Zugang auf 1 Million Anschlüsse verteilen würde. Wir in Deutschland können leicht reden. Schon 3 User verbrauchen hier diese Kapazität (vorausgesetzt sie haben VDSL 50).
Es sei außerdem zu bedenken, dass eine Glasfaserleitung der USA nur wenige Kilometer vor der kubanischen Küste verlaufen. Die USA denken aber dank ihres Embargos nicht im Traum daran, Kuba an diese Leitung anzuschließen. Statt dessen wurde im Februar ein Glasfaserkabel von Venezuela nach Kuba verlegt, das die Transferkapazitäten deutlich erhöhen wird. Durch diesen Anschluss soll auch die Möglichkeit geschaffen werden, privat einen Internetanschluss zu bekommen.
Zum Thema Yoani Sanchez:
Bereits mehrere unabhängige ausländische Journalisten haben nachgewiesen, dass ihre Geschichten zum Teil gelogen oder völlig übertrieben waren. Ihre Artikel müssen ja auch möglichst dramatisch und provozierend sein, immerhin wird Yoani Sanchez von großen Medien im Ausland für die negativen Berichte bezahlt, um trotz anlaufender Witschaftsreformen Kuba weiterhin in einem schlechten Licht stehen zu lassen.
Mich würde in diesem Zusammenhang mal interessieren, wie Yoani Sanchez sich im Portal “Desde Cuba” mit anderen Bloogern trifft, wenn diese Seite seit 2008 in Kuba nicht mehr erreichbar sein soll.
Zum Thema, dass man sich in Kuba nicht mal eine Fahrkarte oder ein Flugticket übers Internet kaufen kann sollte man sich die Frage stellen, wie viele Leute dies denn nutzen würden. Abgesehen davon werden die Tickets dort bar bezahlt, d.h. man muss sowieso direkt zur Reisegesellschaft. Wozu dann übers Internet kaufen.
Zudem ist, wie wir alle wissen, der Bankverkehr mit Kuba für ausländische Banken dank des Embargos verboten. Wie sollte man denn dann über das Internet bezahlen?
Es ist leicht, negativ über Kuba zu schreiben, wenn bestimmte Fakten einfach außer Acht gelassen werden.
Ganz klar liegt Kuba was die neue Web-technologie anbelangt hinten dran. Aber selbst das Anbinden an das Glasfasernetzwerk durch die USA würde kaum die Lebensituation der Einwohner verbessern.
Hier wird ganz außer acht gelassen, dass für mich gefühlt 90% der Einwohner weder Zugang zum Internet noch die Mittel dazu hätten. Kuba ist ein Land in dem die Bauern ihre Avocado und Papaya im Schubkarren / Fahrrad in der Stadt verkaufen, viele Menschen die öffentlichen und frei zugänglichen Kultureinrichtungen wie Theater als Highlight nutzen und das halbe Schwein nach der Schlachtung ohne Abdeckung von A nach B gefahren wird, ohne Kühlung auf einem Holzbrett bei 38 Grad verkauft wird.
Das mag man in Havana nicht erleben, aber Kuba besteht nicht aus der Stadt Havana!
Wenn man über Kuba spricht, sollte man meiner Meinung nach sich bewusst sein, dass es in diesem Land an ganz elementareren Dingen mangelt wie an der Informationstechnologie. Scheinbar führt das Land jährlich auch nur 50% des Bedarfs an Konsumgüter ein, aus verschiedenen Gründen die ich nicht genauer kenne, sowas spricht für sich.
Als Dritte Welt Land geht es den Kubanern relativ gut.
Arztkosten sind auch umsonst.
Das mit dem zustehenden Haus für jeden glaube ich nicht.
Was will man eigentlich beim Thema Cuba? Amerikanischen Einfluss: Dann ist die wirtschaftliche, die soziale und die politische Lage schnellstens wie in vergleichbaren Ländern: Mexiko, Kolumbien oder Zentralafrika: Keine Bildung mehr, keine Gesundheit, tagtägliche Gewalt und dafür optimale Ausbeutung der Rohstoffe und der wissenschaftlichen Leistungen Cubas. Oder glaubt jemand, dass unsere Standards einfach so umgesetzt werden könnten?
Und zudem: Dem normalen Cubaner, der normalen Cubanerin fehlt das Handy und der Internetzugang nicht wirklich, vielleicht einigen Freaks in Havanna und vor allem den Cubanern in Miami!
Ist ja alles schön was da über Kuba geschrieben wird. Aber wenn ein Land alle grundlegenden Menschrechte mißachtet, hat das System des Landes und vor allem dessen Regierung jede rechtfertigung verloren.
Hast du schon mal die Artikel Menschenrechtserklärung gelesen? Scheinbar nicht! Es gibt kein Land auf der Erde, dass alle Artikel der Menschenrechte umsetzt. Keins!
Der Preis ist tatsächlich gewöhnungsbedürftig, aber in einer Stunde kann man seine Mails checken und beantworten. Schlimmer finde ich eigentlich, dass die Einheimischen nur einen zensierten Internetzugang bekommen und internationale Printmedien nicht existieren. Ein wenig mehr Mut und Vertrauen würde der kubanischen Regierung gut zu Gesicht stehen. Viele Kubaner sind gebildet und würden nicht direkt die Regierung stürzen oder das Land verlassen. Daher tut es mir vor allem für die Einheimischen Leid.
Als Tourist war es dagegen auch mal sehr gesund die Natur und die kubanische Kultur zu geniessen. Wenn man sich mal vorstellt, wie lange wir mittlerweile im Internet verbringen oder fernsehen. Ich bin großer Fan von Kuba und kann nur jedem Raten Kuba zu bereisen, auch ohne Internetzugang.
Um Eines beneide ich die Kubaner ja: Diese Kommentare entgehen ihnen glücklicherweise. (Bis auf den mit den Autobahnen. Der ist gut!)
Das was ich hier zu lesen bekomme ist teilweise dumm dahergeredet. Ich habe mich längere Zeit auf Kuba aufgehalten und konnte den Alltag in Havanna erleben, da ich dort entfernte Verwandtschaft habe. Da ich gut Spanisch spreche konnte ich auch ohne Problem mit den Einheimischen sprechen.
Ein Großteil der schlechten Wirtschaftslage kommt daher, dass niemand daran interessiert etwas voranzubringen. Alles ist sozialistisches Eigentum und keiner hat etwas davon wenn er mehr macht. So schlumpert alles dahin. Die Kubaner haben mir mehrmals gesagt, dass es besser sein könnte wenn die faulen Kubaner wenigstens vor ihrer eigenen Haustür kehren. Ich sah wie aus einem Haus im obersten Stock ein 30cm dicker Baum wuchs. Den hat niemand entfernt. Die Leute warten regelrecht darauf dass das Haus zusammenfällt. Ja, es gibt in Kuba ein Recht auf Wohnraum. Das mit dem Haus vergessen wir mal lieber. Das Recht auf Wohnraum bedeutet aber dass man irgendwas bekommt. Das kann auch das letzte Loch sein, nass, mit Schimmel an den Wänden. Wo und wann man was bekommt steht in den Sternen. Meine Spanischlehrerin dort besitzt ein kleines Häuschen. Das wurde Ihrem Vater vor 50 Jahren von der Regierung geschenkt, da der Vater bei der Revolution mitgekämpft hat. Nun ist das Haus total kaputt. Die Frau sagte mir: Schau mal wie sie mich leben lassen! Da sie Touristen unterrichtet hat sie gelegentlich gute Einnahmen. Die wurde aber nicht für die Renovierung des Hauses verwendet. Nein, das musste ein richtig teurer Fernseher von Sony sein. Die Flasche Rum für den Herrn des Hauses durfte auch nicht fehlen. Einfach gesagt: Die Prioritäten sind etwas anders als in Deutschland.
Einige Sachen sind natürlich positiv. Kuba hat freie Bildung und kostenloses Gesundheitswesen. Dass es in den Krankenhäusern an allem fehlt brauche ich wohl nicht extra zu erläutern. Die beschriebenen Sachen mit dem Internet stimmen soweit. Meines Wissens haben nur 2% der Kubater Internetzugang. Da gehören aber alle Hotels und Firmen dazu. Einen privaten Zugang mit 56kBaud muss man mit Peso convertible bezahlen, wenn man ihn überhaupt genehmigt bekommt. Das gleiche gilt für ein Mobiltelefon. Der normale Bürger hat praktisch nichts außer den Glauben an Morgen.
Ich könnte hier ganze Romane schreiben, dazu reicht aber die Zeit nicht.
Ich kann jedem der sich hier über Kuba auslässt ohne die Realität zu kennen empfehlen, Fahrt hin, sprecht mit den Leuten (nicht die offiziellen aus dem Hotel) macht euch selbst ein Bild. Es sieht dort ganz düster aus. Und ich spreche von den Erfahrungen aus Havanna. Auf dem Lande ist es schlimmer.
Auch da fällt mir noch ein: Wasser gibt es in Havanne nur jeden 2. Tag, da die Versorgung nicht ausreicht. Wasser wird pauschal nach Personen bezahlt. Wasserzähler gibt es nicht. Zum Wassersparen fehlt jeder Anreiz. Von den vielen kaputten Wasserleitungen ganz zu schweigen. Dort fließt auch ‘ne Menge Wasser in die Erde. Für Strom gibt es Zähler. Strom ist relativ günstig. Den kann jeder bezahlen. Ein Telefon hat auch fast jeder, ist auch relativ günstig. Das Netz wurde ausgebaut und funktioniert einigermaßen. Im Vergleich zum Verdienst ist aber alles deutlich teurer als hier in Deutschland. Hießige Maßstäbe kann man nicht anlegen. Nahrungsmittel bekommt man entweder in den staatlichen Lebenmittelläden auf Lebensmittelkarte, natürlich muss man bezahlen, oder gegen den harten Peso in einem ‘Intershop’-Laden. Die Menge die man auf Lebensmittelkarte bekommt ist viel zu wenig um über den Monat zu kommen. Dann muss man sich noch was auf den Bauernmärkten viel zu teuer dazukaufen, wer es sich leisten kann.
Das monatliche Einkommen beträgt ca. 20 Euro. Einige die in der Touristenbranche arbeiten haben deutlich mehr. Das ist aber die Ausnahme. Als leitender Angestellter, z.B. Abteilungsleiter oder Betriebsdirektor kommt man auch schon mal auf 50 Euro. Das reicht dann gerade so um rumzukommen. Für ein privates Auto reicht das überhaupt nicht. Ich habe einen einzigen Mann kennengelernt der ein Auto, einen alten Trabant, hatte. Der konnte das nur halten, weil er gegen gutes Geld Touristen das Tanzen beibrachte. Benzin gibt es nur mit Bezugschein für Dienstwagen. Privat muss man den guten Peso convertible ausgeben. Der Liter liegt so bei 1,30Euro.
Also wie schon beschrieben: Fahrt mal hin und schaut Euch das an, bevor man mitredet.
Sollte es in einer Globalisierten Welt nicht möglich sein das mein Smartphone überall zu einem fairen Preis funktioniert?
Schon interessant das auch im Jahr 2011 noch solche Verhältnisse in Kuba herrschen. Ich bin gespannt, ob sich die Situation nach Fidels Abdanken verändern wird…